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Die Abenteuer des Richard Kurzer "Abenteuer Technik"


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Die gefährlichen Abenteuer des Richard Kurzer

 

Abenteuer Technik

 

An einem Samstagvormittag, als sich Richard von der Arbeit frei genommen und Emma vorgearbeitet hatte, hielt in ihrer Berliner Wohnung eine neue Technik Einzug.

Nun stand also das lang ersehnte Wunderding, ein zierlich wirkender, weiß lackierter Kasten aus Metall, dessen Vorderseite eine schwarze Armatur zierte, im Badezimmer eines damals viel begehrten Wohnblocks.

Und während Emma in der Küche den Gemüseeintopf aufwärmte, die Petersilie auf einem Holzbrettchen klein hackte und die Salatblätter für den Nachtisch zerpflückte, schloss ihr Mann die Waschmaschine an.

Richard war inzwischen ein sehr erfahrener Elektroingenieur. Er zeichnete meterlange Faltpläne für Starkstromanlagen, hauchte riesigen Schiffsmotoren Leben ein oder reparierte, hegte und pflegte ihren Skoda.

Er war handwerklich sehr begabt und tapezierte sogar fachgerecht ihre windschiefe Neubauwohnung.

„Herrgott nochmal ! Verdammter Mist !“ Fluchte er auf einmal im Bad.

Richard braucht Hilfe, dachte Emma, ließ das Salatbesteck in die Schüssel fallen, drehte schnell den Gashahn am Herd auf Sparflamme und trocknete sich zwischendurch die Hände an der Schürze ab.

Als sie in der offenen Badezimmertür erschien, kniete Richard vor der nagelneuen Waschmaschine. Dann legte er seinen Kopf gegenüber unters Waschbecken.

Er zerrte den Waschmaschinenschlauch über den aus der Wand gezogenen Rohrstutzen und zurrte die darüber hängende Schelle mit einem Schraubenzieher fest an. Doch wie er so rücklings da lag in seinem weißen, ausgedienten Bürokittel, der nur notdürftig seine Leibesfülle zusammenhielt, erinnerte er sie an das abrupte Ende seiner Ära als Raketenbauer, und schloss für einen Moment die Augen. Ahnte sie vielleicht was demnächst auf sie zu kam ? „Was stehst du da noch herum ?“ rief Richard.

„Ich brauch dich nicht. Ich wasche als Erster !“. Las ihm ruhig seinen Willen, sagte es in ihr und bedenkt : Diesmal muss er die Wäsche nochmal auswringen und merkt gleich einmal wie anstrengend das ist.

„Wann gibt es Essen ?“ fragte er ungeduldig. „Ich bin hier gleich fertig“. „Vergiss die Wäsche nicht vorher zu sortieren“, sagte Emma und zog sich wieder in die Küche zurück. Eine Viertelstunde später summte, brummte und rumorte es dann schließlich im Bad. Die neue Waschmaschine arbeitete. Sie reinigte ihren Wäscheberg, während sie gemütlich im Wohnzimmer zu Mittag aßen. Die Türen standen weit offen. Sie verfolgten ihr regelmäßiges Poltern, das ziehen und platschen. Emma glaubte schon sie säße selbst in dem Kasten und sah Richards Unterhosen in der milchigen Lauge hin und her wirbeln.

Das sei ein Halbautomat mit einem Wellrad, erklärte ihr Richard. Er sei kinderleicht zu bedienen. Beim Waschen könnte sie gar nichts falsch machen. Emma fragte verärgert „wann gibt’s denn die andere Hälfte dazu ?“ Damit meinte sie die Tischschleuder. Daraufhin sah Richard seine Frau an als hätte sie ihm die Seele aus dem Leib gerissen, und brummte tief beleidigt : „Die kommt in 14 Tagen“. … Dann war es auf einmal ganz still. Der Halbautomat hatte sich abgeschaltet. Richard sprang sofort ins Badezimmer rüber.

Während Emma die Küche in Ordnung brachte, rauschte im Bad das Wasser. Plötzlich stand Richard in der Tür und zeigte ihr einen Packen Wäsche. „Du großer Gott!“ schrie Emma und schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Kleinlaut nahm Richard den Wäschepacken auseinander, da schimmerten seine wollenen langen Unterhosen und Unterhemden in allen möglichen Farben.

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Die gefährlichen Abenteuer des Richard Kurzer   Abenteuer Technik   An einem Samstagvormittag, als sich Richard von der Arbeit frei genommen und Emma vorgearbeitet hatte, hielt in

Hallo Lia,  schön wieder von dir zu hören. Da hast du uns eine wunderschöne Geschichte von den Anfängen der Wachmaschine zu Papier gebracht und natürlich die anfänglichen Schwierigkeiten. Al

Moin liebe, Lia Mößner, die, erste Waschmaschine war schon etwas sehr Besonderes. Endlich war das mühsame Dreck auswaschen mit den Händen, Bürste und Waschbrett vorbei, keine wundgeriebene Fingerk

Hallo Lia, 

schön wieder von dir zu hören.

Da hast du uns eine wunderschöne Geschichte von den Anfängen der Wachmaschine zu Papier gebracht und natürlich die anfänglichen Schwierigkeiten. Als ich Kind war bekamen wir auch so ein halbautomatisches Teil, wo wir dann die Wäsche noch durch zwei Rollen drehen mussten. Das war damals schon eine tolle Erfindung, meine Mama freute sich sehr, da meine Oma das Teil gekauft hat, jedoch gleich mit dem Wringer. 

Liebe Lia, ich habe mich sofort in meine Kindheit zurückversetzt gefühlt und beim lesen gelächelt.

Auch Heinz ein Dankeschön,

liebe Grüße Gina

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Moin liebe, Lia Mößner,
die, erste Waschmaschine war schon etwas sehr Besonderes.
Endlich war das mühsame Dreck auswaschen mit den Händen, Bürste und Waschbrett vorbei, keine wundgeriebene Fingerknöchel mehr. Einige Frauen mussten lange auf die erste Waschmaschine warten. Nicht jedes Ehepaar konnte sich gleich eine leisten.
Die bunt gewordene Unterhosen sahen sicher hübscher aus, als die ollen weißen vorher.
Eine sehr amüsante Geschichte.
Sehr gerne gelesen und geschmunzelt!
LG Josina

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