Zum Inhalt springen

In Bewegung


ferdi

Empfohlene Beiträge

Hallo ferdi,

das ist zu hoch für mich, ich warte da mal auf Kommis von Leuten denen die 3 Frösche etwas sagen, ich nehme an, der Text bezieht sich auf etwas das mit nicht bekannt ist oder wo ich gerade nicht drauf komme.

Auf jeden Fall ist schon der Beginn ein Rätsel, durch das "wandelt" weshalb diese noch selten verwendete Ausdrucksweise? Anwandeln: befallen, überkommen, ergreifen, anfliegen, erfassen, diese Bedeutung in Bezug auf den Tod, ist eigenartig und deshalb bedenkenswert (wenn du es schreibst).

Eigenartigerweise, dachte ich an eher aktuelle Ereignisse die in dieses Bild passen, aber da komme ich nicht zu dem Schluss, dass es Kunst wäre, eher zähes verbissenes Festhalten (wie zur Zeit bei einigen Politikern). Ginge es aber beispielsweise um Coronaerkrankte, dann wäre das nicht sterben der Heilkunst zu verdanken.

 

Bin gespannt auf des Rätsels Lösung.

 

Liebe Grüße

Sali

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Hallo!

 

Ich danke für eure freundlichen Rückmeldungen – die sind bei einem so verschlossenen Text ja nicht selbstverständlich.

 

Salseda, die "drei Frösche" beziehen sich in der Tat auf etwas, aber das kennt außer mir keiner (außer aus wenigen kürzeren Texten, die ich gelegentlich in Foren gezeigt habe): Mein "Königreich von Sede", einer Art Spiegel- oder Gegenwelt zu unserer, in der Fröschen eine sehr wichtige  Rolle zukommt. Ansonsten böte sich vielleicht noch ein Gedicht von Robert Gernhardt an, das so anhebt: "Drei kleine Frösche sah ich heut, / die warn mit dem Teufel im Bunde ..." (Erheiternderweise hier bei Judith Holofernes nachzulesen – ohne Quellenagabe; das sollte die Dame doch besser wissen qua Profession?!) Aber eigentlich denke ich, es braucht gar keinen Bezug, und die "drei Frösche" können einfach als bildhafte Stellvertreter für das Leben allgemein stehen?! Der Vers, ganz abstrakt: "Das Leben wandelt der Tod an, doch stirbt es nicht: Das ist Kunst." Hm, da fehlt es an Farbe?! Nicht unbedingt grüner, aber allgemein schon, denke ich ...

 

Das "anwandeln" ist nicht sonderlich häufig anzutreffen, das stimmt; aber ich mag solche Wörter, weil sie verfasser- wie leserhörerseitig ein Verlassen der Komfortzone erfordern; das schnelle, aus dem Eindruck, einen Begriff sehr gut zu kennen geborene Aufnehmen und Verarbeiten ein wenig verlangsamen. Ich kenne das Verb aus den Jugendtagen, von Heinz-Erhardt-Schallplatten, die ich gehört habe, bis ich sie auswenig konnte; und später, in "Gedichtzeiten" aus Oden wie zum Beispiel "An Esmarch" von Voss, gleich der erste Vers: "Wie anwandelnder Sturm hinter dem Herbstgewölk". Da habe ich den Eindruck von unmittelbarer Bewegung, aber allgemein übersetzt sich das eher in "flüchtig", "zeitweilig", vielleicht auch ein wenig "unbegründet", "absichtslos" ... In dieser Richtung versuchte ich es jedenfalls hier im Text zu verwenden, ein vorübergehendes Beieinander von Fröschen und Tod.

 

Für mich ist der leerste, problematischste Begriff des Verses der ganz hinten, "Kunst"; ich käme jedenfalls arg ins Schwitzen, sollte ich auch nur einigermaßen genau beschreiben, was damit gemeint ist ... Aber, was es auch sein mag: es dient als Bezeichnung für das, was davor angeführt ist. Was das nun ist, weiß ich auch nicht so richtig: ist das reine Zusammenbringen von Fröschen und Tod gemeint, dass in seiner erst einmal beachtlichen Beliebigkeit einen Kunstwillen beweist, oder der Inhalt, der aus dieser Zusammenstellung folgt?! Hm; weiß nicht, noch nicht einmal, ob diese Unterscheidung außerhalb meines Kopfes Sinn macht. Aber ich habe ja auch gerade erst angefangen, über den Vers nachzudenken;  eine "Lösung", sieh es mir bitte nach, habe ich also auch nicht.

