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Metrik und Silbenanalyse


Ensimismado

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Ich habe diesen Beitrag ob einer Diskussion auf dotcom geschrieben und denke er kann hier sicherlich auch recht hilfreich sein.

 

Ausgangspunkt des Postings war die Behauptung, dass man fast immer die Stammsilben betont.

 

Dass es XX nicht im Deutschen gibt, stimmt soweit, dass es das nicht geben kann, wenn keine bewusste Zäsur dazwischen gesetzt ist. Allerdings gibt es z.b. die Wörter wie Rinnsäle, dort kann man sich jetzt streiten, ob es XXx, xXx, Xxx betont wird. Letztlich muss man sich hierbei klar werden, dass das Metrikschema Xx einfach Schwächen hat. Zum einen gibt es nun mal nicht nur betont und unbetont, sondern auch akzentuierte Silben, zum anderen lässt man die Silbenlänge völlig außer acht. Kurz gesagt, mit dem Schema einfach nicht allgemeingültig darstellbar.

 

Was hat das nun alles mit dem hier angesprochenen "aufregen" zu tun? Nun, einerseits hat Niwlam Recht, man betont meisten nach dem Wortstamm. Jedoch gibt es durchaus einige Präfixe, die die Hauptbetonung für sich beanspruchen, in dem Fall ist das so. Sprich wir betonen "aufregen" Xxx.

 

Weshalb es hier diese großen Schwierigkeiten gibt, liegt einfach daran, dass die lateinische bzw. altgriechische in naturlange und positionslange Silben unterscheidet. Dort könnten also durchaus zwei naturlange oder positionslange Silben aufeinanderprallen. Sehen wir uns das Wort "aufregen" so an:

 

- = naturlang

v = positionslang

 

aufregen hat dann folgendes Muster: --v

 

Setzen wir jetzt unser gewohntes Metrikschema dazu, sollte klar werden, dass wir es hier auf jedenfall mit einer betonten und einer akzentuierten und gleichzeitig naturlangen Silbe haben. Da jeder die Silbenlänge individuell gegenüber den anderen Lesern hat, kann es durchaus sein, dass es rein vom Hören her fast so ist, als wenn beide Silben betont werden.

 

Kurzum, richtig bleibt Xxx, herzuleiten nach der Regel, dass das Präfix "auf" betont wird. (Ausnahmen gibt es auch hier, wenn es Wortkomposita, bzw. bzw. zwei Präfixe sind.)

 

 

Bei Zeit und Lust werde ich hier immer wieder erweitern. Gerne auch von eurer Seite aus Fragen oder Themen die hiermit zusammenhängen, die ihr gerne näher erläutert hättet. Wenn mir möglich, dann beantworte ich das gerne. Bitte bedenkt jedoch, dass ich mir das alles lediglich selber angeeignet habe und ich somit keinen Anspruch auf 100%ige Korrektheit erheben möchte/kann.

 

Gruß,

Flo

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Ich finde das sehr interessant, über das Präfix "auf-" habe ich so noch nie direkt nachgedacht, aber da ist was dran.

 

Mit dem Lateinischen kann ich leider nichts anfangen, da ich Latein nicht in der Schule hatte und mir der Ergänzungskurs an der Uni hier auch nicht weiterhilft. Aber ich sollte mich mal informieren, wie das mit dem quantitierenden Prinzip des Lateinischen funktioniert...

 

Ich habe zu der Problematik Verbpräfixe und deren Betonung mal den Duden befragt:

"Die größte Gruppe unter den Präfixen sind die Verbpräfixe. Die nicht trennbaren Verbpräfixe be-, ent-, er-, ge-, ver-, zer- sind betonungsneutral. Die trennbaren Verzusätze der Partikelverben sind betont."

Also zB aufladen: er lädt auf, das ist trennbar, daher Xxx

Das kann man also auf dein Beispiel aufregen anwenden, denke ich, korrigiere mich bitte, wenn ich hier irgendetwas falsch verstanden habe.

 

Ferner steht noch im Duden:

"Einige Erstglieder von Verben kommen sowohl betont (trennbar) als auch unbetont (nicht trennbar) vor."

Als Beispiele werden unter anderen angeführt: um-, durch-, über-, unter- (umfahren= Xxx bzw. xXx; durchbrechen= Xxx bzw. xXx )

 

Du hast, soweit ich es verstanden habe, (außer es war in dem Absatz zum Lateinischen, den ich nicht verstanden habe, enthalten) nichts von Trennbarkeit erwähnt, das scheint mir hier aber ausschlaggebend, zumindest was ich jetzt gelesen habe, ich lasse mich aber gerne belehren :wink:

 

Liebe Grüße, Kari

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N'Abend,

 

ja, wenn Präfixe trennbar sind, dann gibt es da wieder weitere Ausnahmen, die ich hier nicht genannt habe. Das kann ich aber bei Zeiten denke ich noch nachholen. Soweit wie du es dargestellt hast stimmt das aber schonmal.

Ebenso werde ich vor allem den Teil der lateinischen Silbenanalyse noch soweit erklären, dass verständlich ist, was, bzw. wann eine Silbe naturlang oder positionslang ist. Dazu benötigt es eigentlich auch keine Lateinkenntnisse. Ich hatte/habe nicht eine Stunde Latein an der Schule.

 

Gruß,

Flo

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Ich denke schon, dass diese Dinger ein Daktylus sind, Anna. (:

Jedenfalls ist eine unbetonte Anfangssilbe bei urteilen und mitteilen unnatürlich in meinen Ohren.

