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Der Igelsprung


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Als Marion, meine fünfjährige Tochter, einmal nach Hause kam, sagte sie: „Mama, ich habe dir eine Kugel mitgebracht.“ „Was denn für eine Kugel ?“ fragte ich. „Das weiß ich nicht. Hier schau mal in meine Tasche rein.“ „Ach, das ist ein Igel“, sagte ich und drehte ihn sofort vorsichtig um.

„Au ! Oh ! Sieh mal wie viel Tierchen auf seinem Bauch herum krabbeln. Den können wir nicht hier behalten“, sagte ich. „Ich möchte keine Flöhe in der Wohnung haben“. „Wir können ihn aber duschen und fönen“, widersprach Marion. „Ich weiß nicht ob ihm das gefällt“, antwortete ich. Igel sind keine Haustiere. Sie brauchen unsere Gärten und ihren Winterschlaf.“ „Den kann er in unserem Kühlschrank machen, Mama. Der ist groß genug für ihn“, erwiderte sie. „Ich glaube kaum, das ein Igel in einem Kühlschrank überlebt...“ „Aber vielleicht ist er krank“, unterbrach sie mich und sah mich mit ihren großen Augen vorwurfsvoll an. Ich befühlte darauf hin seine kurzen Beinchen. „Gebrochen sind die nicht. Ich rufe aber morgen früh gleich die Tierklinik an“, versprach ich. Dann setzten wir ihn vorläufig auf den Balkon in einen Pappkarton.

Marion gab ihm ein Schälchen Wasser und legte ein Salatblatt hinein. „Du der mag dein Gemüse nicht. Er ist ein Schlangen -, Insekten – und Mäusefresser“, sagte ich. „Uns mag er übrigens auch nicht. Wer weiß, vielleicht hat er winzige Igelbabys und befürchtet nun das er sie nicht versorgen, sich nicht mehr um sie kümmern kann. Deshalb hat er seine Stacheln drohend aufgestellt und sich zur Kugel gerollt.

 

Am nächsten Morgen, ich lag noch im Bett, da kam meine Tochter schreiend herein. „Steh auf !“ forderte sie. „Er ist weg“! „Wer ist weg ? fragte ich und zog mir etwas an. „Du hast den Igel gestern Abend rausgeschmissen. Gib's zu !“ rief Marion. „Nein , hab ich nicht“, entgegnete ich und ging auf den Balkon um nachzusehen. Tatsächlich! Der Karton war - bis auf das Salatblatt und das Wasser- leer. Der Igel war verschwunden.

Aber wo sollte er wohl er vom Balkon im 3. Stock hin sein, überlegte ich. Die Balkontür war die ganze Nacht zu. Dann kann er sich eigentlich nur durch die Balkongitterstäbe gezwängt haben, dachte ich und versuchte es meiner Tochter zu erklären. „Jetzt brauch er keine Angst mehr vor uns zu haben, jetzt ist er tot“, klagte sie. „Ach wo“, widersprach ich. „Die Sträucher da unten haben seinen Sturz abgebremst. Er lebt, glaub mir. Komm wir gehen jetzt runter und schauen nach.“

Doch so viel wir auch unter den Sträuchern suchten, vom Igel war nichts mehr zu sehen. Er war in die Freiheit gesprungen.

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