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Die gefährlichen Abenteuer des Richard Kurzer, Teil 2 "Der Knaller"


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( Leider habe ich im ersten Teil "Der Weltverbesserer" die Hauptüberschrift falsch gewählt. In den Manuskripten von Lia M. waren verschiedene Entwürfe und ich habe eine Teilüberschrift als Gesamttitel Fehlinterpretiert )

 

Der Knaller

 

Richard, Emmas Ehemann, war von Beruf Ingenieur und gerade im Midlife-Krisen-Alter, als er sich systematisch auf den Jahreswechsel vorbereitete.

Es sollte ein ganz besonderes Spektakel werden, denn Richard wollte in dieser Nacht einmal der Größte sein und von alle Nachbarn bewundert werden. Er ließ sich in der Werkstatt seines Betriebes einige cirka 20 – 50 Zentimeter langen Rohre im Metallmantel, mit einem Durchmesser von zwei bis drei Zentimetern anfertigen. Danach besorgte er eine Flasche guten Sekt, halbtrocken, und kaufte Unkraut-ex ein, eine Chemikalie zur Vernichtung von Unkraut.

Aber Richard wollte damit natürlich kein Unkraut vernichten, sondern eine Silvesterrakete mit allen Schikanen herstellen. Als seine Frau schlafen gegangen war, begann er sogleich mit der Arbeit.

Er zerrupfte die Seiten der 'Berliner Zeitung' und das alte 'Neue Deutschland', tränkte die Schnipsel

in der chemischen Lösung und packte es dann zum trocknen im Wohnzimmer hinter'm Kachelofen.

 

Als Emma am nächsten Morgen die Zeitungsschnipsel entdeckte, erschrak sie und wetterte, während sie diese hinterm Ofen hervor angelte und Richard ihr in den Arm fiel : „Bist du verrückt geworden !? Mit deiner verdammten Feuerwerkerei jagst du uns noch mal in die Luft“.

„Pyrotechnik, Emmi, Feuerwerkskunst“, entgegnete Richard lachend und nahm seine Frau fest in die Arme. „Du regst dich wieder ganz unnötig auf, meine Güte. Da passiert schon nichts. Ich hab Alles im Griff. Glaub mir, in drei Tagen ist Alles vergessen“, beruhigte er sie. Mehr sagte er nicht, denn er dachte, das versteht sie sowieso nicht.

Aber auch Richard war unruhig, ihn hatte das Raketenfieber gepackt. Er stand nachts leise auf, schlich sich ins Wohnzimmer und kontrollierte ob das Papier hinterm Ofen schon trocken war. In der dritten Nacht war es dann endlich soweit, Der Raketen Test konnte beginnen.

Im langen weißen Nachthemd stand Richard in der Küche und stopfte das kleinste Rohr mit diesen knochentrockenen Papierfetzen. Ein Stöpsel mit einem langen Griff half ihm dabei – damit drückte, stieß und Stampfte er das Zeitungspapier in das Rohr hinein. Vor Anstrengung tropfte ihm der Schweiß von der Stirn und lief ihm in die Augen. Er wischte ihn mit seinem Hemdsärmel ab und öffnete die Balkontür, atmete die frische Luft tief ein und dachte noch, wie gut, dass wir am Friedhof wohnen. Dann brachte er die Rakete auf dem Küchentisch in Stellung – die Zielrichtung war der Friedhof – und zündete sie.

Nach einem Augenblick äußerster Spannung … hob die Rakete ab … in entgegengesetzter Richtung. Sie zischte auf Richard zu, der sich gerade noch rechtzeitig ducken konnte, durchschlug die Küchenschranktür und landete laut scheppernd im Unterschrank zwischen den Töpfen, Pfannen und Schüsseln. Danach war absolute Stille, eine unheimliche Stille. Richard stand unter Schock.

 

Erst als Emma im geblümten Nachthemd ängstlich in der Küchentür erschien , ihren Mann im weißen, blutbefleckten Nachthemd sah und vorsichtshalber einen Eimer Wasser in die Küchenschrankruine gekippt hatte, löste sich Richards Reglosigkeit.

„Um Gotteswillen, was ist mit deiner Hand passiert ?“ Fragte Emma besorgt. „Du musst zum Doktor, Richard.“ Jetzt erst sah er, dass der Daumen an seiner rechten Hand umgeknickt, wie leblos herab hing und plötzlich fühlte er Schmerzen, schreckliche Schmerzen. Ein Telefon besaßen sie nicht, also wickelte er sich ein Tuch um die Hand, rannte so wie er war auf die Straße und klingelte zwei Häuser weiter den Doktor raus, der ihm auch sofort in seine Praxis– unter örtlicher Betäubung – den Daumen wieder annähte. Geschient mit einem dicken Verband und mit Schmerztabletten kehrte Richard zurück.

Eine schmale Narbe blieb ihm zeitlebens, als Andenken und Warnung.

Silvester hatte Emma vom Sekt einen Schwips und Richard schwor „Nie wieder „


Überarbeitet: von Lia Mößner
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