 

Ich merke also nur noch an, dass das ganze ein klar abgegrenzter Versraum ist: ◡ —, ◡ —, ◡ ◡ — — || ◡ —, ◡ —, ◡ ◡ —. Nennt sich "epionischer Vers", und eigentlich muss das niemand wissen; ich erwähne es, weil ich nicht ganz sicher bin, inwieweit das die Gegenüberstellung von "Das ist Kunst" und dem Teil davor beeinflusst.

 

Darkjuls,  "Überlebenskunst" oder "unsterbliches Kunstobjekt" stellt die Frage, ob innerhalb des Textes, "froschseitig", künstlerisch gehandelt wird, oder außerhalb; und das ist, finde ich, eine sehr berechtigte Frage?! Wie genau man das "anwandeln" auffasst, spielt glaube ich auch hinein; wenn das "vorübergehende" wirklich mitschwingt, ist die Kunst eine andere, als wenn nicht, scheint mir. Aber im wesentlichen scheinen mir beide Vorschläge im Ansatz sinnvoll, danke dafür!

 

Gruß,

 

Ferdi

  • Gefällt mir 1
  • Danke 1
  • Schön 1
Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Lieber ferdi,

 

einen herzhaften Dank für deine ausführliche Antwort.

Das da eine bestimmte Versform vorliegt, hatte ich schon vermutet, denn du schreibst nicht einfach nur so. 

Interessant an der Geschichte ist, der Nichtsinn 🙂

Weshalb mir Darkjuls Deutung sehr gut gefällt.

Man spricht ja auch von Lebenskunst, Überlebenskunst, also in diesem Sinne sind die Frösche vielleicht Überlebenskünstler? Der Tod hat sie angewandelt, ich sehe ein Bild: 3 Frösche im Teich, über ihnen der Schatten eines Storches, sie spüren den Hauch des Todes und nun bleibt nur noch die rage nach der Kunst in diesem Bild, auch das sehe ich vor mir, eine japanische Tuschezeichnung die genau diese Teichszene zeigt, der Storch im Anflug auf die 3 Frösche. so leben sie ewig und das Bild von einem Meister gezeichnet ist die Kunst.

Das ist wie mit den 5 Wortgedichten, man muss nur die Lücken füllen und schon hat man die ganze Geschichte 🙂

Den epionischen Vers muss ich mal gugln ◡ —, ◡ —, ◡ ◡ — — || ◡ —, ◡ —, ◡ ◡ —

Diese halben smilies sind mir ein Rätsel.

Vielleicht ist der Zusatz " das ist Kunst" ja auf den Vers und die geglückte  Versform gemünzt 🙂

An Zeilen des Königreichs von Sede habe ich eine sehr schattenhafte Erinnerung, dass da was im alten Forum war, aber damals waren mir die komplizierten Reimformen noch viel zu hoch, jetzt sind sie nur noch hoch. Klingt aber spannend, setz doch wieder mal was ein.

 

Das Leben wandelt der Tod an, doch stirbt es nicht: Das ist Kunst.

Gefällt mir sehr gut. Gott der Künstler hat ein Perpedum mobile erschaffen! (wie lange es wohl noch hält? Oder hat er auch eine Sollbruchstelle eingebaut?)

 

Es stirbt ja so vieles aus, also auch Wörter, weshalb ich, die alten, heutzutage kaum noch oder überhaupt nicht mehr verwendeten auch sehr gerne mag und wie du treffend sagst, sie holen aus der Komfortzone, weil sie nicht nur nachdenken lassen, sondern auch Zwischentöne transportieren die wieder die Gewohnheit sind.

 

Danke für deine interessanten Ausführungen

Liebe Grüße

Sali

 

 

 

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Hallo Salseda!

 

Entschuldige, ich wollte keine Verwirrung stiften ... Das "◡" soll eine schwach betonte Silbe kennzeichnen, das "—" eine stark betonte Silbe; die Kommas sind die Grenzen zwischen den metrischen Einheiten, und das "||" kennzeichnet den Mitteleinschnitt des Verses, als da, wo  inhaltlich kurz absetzt, oft verbunden mit einem syntaktischen Einschnitt, gekennzeichnet durch ein Satzzeichen. Nachschlagen musst du den "epionischen Vers" nicht – da gibt es ohnehin wenig, wovon noch dazu manches unklar ist, und der Vers hat ja auch im Deutschen überhaupt keine Wirkung gehabt. Ich habe es hier nur erwähnt in Bezug auf Überlegungen wie deine hier von wegen des "Zusatzes" – inwieweit verändert das Wissen, das hier ein abgeschlossenes Versganzes vorliegt, die Wahrnehmung des Bezugs der Teile innerhalb dieses Ganzen?! Ich glaube, das passiert; aber ob es irgendetwas Entscheidendes bewirkt, ist natürlich längst nicht gesagt.

