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Verstehen Sie Zahnschmerzen?


Nina K.

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Verstehen Sie Zahnschmerzen?

 

„Kann ich heute bei Dir schlafen?“ „Nee, das ist blöd, ich dachte, wir könnten bei dir schlafen, weil meine Mutter heute zum Zahnarzt geht.“ „Das macht doch nichts, aber bei mir, da hat meine Schwester heute Besuch, das ist so nervig.“ „Nee, nee, du kennst meine Mutter nicht. Wenn die vom Zahnarzt kommt….“ „Ich kann mir nicht vorstellen, was daran so schlimm sein soll!“ „Ich sag ja, du kennst meine Mutter nicht!“

Wohl mehr aus Gewohnheit wählen wir Tims Elternhaus für den heutigen Abend aus. Dort können wir uns nach dem Abendbrot ungestört zurückziehen, keine gleichaltrigen Geschwister, die irgendwie rumsticheln müssen.

 

Tims Mutter hantiert schon in der Küche, empfängt uns mit dem üblichen vielen Geplapper. „Linda, kannst du mal die Tomaten mit reinbringen, die stehen noch auf dem Flur, ich war heute beim Zahnarzt.“ Ich schnappe mir die Packung Tomaten und die zwei Gurken, die noch auf dem Flurschrank liegen und erscheine damit in der Küche.

„Ich bin ja allergisch,“ werde ich dort empfangen. „Essen darf ich Tomaten ja, ein Glück, aber wenn ich die schneide, das kannst du dir nicht vorstellen, doch nicht die Gurken, die hab ich von Frau Redlich bekommen, ich hab hier schon zwei, die beiden sind für Frau Schmiede! Und dann war ich auch noch beim Zahnarzt heute!“ Ich frage lieber nicht nach dem Zahnarzt, sondern ziehe es vor, die Gurken zurück auf den Flurschrank zu legen, und genieße die zwei Sekunden Ruhe, bevor es aus der Küche tönt: „Wir brauchen die Tomaten noch, kannst du die mal aufschneiden, dann können wir essen.“

 

Tim hat sich quasi von der Wohnungstür aus auf die Couch fallen lassen, wo sein Vater mit der Fernbedienung regiert und die beiden fachsimpeln über das Fernsehprogramm.

Ich konzentriere mich auf die Tomaten, während eine allergische, pausenlos quasselnde Frau, die heute auch noch beim Zahnarzt war, Geschirr und Brot und Aufschnitt ins Wohnzimmer trägt und dann die Herren vom Sofa an den Esstisch beordert. Ich bin mit den Tomaten fertig und muss mich nun zu den Dreien gesellen. Puh..

 

Bevor das Abendbrot beginnen kann, vergewissert sich meine Schwiegermutter in spe noch einmal, ob nach dem Zahnarztbesuch schon mehr als eine Stunde vergangen ist. „Ich bin um halb fünf beim Zahnarzt raus, jetzt ist es…. . wie spät ist es jetzt?“ „Neunzehnuhracht“ wird sie etwas herablassend von ihrem Ehemann aufgeklärt. Laut rechnet sie uns vor, dass sie jetzt schon wieder essen dürfe.

„Und ich hab schon Zahnschmerzen gehabt, Linda,“ muss ich mir weiter anhören. Tim, mein Auserwählter mampft inzwischen ein Leberwurstbrot mit Tomaten und scheint völlig unbeeindruckt von dem Tischgespräch. Ich bin jetzt etwas unsicher, ob ich nachfragen soll, wie es denn heute beim Zahnarzt war. Es scheint ihr ja wichtig zu sein, aber wo sie jetzt so schlimme Zahnschmerzen anspricht, beim Abendbrot! „Aber jetzt müsste doch alles wieder in Ordnung sein,“ versuche ich dieses Thema zumindest ins Positive zu lenken. „Doch nicht heute, überhaupt…. Überhaupt hatte ich schon Zahnschmerzen! Lieber kriege ich noch mal ein Kind, als solche Zahnschmerzen zu haben!“

Was? Hab ich mich verhört? Die Männer scheinen gar nicht hinzuhören, was gesprochen wird, schaffen es aber, in den Pausen mal irgendetwas Zustimmendes zu brubbeln, während ich mit weit aufgerissenen Augen ungläubig die Frau anstarre, mit deren jüngstem ihrer 4 Kinder ich seit fast einem halben Jahr liiert bin.

