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„Dunkel wird einst alle Ahnung“


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„Dunkel wird einst alle Ahnung“

 

Der Alte spricht nur noch von längst vergangnen Träumen.

Er sieht in sich hinein. Er schaut nicht mehr voraus.

Er fühlt sich fremd in diesem großen neuen Haus

Und sucht sich selbst in fast vergessnen frühen Räumen.

 

Es ist kaum fünf, er zieht sich an und geht hinaus;

Er folgt den Spuren, die nur seine Blicke säumen,

Vorbei an Häusern, Kreuzungen und hohen Bäumen:

Er strebt zu sich zurück und findet nicht nach Haus.

 

Im alten Bahnhof sitzt er, knetet seine Hände

Und schlägt sie plötzlich hart und fest auf sein Gesicht.

Er quält sich, wo er ist, sein Anfang hat kein Ende,

 

Auch seinen eignen Namen weiß und kennt er nicht.

Er weint und schluchzt. Er fleht, dass man ihm Heimat sende.

Das Dunkel in ihm selbst verwehrt ihm jede Sicht.

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  • 4 Wochen später...
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Lieber Walther, nun komme ich endlich mal dazu, Dir etwas zu diesem Gedicht zu schreiben.

Ich habe es schon gelesen als Du es hier eingestellt hattest und seitdem bin ich einige Male zurückgekommen, um es wieder zu lesen.

Aus meiner Sicht ist es eines der besten Gedichte die Du gemacht hast und auch eines der gelungensten auf dieser Plattform, seit langem.

Das hat so viel Gefühl, wunderbare Bilder und Doppeldeutigkeiten, ich finde es einfach nur richtig gut. Darüber hinaus gefällt mir auch die Form sehr.

Und es ist ein Thema womit nicht wenige konfrontiert werden, vor allem als Angehörige.

Dieses Suchen nach sich selbst, dass Verschlungene, der eigene Geist als Haus bzw. als Stadt mit einem Bahnhof aus der es keinen Ausweg gibt.

Mich hat das sehr berührt und bei aller Trauer schwelge ich doch irgendwie gern in diesen Bildern voller Sehnsucht und Mitgefühl.

 

Vielen Dank für dieses Werk und ich hoffe nun werden auch noch einige andere Leser darauf aufmerksam.

LG Yue

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Lieber Walther, nun komme ich endlich mal dazu, Dir etwas zu diesem Gedicht zu schreiben.

Ich habe es schon gelesen als Du es hier eingestellt hattest und seitdem bin ich einige Male zurückgekommen, um es wieder zu lesen.

Aus meiner Sicht ist es eines der besten Gedichte die Du gemacht hast und auch eines der gelungensten auf dieser Plattform, seit langem.

Das hat so viel Gefühl, wunderbare Bilder und Doppeldeutigkeiten, ich finde es einfach nur richtig gut. Darüber hinaus gefällt mir auch die Form sehr.

Und es ist ein Thema womit nicht wenige konfrontiert werden, vor allem als Angehörige.

Dieses Suchen nach sich selbst, dass Verschlungene, der eigene Geist als Haus bzw. als Stadt mit einem Bahnhof aus der es keinen Ausweg gibt.

Mich hat das sehr berührt und bei aller Trauer schwelge ich doch irgendwie gern in diesen Bildern voller Sehnsucht und Mitgefühl.

 

Vielen Dank für dieses Werk und ich hoffe nun werden auch noch einige andere Leser darauf aufmerksam.

LG Yue

lb Sushan,

danke für deine wunderbaren worte. man soll als dichter nie abheben. also werfe ich jetzt vorsichtshalber einen anker.

am besten wird poesie wohl, wenn man erlebtes transzendiert, also des allzu persönlichen entkleidet, ohne dabei dei emotionale bindung zu verlieren. es mag sein, daß mein sonett das schafft. wenn ja, war es richtig, es zu schreiben und zu veröffentlichen.

lg W.

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Ich schließe mich mal JuJu an, denn mir hat es auch sehr gefallen.

Gefangen im eigenen Körper und Geist, ohne eine Karte seiner selbst.

Nun weiß ich nichts darüber wie es ist dement zu sein, aber dieses Gefühl kann ich durchaus nachvollziehen.

Wir haben uns ein bisschen belesen und bei Demenz scheint es die schlimmste Zeit zu sein, wo diese Wirren noch von klaren Momenten durchsetzt sind.

Am Ende wird alles von Dunkelheit verschlungen, vielleicht ist es ein Segen... wenigstes für die Betroffenen selbst.

Für die Familie bleibt der Schmerz. Man könnte fast sagen es ist ein nicht enden wollenden Abschied in Endlosschleife.

Das ist ganz furchtbar. Aber die Natur ist eben grausam und immer noch viel mächtiger als der Mensch selbst.

Egal ob arm oder reich. Wenigstens in dieser Beziehung herrscht Gerechtigkeit.

 

Ganz tolles Gedicht!

Leni

 

P.S. Zuletzt hatten wir nämlich True Detetive Season 3 gesehen und dort wurde es auch thematisiert.

Deswegen passte das hier auch so schön, wo wir uns sowieso damit auseinandergesetzt hatten.

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Ich schließe mich mal JuJu an, denn mir hat es auch sehr gefallen.

Gefangen im eigenen Körper und Geist, ohne eine Karte seiner selbst.

Nun weiß ich nichts darüber wie es ist dement zu sein, aber dieses Gefühl kann ich durchaus nachvollziehen.

Wir haben uns ein bisschen belesen und bei Demenz scheint es die schlimmste Zeit zu sein, wo diese Wirren noch von klaren Momenten durchsetzt sind.

Am Ende wird alles von Dunkelheit verschlungen, vielleicht ist es ein Segen... wenigstes für die Betroffenen selbst.

Für die Familie bleibt der Schmerz. Man könnte fast sagen es ist ein nicht enden wollenden Abschied in Endlosschleife.

Das ist ganz furchtbar. Aber die Natur ist eben grausam und immer noch viel mächtiger als der Mensch selbst.

Egal ob arm oder reich. Wenigstens in dieser Beziehung herrscht Gerechtigkeit.

 

Ganz tolles Gedicht!

Leni

 

P.S. Zuletzt hatten wir nämlich True Detetive Season 3 gesehen und dort wurde es auch thematisiert.

Deswegen passte das hier auch so schön, wo wir uns sowieso damit auseinandergesetzt hatten.

Hi Nike, danke für deine freundliche Besprechung des Textes. Ich habe das zweimal bei nahen verwandten miterlebt. Lg W.
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