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Am Schlossgraben, in einer Winternacht


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Eingemummelt in den Mantel,
Wohlgewärmt von Schal und Mütze
Sitzt Prinz Klappstuhl nachts am Graben,
Den das Eis seit Wochen deckt;
Längst schon ist des Sommers Wärme,
Ist der Frösche träges Quarren
Fort; verweht; ein fern' Erinnern
In des Prinzen Geist. Das regt sich,
Wächst, wird Wunsch - doch in der Stille,
Die im Silberlicht des Mondes,
Die beim hellen Glanz des Eises
Weiter wird und sich vertieft:
Wagt der Prinz es nicht, zu quarren,
Lässt stattdessen auf die Knie sich,
Sich auf seine Hände nieder,
Spannt die Muskeln, löst sie, hüpft!
Eben wie die Frösche hüpfen
In des Sommers warmen Nächten,
Zu erbeuten, zu entkommen,
Und aus reiner Lebenslust.
Dies Gehüpfe aber Klappstuhls,
Eingemummelt in den Mantel,
Wohlgewärmt von Schal und Mütze,
Sieht vom fernen Rand des Waldes,
Sieht vom höchsten Ast des Baumes
Sich die Grübeleule an:
Unbewegt und funkeläugig.

 

 

 

 

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Hi,

 

ah da haben wir die Frösche im Königreich Sede 🙂

 

Carlos: bekannter Klang, vielleicht weil es der Rhythmus von Friedrichs Glocke ist?

Obwohl wir hier in V1 -3 gleichsilbige Längen haben und nur in V3 die kürzeren.

 

Lieber ferdi,

da sind einige Doppelungen und Wiederholungen drin, die ich zum Beispiel versucht hätte wenn möglich zu vermeiden, da es aber mehrere sind, kann es durchaus als Stilmittel durchgehen, oder?

Z. B.:

Die im Silberlicht des Mondes,
Die beim hellen Glanz des Eises

ginge da auch:

Die vom Silberlicht des Mondes,
In dem hellen Glanz des Eises

 

oder

Längst schon ist des Sommers Wärme,
Ist der Frösche träges Quarren

...wie der Frösche ....

 

Sieht vom fernen Rand des Waldes,
Sieht vom höchsten Ast des Baumes

..von dem höchsten...

 

also für mich wäre es so besser verständlich und ich mein metrisch passt es auch, oder?

 

Also ich kann den Grund dafür nicht erkennen, ob das wieder so eine bestimmte Sache ist, die ich nicht kenne....

 

Prinz Klappstuhl ( 🙂 der gefällt mir),

also unser Prinz hüpft wie die Frösche hüpfen und landet dann aus dem Graben auf einem Ast am Waldrand (WAs für ein Sprung!).

Besonders gefällt  mir der Schluss, die Betrachtung der funkeläugigen und ruhig dasitzenden Eule!

 

Erinnert mich an die Geschichte vom alten Fischer und dem Stadtmensch,, der ihn besuchte und fragte warum er schon mittags im Liegestuhl in der Sonne sitzt, er sagt wenn er etwas länger ausfahren würde, statt in der Sonne zu sitzen könne er mehr fangen, das Geld sparen und sich ein größeres Schiff kaufen, der alte Mann fragt ihn : wozu? Daurauf: um mehr Fische zu fangen und mehr Geld zu verdienen! Wozu? Um mit dem Geld ein größeres Haus zu bauen. Wozu? Wenn du genug Geld zusammen hast kannst du im Liegestuhl in der Sonne sitzen.

Ich mag die Geschichte, weil sie das absurde des hinteherjagens zeigt. Das sehe ich auch im Fröschhupfer des Prinzen Liegestuhl. Auch das sich vergleichen mit anderen und andere nachahmen, wenn man nicht weiß wo es für einen langgeht.

Auch das Wort Quarren gefällt, mir weil ich das  noch nicht kannte, es hört sich gut an und passt perfekt.

 

Liebe Grüße

und ich sag mal danke (fürs Einstellen)

Sali

 

 

 

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Hallo,

 

danke für eure freundlichen Rückmeldungen!

 

Carlos, woran dich der Text erinnert, kannst nur du wissen ... Wenn die Erinnerung "klangbasiert" ist, mag es einer der alten epischen Texte sein, die auch in trochäischen Vierhebern verfasst sind, die finnische Kalevala oder Longfellows "Hiawatha" ...

 

Downward through the evening twilight,
In the days that are forgotten,
In the unremembered ages,
From the full moon fell Nokomis,
Fell the beautiful Nokomis,
She a wife, but not a mother.

 

– Fällt mir als winziges Bruchstück gerade ein?!

 

Salseda, die Wiederholungen gehören zu dieser "epischen Tradition", in der meine erzählenden Texte im trochäischen Vierheber allermeistens stehen. Das sind ja oft mündliche Grundlagen, und wenn man solche Texte laut spricht, klingt es eigentlich sehr gut?!

 

Ein beliebiger Schnipsel aus der deutschen Übersetzung der Kalevala:

 

Als die Eiche nun gefället,

Als gebeugt der stolze Baumstamm,

Konnt' die Sonne wieder scheinen,

Konnt' das liebe Mondlicht leuchten,

Weit die Wolke sich verbreiten,

Wölben sich des Himmels Bogen

Auf der nebelreichen Spitze,

Auf des Eilands wald'gen Ufern.

 

Gegen deine Vorschläge spräche sonst nichts; aber ich mag diese Doppelungen einfach, sie entschleunigen ziemlich und nehmen den jeweiligen Text auch ein gutes Stück aus der "Prosalogik" heraus.

 

Inhaltlich: Ich glaube, Prinz Klappstuhl hüpft am Graben, und die Grübeleule beobachtet ihn vom Waldrand aus?! Scharfe Augen hat sie auf jeden Fall, nicht nur "funkeläugige" ...

 

"Quarren" klingt einfach besser als "Quaken", das ist eine Beschäftigung für Enten ... Die genaue Beziehung zwischen Klappstuhl und den Fröschen, ist, hm, schwierig; und die Texte, ich gebe es zu, geben sich keine sonderliche Mühe, die Sachlage zu erklären, angefangen bei dem, in dem an einem nebligen Morgen eine Gruppe Frösche versucht, den schlafenden Neugeborenen aus dem Schloss zu tragen. Das muss man dann einfach aushalten – ich hoffe ja immer, dass die Art, wie man von der Versbewegung (und dabei auch: den Wiederholungen) getragen wird, bei der Annahme des Textes hilft.

 

Gruß,

 

Ferdi

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