 

"Gott der Künstler": "Gott ist Kunst", den ganzen Weg gehend ... Warum nicht? Wird dem Vers gerecht, denke ich.

 

"Sede": Ich kann mal bei den älteren Sachen schauen, da ist bestimmt etwas dabei, das noch nicht ganz so vernetzt ist.

 

Gruß,

 

Ferdi

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Hallo Ferdi,

 

Ich habe eigentlich auch sofort an ein Kunstobjekt gedacht, wobei ich  anders als Sali keinen Storch, sondern einen Autoreifen, also eigentlich nur einen Teil davon mit Profil in Großaufnahme, kurz bevor die drei Frösche überfahren werden, vor meinem geistigen Auge sah. 

 

Dass die Frösche für "das Leben allgemein" stehen können, hm, auf die Idee wäre ich wohl nicht gekommen.

 

Am 11.10.2021 um 14:24 schrieb ferdi:

Aber eigentlich denke ich, es braucht gar keinen Bezug, und die "drei Frösche" können einfach als bildhafte Stellvertreter für das Leben allgemein stehen?! Der Vers, ganz abstrakt: "Das Leben wandelt der Tod an, doch stirbt es nicht: Das ist Kunst." Hm, da fehlt es an Farbe?! Nicht unbedingt grüner, aber allgemein schon, denke ich ...

 

Der Vers mit dem Begriff "das Leben" ist schon viel weiter und offener. Ich konnte jedenfalls diesen Gedankensprung nicht schaffen, dass hier "das Leben" an sich - in einem philosophischen Sinn - gemeint sein könnte. 

 

Also: bei deinem Kurztext würde ich eher auf ein Kunstobjekt tippen: Etwa ein Cartoon, das berühmt wird. Es stellte für mich mit dem von mir gesichteten Autoreifen, die Zivilisation dar, die die Natur verdrängt und vernichtet; also mehr oder weniger das Gegenteil von dem, was der Text aussagen würde, wenn man statt "drei Frösche" "das Leben" einfügte.

 

Ein anderer Zugang wäre: Das Bild der Frösche wirkt angesichts des (großen) "Todes", der sie "anwandelt" (=gekünstelt antiquiert und irgendwie auch zu groß im Verhältnis zu den armen Fröschen), auch ein bisschen lächerlich. Und wenn dann "keiner stirbt", dann könnte das auch darauf hindeuten, dass sie sich (=wir uns?) und ihre Bedeutung im großen Reigen des Universums zu wichtig nehmen.  

 

Sprich, ich dachte eher an Gesellschaftskritik/Satire als an einen philosophischen Gedanken zum Thema "Leben" an sich.

 

Das Strickmuster des Verses wäre mir ohne deine Hilfe wahrscheinlich nicht aufgefallen (gut bei dir hätte ich wohl nach einem Muster gesucht!), aber natürlich klingt das gut. Und es zeigt deutlich, was Lyrik ausmacht/e; also jedenfalls früher. Heutzutage ist die Kunst des Versbaus wohl eher in den Hintergrund getreten, aber Jan Wagner schreibt "Elegien", Ann Cotten ein ganzes Buch in Spenser-Strophen. Also vielleicht wird es Zeit, dass man in der Post-Post-Postmoderne wieder so vergessenes altes Zeugs wie zB epoinische Verse vom Staub befreit, wie du das tust. Jedenfalls ist es immer wieder spannend, was du da so alles ausgräbst an Versen

 

Wofür wird/wurde? dieser Vers verwendet, nur so epigrammatisch wie hier oder auch für Längeres?

 

🤍

loop

 

 

 

 

 

 

 

 

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Hallo Ferdi,

 

ich dachte bei deinem Vers an die Fabel mit den zwei Fröschen, die in einen Bottich mit Milch sprangen und nicht mehr hinaus kamen. Einer gab auf und ertrank. Der andere strampelte weiter und ließ sich nicht entmutigen. Schließlich wurde die Milch zu Butter und er konnte aus dem Trog hüpfen.

 

Hier sind es drei Frösche und alle drei wandelte der Tod an. Die Kunst sah ich darin, dass zum einen die Geschichte verändert wurde und keiner der Frösche starb, weil sie in Bewegung blieben, was wiederum (zum anderen) Lebenskunst genannt werden kann. Es war der Titel "In Bewegung",  der mich an diese Fabel erinnerte. 

