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Empfohlene Beiträge

auf schlafes flügeln flieh ich meine zeit

 

zurück zu jenen tagen

da mir doch meine ungewiss

heit wenigstens noch sicher war

und worte tausendes

bedeuten konnten

                        heut

sind sie längst parolen

sie schaffen keine welten mehr

und fallen auf den straßen

 

verlier im lied der raben mich

und trau nicht einmal mehr

der nacht

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mitsinniert:

die Nacht überlasse ich den Jüngeren

früher hat sie mich beim Mercedessternebrechen beschützt

Symbolpolitik gegen ein Symbol

aber die Tage können auch schön sein

wenn man den Lichtschalter findet

 

(Übrigens finde ich Gedichtantworten auf Gedichte blöde ... warum nur ... macht doch manchmal Spaß ... verzeih!)

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Guten Morgen lieber Carlos,

warum betonst du das so? Wenn ich es als Witz formuliert hätte ... oder wenigstens meine heitere Eule dahintergesetzt hätte ...

Aber so -

Nein, Carlos, ich wollte mit dem Einwurf keine Heiterkeit hervorrufen. Es ist eine ernsthaft nachdenkliche Einlassung.

Andere lachen schon darüber, wenn sich ein Herr Doktor an einer naiven jungfräulichen Patientin vergeht, die sich nur impfen lassen wollte ... Ich vermute, darauf wolltest du irgendwie reagieren, dass ich das erklärtermaßen nicht witzig fand.

 

Carlos, die Sache mit den Mercedessternen ist so ziemlich genau dreißig Jahre her. Es war Anfang der 90er Jahre.

Ich war ein junger Mann und extrem frustriert darüber, dass sich keine Veränderungen in der DDR durchsetzen ließen, mit denen es zu mehrheitlich freien, selbsbewussten Menschen in einer progressiv gestalteten Gesellschaft gekommen wäre. Das war eine naive Wunschvorstellung. Die erschreckende Mehrheit der Menschen im Land stellte sich doch nur als tumbes Volk heraus, denen der Dr. Kohl ein wenig mit Bananen vor den Gesichtern herumwedeln musste, und der ein paar märchenhafte Versprechen von sich geben musste - und schon waren Türen und Tore weit offen für die friedliche Invasion des Westens, der die immer wieder verblüffende Zauberei fertig brachte, durch die Investition weniger Taler das ich weiß nicht wievielfache an Gewinn zu machen. Innerhalb weniger Jahre gehörte die Mehrheit der Werte meines Landes sogenannten Investoren aus dem Westen - Grundstücke, Immobilien, Industriebetriebe, Agrarflächen, Verlage, ... fast alle Werte wanderten auf die Konten weniger Siegerindividuen. Sieger in einem Kampf, den sie nicht geführt haben. Ihr guter Name "Ich bin Investor XY, Sie kennen mich sicherlich aus den Börsennachrichten, ich habe hier ein Konzept, ..." reichte aus, um ganze funktionierende Betriebe für'n Appel und'n Ei oder die berühmte 1 D-Mark zu "kaufen". Häufig nur, um sie auszuschlachten, und nach einer unanständigen Anstandsfrist leer zurückzulassen, um sich wieder den Kerngeschäften daheim zuzuwenden.

 

Carlos, wenn man das erlebt und einsehen muss, dass man als kleines Grüppchen nichts mehr dagegen tun kann, kommt man als junger Kerl schon auf komische Gedanken. Und wenn ich auf dem nächtlichen Heimweg dann an so'ner abgelegten Protzerkarosse vorbei kam, die immer mehr unsere Straßen verstopften, habe ich eben auch hin und wieder dran gezogen, ob es wirklich Qualität ist. War es nicht immer. Mich kotzten diese Ossis an, die sich von den Gebrauchtwagenäckern diese Kisten holten, um hier einen auf dicke Hose zu machen, ohne drüber nachzudenken, dass sie damit das Symbol eines Konzerns durch die Gegend fahren, der seine größten Gewinne mit Waffenhandel in aller Welt macht.

