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Echt oder verbogen


Nina K.

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Tim war sicher, seine Traumfrau gefunden zu haben. Optisch süß und trotzdem natürlich, klug, aber nicht besserwisserisch, figurbewusst, aber nicht im Diätwahn, gut angezogen, aber kein Modepüppchen, sie konnte anpacken, ohne dabei männlich zu wirken, sie konnte reden und schweigen, lachen und weinen, rennen und still sitzen…, Alles was sie tat, wirkte natürlich und voller Liebe.

Tim war so begeistert von seiner neuen Flamme, dass er bereit war, alles zu geben, um sie zu halten. Er wollte sie auf Händen tragen, jeden Tag und gab sich redlich Mühe nur sein schönstes Gesicht zu zeigen. Und wenn sie ihn dann manchmal mit einem schelmischen Lächeln zu provozieren versuchte, schien die Welt wie er sie mit seinem schönsten Gesicht sah, schon ins Wanken zu geraten.

Und er glaubte, ihre neckischen Provokationen mit Coolnes beantworten zu müssen. Er wurde zu einem regelrechten Sprücheklopfer, zu Allem und Jedem musste er einen möglichst fiesen Kommentar abgeben. Das Lächeln, das dabei auf seinem Gesicht entstand, wirkte irgendwie hinterhältig, nicht so spitzbübisch, wie bei seiner Freundin, wenn sie ihn neckisch herausforderte.

Auch wenn sie hinter all dem sein suchendes Herz erkennen konnte, waren seine Bemerkungen manchmal verletzend, und eine versöhnliche Geste, welche die Harmonie wiederhergestellt hätte, blieb jedes Mal aus. Sie wandte sich wieder mehr ihrer Mutter zu, um nicht ständig kampfbereit sein zu müssen.

Und natürlich war auch Tim bewusst, dass er in Gegenwart ihrer Mutter nicht ständig als Sprücheklopfer auftreten konnte. Um seine Traumfrau nicht zu verlieren, passte er sich an und galt bald als schleimtriefendes Muttersöhnchen.

Jedoch führte seine erneute Anpassung wie auch all die anderen Versuche vorher, keineswegs zu einem Erfolg. Im Gegenteil. Der Angebeteten ging die erneute chamälionartige Verwandlung so auf die Nerven, dass sie sich innerlich abwandte und nur noch kalt, einsilbig und gefühllos ihm gegenüber war.

Er war irritiert und versuchte erneut jede der vorangegangen Taktiken, um seine Flamme zurück zu erobern. Irgendwann musste er einsehen, dass nichts davon half, keine ihm bekannte Methode würde ihm seine Liebste zurückbringen.

Alles schien verloren und in seinem tiefsten Schmerz konnte er nichts Anderes mehr tun, als seine Verzweiflung auszudrücken. „Linda, ich liebe dich so sehr, aber ich weiß nicht, wie ich sein soll, damit du mich liebst.“

Linda sah ihn ernst und traurig an, um dann plötzlich in ein lautes, herzliches Lachen auszubrechen. Sie lachte und lachte, so wie seit langem nicht mehr, sie lachte so laut und so lange wie noch nie. Er blieb die ganze Zeit über ernst und sah sie mit einer Mischung aus Angst und Bewunderung an. Sie lachte über ihn, das war klar, aber sie lachte ihn nicht aus.

Als sie endlich genug gelacht hatte, genug um ihre natürliche Fröhlichkeit wieder zu fühlen, genug, in Worte zu fassen, was für sie das Normalste, Selbstverständlichste und gleichzeitig Wichtigste im Leben war, berührte sie sanft seinen Arm und sagte ganz und gar ernst: „Du sollst doch einfach nur so sein, wie du sein willst. Wenn du dich verbiegst, kann ich das nicht akzeptieren.“

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Hallo Nina,

vor 6 Stunden schrieb Nina K.:

Optisch süß und trotzdem natürlich, klug, aber nicht besserwisserisch, figurbewusst, aber nicht im Diätwahn, gut angezogen, aber kein Modepüppchen, sie konnte anpacken, ohne dabei männlich zu wirken, sie konnte reden und schweigen, lachen und weinen, rennen und still sitzen…, Alles was sie tat, wirkte natürlich und voller Liebe.