 

LG,

Mi

 

 

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Hallo!

 

Loop, tja, das ist die Frage: Wieviel "offener" ist "zu offen"?! Ich fände den Vers mit "Das Leben" viel schwächer, aber das mag auch daran liegen, dass ich ohnehin vergleichsweise widerstandslos vom Besonderen zum Allgemeinen hinüberdenke, wobei hier die Richtung der "Froschverallgemeinerung" durch den nebenstehenden "Tod" gegeben ist. Andere Denkbewegungen reiben sich da vermutlich viel stärker?!

 

"Anwandeln" scheint mir gar nicht so "antiquiert"; selten schon, es klingt auch stilistisch gehoben, aber das trägt eher zum Vers bei als dass es ihn mindert, jedenfalls meiner Wahrnehmung nach.

 

Heute werden mehr eigenrhythmische Verse geschrieben, das ist wahr; aber "Kunst" (was auch immer das ist) gehört dazu trotzdem. Ich mache das ja auch, mag aber anderes Handwerkszeug lieber. "Epionische Verse" im Deutschen gibt es keine. Behaupte ich jetzt einfach, obwohl ich selbstverständlich nur einen winzigen Bruchteil aller deutschen Verse kenne. Die alten griechischen Metriken haben den Begriff, scheint mir, auch nie widerspruchsfrei bestimmt; und heute ist der Bergiff, glaube ich, sogar ganz aufgegeben?! Aber da kenne ich mich überhaupt nicht aus. Ich mag einfach den "Ioniker a minore", das "◡ ◡ — —", doch wenn man den "rein" schreibt, geht das viel zu stark gegen die Lesegewohnheit, weswegen ich gerne auf diesen "epionischen Vers" ausweiche: Da hört man den Ioniker, aber es ist nicht zu aufdringlich. Deutsche Beispiele finden sich in den Metriken des 19. Jahrhunderts, oft diese beiden Verse:

 

Birg nicht, du Knospe der Anmut, so schüchtern bang dein Gesicht:

Schön prangt die Ros' in dem Festkranz, still welkt am Busche sie hin.

 

Das ist, abweichend vom oben gegebenen Schema, ein

 

— —, ◡ —, ◡ ◡ — — || ◡ —, ◡ —, ◡ ◡ —

— —, ◡ —, ◡ ◡ — — || — —, ◡ —, ◡ ◡ —

 

aber "antikisierend" ist das normal, den da kann man immer  "— —, ◡ —" setzen für "◡ —, ◡ —" in iambischen Versen. Was, wenn ich so darüber nachdenke, eine neue Tür aufmacht für meinen Vers:

 

Miserabelle, den Bezug auf die Fabel finde ich gut! Hatte ich zwar gar nicht im Kopf, passt aber gut; und nimmt auch Bezug auf diesen etwas wunderlichen Titel. Gut, das ist mehr eine Foren-Notwendigkeit, in meiner Kladde fehlt "In Bewegung"; aber trotzdem. Ich glaube, die Verbindung lief über das "anwandeln", aber wer weiß ... Jedenfalls könnte man, so verknüpft, das "Drei" wie gerade in den beiden Metrik-Versen gesehen "beschweren", was dann inhaltlich in Richtung "Schaut, sogar drei Frösche ..." ginge?!

 

Gruß,

 

Ferdi

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Du möchtest dich an der Unterhaltung beteiligen?

Du kannst direkt mit in die Diskussion einsteigen und einen Beitrag schreiben. Anschließend kannst du ein eigenes Autoren-Konto erstellen. Wenn du schon ein Autoren-Konto hast, Logge dich ein um mit deinem Konto an der Diskussion teilzunehmen.

Gast
Schreibe hier deinen Kommentar ...

×   Du hast formatierten Text eingefügt.   Formatierung wiederherstellen

  Nur 75 Emojis sind erlaubt.

×   Dein Link wurde automatisch eingebettet.   Einbetten rückgängig machen und als Link darstellen

×   Dein vorheriger Inhalt wurde wiederhergestellt.   Editor leeren

×   Du kannst Bilder nicht direkt einfügen. Lade Bilder hoch oder lade sie von einer URL.

×
×
  • Neu erstellen...

Wichtige Information

Community-Regeln
Datenschutzerklärung
Nutzungsbedingungen
Wir haben Cookies auf deinem Gerät platziert, um die Bedienung dieser Website zu verbessern. Du kannst deine Cookie-Einstellungen anpassen, andernfalls gehen wir davon aus, dass du damit einverstanden bist.