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Der Vorhof


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Der Vorhof

 

Im Vorhof zur Freiheit blüht Rechthaberei

Neben kleinen, vereinzelten Rosen

Sie plustert sich auf, macht sich stolz wie ein Pfau

„Seht ! Ich habe das Ziel schon erreicht !“

Doch das Tor dorthin öffnet sich

Nicht ihrer Schwatzhaftigkeit !

 

Sie beansprucht den Raum

Ohne Blick nach den Seiten

Gleichsam so, als ob Wahrheit ein Börsenwert sei

Ihre Träger und Käufer sind dort nur Spekulanten

Ertaubt von den täglichen Schreien

Ihresgleichen.

 

Jedoch weiß man dort nichts von dem,

Was man nicht sieht

Und auch das, was man sieht, ist nicht Alles

Und so klammert ein Pulk sich an Masse und Größe

Wird sich selbst zum Gewicht

Und gibt sich die Blöße.

 

Doch die Blumen, die nichts weiter tun als nur Blühen

Die nicht Größe und Breite erstreben

Sie entschwinden von dort unbesehen, den Boden bereitend

Den Setzlingen, die sich dem Treiben entziehen

Um im Garten der Freiheit zu stehen

Wissen sie doch: Es kommt ihre Zeit.

 

Betrittst Du den Vorhof und wirst wirklich frei

Dann verwandelst Du Dich ohne Rechthaberei

In das, was Du erspähst und bewunderst

Erst dann kannst Du sehn, wie die Tore sich öffnen

Und wirst, wie auf Schwingen, ins Licht getragen

Und was immer Du sein oder tun willst ist wahr.

 

Was Du warst oder bist wirst Du dann immer bleiben

Und Farben wie Form Deiner Wünsche annehmen

Ohne Angst, nicht erkannt und geliebt zu werden

Dein Wille im Einklang mit allem Leben

Kannst Du durch offene Tore den Vorhof ansehen

Und all meine Worte bezeugen.

 

Rupert 3.12.2002

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Hallo Rupert,

 

gern habe ich dieses Werk gelesen und es hat mich in mehrerer Hinsicht verblüfft. Zum Einen ist es die Form: obwohl es auf den ersten Blick etwas wackelig aussieht, musste ich feststellen, dass der Text fließt und sich wirklich frei und angenehm runterlesen lässt. Die gelegentlich auftauchenden Reime haben mich etwas verwirrt, weil ich dann plötzlich anfing nach einem geheimen Schema zu suchen. Allerdings ist das nur subjektiv und eine Kleinigkeit. Den Inhalt finde ich bemerkenswert, schön treibend in Richtung Höhepunkt. Problematisch ist nur der Ausdruck

"Und was immer Du sein oder tun willst ist wahr.

Und zwar deshalb, weil ein Zustand oder ein Ding nicht wahr sein kann, sondern nur Aussagen über Dinge, Zustände, etc. Insofern ist es ein Kategorienfehler. Tut mir leid für die ontologische Keule, aber als Philosophiestundent wird man auf solche Sachen konditioniert.^^

Dennoch macht der metaphysische Touch dein Gedicht besonders und die lebendige Sprache gibt dem ganzen Energie.

Insgesamt ein schönes Werk.

 

Lieben Gruß

DerSeelendichter

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Die "Keule" habe ich gerne entgegengenommen, sie hat mir nicht wehgetan.

Obwohl ihre Aussage streng genommen stimmt,

wurde mir gewahr,

dass sie selber nicht wahr war :wink:

und schon wieder hab ich denselben Fehler gemacht...

liegt wohl an meiner wahr-Nehmung,

bin so frei.

 

Jeder im Gedicht vorkommende Reim ist zufällig passiert.

Da gibt's kein Schema.

In solchen Fällen hilft gegen die Verwirrung:

nicht zu viel nachdenken.

Schön, dass es mir gelungen ist,

diesem eigentlich unförmigen Biest von Gedicht

einen Fluss zu verleihen,

den ein Seelendichter spüren kann.

 

Muss zugeben, dass ich nie richtig damit zufrieden war,

Hab's net besser hinbekommen.

