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Über diesen Club

Hier wachsen meine literarischen und sonstigen künstlerischen Geschöpfe auf, die ihren Weg nicht ins Forum gefunden haben, umgeben von dionysischen und apollinischen Fundstücken aus den Weiten der Netze des Dionysos und freuen sich über jeden Besucher. D.v.E.
  1. Was gibt es Neues in diesem Club?
  2. Sie hatten Tom Bradley III. auf „Old Sparkey“ festgeschnallt, wie sie schon fünfundzwanzig andere zum Tode verurteilte Schwarze dieses Jahr festgeschnallt hatten: Professionell, ruhig, mit gerade so viel Kraftaufwand wie nötig war, um die verzweifelten, zum Tode verurteilen Schwerstkriminellen in Position zu halten, bis die nassen Lederriemen gegriffen hatten und ein Entkommen unmöglich geworden war. Während sie seine Handgelenke auf das alte Holz fixierten, lief sein Leben noch einmal vor seinem geistigen Auge ab: Schule in San Antonio, dann Archäologiestudium in Austin und später Ausgrabungsleiter eines Dinosaurierfundortes in der Nähe von Dallas; währenddessen ein erfülltes Leben: viel Liebe, viel Sport, viel gutes Essen. Das änderte sich schlagartig an jenem schwülen Tag im Juli, als man Bradleys Assistentin Nicole Kleidermann mit eingeschlagenem Schädel auf der Grabungsstelle fand. Ihre Blutspuren auf seiner Kleidung, seine DNA zwischen ihren Schenkeln und die Tatsache, dass sie die beiden einzigen gewesen waren, die an diesem Tag auf der Grabung gearbeitet hatten, reichten, um ihn des heimtückischen Mordes zu überführen. Bradley war als Grabungsleiter dafür verantwortlich gewesen, dass die einflussreichen Farmer dieses Land, ihr Land, nicht nutzen konnte, weil er hier "in der Erde grub". Außerdem war er schwarz und sie mochten keine Schwarzen hier unten in Jason County. Bradley hatte Morddrohungen bekommen, war beschimpft worden. Man hatte die Reifen seines Trucks zerstochen, ihm tote Tiere auf die Ladefläche gelegt. Das alles hatte ihn nicht abgeschreckt. In seiner Familie war man stolz auf den langen, beschwerlichen Weg aus der Sklaverei in die Mittelschicht und man hatte gelernt, zu kämpfen, sich zur Wehr zu setzen, sich nicht unterkriegen zu lassen. „Ich lasse mich nicht unterkriegen! Ich bin unschuldig!“ hatte Bradley zu seinem Anwalt gesagt, der ihn verständnisvoll anlächelte: „Ja natürlich Mr. Bradley. Natürlich sind sie unschuldig. Die Fakten sprechen nur bedauerlicherweise gegen sie. Lassen sie uns einen Deal mit der Anklage machen. Gestehen sie und wir versuchen, die Todesstrafe abzuwenden“. „Niemals! Ich werde nie etwas gestehen, was ich nicht begangen habe“. „Dann wird man sie hinrichten, Mr. Bradley“ „Aber die Entlastungstatsachen. Die haben Sie doch vorgetragen ? Dem muss doch einer nachgehen ? Wieso sollte ich Nicole töten ? Ich habe sie geliebt!“ „Eben“, sagte der Anwalt und hob den Stift: „Genau deswegen. Sie haben eine Affäre mit einer verheirateten Frau begonnen, deren Mann selber bei der Polizei arbeitet. Glauben sie allen Ernstes, man kauft ihnen diese -ich habe sie geliebt- Geschichte ab ? Die werden der Geschichte der Anklage folgen, dass nämlich Nicole sie verlassen wollte und sie sie dann hinterrücks mit dem Stein erschlagen haben. Vorher haben sie sie natürlich noch vergewaltigt. Man hat überall Kratzspuren auf ihrem Rücken gefunden, Tom!“ „Wir haben uns dort geliebt!“ protestierte Bradley: „Wir sind übereinander hergefallen. Es war Leidenschaft! Ja, wir haben uns auch manchmal gestritten aber wir haben uns genauso so leidenschaftlich, wie wir uns streiten konnten auch geliebt. Das müssen sie mir glauben!