Du scheinst meine Frau zu beschreiben. Damit hast du mich schon in den Text gezogen, der mir wieder sehr gut gefällt und den ich auch wieder sehr gerne gelesen habe!

 

Grüßend Freiform


 

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Hallo Freiform,

 

vor 3 Stunden schrieb Freiform:

Du scheinst meine Frau zu beschreiben.

Dann herzlichen Glückwunsch! Und einen lieben Gruß an deine Frau, ich hoffe, sie freut sich auch, dass ich über jemand wie sie geschrieben habe.

 

vor 3 Stunden schrieb Freiform:

... sehr gut gefällt und den ich auch wieder sehr gerne gelesen habe!

😃 Mille Grazie!

 

LG

 

Nina

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Sehr lebendig und natürlich beschrieben liebe @Nina K.. Vor allem und das kann mir als Frau ja nur gefallen, hast du das weibliche Wesen so positiv und liebenswert beschrieben, dass man sie gleich kennenlernen möchte. Was wiederum den Effekt hat, dass man TIM am liebsten einen "Schubser" geben möchte, damit er aufhört, sich zu verstellen. Weil man als Leser das Gute Ende immer mehr im Auge hat als ein in die Katastrophe führendes Verhalten. So gesehen ist der Schluss dann eine Aussöhnung mit dem hoffenden Herzen des Betrachters und Lesers.

Dass @Freiform seiner Frau diese Eigenschaften zuordnet, macht deine Protagonistin noch interessanter und gefällt mir im ganzen Kontext einfach perfekt.

Sehr gerne gelesen.

LG Sonja

 

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Liebe @Nina K.,

 

schöne Geschichte, die einem zeigt, dass man mit seinen Fehlern doch am perfektesten ist.

Die Beschreibung deiner Protagonisten hat mir auch sehr gut gefallen und insgesamt konnte ich deine Geschichte gut nachvollziehen und mir richtig gut bildlich vorstellen.

Gerne gelesen!

 

Liebe Grüße

Lina

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Liebe Sonja, liebe Lina,

 

Was wäre die Welt ohne uns Frauen?

es freut mich sehr, dass euch meine Protagonistin gefällt. Habt ihr euch wiedererkannt, ja 😅?

Denn ich denke, jeder liebende Mann hat eine solche Frau an seiner Seite und ich hab ja Linda aus Tims Sicht beschrieben.

 

 

vor 9 Stunden schrieb Sonja Pistracher:

hast du das weibliche Wesen so positiv und liebenswert beschrieben, dass man sie gleich kennenlernen möchte. Was wiederum den Effekt hat, dass man TIM am liebsten einen "Schubser" geben möchte, damit er aufhört, sich zu verstellen.

da scheint wieder eine große Sehnsucht nach Harmonie zu sprechen, dass die Welt sich zum Guten ändern möge.

 

vor 9 Stunden schrieb Sonja Pistracher:

Weil man als Leser das Gute Ende immer mehr im Auge hat als ein in die Katastrophe führendes Verhalten.

Ja, von aussen betrachtet sieht man ihn in die Katastrophe laufen. Er selbst hat diese Perspektive nicht und muss nun ganz nach unten fallen, quasi am tiefsten Punkt ankommen, um endlich die Konsequenzen seines Verhaltens zu verstehen.

 

vor 2 Stunden schrieb Lina:

schöne Geschichte, die einem zeigt, dass man mit seinen Fehlern doch am perfektesten ist

das hast du schön gesagt, ich nehme es gerne mit.

 

Danke auch allen Lesern und Likern.

 

LG

 

Nina

 


Überarbeitet: von Nina K.
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