Und obwohl ich nie richtig damit zufrieden war,

sagte mir damals irgendwas,

dass es trotzdem zu meinen besseren Lyrik-Versuchen gehört.

Schön, dass es Dir trotz des Fehlers gefällt.

 

Danke für Deine Gedanken und die unwahre oder wahre Keule

sagt

der einzig wahre

Rupert Lenz

 

( okay, das kann nicht sein, es gibt, wenn man den Namen googelt,

tatsächlich noch andere ).

 

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Hallo Rupert,

 

auch mir gefällt dein Gedicht sehr gut. Mit dem "Vorhof" könntest du den Vorhof zum "Paradies" gemeint haben.

Wären wir doch alle dort schon angekommen!

Doch wenn auch hier die "Rechthaberei" blüht, was für mich die Herrschaft der Ideologien ist, dann bleibt der Zutritt verwehrt.

Die Wahrheit der Ideologien ist ein Ware, täglich feilgeboten von Spekulanten auf dem Marktplatz der Illusionen.

Die Blumen, die in diesem Vorhof blühen, sind vielleicht kleine Worte mit großer Wirkung.

 

Was mir (natürlich) besonders gut gefällt, ist die Zeile: "Dein Wille im Einklang mit allem Leben".

 

Das ist genau das, was ich in meinem Gedicht mit "zu leben" gemeint habe. Mit allem Leben "im Einklang" zu sein, bedeutet für mich, sich dem Leben in jeder Form zu öffnen, es anzunehmen, in sich aufzunehmen und es mitzunehmen

 

Du siehst, dein Gedicht hat mich zum Nach- und Weiterdenken angeregt, und mehr kann man von einem Gedicht nicht verlangen.

 

Ich habe es schon mehrere Male gelesen.

 

Alles Liebe

 

turamon

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...für Deine lieben Worte.

Mir gefällt Deine Interpretation des Gedichts sehr,

auch wenn ich beim Schreiben gar nicht so weit gedacht habe...

mir fällt dadurch auf, dass es trotzdem diese Weite hat !

Nein, es ist aus ganz persönlichen Kämpfen heraus entstanden,

auch ans "Paradies" ( im Jenseits oder an ein Paradies auf Erden )

hab ich dabei gar nicht gedacht,

ich dachte ans Innere des Menschen und dass

Freiheit dort errungen werden muss...

und nannte die Zustände, in denen sie noch nicht erreicht ist,

den "Vorhof".

Mit dem Blick nach Aussen habe ich dann in diesen Vorhof alle

"Pseudo-Freiheit" im Denken eingegliedert,

um zu zeigen, dass diese Verhaltensmuster nicht weiter in sie hinein führen.

Ja, das waren ( religiös-sektiererische ) Ideologen, die versuchten, mich zu knechten,

in erster Linie über andere Leute, die sich von ihnen verführen ließen und

vor allem mit Hilfe von Ausgrenzung und Vorspiegelung erreichter

Freiheit und Erlösung gemeint haben,

mich irgendwie beeindrucken zu können.

Nur... Liebe von Mensch zu Mensch ( der ich dann durchaus bereit gewesen wäre, zu folgen )

war da keine, es waren alles Fallen... marktschreierische Formeln

und die üblichen Machtspielchen eben.

Ich hätte blind sein müssen, um das nicht zu sehen.

Ich kenne doch diese Machtspiele alle... bin getaufter Katholik und war langjähriger Ministrant...

da hatte ich dann genügend Gelegenheit, mich mit dem auseinanderzusetzen,

was da in der Kirche nicht nur vor sich geht

( ich hatte ja Glück, sowohl mit dem zweiten Vatikanum alsauch mit den Pfarrern ),

sondern auch wie's dazu gekommen war und was da ,

zur Zeit meiner Großeletern etwa und auch meiner Eltern noch, vorausgegangen sein musste.

Ich gebe zu, dass ich immermal wieder einen Vorteil daraus zog,

dass man mich bei solchen "Missionierungsversuchen" stets für blöd hielt

und meinte, man könne mich für dumm verkaufen.

Ich hab, ohne dass es bemerkt wurde, stets auf Herz und Nieren getestet,

Ergebnis: Katastrophe. Schon wieder ein Fake !

