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"Die gefährlichen Abenteuer des Richard Kurzer 1. Teil "Weltverbesserer"


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( Leider habe ich im ersten Teil "Der Weltverbesserer" die Hauptüberschrift falsch gewählt. In den Manuskripten von Lia M. waren verschiedene Entwürfe und ich habe eine Teilüberschrift als Gesamttitel Fehlinterpretiert )

 

 

"Weltverbesserer"

 

 

Schon als Knirps nahm Richard alles auseinander, was nicht niet- und nagelfest war. Alles was sich drehte und bewegte faszinierte ihn. Er montierte an Kommoden-, Schränken – und Küchenschubkästen sämtliche Griffe ab, bemalte expressionistisch Mobiliar und Wände.

Einmal, als seine Mutter auf Knien in der Küche den Fußboden schrubbte, schlich er sich von hinten an sie heran und klopfte ihr mit Opas vergessenen Krückstock auf den Kopf.

Das machte er allerdings nur einmal, denn er fürchtete das klitschnasse Scheuertuch.

Opa Karl schenkte seinem einzigen Enkel zum Geburtstag eine Eisenbahn, die sich der liebe Junge schon lange gewünscht hatte. Diese fuhr auf ihren Schienen immer nur im Kreise herum, was den Siebenjährigen schon bald langweilte. Aber neugierig wie er war, wollte er genau wissen wieso die Lokomotive überhaupt losfuhr, sobald er ihr mehrere Schlüsselumdrehungen verpasste.

Am frühen Morgen war die Eisenbahn dann bereits tot.

 

Jahre später, als Richards Vater Gleisbauvorarbeiter wurde, überreichte ihm Opa Karl eine alte Taschenuhr, ein Erbstück von seinem Vater, das der Bengel später einmal erben sollte.

Aber so lange konnte Richard natürlich nicht warten.

Eines Nachts schaute er heimlich ins Uhrwerk hinein, das ihm wie ein Wunder vorkam. In seiner Begeisterung drehte er so lange an der Krone herum bis die durchdrehte und damit die Taschenuhr gestorben war.

Richards Eltern waren daher sehr froh, als sie ihren aufgeweckten Sohn, der inzwischen 14 Jahre alt war, in der Lehrwerkstatt der Leipziger Junkerswerke unterbringen konnten.

Richard begann seine Lehre als Schlosserlehrling und als Metallflugzeugbauer wollte er sie abschließen.

Alles war neu. Die große Halle beeindruckte ihn. In ihr waren längs durchgängige Werkbänke und Schraubstöcke, Bohrmaschinen und Schleifböcke aufgereiht. Der strenge Lehrmeister erklärte auf einer Tafel am Gang Ende, wie in der Schule, die Aufgaben. Es herrschte Zucht und Ordnung. Ihr Lehrer unterrichtete in Uniform.

Mit den Jungen der Lehrwerkstatt verstand sich Richard recht gut. Und an der Schleifmaschine, die 1500 Umdrehungen pro Minute machte, erwachte seine Experimentierfreudigkeit. Sie arbeiteten zu der Zeit an sehr harten Bacalitscheiben, die in der Mitte ein Loch von 10 cm Durchmesser hatten.

Eines Tages steckte er so eine Scheibe auf einen Metallstab, drehte sie und hielt sie mit der Hand am Metallstab fest. Dann drückte er sie an die laufende Schleifscheibe. Dadurch erhielt sie die Umdrehungszahl der Schleifmaschine. Sie sprang in hohem Bogen von der Achse und flog mit einem schrecklichen Pfeifton der Länge nach durch die ganze Werkstatt. Die Lehrlinge zogen die Köpfe ein und die Scheibe zersprang am Gang Ende in 1000 Teile. Sie zerschmetterte dabei die große Lehrtafel.

Richard wurde nicht bestraft, er hatte die Angelegenheit vertuscht. Er schloss seine Lehre als Metallflugzeugbauer ab und in der Abschlussbeurteilung stand etwas von einem Weltverbesserer.

1933, kurz nach dem Abschluss seiner Lehre,  wurde Richard zum Militär eingezogen.


Überarbeitet: von Lia Mößner

falschen Haupttitel benutzt. Lia war garnicht zufrieden
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Moin liebe Lia

Ich mag ja Kinder, die neugierig sind wissen wollen, wie alles funktioniert. Doch bei Opa Karls schöne alte Taschenuhr wurde mir ganz anders! 😳

Heute gibt es schon viel schönes Spielzeug für kleine Forscher. Experimentierkasten usw.

Richard hat ja dann auch einen schönen Beruf erlernt, wo er sich ausleben konnte. Liebe Lia deine Geschichte kommt so leicht daher, ist sehr spannend und es gibt immer etwas zum Schmunzeln. Ich habe auch diese Geschichte mit Freude gelesen danke dafür! 🌼 

HG Josina

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