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DAHEIM

 

Ich sitz' in der Stube,

draußen weht der Wind,

drinnen ist's fein,

ich bin daheim.

 

Das Feuer im Ofen knistert laut

jeder Atemzug vom Hund ist mir vertraut

und gibt mir das Gefühl:

Ich bin am Ziel.

 

Ich schau nach den Tieren, geh hinaus in den Stall,

die fressen gemütlich, seh'n nicht einmal,

dass ich da bin.

Ich beobachte sie im flackernden Schein,

es geht ihnen gut, auch sie sind daheim.

 

Zufrieden geh ich hinaus vor die Tür,

horch auf den Wind - er will sprechen zu mir.

Ruhig steh ich da, hör ihm nur zu -

Er ist aufgebracht und kommt nicht zur Ruh.

Soeben hat ein Vater sein Kind umgebracht

und hunderte Menschen sind erfror'n heute Nacht.

Menschen, die hungern, hat er geseh'n

und kleine Kinder, die sterben desweg'n.

Jetzt hat er sich gedreht, weint, wie ein Kind,

bläst mir ins Gesicht und erzählt weiter, der Wind.

Von der Erde und was wir anstellen mit ihr

und, dass wir gewiß einmal zahlen dafür.

Wir plündern Sie aus, vergiften Ihr Blut,

spiel'n in ihrem Bauch mit feuriger Glut.

Warum sie uns aushält, uns Menschen als Plag?

Sie ist uns're Mutter, die uns eben mag.

 

Der Wind spricht noch weiter, erzählt und erzählt,

aber ich dreh mich um, 

zeig den Rücken der Welt 

 

und geh in die Stube,

da ist es schön fein,

draußen weht der Wind,

ich bin daheim.

 

 

 

(diesen Text habe ich wieder von Mundart umgeschrieben, darum nicht so rhythmisch) 

 

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DAHEIM   Ich sitz' in der Stube, draußen weht der Wind, drinnen ist's fein, ich bin daheim.   Das Feuer im Ofen knistert laut jeder Atemzug vom Hund ist mir ver

Liebe Ursula,   das ist ein unglaublich gutes Gedicht (metrische Schwächen ließen sich ja ausbügeln, wenn man möchte). Das Grauen der Welt eingebettet und umrahmt von einem perfekten, gemütl

Liebe @Ursula23 - deine Herangehensweise an dieses Thema, das der Welt auferlegt ist und von einzeln handelnden Personen nicht unmittelbar beeinflusst werden kann, jedoch im Bewusstsein einen Punkt er

Wow, das zerreißt einen ja so richtig wie der Wind, der Widerspruch, den du in deinem Gedicht aufzeigt, liebe Ursula.

 

So schön und beschaulich es bei uns daheim sein kann, so furchtbare Dinge geschehen doch woanders oder gleich nebenan. Es scheint, als würde der Wind wie auch Mutter Erde uns alle verbinden. 

Einfach wunderschön, wie du Mutter Erde als etwas Lebendiges beschreibst, das fühlt und liebt.

 

Und trotz der Verbindungen, die der Wind oder auch andere Naturphänome bringen, können wir nichts weiter tun, als unser Leben zu leben, daheim. 

Vllt macht es schon einen Unterschied, wenn wir uns ins Bewusstsein rufen, dass daheim nicht überall auf der Welt so ein beschaulicher Ort ist.

 

LG

 

Nina

 

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Liebe Nina!

Dein letzter Satz ist ein sehr wichtiger. Ich glaube, es macht tatsächlich einen Unterschied, wenn wir uns dessen bewusst sind. 

Danke für Deinen Kommentar und liebe Grüße 

Ursula

 

Liebe Mathi (darf ich Dich so nennen?)

Auch Dir danke für den Kommentar und für Dein d'rüber Sinnieren.

Liebe Grüße 

Ursula

vor 9 Stunden schrieb Freiform:

Richtig Ursula,
rhythmisch herausfordernd, aber das stört mich nicht! 

Das du die erste Strophe am Schluss wiederholst, finde ich sehr Ansprechend,

wie auch den gesamten Text! Sehr gerne gelesen!

 

Grüßend Freiform

Auch bei Dir möchte ich mich herzlich bedanken. Es freut mich, dass es Dir trotz der rhythmischen Dissonanz gefällt. Mir kam es kam es auf den Inhalt an.

Liebe Grüße 

Ursula

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Liebe Ursula,

 

das ist ein unglaublich gutes Gedicht (metrische Schwächen ließen sich ja ausbügeln, wenn man möchte). Das Grauen der Welt eingebettet und umrahmt von einem perfekten, gemütlichen Zuhause.

 

Bestimmt ein Gedicht, das man gerne mehrmals liest und da ist es wieder - dieses Wegsehen.

Ein stiller Weckruf!

 

Liebe Grüße

Liara

 

 

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Liebe @Ursula23 - deine Herangehensweise an dieses Thema, das der Welt auferlegt ist und von einzeln handelnden Personen nicht unmittelbar beeinflusst werden kann, jedoch im Bewusstsein einen Punkt erreicht, der ein Wegsehen ignoriert, aber die eigene Möglichkeit des Handelns selten erreicht, ist für mich von ganz besonderem Wert. Weil der Eingang deiner Zeilen noch nicht vermuten lässt, was kommt, aber umso intensiver dann die eigenen Gedanken mitnimmt, um im Endeffekt das Glück der eigenen vier Wände fast schon in sich aufsaugt. Wirklich sehr gelungen, um danach ein paar Minuten still das Bewusstsein dafür bei sich zu behalten.

LG Sonja

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