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Das Mobilheim

Es war spät in der Nacht. Ein feiner dichter Nebel zog draußen vor dem Mobilheim auf. Als sie herausschaute begann es leicht zu Regen. Der feine Sprühregen vermischte sich mit den Nebelschwaden zu einem feuchten, grauen Vorhang. Aus der Ferne hörte sie das tiefe Donnern eines sich nähernden Gewitters. Es war kurz vor Mitternacht, als sie vom Schlafzimmer schlaftrunken zum Kühlschrank in die benachbarte Wohnküche stolperte. Die trockene Kehle hatte sie aus dem Schlaf gerissen. Während sie die Flasche zum Trinken ansetzte, schaute sie aus dem Fenster und erblickte eine dunkle Gestalt in der Nähe, die an ihrem Mobilheim vorbeihuschte.

„Was für ein verrückter Typ. Jetzt noch mit dem Hund herauszugehen“, murmelte sie und schloss die Kühlschranktür.

Es dauerte nicht lange bis sie wieder in den Schlaf gefunden hatte. Durch etwas Befremdliches, einer kalten und ungewissen Anwesenheit, wurde sie langsam wach. Sie konnte sich weder bewegen, noch sprechen! Nur durch ihre Nase bekam sie noch Luft.

Was ist passiert? schoss es ihr durch den Kopf.

Sie versuchte, sich aufzurichten. Doch die Fesseln an Hand- und Fußgelenken hielten sie gnadenlos gefangen. Ihr Blick erfasste die Umrisse  der  Gestalt, die sie schon vom Fenster aus gesehen hatte. Schwarz, dunkel und durchnässt stand die Person vom Fenster in ihrem Schlafzimmer,  sie konnte nicht schreien, nicht handeln.

Der Knebel in ihrem Mund lies nur gedämpftes Kauderwelsch zu. Sie windete sich; versuchte ihn anzuschreien. Er rührte sich nicht. So, als ginge ihn das nichts an. Er schaute ihr zu; reagierte nicht. Regenwasser tropfte von seiner Mütze. Er atmete schwer. Erregte ihn diese Situation?

„Du krankes Schwein“, versuchte sie zu schreien, „was willst du von mir? Lass mich in Frieden, geh!“ Doch das unverständliche und unartikulierte Gebrumme erstickte in ihrem Kehlkopf.

Sie geriet in Panik. Windete sich auf Ihrem Bett hin und her. Versuchte zu entkommen! Die Fesseln ließen Ihr keine Chance. Er stand nur dort, packte sich mit seiner rechten Hand in den Schritt und massierte seinen Penis.

Das wenige Licht von draußen wurde durch etwas Funkelndes in seiner Hand reflektiert. Ein Messer! Ohne Kommentar ritzte er ihr einen tiefen Schnitt in die Wade. Ein tiefer stechender Schmerz durch drängte ihr Bein und breitete sich wellenartig über ihren ganzen Körper aus. Ihr Schrei erstickte im Knebel. Niemand konnte sie hören. Niemand würde kommen.

Kaum dass sie sich von diesem Schmerz, der ihr fast die Sinne schwinden lies, erholte. Schnitzte er ihr weitere tiefe Wunden in ihre Beine. Erst links, dann rechts, dann wieder links. Abwechselnd mit derselben Geschwindigkeit. Als wäre es ein Spiel für ihn.

Trotz ihrer Schmerzen, hörte sie, wie sein Atmen intensiver wurde.

Was willst du von mir du krankes Schwein? Wenn du mich Ficken willst, dann tue es, los fick mich, schoss es Ihr durch den Kopf. Im selben Atemzug löste er ihr mit einem Schnitt ihre Fußfesseln. Sie konnte sich umdrehen, kroch mit ihrem Rücken an das Kopfende Ihres Bettes, die Beine angewinkelt. Durch die Dunkelheit im Schlafzimmer erkannte sie nicht, die Vielzahl der Einschnitte, sie spürte den Schmerz und Ihre durch das Blut verschmierten Beine.

„Du Schlappschwanz kannst nicht ficken, ist wohl zu klein, oder was ist los mit dir?“ brabbelte sie durch Ihren Knebel.

Er stürzte sich auf das Bett und packte sie, versuchte sie auf den Bauch zudrehen. Mit Tritten wehrte sie sich vergebens, er war zu stark, sie zu geschwächt durch den Schmerz. Nach einem kurzen Handgemenge hatte er es geschafft. Sie lag mit dem Gesicht tief in ihrem Kissen gedrückt auf dem Bauch, er kniete mit seinem ganzen Gewicht auf sie. Sie konnte sich nicht bewegen.