Die bemerkt meine Verwirrung und nutzt diese geschickt aus, um mich zu belehren: „Ja, Kinderkriegen ist nicht so schlimm wie Zahnschmerzen haben!“ Ich verstehe die Welt nicht mehr. Denkt frau während der Entbindung an Zahnschmerzen? Oder wünscht sie sich statt Zahnschmerzen in den Kreißsaal? Wie herum wäre das richtig? Irgendwie ergibt beides keinen Sinn. Ich formuliere meine Fragen lieber nicht laut, kriege aber vom Rest der Konversation am Abendbrotstisch auch nicht wirklich mehr was mit.

 

Ich weiß auch nicht mehr, wie der Tisch abgeräumt wurde, und ob ich Tims Eltern überhaupt „Auf Wiedersehen“ gesagt habe. Und der kann auch nicht verstehen, warum ich jetzt doch zu mir nach Hause will. Etwas pikiert meint er: „Du verstehst eben meine Mutter nicht!“

 


Überarbeitet: von Nina K.
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Liebe Nina,

 

da haben wir ja den Salat! Oder die Tomaten...

Zugegeben, der letzte Teil hat mich doch sehr verwirrt, wie das mit den Zahnschmerzen und Kinderkriegen zusammen passt und so.

Ein Glück hatte ich noch nie Löcher in den Zähnen, nie große Beschwerden, keine Schmerzen. Außer als mit eine Ecke vom Zahn ausgeschlagen wurde, das tat schon weh.. naja. Aber zum Zahnarzt gehe ich auch nicht gerne. Ich finde es einfach furchtbar, nur so da zu liegen, während andere über einen gebeugt stehen und einem im Mund rumstochern :panik:

Da schüttelt es mich schon in der Vorstellung.

 

Ein paar Vertipper sind mir aufgefallen:

 

Ich bin mit den Tomaten fertig und muss mich nun zu den dreien gesellen. Puh.. ---> (Dreien)

 

ob nach dem Zahnarztbesuch schon mehr als einen Stunde vergangen ist. --->  (eine)

 

Und ich hab schon Zahnscherzen gehabt, Linda ---> (Zahnschmerzen)

 

„Doch nicht heute, überhaupt…. Überhaupt hatte ich schon Zahnschmerzen! ---> ??? (ich verstehe diesen Teil ehrlicher Weise nicht..)

 

schaffen es aber, in den Pausen mal irgendetwas zustimmendes zu brubbeln, ---> (Zustimmendes) und (brabbeln???)

 

Denkt frau während der Entbindung an Zahnschmerzen? ---> (Denkt die Frau)

 

 

 

Tja, was solche Schmerzen mit einem Menschen machen, kann ich nur ahnen. Da ich wie gesagt keine Zahnschmerzen kenne.. dafür andere Schmerzen. Dass Menschen sich in ihrem Wesen, ihrem Charakter währenddessen so verändern, ist sehr bezeichnend. Das nächste Mal hört Linda vielleicht auf Tim, wenn der davon abrät nach dem Zahnarztbesuch der Mutter bei ihm zu Hause zu bleiben..

Gerne gelesen deine Geschichte..

 

Liebe Grüße Lichtsammlerin

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Liebe Lichtsammlerin,

 

Danke für deine Gedanken zum Text.

vor 2 Stunden schrieb Lichtsammlerin:

da haben wir ja den Salat! Oder die Tomaten...

.. Tomatensalat ... gefällt mir gut.

 

Die Rechtschreibung ist auch korrigiert, Zahnscherzen ...hihi.. ein Glück ist mir das nicht in der Überschrift passiert😅!

