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Nachts im Kloster

 

in einer fortgeschrittenen Nacht

stehlen sich sanfte Mondstrahlen

zwischen den Gittern der Fenster

auf uralte Kacheln an Klosterwänden

und zaubern

einen barmherzigen Schimmer

 

eiskalt zieht es, wie schon oft

durch unfreundliche Gemäuer

und erbarmungslos scharf

in das dünne Hemd

eines Kindes

auf zitternde Haut

 

stundenlange Strafe

für zwei fröhliche Sätze

und leises Kichern am Abend

Frevel zur Nachtruhe und

kniende Beine schmerzen

erbärmlich

 

ein Kind faltet

bittend

in der Kälte die Hände

doch das Kloster schweigt

wie gewöhnlich

bis zum Morgengrauen

 

im Erbarmen

liegt ein Kind schlafend

unter dem Waschbecken

auf Stein

- kaum hörbar

der rasselnde Atem

bearbeitet von Liara
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Nachts im Kloster   in einer fortgeschrittenen Nacht stehlen sich sanfte Mondstrahlen zwischen den Gittern der Fenster auf uralte Kacheln an Klosterwänden und zaubern

Danke dir vielmals, Sternwanderer. Jetzt bin ich doch froh, dass ich das Gedicht eingestellt habe. Ich war wirklich am Nachdenken, ob das nicht zu harter Tobak ist.   Liebe Grüße Liara

Hey Liara,   Jesus hat Nächstenliebe gepredigt. Seine Bräute haben bis weit in die 60er Jahre vielfach drauf gepfiffen. Gottesfürchtige Frauen hinter kalten Klostermauern brachen Kinderwille

Hallo Liara,

ja gibt’s denn das, da dreht man dir einmal den Rücken zu, da wirst vom Wackeldackel zur Liara. :wink: :grin:
Schöner Name übrigens, fiktiv?

Das es sich um ein Prosagedicht handelt ist unschwer zu erkennen. Gefällt mir sehr gut, bis auf eine Stelle, die mir klanglich wegen dem Anfangsbuchstaben i nicht zusagt:

vor 7 Stunden schrieb Liara:

doch das Kloster schweigt

wie immer

Hier würde mir: wie gewohnt
Rein vom Klang besser gefallen das das g weicher ist. Das erzählt mir jedenfalls mein Ohr.
 

Grüßend Freiform

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Liebe Liara,

 

ich nehme an, du bist durch Lektüre oder einen Film auf dieses Thema gekommen.

 

Das ist wirklich sehr schwerer Stoff. Ich empfinde es aber so, dass du sehr viel Distanz zwischen den Erzähler und das Kind legst.

Das liegt fur mich zum einen simpel daran, dass du es "ein" Kind nennst, und nicht "das Kind" oder "das Kind des Schusters", ....

Auch irgendein kurzer Ausflug in die Gedankenwelt, oder ein Ton, oder etwas in der Art gefiele mir gut.

 

Gruß von Lé.

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Guten Morgen, ihr Lieben,

 

ich konnte gestern ewig nicht einschlafen, da kommt man auf solch dunkle Gedanken. Es war mir beim Schreiben wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass LI und Autor nicht zwingend übereinstimmen. So sympathisch und empathisch Leser reagieren können, gerade auch hier bei den poeten, was mir dieses Forum so liebenswert macht, bei krassen Themen sollte da Vorsicht walten. Trotzdem handelt es sich bei dem Gedicht nicht um eine fiktive Erfindung, sondern ist frei nach einer wahren Begebenheit.

In Klöstern wurde früher nicht nur missbraucht, es gab noch andere Formen der Gewalt. Das soll aber nicht alle Klöster über einen Kamm scheren, aber es wird Zeit, dass nicht aller Dreck unter den Teppich gekehrt wird, oder als Verschlusssache für Ewigkeiten in den Archiven eines Bischofs verschwindet.

 

Klar, sieht man gleich, dass es sich um ein Prosagedicht handelt, aber wir sprachen im Forum in letzter Zeit so viel über Metren, dass ich betonen wollte, dass solche nicht immer passen. Ich hatte die erste Strophe durchrythmisieren wollen, aber es hat nicht funktioniert, ohne dass ich dem Inhalt die Schärfe hätte nehmen müssen. Vielleicht hätte ein Hexameter funktioniert, aber da bin ich noch nicht geübt genug.

