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Ein Kleinstadtgeschehen


Widharcal

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Na dann poste ich hier auch mal meine erste Kurzgeschichte, uuund Action :

 

 

Ein Kleinstadtgeschehen

 

 

Der Regen prasselt im Takt der Musik, die aus den Ohrstöpseln meines MP3-Players dröhnt, gegen das Fenster der Straßenbahn.

Ich schaue hinaus. Bauarbeiter räumen ihr Werkzeug zusammen, das verstreut auf der Baustelle, die neben den Schienen verläuft, liegt.

Die Bahn holpert kurz, dann geht es fließend weiter durch die regennassen Straßen.

Ich schalte meinen MP3-Player aus, dieses Lied habe ich schon oft genug gehört. Ich stecke ihn in eine Tasche meiner Regenjacke.

Gelangweilt und ungeduldig tippe ich mit meinen Fingern auf dem Päckchen das auf meinen Oberschenkeln liegt und lasse meinen Blick durch die Bahn schweifen, um zu sehen wer jetzt noch unterwegs ist. Ich sehe mir gerne andere Menschen an und überlege, was sie wohl gerade denken mögen. Im Neonlicht der Straßenbahn sehen sie wie leblose Puppen aus, die regungslos auf unbequemen Sitzen mit blauen Bezügen darauf warten, dass ihre Haltestelle angesagt wird. Im hinteren Teil der Bahn sitzen zwei kleine Mädchen und ein Mann mit hochrotem Kopf. Er schimpft. Warum nur? Zwei Sitze von mir entfernt sitzen zwei Schwarze. Sie unterhalten sich laut in ihrer Muttersprache. Was sie wohl sagen?

 

Meine Gedanken werden unterbrochen von der Ansage, die undeutlich aus dem Lautsprecher tönt: „Endstation“ - endlich da.

Ich erhebe mich von meinem Sitz, klemme mir das Päckchen unter den Arm und schlendere zur nächsten Tür. Neben mir erscheint der Mann mit den zwei Mädchen, sie weinen.

Die Bahn fährt um die letzte Kurve, macht dabei merkwürdige Geräusche. Nun kann ich die Haltestelle sehen. Eine alte Frau mit Krückstock steht dort, tritt einen Schritt zurück, als die Bahn mit quietschenden Bremsen vor ihr hält.

Ich drücke den Knopf um die Tür zu öffnen, mehrmals. Sie brauchen immer ein bisschen länger.

Schließlich können sie sich aufraffen mir den Weg freizumachen, ich stolpere auf den nassen Gehweg. Ein Regenschwall begrüßt mich. Ich schnüre meine Jacke enger, damit sich auch ja kein Tropfen oder Windhauch in meinen Kragen verirren kann um mir einen Schauer über den Rücken zu jagen. Im Schutze des Unterstandes, an dem auf einer Seite die Scheibe eingeschlagen ist, setze ich mich auf eine kalte Metallbank, verstecke das Päckchen unter meiner Jacke. Ich schaue auf den Boden. Die Glasscherben reflektieren das Licht einer Laterne, die immer wieder an und aus geht.

Mit einem pfeifenden Geräusch fährt die Bahn ab. Ein Mann der weiter vorne ausgestiegen ist läuft an mir vorbei und schnippt einen Zigarettenstummel in eine Pfütze. Fast apathisch betrachte ich den Rauch der davon aufsteigt und sich schnell verflüchtigt.

 

Ich schaue auf die Uhr, ich warte schon seit einer halben Stunde. Ich gehe zum Fahrbahnrand und starre die Straße bis zum Ende hinunter. Kurz flammt ein Hoffnungsfunke in mir auf, als ich die Scheinwerfer eines Autos aufblitzen sehe, doch es biegt ab und die Hoffnung verweht so schnell wie der Rauch der Zigarette in der Pfütze.

Wieder schaue ich auf die Uhr. Ich warte wohl vergebens. Ich nehme das Päckchen, halte es zwischen meinen Händen.

Die drei Wörter die ich säuberlich mit roter Farbe darauf geschrieben habe verwischen langsam. Ich hätte wohl besser einen wasserfesten Stift nehmen sollen. Doch was hätte das geändert?

Meine Arme fallen zu meinen Seiten herunter, ich lasse das Päckchen in einer Hand baumeln und gehe enttäuscht die Straße entlang.

Es regnet immer noch und ich muss zu Fuß nach hause, denn das war die letzte Bahn. Über mein Gesicht rollen kleine Wassertropfen, doch es ist kein Regen.

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