“ „Ich glaube ihnen natürlich, Tom. Aber leider wird ihnen die Story sonst keiner abnehmen. Jetzt mal ehrlich Tom. Haben sie das schmerzverzerrte Gesicht der Toten gesehen ? So schaut keiner, der gerade leidenschaftlichen Sex hatte! So schaut nur einer, der Todesangst hatte! Machen sie den Deal. Das ist das beste, das ich für sie rausholen kann aus dem Fall. Denken sie nur an das Tagebuch der Toten. Da schreibt sie doch sogar selbst, dass sie oft Streit gehabt hätten und sie Angst vor ihnen hatte“. „Das hat sie nie geschrieben! Das ist doch gefälscht. Es ist alles eine Intrige. Sie hatte Angst vor ihrem Mann, weil der sie geschlagen hat. Wieso sollte sie sich alleine mit mir auf die Ausgrabung begeben, wenn sie Angst vor mir gehabt hat ? Niemand hat sie dazu gezwungen. Da versucht mir einer was anzuhängen, sehen sie das denn nicht.“ Der Anwalt lächelt milde und klappte die Akten zu: „Wie sie wünschen. Dann stellen wir uns dem Prozess. Aber sagen sie nicht, ich hätte sie nicht gewarnt." Nachdem sämtliche Indizien gegen Bradley sprachen und Zeugen ausgesagt hatten, dass die beiden tatsächlich in der Vergangenheit auch häufiger Streit auf der Grabungsstelle gehabt hatten, lautete das Urteil am Ende der Verhandlung auf Todesstrafe, auszuführen durch den elektrischen Stuhl. Die Berufung dagegen war erfolglos gewesen, ebenso das Gnadengesuch beim Gouverneur. Nun also war der Tag der Wahrheit gekommen. Bradley hatte sich sein Lieblingsessen kommen lassen: Hähnchenbrustfilet mit Pommes und Vanilleeis mit heißen Kirschen zum Nachtisch. Der lange Weg aus dem Todestrakt zur Hinrichtung war ihm wie ein Traum erschienen. Die Stimmen drangen nur wie durch Watte gedämpft zu ihm hindurch. Die Schritte, das Öffnen der Gitter, alles lief ab wie in Zeitlupe, als würde all das nicht wirklich passieren. Dann schnitten die nassen Lederbänder in seine Handgelenke und er stöhnte vor Schmerzen auf. Der Schmerz war wirklich. Der Geruch von nassem Leder und Desinfektionsmittel war wirklich. Sie begannen, seine Haare zu rasieren, legten ihm den feuchten Schwamm auf den Kopf, schnallten die Haube fest. Sie befestigten sorgsam die Elektroden an seinen Knöcheln und an seinen Handgelenken. „Sie haben die Möglichkeit, ihre Sünden vor Gott nun zu bekennen und letzte Worte an diese Welt zu richten“, säuselte der Pfarrer. Noch einmal öffnete Bradley die Augen und sprach mit fester Stimme: „Ich bin unschuldig!“ Dann stülpten sie ihm die schwarze Kapuze über den Kopf, damit später, wenn der Strom durch ihn hindurchflösse und seine Augen aus den Höhlen springen würden, die ganze Sauerei nicht die Zuschauer in Ekel und Schrecken versetzen würde, die jetzt gerade gebannt und wie in Trance auf den hageren schwarzen Mann blickten. Dann trat der Seargent an ihn heran und sprach die üblichen Worte: „Thomas Bradley III. Die Geschworenen haben sie zum Tode durch den elektrischen Stuhl verurteilt. Um 12 Uhr, in sieben Minuten, wird durch diese Kabel, die an ihren Beinen, Armen und ihrem Kopf angeschlossen sind, Strom durch ihren Körper geleitet. Der Strom wird ihr Herz zum Stillstand bringen und sie innerlich verbrennen. Je mehr sie sich verkrampfen und versuchen, zu wehren, umso schlimmer werden die Schmerzen sein. Ich rate ihnen ganz entspannt zu bleiben. Dann haben sie es in fünf Minuten geschafft. Gott sei ihrer Seele gnädig“. Jahrelang hatte sich Bradley im Todestrakt auf diesen Moment vorbereitet. Nachdem klar war, dass alle seine Gnadengesuche