 

Ich habe das "wie immer" ersetzt, durch eine weichere Formulierung.

 

Welche Gedankenwelt meinst du, Lé? In die des Kindes oder des Erzählers oder des Autors?

Ich meine, das würde eher stören. Es ist auch ein Gedicht und keine Kurzgeschichte. Wobei ich schon überlegte, ob ich eine Kürzestgeschichte schreiben sollte, mich dann aber dagegen entschieden. Ich wollte die Bilder sprechen lassen.

 

Liebe Grüße und vielen, vielen Dank

für eure Kommentare und das Auseinandersetzen mit einem heiklen Stoffgebiet.

Liara

 

 

 

bearbeitet von Liara
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Wenn du da mal nicht zu blauäugig bist, liebe Ursula. Die Lage in vielen Kindereinrichtungen hat sich ganz sicher sehr verbessert, aber das Ausmaß insgesamt an Kindesmissbrauch und -misshandlungen ist nicht weniger geworden. Es hat sich nur verlagert. Schau nur mal, was in manchen Flüchtlingsunterkünften passiert, oder Kinder, die unterwegs verschwinden, wo sind die, was passiert mit denen?

Klar, waren nicht nur Kinder in Klöstern betroffen - damals - aber eben auch. Und das empfinde ich besonders schändlich, weil es unter dem Titel "christlich" geschah.

Ich bin bei meinen historischen Recherchen auf so viel Lug, Trug und Gewalt in katholischem Namen gestoßen, dass mir fast die Luft wegblieb.

Christ sein hat für mich eine andere Bedeutung.

 

Einiges davon werde ich versuchen in Gedichten und Geschichten aufzuarbeiten, so wie auch in "Yasna".

 

Herzliche Grüße

Liara

 

Nachtrag:

Ich hatte sehr große Erwartungen in den momentanen Papst Franziskus gesetzt und gehofft, er würde die alte Fregatte "katholische Kirche" vielleicht herumreißen können. Aber inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher. Deren Widersacher sind da wahrscheinlich viele.

 

bearbeitet von Liara
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vor einer Stunde schrieb Liara:

Guten Morgen, ihr Lieben,

 

ich konnte gestern ewig nicht einschlafen, da kommt man auf solch dunkle Gedanken. Es war mir beim Schreiben wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass LI und Autor nicht zwingend übereinstimmen. So sympathisch und empathisch Leser reagieren können, gerade auch hier bei den poeten, was mir dieses Forum so liebenswert macht, bei krassen Themen sollte da Vorsicht walten. Trotzdem handelt es sich bei dem Gedicht nicht um eine fiktive Erfindung, sondern ist frei nach einer wahren Begebenheit.

In Klöstern wurde früher nicht nur missbraucht, es gab noch andere Formen der Gewalt. Das soll aber nicht alle Klöster über einen Kamm scheren, aber es wird Zeit, dass nicht aller Dreck unter den Teppich gekehrt wird, oder als Verschlusssache für Ewigkeiten in den Archiven eines Bischofs verschwindet.

 

Klar, sieht man gleich, dass es sich um ein Prosagedicht handelt, aber wir sprachen im Forum in letzter Zeit so viel über Metren, dass ich betonen wollte, dass solche nicht immer passen. Ich hatte die erste Strophe durchrythmisieren wollen, aber es hat nicht funktioniert, ohne dass ich dem Inhalt die Schärfe hätte nehmen müssen. Vielleicht hätte ein Hexameter funktioniert, aber da bin ich noch nicht geübt genug.

 

Ich habe das "wie immer" ersetzt, durch eine weichere Formulierung.

 

Welche Gedankenwelt meinst du, Lé? In die des Kindes oder des Erzählers oder des Autors?

Ich meine, das würde eher stören. Es ist auch ein Gedicht und keine Kurzgeschichte. Wobei ich schon überlegte, ob ich eine Kürzestgeschichte schreiben sollte, mich dann aber dagegen entschieden. Ich wollte die Bilder sprechen lassen.

 

Liebe Grüße und vielen, vielen Dank

für eure Kommentare und das Auseinandersetzen mit einem heiklen Stoffgebiet.

Liara

 

 

 

 

Liebe Liara,

 

ich will den Rahmen hier nicht sprengen.

 

Nur kurz:

Für mich ist ein Prosagedicht für so ein Thema die Perfekte Wahl.