Nach einigen Sekunden nahm er den Druck von ihrem Rücken. Endlich konnte sie wieder atmen. Doch ohne Vorwarnung stach er in ihre  Schultern, er ritze ihr langsam und in kurzen Abständen die Wirbelsäule herunter, an der gegenüberliegenden Seite wieder herauf. Die Schmerzen brachten sie fast um den Verstand.

Er löste ihre Handfesseln, sie war zu geschwächt, um zu reagieren. Hunderte von Bildern schossen ihr durch den Kopf. Vor ihrem inneren Auge bewegten sich in Diaformat, die Bilder Ihrer Kindheit bis hin zur der Beerdigung Ihrer Mutter ab. Sie wollte es endlich hinter sich haben, egal wie, egal womit.

Er ließ von ihr ab, der Druck von ihrem Körper schwindete, die Schmerzen waren präsent. Er war von Ihrem Bett aufgestanden, stand da und beobachtete wortlos. Sie blieb regungslos liegen, die Schmerzen ließen nichts anderes zu.

Dann verschwand er plötzlich. Sie hörte ein lautes dumpfes Geräusch, eine Türe? Kommt jemand und hilft mir?

Wie lange es anschließend ruhig war, wusste sie nicht. Sie war durch ihre Wunden und schmerzen an Ihrem Bett gebunden.

Sie hörte erneut die Türe vom Mobilheim, „Eine Türe? Ist Er zurück? Nein, bitte nicht. Nicht nochmal“ Ratterte es ihr durch den Kopf. Ihr Unterleib zog sich Krampfartig zusammen, die Schmerzen drangen Ihr erneut ins Mark. Die pure angst ließ es zu, dass sich ihre Blase ohne Kontrolle entleerte. Doch die Schritte wurden lauter, sie hörte seinen Atem, er stand hinter ihr. Ihr Atem stockte, als er sich neben ihr auf die Bettkante setzte. Dann plötzlich, ein wasserähnliches Geräusch, als würde man einen Lappen auswringen. Tatsächlich fing er an, ihr den Rücken zu säubern. Schnitt für schnitt reinigte er sie vorsichtig. Sie merkte wie er mit der Wirbelsäule von oben herab begann. Vorsichtig reinigte er sie mit warmem Wasser, reinigte die tiefen Wunden, die er ihr zufügte.

Dann die Arme und die Schultern, vorsichtig war er dabei. Nach dem Reinigen des Oberkörpers, begann er eine warme Masse auf Ihre Wunden zuschmieren, alles ohne ein Wort zu sagen. Alles lief sehr ruhig und still ab.

„Was bist Du nur für ein Mensch, wie krank bist du eigentlich? Warum und was habe ich dir denn getan? Wieso hast du mich auserwählt? Waren die Fragen in Ihrem Kopf.

Doch eine Antwort auf Ihre Fragen, bekam sie nicht.

Nach dem Einsalben des Oberkörpers, nahm er sich ihre Beine vor. Erst wischte er ihr das Blut von den Beinen, um die Wunden die er ihr zufügte zu versorgen. „Bei einer Wunde muss ich nähen“, erklang es, „es sind kurze Stiche, es tut nicht weh“.

Sie merkte, wie die Nadel durch ihre Haut gestoßen wurde, einmal, zweimal und dreimal.  „Es  wird nicht so schmerzhaft sein, wie die ersten Einstiche.“, sagte er.

„Es wird alles gut“

Nach dem er Nadel und Faden zur Seite legte, glitt er mit seinen Finger und die genähte Narbe.  „Sieht sehr gut aus“ kam es aus seinem Mund.

Er begann im selben Atemzug ihre Beine einzubalsamieren. Hier benutze er dieselbe warme Masse wie vom Rücken. Die Wärme tat ihr zwar gut, doch die Schmerzen blieben. Er deckte ihren Rücken mit einem unbekannten Stoff ab, um ihn vor Infektionen zu schützen. Es wird Tage dauern bis der Schmerz vorüber sind, „die Narben bleiben, Entschuldigung“, erklang die dunkle, raue  Stimme.

„Ich hatte mich einfach vertan. Ich habe die Falsche herausgesucht. Habe nicht richtig aufgepasst. Du hättest es nicht sein sollen. Eine andere Frau sollte sterben, du kannst mir dankbar sein. Als ich meinen persönlichen Fehler erkannte, habe ich doch aufgehört.  Ich habe dich nicht getötet. Danke mir lieber dafür, dass du noch lebst.

Ich werde dich nun zudecken damit du nicht frierst, den Knebel in deinem Mund lasse ich. Damit du nicht um Hilfe schreien kannst. Ich werde jetzt gehen.“

„Wie gesagt, es tut mir leid“, murmelte er noch einmal im Hinausgehen.

Mit diesen Worten war er verschwunden. Ein leises Tür knacken, dann absolute Stille.

