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Die Duftmarke

 

Als dies geschah, war ich gerade Vorsitzender der LPG „Frohe Zukunft“ und meine Frau war für die Buchhaltung zuständig. Wenn Not an Mann war, sprang sie auch in der Produktion ein.

 

Wir lebten in der guten Mecklenburger Landluft ruhig und zufrieden.

Natürlich gab es in der Landwirtschaft hin und wieder Ärger, vor allem mit dem Wetter. Entweder war es zu trocken oder zu nass, dann hatten wir zu wenig Futter für unsere Tiere. Das Getreide, der Weizen, Roggen, Hafer und Gerste wurden einfach nicht rechtzeitig reif. Manchmal versagte auch die Technik und die „MTS“, die Maschinen und Traktoren Station hatte sämtliche Maschinen bereits ausgeliehen. Manchmal gab es auch Ärger mit dem Personal. Alle Arbeiter waren ja auch Miteigentümer, als Genossenschaftsmitglieder.

 

Außer einer Rinderherde besaßen wir auch die Schweinemast. Franz war für den Schweinestall verantwortlich aber plötzlich musste er ins Krankenhaus. Blinddarm. Für ihn musste ich sofort einen Ersatzmann finden. Weil die Entmistung und Fütterung weitgehend mechanisiert war kam auch eine Frau in Frage. Dabei dachte ich an Linda, die alleinstehend mit zwei Kindern war. Sie konnte ein paar Mark zusätzlich gut gebrauchen. Zu erst sprach ich aber mit meiner Frau. „Friedel“ sagte ich „als Übergang, bis Linda kann, übernimmst du die nächsten 14 Tage und Linda löst dich dann ab“.

„Was ! In den Schweinestall soll ich ?“ rief Friedel außer sich.

„Was du nur hast“ fragte ich.  "Du magst doch die süßen Ferkel. Vor Eber Alfons, der nur faul in der Ecke liegt, schmatzt und grunzt, solltest du dich jedoch lieber in acht nehmen. Außerdem verdienst du noch ein hübsches Sümmchen dazu und kannst dir in Greifswald etwas schönes im Exquisit kaufen, zum Beispiel einen schicken Pulli und dazu so ein modernes kurzes Höschen“.

Friedel hat mich mit ihren großen braunen Augen lange angesehen und dann gesagt „ich mach's, aber nur wenn du mir versprichst, an einem Wochenende mit mir an den Ostseestrand zu fahren.

Ich möchte im Meer baden, schwimmen und einen Strandspaziergang machen, ein wenig herum schlendern, Hühnergötter und Bernstein suchen".

Es war schon zehn Jahre her als wir mit unseren Kindern an der See waren. Ich dachte, das kannst du ihr nicht abschlagen.“ Also gut, ich verspreche es“.

Am nächsten Vormittag schaute ich zu Friedel in den Schweinestall. „Kontrollierst du mich ?“ fragte sie Spitz und drohte mir mit der Mistgabel. „Nein, nein“ widersprach ich“, „Nur wegen einer Rechnung aber das eilt nicht“. Bin dann schnell gegangen.

 

Am nächsten Abend, während der „Aktuellen Kamera“, knöpfte sie mir, ganz unvorbereitet Hemd und Hose auf und begann mich auszuziehen. Das war ein ganz neuer Zug an ihr. Statt von der neuen ungewohnten Arbeit müde zu sein, war das Gegenteil der Fall. Friedel hatte Frühlingsgefühle.

Sie fiel im Bett regelrecht über mich her und das dann jeden Abend.

„Ich muss arbeiten“, stöhnte ich. „Ich auch“ lachte Friedel.

„Wir sind 25 Jahre verheiratet, haben zwei erwachsenen Kinder, die studieren...“ „Na und ? Wilst du mir damit sagen, dass du ein Schlappschwanz bist ?“ Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen, aber am Morgen sah ich im Spiegel dafür einen Mann, weiß wie eine Kalkwand, mit zitternden Kniehen. Die Kollegen frotzelten mich und fragten, ob ich krank sei.