Als Resultat habe ich dann stets, als eine Art "Spiegel", den konservativen Katholiken raushängen lassen,

für gewöhnlich wandten sie sich dann schaudernd ab... :lol: !

Mir ging es nicht so gut, und allein dieser Zustand nährte bei diesen Seelenfängern

die Hoffnung, mich locken zu können...

das Gedicht ist dann, als Reaktion darauf, Jahre später entstanden

( als es mir längst besser ging ).

Ich dachte, dass ich "ihnen" das schuldig bin -

quasi als "militanter Pazifist" Marke Corazon :wink:

auf künstlerisch-philosophische Weise auszuholen

zum "Schlag in die Fresse".

Also hab ich's auch immer persönlich gesehen,

aber es stimmt, es gilt für alle Ideologen...

hoffentlich hab ich getroffen und es tut entsprechend weh !

Um ein für alle Mal mit dem Mummenschanz aufzuhören:

Ich bin ein Freidenker und Individualist, immer gewesen und werd's auch bleiben,

als der Papst hier in Freiburg war hat mich das herzlich wenig interessiert.

 

Wie ich schon im Kommentar zu Deinem Gedicht "Was gut ist" geschrieben habe,

kann ich Deine Einstellung voll unterschreiben. Wie wohltuend, dass Du nun in meinem

Gedicht eine Bestätigung bekommen hast - ich glaube, dass Du's verdienst,

denn als Individuen bekommen wir sie nunmal sonst nicht ohne irgendwelchen Ideologen

zuzustimmen, die Bestätigungssüchtig sind, weil sie selber nicht wirklich

an den Mist glauben können, den sie verzapfen :lol: !

Also lass Dich umarmen... Bruder

( oder Schwester ? Frag ich mich die ganze Zeit beim Namen Turamon...

wird Zeit, mir jetzt die Blöße zu geben und zuzugeben, dass ich ihn nicht kenne ! ).

 

LG

Rupert

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Hallo Rupert,

schön, dass dir meine kleine Interpretation gefallen hat, auch wenn ich deine Intention nur teilweise erkannt habe.

So ist das mit den Gedichten / wir können nie wissen / was sie "anrichten".

Deine Erfahrungen mit den "christlichen" Ideologen müssen ja schrecklich gewesen sein.

Niemand - und sei er/sie auch noch so "bedeutend", darf sich anmaßen, über den Geist und die Seele eines anderen herrschen zu wollen.

 

Zu meiner Person: Ich bin 57 Jahre alt und arbeite als Grundschullehrer.

Gedichte schreibe ich schon seit meinem 16. Lebensjahr - sie haben mir oft geholfen, mich mit dem "Leben" auseinanderzusetzen und mir so manche Klarheit verschafft.

Mehr will ich jetzt erst mal nicht über mich verraten.

 

Ich denke, wir schwimmen im selben Fluss - im "Fluss des Lebens"...

 

Liebe Grüße

 

turamom

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Hallo Rupert!

 

Habe den Vorhof nun auch etliche Male gelesen. Inzwischen ist ja noch der ein oder andere Kommentar hinzugekommen, und jeden davon habe ich ebenfalls mit Freude gelesen.

 

Ich denke, was Du speziell mit dem Gedicht verbindest, ist herauszulesen, aber mehr ganz allgemein. Und das reicht auch, ist sogar besser als würde es speziell nur darauf verweisen. Ein jeder, der wach durchs Leben geht, kennt das in bestimmter, in seiner eigenen Weise. Ob man es da mit Katholiken, Lehrern, Sekten oder einfach nur mit seinen Mitmenschen zu tun hatte, kommt dabei auf dasselbe heraus.