 

Da ich neulich einen interessanten Text von Max Brod darüber gelesen habe, mal ein anderes Beispiel - Holzklotzpflock:

Hat doch schon Platen in einem seiner satirischen Dramen die Deutschen verspottet, die das Wort „Holzklotzpflock“ für einen Daktylus halten. Nach der strengen akzentuierenden Metrik ist es freilich ebensogut ein Daktylus (Xxx) wie zum Beispiel das Wort „ritterlich“. – Doch hier eben klingen die vielen Konsonanten, also die Länge der Silben, das Quantitative, das angeblich mit unserem Rhythmus nichts zu tun hat, ganz energisch gegen den Akzent an. Sie wirken retardierend. ... man käme vor allem zur Einsicht, dass nicht nur der Klang, auch der Sinn der Worte und Sätze entscheidend mitwirkt, dass das Inhaltliche ins Formale gleichsam umkippt.

Da er leider noch nicht über 70 Jahre tot ist, kann ich nicht den ganzen text hier posten, aber das hier dürfte noch als Zitat durchgehen, es muss also nicht editiert werden. Wer interessiert ist, fragt mich per PN.

Der Text geht darum (wie größtenteils an diesem Ausschnitt zu erkennen ist), dass auch andere Faktoren, die wir bei den berühmten x-en einfach unter den Tisch kehren, eine wichtige Rolle spielen, und dass es zwischen betonten und unbetonten Silben noch feine Nuencen gibt, die ebenfalls nicht beachtet werden.

 

liebe Grüße

flamme

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  • 11 Monate später...

hallo zusammen,

nur eine kurze Anmerkung meinerseits zum Thema Latein Versmaß und Betonung bzw. der Natur- und Positionslängen. Im lateinischen ist die Analyse des Versmaßes sehr abhängig von der Vorgegebenen Form, der Art und weiße wie welche Buchstaben (zB. Vokal auf Vokal, Konsonant auf Konsonant o. ä.) aufeinander Folgen. Ich bin da jetzt ja auch schon seit einem Jahr raus aber ich weiss dass man diese Art von Metrikanalyse nicht aufs deutsche übertragen kann. Zum Beispiel sind Dinge wie das elidieren von Buchstaben (d.h. das Verschleifen zweier aufeinanderfolgender Konsonanten) und das automatische setzen von Längen (Naturlänge) bei zwei aufeinanderfolgenden Vokalen nicht möglich.

soviel erst mal dazu, wenn ich die Tage mal wieder meine alten lateinsachen finde gibts vielleicht auch ausführlicheres.

 

lg

Rosiel

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Na du,

 

ich glaube du hast mich ein wenig missverstanden, oder ich mich unverständlich ausgedrückt. Man kann die lateinische Silbenlehre nicht statt unserer Silbenlehre übernehmen, da das Neuhochdeutsche die Silbenlänge zwar hat, aber diese auf die prosodischen Eigenschaften keine Auswirkungen hat. Somit hilft die Einteilung in lange und kurze Silben lediglich dem besseren Klangverständnis.

 

Flo

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  • 5 Monate später...

Moin Community^^

 

In meiner Schulzeit habe ich das mit der Metrik nie auch nur im Geringsten verstanden. Aber das lag wohl mehr an den Umständen an der Schule.

Und da ich vor einiger Zeit die Dichterei und Lyrik für mich wiederentdeckt habe, würde ich gerne den Stoff aufholen.

 

Wie ist es denn z.B. mit dem Wort "mit" ... ist das dann nun betont oder unbetont?

Ich komm mit dem Betonen net klar, auch wenn ich mir dann meine Sachen vorlese... da komme ich immer wieder zu dem Entschluss, dass ich es fast immer betonen kann wie ich will und es klingt immer noch normal oder genauso gut... oder dass ich gar nichts betone ...

 

Deswegen mache ich es dann einfach immer so, dass ich innerhalb von einem Gedicht immer für jede Zeile die exakt gleiche Silbenlänge habe und einfach hoffe, dass die Metrik dann einfach stimmt...

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  • 3 Wochen später...
Moin Community^^

 

In meiner Schulzeit habe ich das mit der Metrik nie auch nur im Geringsten verstanden. Aber das lag wohl mehr an den Umständen an der Schule.

Und da ich vor einiger Zeit die Dichterei und Lyrik für mich wiederentdeckt habe, würde ich gerne den Stoff aufholen.

 

Wie ist es denn z.B. mit dem Wort "mit" ... ist das dann nun betont oder unbetont?

Ich komm mit dem Betonen net klar, auch wenn ich mir dann meine Sachen vorlese... da komme ich immer wieder zu dem Entschluss, dass ich es fast immer betonen kann wie ich will und es klingt immer noch normal oder genauso gut... oder dass ich gar nichts betone ...

 

Deswegen mache ich es dann einfach immer so, dass ich innerhalb von einem Gedicht immer für jede Zeile die exakt gleiche Silbenlänge habe und einfach hoffe, dass die Metrik dann einfach stimmt...

 

Die Silbenlänge ist für das Deutsche, bzw. die Prosodie dessen nicht relevant, daher beschränkt sich deine Frage wohl lediglich darauf, ob und wann ein Wort betont ist und wann nicht. Da lassen sich folgende Dinge kurz zusammenfassen:

 

Ein Wort wird immer auf dem Wortstamm betont.

Suffixe und Flexionsendungen sind unbetont (Ausnahmen sind Hilfsbetonungen zu Erhaltung des Versmaßes)

Es gibt so gut wie nie zwei betonte Silben hintereinander und nie drei unbetonte.

Einsilbige Worte (wie eben das "mit") werden je nach Versmaß, bzw. Kontext betont.

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