So ging das nicht mehr weite. Ich richtete mir im Büro die alte abgewetzte Couch zum schlafen her.

Nach dieser Nacht war ich wie gerädert und Friedel schäumte. „Du alter Feigling“ schimpfte sie“Hast du eine Andere“?

Am nächsten Abend arbeitete ich im Büro liegen gebliebene Arbeit auf und schlich mich erst in der Nacht ins Haus. Doch die Dielen knarrten und die Türscharniere schrieen nach Öl. Friedel war wach. Im Bett dann schlang sie ihre muskulösen Beine wieder um mich. Ich betete zu Gott, also zur LPG Frohe Zukunft, das die Vertretungszeit im Stall endlich zu Ende geht. Als Linda dann den Stall übernahm, wurde Friedel langsam wieder ruhiger. Dafür gab es jetzt täglich mit Linda neuen Ärger.

 

Angeblich begrabschte sie unsere jungen Kollegen und versuchte sie auch noch zu küssen.

 

Endlich legte ich Friedel die alte Rechnung vom Tierarzt vor und es klärte sich einiges auf.

Der Doktor hatte im Schweinestall Pheromone versprüht – ähnlich unseren Hormonen.- damit wir zu mehr Schweinenachwuchs kommen. Wer denkt schon daran, das dieser Duft auf unsere Frauen die gleiche Wirkung hat.

Aber auch Alfons war jetzt tüchtig hinter jeder Sau her.

Jetzt quiekt eine große süße Ferkelschar im Stall und verhilft uns zu einer guten Prämie.

 

Das Ostseewochenende war übrigens wunderbar. Friedel wanderte am Strand und ich konnte mich von so manchen Strapazen erholen.

 


Überarbeitet: von Lia Mößner
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Hallo liebe @Lia Mößner!

So quasi als Gute-Nacht-Geschichte habe ich nun deine Geschichte gelesen. Und ich lächle noch immer vor mich hin. Zuerst dachte ich schon "oh mein Gott, soll ich jetzt tatsächlich Mitleid mit dem armen Mann haben?", doch im Verlaufe der weiteren Zeilen konnte ich mein Schmunzeln nicht mehr zurückhalten. Ich habe keine Ahnung, ob es tatsächlich diese Pheromone gibt, die man in Schweineställen versprüht. Ich weiß nur, dass diese in den menschlichen Schweißdrüsen dazu führen, vom anderen Geschlecht dufttechnisch anziehend gefunden zu werden. Vielleicht sollten wir doch nicht so viel duschen? Nur so nebenbei gefragt.

Die Auflösung der Geschichte und das glückliche Ende - wirklich sehr gelungen. Anstatt sich zu beschweren, sollte der Mann vielleicht den Spruch "Schwein gehabt" in sein Sprachrepertoire aufnehmen.

Herzlich gelacht und danke für diese Geschichte.

Sonja

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Ich danke euch, im Namen von Lia Mößner, sehr für eure lieben Kommentare. Erst heute, so wie jeden Freitag besuche und betreue ich die alte Dame. Lia hat sich so sehr gefreut und war überglücklich über euer Interesse. Ich hatte eure Kommentare, samt eurer Fotos,  kopiert und Ihr mitgebracht. Lia hat daraufhin sofort begonnen einige ihrer Werke heraus zu suchen um sie zu überarbeiten und mir dann zeitnah mit zu geben.

"Ich denke jetzt überhaupt nicht mehr an mein Ende, ich habe zu tun" , das oder so ähnlich war ihre Reaktion.

 

Seit ich jetzt seit 7 Monaten Altenbetreuer bin, versuche ich gerade den Damen und Herren, die mir lebensüberdrüssig erscheinen, ein wenig Freude zu machen und auf zu bauen. Lia Mößner ist ein wenig schwierig in ihrer Art aber Lebensfreude hat auch sie, trotz ihrer 91 Jahre, noch verdient.

 

Sie hat mir noch eine Kurzgeschichte mit gegeben die ich am Wochenende abschreibe und für sie hier einstellen werde.

( Heinz )

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