 

Gestern z.B. war ich mit einem Freund im Supermarkt einkaufen und wir unterhielten uns über Manipulation durch Medien etc. In diesem Moment schallerte es aus der Supermarktsprechanlage: (Männerstimme) "Schatz, ich hätte heute Lust auf Hähnchen." (Frauenstimme) "Hm, und ich habe keine Lust später den Herd sauberzumachen." Dann folgte die Bewerbung irgendeines tollen Dinges, was einem eben das Herd saubermachen erspart. Ich sagte zu meinem Freund: "Faszinierend, wie in einer so einfachen Sache schon so viel Manipulation liegt." Er sagte mir dann, auf so etwas Plumpes falle er natürlich nicht herein, weder kaufe er das Mittel noch die Hähnchenschenkel, die man da unterschwellig mit bewerbe. Da ich das aber gar nicht meinte, sagte ich: "Es geht hier nicht um die Produkte, sondern um das Gesellschaftsbild, das uns hier unterschwellig und harmlos mitverkauft wird. Wie wäre es denn gewesen, hätte die Frauenstimme gesagt, sie hätte Lust auf Hähnchenschenkel, worauf dann die Männerstimme sagt, sie hätte keine Lust den Herd sauberzumachen? Das würden wir wohl wie eine Parodie empfinden und uns mehr damit als mit den Produkten, die offensichtlich verkauft werden sollen, beschäftigen. So aber empfinden wir nur die wohlige Behaglichkeit, Normalität, keine Fragen. Hier wird also neben den Produkten noch so viel mehr verkauft."

 

So ist das überall. Es geschieht oftmals nicht einmal bewusst oder gewollt. Das ist irgendwie so, wie wenn in der Matrix jeder zu deren Agent werden kann.

 

Sich in all dem sein Stückchen Freiheit zu bewahren, ist schwierig. Zumal dieses Stückchen Freiheit sehr klein ist, bei all der Determination.

 

Wie muss man also die "ontologische Keule" sehen?

 

Und was immer Du sein oder tun willst ist wahr

 

Seit relativ früher Kindheit bin ich Philosoph, Student der Philosophie und manchmal ungewollt ein Lehrer für andere. Spannend ist, dass man dabei nie ganz dieses oder jenes allein ist, alles davon ist man im Wechsel, je nachdem, wie sich die Situation ergibt.

 

Wie verhält sich also zum o.g. Zitat die folgende Keule:

 

Problematisch, weil ein Zustand oder ein Ding nicht wahr sein kann, sondern nur Aussagen über Dinge, Zustände, etc.

 

Ist das tatsächlich so einfach? Wie wird hierbei eigentlich der Begriff Wahrheit definiert? Und was immer ich sein oder tun will, ist wahr ... Ist mein Wille zu sein und zu tun hierbei nicht die Aussage? Oder sind Aussagen etwa nur etwas, was man ausspricht? Und wenn Zustände oder Dinge nicht wahr sein können, sondern nur die Aussagen darüber, ist dann nicht auch dieser Wille, der ja Aussage ist, eben wahr? Kann dann nicht jede Aussage Wahrheit sein? Eben ein Teil der Wahrheit? Wie verhält es sich dann, nähme man alle Wahrheiten zusammen? Oder sind Dinge und Zustände vielleicht doch auch in sich selbst wahr, egal, welche Aussagen nun getroffen werden? Ist nicht alles zueinander ein sich ständig gegenseitiges Gefüge des Abtastens? Was also heißt dabei wahr?

 

Und jetzt nochmal: Ist mein Wille etwas zu sein und zu tun hierbei nicht bereits Aussage?

 

Da fällt mir nebenbei eine große philosophische Heldin ein: Pippi Langstrumpf (Ich mach mir die Welt, so wie wie mir gefällt) ;-)

 

Liebe Grüße

 

Beteigeuze

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herzlichen Dank für Deinen Kommentar.

Meine Verwandtschaft zu Pippi Langstrumpf, der weltbekannten Philosophin, ist hiermit auch offengelegt.

Nun, ich sehe es ähnlich undogmatisch wie Du...

"was immer Du sein oder tun willst ist wahr"

meinte ich im Sinne von "... ist keine Illusion",

weil wir ja gerne in der Realität daran scheitern,

das zu sein, was wir sein wollen,

das zu tun, was wir tun wollen...

ich habe das Wörtchen "wahr" dem Wörtchen "real" vorgezogen,

ganz einfach, weil der "Vorhof" selber eher ein "wahrer" als ein realer Ort ist.

Und schon wieder...

was kann alles wahr sein ?

 

LG

Rupi

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