Brubbeln hab ich mal gelassen, weil die Männer ja was in den Bart brubbeln. Brabbeln klingt mir da mehr nach Kindern.

 

Denkt frau während der Entbindung... habe ich auch gelassen. In den Neunzigern fing man ja an, immer auch die weibliche Form schriftlich zu erwähnen. Also LehrerInnen, ÄrztInnen statt einfach Lehrer oder Arzt zu schreiben. Und ganz Konsequente haben sich dann auch an einem man gestört. Auch wenn anders geschrieben, klingt es wie Mann.

Ich habe damals eine Hebamme getroffen , die zwar auf die Innen-Endung hinter jeder Berufsbezeichnung gar keinen Wert legte und wenn sie z.B. sagte, man macht das so und so, war es völlig klar, dass auch Frauen das so  und so machen, aber bei Frauenthemen, die biologisch eben zu Frauen gehören, sagte sie: wenn frau  dann z.B. einen Blasensprung hat ... Ich fand das sympathisch und schlüssig, und habe das übernommen.

vor 3 Stunden schrieb Lichtsammlerin:

Ein Glück hatte ich noch nie Löcher in den Zähnen,

Ohh, du Glückliche... wer würde da nicht gerne tauschen😬🤔.

 

vor 3 Stunden schrieb Lichtsammlerin:

„Doch nicht heute, überhaupt…. Überhaupt hatte ich schon Zahnschmerzen! ---> ??? (ich verstehe diesen Teil ehrlicher Weise nicht..)

Es geht der Schwiegermutter gar nicht um den heutigen Zahnarzttermin. Der war wohl nur Routine, vllt ein kleines Löchlein versorgen, keine Katastrophe. Da sie aber schon schlimme Zahnschmerzen und auch schlimme Zahnarztbesuche erlebt hat, glaubt sie, dass solche Dinge jetzt immer richtig schlimm sind.

Da der heutige Zahnarztbesuch doch nicht so dramatisch war, erzählt sie eben von Früheren.

 

vor 3 Stunden schrieb Lichtsammlerin:

Dass Menschen sich in ihrem Wesen, ihrem Charakter währenddessen so verändern, ist sehr bezeichnend.

Richtig, hier geht es um Selbstwahrnehmung durch den Körper. Sicher kann man Schmerzen beschreiben, aber wie sie sich subjektiv anfühlen, das ist kaum zu beschreiben, erst recht, wenn ein anderer sie verstehen soll / will. Denn er kann sie ja nur nachfühlen durch die Zuhilfenahme seiner eigenen Erfahrungen.

Denn noch gibt es objektive Fixpunkte, an denen man sich entlang hangeln kann, etwa ob das Erleben / Überstehen der Schmerzen eher positiv oder negativ gesehen wird.

In der Regel wird wohl kaum jemand eine physiologisch wirkungsvolle, aber denn noch sehr schmerzhafte Behandlung beim Physiotherapeuten mit einer tiefen Wunde vergleichen, die er sich vllt beim Zwiebelschneiden mit einem gezackten Küchenmesser zugezogen hat. 
So in etwa stellt sich mir auch die "Verbindung" zwischen Zahnschmerzen und Kinderkriegen dar. (Wobei der Einzelfall auch anders sein könnte, es gibt / gab ja doch (ganz wenige) Frauen, die nach einer Entbindung traumatisiert sind).

 

vor 3 Stunden schrieb Lichtsammlerin:

Das nächste Mal hört Linda vielleicht auf Tim, wenn der davon abrät nach dem Zahnarztbesuch der Mutter bei ihm zu Hause zu bleiben..

Nein, glaubst du das wirklich?

Linda hat ja selbst entschieden zu gehen, nachdem sie erlebt hat, wie besonders die Schwiegermutter mit dem Thema Zahnarzt umgeht.

Hoffen wir mal eher, dass Tim verstehen wird, dass Reden lassen ohne zu zuhören keine Harmonie erzeugt, selbst wenn man mit zustimmendem Brabbeln Bestätigung vortäuscht.

 

Danke für deinen Kommi

 

sagt Nina

 

 

 

 

 

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