Im Hexameter mit seiner auftaktigen Betonung, und dem FanfarenKlang, ist es fast unmöglich, ein leises Gedicht zu schreiben.

 

In deinem Gedicht gibt es kein LI, nur einen Erzähler, aber das ist in Erzählgedichten durchaus  üblich. Man denke nur an den berühmten "Erlkönig".

 

Ansonsten habe ich beim zweiten  Lesen schon gefunden, was ich mir gewünscht  hatte. Nur das "ein Kind" funde ich nach wie vor sehr distanziert. Aber solange , dass nur einer ist, der es so empfand, spielt das keine Rolle ;-).

 

Gruß Lé.

 

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Du sprengst den Rahmen nicht, Lé. Ich finde die Auseinandersetzung in diesem Faden sehr spannend. Sowohl technisch wie inhaltlich.

Dann habe ich intuitiv ja die richtige Form gewählt. Das ist ja schon etwas.

 

In einem der Vor-Entwürfe hatte ich "das Kind", habe es dann aber geändert. Ich werde mir noch Gedanken darüber machen. Danke, für deine Bemerkung.

 

Ich habe das LI erwähnt, damit keine Übertragung der Geschichte auf die Autorin stattfindet. Das mag bei einem Osterlimerick noch ganz lustig und unwichtig sein, aber bei solch ernsten Themen wünsche ich mir dann doch eher eine Grenze.

 

Liebe Grüße

Liara

bearbeitet von Liara
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vor 27 Minuten schrieb Liara:

Wenn du da mal nicht zu blauäugig bist, liebe Ursula. Die Lage in vielen Kindereinrichtungen hat sich ganz sicher sehr verbessert, aber das Ausmaß insgesamt an Kindesmissbrauch und -misshandlungen ist nicht weniger geworden. Es hat sich nur verlagert. Schau nur mal, was in manchen Flüchtlingsunterkünften passiert, oder Kinder, die unterwegs verschwinden, wo sind die, was passiert mit denen?

Klar, waren nicht nur Kinder in Klöstern betroffen - damals - aber eben auch. Und das empfinde ich besonders schändlich, weil es unter dem Titel "christlich" geschah.

Ich bin bei meinen historischen Recherchen auf so viel Lug, Trug und Gewalt in katholischem Namen gestoßen, dass mir fast die Luft wegblieb.

Christ sein hat für mich eine andere Bedeutung.

 

Einiges davon werde ich versuchen in Gedichten und Geschichten aufzuarbeiten, so wie auch in "Yasna".

 

Herzliche Grüße

Liara

 

Nachtrag:

Ich hatte sehr große Erwartungen in den momentanen Papst Franziskus gesetzt und gehofft, er würde die alte Fregatte "katholische Kirche" vielleicht herumreißen können. Aber inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher. Deren Widersacher sind da wahrscheinlich viele.

 

Liebe Liara!

Den Papst, oder den Vatikan als Hoffnung zu sehen, erscheint mir wiederum blauäugig. 

Natürlich weiß ich um all diese furchtbaren Gräueltaten. Meine Äußerunge bezog sich ausschließlich auf Kinderheime. Und da habe ich persönliche Erfahrungen.

Liebe Grüße 

Ursula

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Vielleicht hast du Recht mit meiner Blauäugigkeit, liebe Ursula, meine Hoffnungen auf Franziskus (zwar nur auf diesen einen Papst und ganz sicher nicht auf den Vatikan) haben sich jedenfalls nicht erfüllt. Bisher !?!

 

Vielleicht, magst du mir ja, wenn ich soweit bin, in den nächsten Jahren bei manchen Recherchen zur Seite stehen, mit deinen Kenntnissen unterstützen

oder dich bei dem einen oder anderen selbst einbringen. Wie ich sehe, bis du auch ganz nahe an diesem Thema gebaut.

Ich würde mich freuen.

 

Liebe Grüße

Liara

bearbeitet von Liara
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Hallo Karlo,

 

ja, leider ist die Welt nicht nur ein Dazwischen in grau, sondern es gibt tatsächlich eine ganze Reihe schwarzweiß. Und die schwarzen Ränder sind manchmal grausam, besonders, wenn Kinder betroffen sind.

Heute werden Heime und Klöster schon besser überprüft, aber ganz ausschließen möchte ich es nicht, dass immer noch dunkle Schreckgespenster grasieren können.

 

Danke für deine mitfühlende Worte und einen lieben Gruß

Liara

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