Ich weiß, der Durchschnittsbürger oder die Durchschnittsbürgerin macht sich keine Gedanken über solche Zusammenhänge. Er / sie sieht dann nur die boshafte Beschädigung eines Stücks wunderbaren Privateigentums. Deshalb habe ich damit auch wieder aufgehört. Man kann mit Kühen nicht Französisch sprechen. Dummheit ist kaum therapierbar. Man muss den Kampf gegen Ungerechtigkeit anders führen.

 

Du darfst gern nachhaken, wenn dich mehr interessiert. Wir haben bestimmt auch interessierte Mitleser.

Schade nur, dass es sich ausgerechnet bei Frau Lavendel ereignet.

 

Ich bitte sie hiermit um Nachsicht und danke für die Gastfreundschaft.                🦉

 

 

 

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Lieber Oilen, 

du brauchst nicht dich vor mir zu entschuldigen oder erklären, warum du das gemacht hast. 

Lange vor dem Fall der Mauer wurden oft diese Sterne gebrochen.

Ich nehme an, es müssen meist junge Leute gewesen sein.

Oft wurden auch Telefonzellen unbrauchbar gemacht. 

Gestern schrieb ich spontan "ich finde es nicht lustig" und so habe ich es gemeint, nichts weiter. Auch diese Graffitis finde ich meistens uninteressant. 

Der Zusammenbruch der sozialistischen Staaten ist ein Thema für sich. Es war eine riesige Anstrengung, eine neue Gesellschaft hervorzubringen. Es scheiterte an die angeborene Banalität der meisten Menschen.

 

 

 

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Ganz wichtig, Carlos: Ich entschuldige mich nicht. Das kann ich gar nicht. Ich könnte nur den, den ich geschädigt habe, um Ent-Schuldigung bitten. Dafür wäre es in den hier gemeinten Fällen zu spät.

Aber erklären, klar. Das ist wichtig, wenn man merkt, dass es einen Konflikt gibt.

Wenn ich weiß, wie mein Gegenüber tickt, kann ich besser mit seinen Worten oder Taten umgehen. Ich muss mir nichts ausdenken, was ihn bewegt haben könnte, so oder so zu handeln oder zu reden. Schlimmstenfalls (meistens) kommt dabei etwas raus, das nicht der Wahrheit entspricht. Deshalb biete ich gern meine Erklärungen an.

Ich möchte ja nicht in die nächstgroße Schublade gesteckt werden: "Ach, noch so einer, der Autos und Telefonzellen kaputt macht!" "Bürgerschreck!". Nö.

Graffitis gibt es gute und schlechte, genauso wie Gedichte. Zu vielen Gedichten kann man auch "Schmierereien" sagen. Und trotzdem ist der Beweggrund in jedem Fall interessant. In jeder solcher Handlungen / Äußerungen steckt der Versuch, etwas aus dem Inneren nach Außen zu tragen. Und Aggressionen zählen zu den interessantesten Beweggründen. Was da alles zu Tage tritt, wenn man es wissen will ...

 

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vor 2 Stunden schrieb Oilenspiegel:

Schade nur, dass es sich ausgerechnet bei Frau Lavendel ereignet.

 

Ich bitte sie hiermit um Nachsicht und danke für die Gastfreundschaft.                🦉

hallo jungs 😉,

ich finde, das passt gut unter das gedicht. zeigt sich doch, dass dieses gefühl nicht ganz so neu ist - das gefühl, falsch zu sein im gerade.

 

zum spruch keine gewalt fällt mir immer nur ein, dass gewalt immer schon stattfindet. nur, wenn einem auto ein stern aus der krone fällt, gibt es geschrei. das ist kein plädoyer fürs sternebrechen, wohl aber eins dafür, genau hinzuschauen.

 

danke, dass ihr SO miteinander diskutiert. 

liebe grüße

charlotte

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