Sie blieb noch einige Zeit liegen, um sicherzugehen dass er auch hinaus ist. Langsam und unter größten schmerzen bemühte sie sich auf. Es war schmerzhaft, brannte und zwickte am ganzen Körper. Gebückt und mit kleinen Schritten ging sie ängstlich aus dem Schlafzimmer. Immer wieder zuckte sie unter den schmerzen in sich zusammen, die Beine wollten diese schmerzen nicht tragen. Sie wollte ins Badezimmer, dies war der einzige Ort im Mobilheim mit einem Spiegel an der Wand. Dort lag ebenfalls ihr kleiner Schminkspiegel im Regal. Schleppend und unter größten Schmerzen, hangelte sie sich an der Wand vom Schlafzimmer hinaus ins Wohn.-Esszimmer. Dort befand sich ebenfalls die Türe zum Badezimmer, direkt neben dem Haupteingang. Zuerst stütze sie sich ein wenig an der Türklinge der Badezimmertüre ab, lehnte ihre Stirn an die Türzarge um die schmerzen abklingen zulassen. Nur langsam öffnete sie die Badezimmertüre, durch einen kleinen Spalt ertastete sie im inneren den Lichtschalter vom Bad. Kaum hatte sie ihn betätigt drehte sie sich über ihre linke Schulter ins Bad.  Ihr Blick gefror, als sie sich komplett ins Badezimmer hinein drehte. Das gesamte Badezimmer war  mit Blut verschmiert, die Wände, der Boden, sogar die Seife am Waschbecken, jemand musste sich mit dieser die Hände gewaschen haben Ihr Blick scannte das restliche Badezimmer, sie fokussierte den verschlossenen Duschvorhang. Etwas trieb sie voran, eine unsichtbare Schnur, zog sie vom Waschbecken hinüber zum Duschvorhang.  Sie zögert, doch langsam öffnete sie ihn, ihr Herz raste vor Angst, Angst vor dem was sie nach dem Öffnen sehen würde.

In der Dusche lag eine zusammen gekauerte unbekannte Frau, nackt und völlig blutverschmiert. Der Körper glich einem Schnitzelfest, unzählige Einschnitte am ganzen Körper offenbarten sich.  Die offenen Augen der toten Frau, starrten ihr direkt ins Gesicht. Michelle schaute an dem  Körper der unbekannten herunter, und sah den tiefen längs Schnitt an Ihrem Hals. Der Magen schlug sofort um, und entleerte sich vor ihren Füßen dieser unbekannten.  

Dann wurde es dunkel um Michelle.

Elf Stunden später, im Örtlichen Krankenhaus St. Vincent.

Das ist alles an was ich mich erinnern kann, Frau Kommissarin Stock.

Die Ärzte meinten, dass ich Glück gehabt habe. Es hätte auch anders ausgehen können für mich.

Michelle schaute auf ihre zitternden Hände und zögerte kurz, bevor sie fortfuhr.

„Der dichte Nebel, der unbekannte Mann vor meinem Fenster. Alles und jedes verfolgt mich in meinem Schlaf. Jedes Geräusch auf dem Flur da draußen, erinnert mich an den Donner der Nacht. Dass Türe knacken, der morgendlichen Visite oder der Putzfrau lässt meine Eingeweide zusammen zucken. Es war die schrecklichste Nacht meines Lebens.

Das ist das, was ich erlebt und Ihnen dazu sagen kann, Frau Stock. Es tut mir leid, an mehr kann oder will ich mich im Moment nicht erinnern. Es kam zu plötzlich, es ging einfach  alles so schnell“.

„Vielen Dank, Frau Schneider.

Dann wünsche ich ihnen gute Besserung. Ich lasse den Polizisten die nächsten Tage vor ihrem Krankenzimmer stehen. Ich werde schnellstmöglich auf Sie zukommen, wenn ich Fragen habe oder etwas Neues weiß.“

„Ach übrigens, eine Frage hätte ich doch noch auf dem Herzen, kennen Sie eine Frau Stute?“

„Nein, warum?“

„Reine Formalie. Danke und gute Besserung“

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Hallo Stephan,

 

ein durchaus gelungene Morgenlektüre habe ich gelesen, die mich ein wenig an „Psycho“ erinnert.

 

Die Geschichte kann noch ein wenig optimiert werden, durch das Ersetzen von Wiederholungen, streichen von Füllwörtern/sätzen und dem Überarbeiten von unlogischen Aktionen → das Handgemenge auf dem Bett kann es kaum geben, da sie noch gefesselt ist, denn es waren nur ihre Beine befreit worden und wieso macht sich die Frau den Knebel nicht aus dem Mund, als die Fesseln der Hände durchtrennt waren und sie allein im Wohnwagen war.

 

 

LG Sternwanderer

 

 

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