abgelehnt werden würden, hatte er sich schließlich mit dem Unausweichlichen angefreundet. Natürlich hatte er damit gerechnet, dass hier, auf dem Stuhl, während das Wasser von seinen Schläfen tropfte, sein Leben noch einmal an ihm vorbeilaufen würde, doch nichts dergleichen geschah. Er saß einfach nur dort, die Augen geschlossen, der ganze Körper verkrampft in Erwartung fürchterlicher Todessschmerzen und in seinem Geist war Schwärze und Stille. So vergingen die Minuten. Er hatte gelesen, dass Meschen in Todesangst alles von sich lassen würden; Urin, Stuhl. Dass man nichts dagegen machen könne, der Körper sich wie durch ein Naturgesetz vor der letzten Reise noch einmal entleeren wolle, doch auch das geschah nicht. Bradley saß einfach nur dort in der Kapuzendunkelheit, schmeckte das Wasser, das Eisen im Wasser, roch die Nässe der Leinenkapuze, biß die Zähne zusammen und wartete auf das helle Licht. Doch gerade in dem Moment, in dem der Henker den Schalter umlegte, wurde es dunkel. „Verdammt was ist das jetzt ?“ Sagte eine der Wachen. „Ein Stromausfall“ meinte eine andere: „Bestimmt ist die Sicherung herausgesprungen“. Er schaltete die Sprechanlage ein, um das Publikum zu beruhigen und zu informieren. Manche Bereiche des Sicherheitstraktes liefen auf Notstrom, so dass die Kommunikation gesichert war, doch bevor er sprechen konnte drang eine seltsame Melodie aus den Lautsprechern. Eine Melodie fast wie der Gesang von Wellen nur viel intensiver und während in Bradleys Welt das Licht voller Gleichgültigkeit einfach weiter brannte, verlosch es in der Welt der anderen für immer, denn Sally hatte von ihnen Besitz ergriffen.
  3. ♠️ An den Türen heult der Wind zieht ein Flüstern aus den Nüstern - ruft das Kind Liebste Mutter Hörst du nicht Was der bleiche Herr So leise zu mir spricht Hinter deinen Augen türmt die gleiche schwarze Gischt die zürnt dem Tag Du bist ein Kind der Nacht Wie du schaust so tief und schwer so schaut kein Mensch, so schaut kein Tier Für wen bist du gemacht Wenn nicht für die Nacht
  4. Schau mal die Bäume im Garten schauen doch ganz still wie Du wenn Du traurig bist Und auf der alten Bank im Park liegt ein betrunkener Mann wie ein Ton in einem Song ohne Happy End Ich habe nichts in meinen Taschen außer ein Lachen einen Spielzeugdrachen und eine Nummer von Dir
  5. Das ist okay Jede Rose hat Dornen Und auch der tiefste Schnee schmilzt in der Sonne Du sagst Lächeln ist albern, albern wie Sonnenschein Albern wie "Ich liebe dich" und das sei auch nie ernst gemeint Schwarz sei dein Herz Schwarz soll dein Ritter sein Schwarz, schwarz ist der Schmerz Der Schmerz ist dein Sonnenschein
  6. Wunderschön melancholisch wie die Harmonien, absolut authentisch. Ich liebe Deine Musik, Dio. VLG Peter
  7. Mein Turm der ist aus Gold gebaut nur die Fenster sind aus Stein viel zu lange habe ich geglaubt das Leben muss so sein Verstohlenes Lachen ohne Klang zerissen zwischen Worten und Gesang Küsse voller Sehnsucht und Scham stille Tränen bei Sonnenuntergang mit 18 bin ich frei Und alle Wege im Schloss sind keine Lösung mehr sind nur noch Einbahnstraßen, kalt und leer Die Bäume im Park lachen schwer und ich ich wünsche mir so sehr daß ich endlich 18 wär Komposition + Gesang DvE Wein Traminer, Pfaffmann Walsheimer Silberberg 2015
  8. Was für eine schöne Liebeserklärung an das Leben. Hat mich sofort berührt und gehört nun zu meinen Lieblingsliedern. Herzlichen Dank, dass du das teilst. VLG Peter
  9.  

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