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Lira (Strophenform)


Ensimismado

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Ich weiß nicht, ob es euch genehm ist, wenn ich hier einfach mal einen Thread eröffne. Wenn nicht, dann verschiebt ihn, löscht ihn, macht sonstwas mit.

 

Ich möchte euch kurz die Lira präsentieren. Eine recht alte Strophenform, welche aus Italien im 16. Jahrhundert in die spanische Dichtung kam.

 

 

Aufbau und Besonderheiten:

Die Strophe besteht aus 5 Versen, welche im Schema ababb geschrieben sind. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Silbenanzahl auch festgelegt ist, und zwar im Muster 7-11-7-7-11.

 

Ein festgelegtes Metrum ist hierbei nicht zu beachten. Zu beachten ist allerdings, dass ein Wechsel von Trochäus in den Jambus sinnvoll ist, um nicht in die "Verlegenheit" zu geraten, dass z.b. weibl. Kadenz auf einen Auftakt prallt, und somit einen Lesebruch erzwingt.

 

Eine Besonderheit: Die Lira kann auch 6 Versig sein, hat dann das Schema ababcc, wobei die Silben dann nach dem Schema 7-11-7-11-7-11 aufgebaut sind.

 

 

Wirkung:

Die richtige Wirkung entfaltet sie allerdings meiner Meinung nach vor allem als 5 Versige Strophe. Und damit auch gleich zu der Wirkung im Speziellen.

Die Lira liest sich sehr ruhig, fast schon würdevoll. Vor allem der zweite Vers gibt ihr immer wieder ein wenig Schwung. Nehmen wir es als Vergleich, so könnte man die Strophe mit der sanften Brandung eines Meeres gleichsetzen. Von daher ist die Strophenform ideal dazu geeignet ruhige und sanfte Texte zu schreiben.

 

 

Beispiel:

Ein kleines Beispiel zum Abschluss noch. Ich nehme - man verzeihe mir - mal ein eigenes Gedicht, ganz einfach deshalb, weil ich mich damit am besten auskenne.

Falls lieber ein bekannter Dichter bevorzugt wird verweise ich auf "La noche oscura" von Juan de la Cruz.

 

Hier die erste Strophe des Gedichtes "xi nao jin"

 

Lass dich vom Winde treiben,

und Luft wird Mauersteine aus dir pressen,

kein Staub wird übrig bleiben,

das Weltbild neu vermessen,

auch Fluchtgedanken lassen sich vergessen.

 

xXxXxXx

xXxXxXxXxXx

xXxXxXx

xXxXxXx

xXxXxXxXxXx

 

Metrisch im Jambus durchgezogen, unterstützt die recht schnelle, aber gleichmäßige Leseart. Was hierbei vor allem auffällt, um das oben angesprochene Problem der Kadenzen ein wenig abzuschwächen, jedes Versende ist mit einer bewussten Zäsur ausgestattet, so holpert es nicht.

 

Ich hoffe die kleine Erklärung hat ein wenig was gebracht. Sollte es weitere Fragen geben nur zu, ich hab sicherlich das ein oder andere zu knapp erklärt und muss noch nacharbeiten.

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Hallo Ensimismado!

 

Schön, dass hier mal etwas in dieser Rubrik zu finden ist - eigentlich wollten wir ja alle fleißig schreiben, aber... *räusper* mein Teil kommt bestimmt, irgendwann ganz bestimmt...

 

Sehr interessant, die Lira, danke fürs Vorstellen. Ich habe noch nie davon gehört, aber vermutlich wird sie im Spanischen, das ich leider nicht verstehe, öfter verwendet als im Deutschen. Momentan ist mir dabei nichts unklar... Oder vielleicht doch? Doch. :| Ganz verstanden habe ich die Problematik mit Auftakt und Kadenz noch nicht. Ich stehe, denke ich, etwas auf der Leitung. Dein Vorschlag für eine regelmäßige Lira ohne „Holperer“ sieht demnach so aus(?).

 

xXxXxXx

XxXxXxXxXxX

xXxXxXx

XxXxXxX

xXxXxXxXxXx

 

Jetzt verwirrt mich aber das:

Weil somit immer eine weibliche Kadenz am Ende steht und auf eine betonte Silbe am Versbeginn trifft, somit bricht an der Stelle die Metrik nicht.

Das ist bei meinem Bespiel ja jetzt eindeutig nicht der Fall… Anders komme ich aber, egal wie ich es drehe oder wende, irgendwie immer auf zwei betonte oder zwei unbetonte Silben, die zusammentreffen, eben wegen der ungeraden Silbenzahl… Wie hast du dir das jetzt genau gedacht? Vielleicht kannst du meine momentane Verwirrung etwas entwirren Aber die Lösung mit der Zäsur liest sich gut, eine schöne Strophe übrigens!

 

Liebe Grüße,

Kari

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N'Abend Kari,

 

du hast den Fehler gefunden, ich hab eindeutig Unsinn geschrieben an der Stelle. Dein Beispiel ist die einzige Möglichkeit ohne Metrikholperer. Ich werd es direkt mal in den Anfangspost editieren.

 

Danke wegen der Strophe. Das komplette Gedicht steht übrigens unter Gesellschaftliches.

 

Gruß,

Flo

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  • 1 Jahr später...

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