Zum Inhalt springen

Anfangsreime


Empfohlene Beiträge

Aus Anlass von Letrangers "Du liest ..." eine historische Quelle zum Thema "Anfangsreim" – hat recht viele, wenn auch etwas veraltete Beispiele, und war mir im Gedächtnis, darum; ich schaue aber noch weiter. Beyers Beispiele, die aufgrund der Platzprobleme eines Buches oft nur einige wenige Verse eines längeren Gedichts umfassen konnten, habe ich vervollständigt.

 

Der Anfangsreim

(Conrad Beyer, Deutsche Poetik, 3. Auflage, 3. Band, Berlin, Behr 1900, S. 433f.)

 

Er paart die Anfangsworte der Verse, und zwar gepaart und gekreuzt.

 

Wie der Kettenreim und das Echo ist er selbst in der Hand des besseren Dichters eine Art Spielerei, da ja der Sinn am Anfang des Verses noch keinen Eindruck gewonnen haben kann. Die Aufmerksamkeit ist am Anfang auf das Kommende gerichtet, weshalb ein Ruhepunkt an der Spitze der Strophe hemmend empfunden werden muss.

 

Er tritt ebenso allein als in Verbindung mit dem Endreim auf.

 

Beispiele:

 

1) Gepaarte Anfangsreime

 

Leben wollen sie wie die Herrn,

Geben wollen sie niemals gern.

 

Alt und jung ist nicht beisammen,

Kalt und warm macht keine Flammen.

Rote Lippen lieben nicht

Tote Farb' im Angesicht.

 

Diese vier Verse in: Johann Hübner, poetisches Handbuch (1731)

 

2) Gekreuzte und unterbrochene Anfangsreime

 

a) Da sackt man auf,

Und brennt das Haus,

Da packt man auf,

Und rennt hinaus.

 

(Goethe)

 

b) Klage nicht

Rumi (1207-1273), in der Übersetzung von Friedrich Rückert 1819


Klage nicht, dass du in Fesseln seist geschlagen,
Klage nicht, dass du der Erde Joch musst tragen.

Klage nicht, die weite Welt sei ein Gefängnis;
Zum Gefängnis machen sie nur deine Klagen.

Frage nicht, wie sich dies Rätsel wird entfalten;
Schön entfalten wird sich's ohne deine Fragen.

Sage nicht, Liebe habe dich verlassen;
Wen hat die Liebe je verlassen? Kannst du's sagen?


Zage nicht, wenn dich der grimme Tod will schrecken;
Er erliegt dem, der ihn antritt ohne Zagen.

Jage nicht das flücht'ge Reh des Weltgenusses!
Denn es wird ein Leu und wird den Jäger jagen.

Schlage nicht dich selbst in Fesseln, Herz, so wirst du
Klagen nicht, dass du in Fesseln seist geschlagen.

 

c) Aus "Die Makamen des Hariri". Friedrich Rückert schreibt: "Meine Arbeit gibt sich für keine Übersetzung, sondern für eine Nachbildung." Zum Stil: "Der Ausdruck Hariris ist überkünstlich, voller Wortspiele und Anspielungen, übertrieben, abenteuerlich, ausschweifend, kurz alles, was man da, wo es unbewußt ist und sich selber für die reine Schönheit hält, falschen oder verderbten Geschmack nennen kann. Hariri aber ist humoristisch und steht frei über dem, was er darstellt; und so wird man ihm die Schnörkel seiner Makamen für nichts andres, als wie die des Don Quixote dem Cervantes, anrechnen dürfen, nämlich für beabsichtigte und zweckgemäße Charakteristik."

 

Gelungen ist mir, was noch keinem je gelang;
Daß jedem Wünscher nun sein Wunsch gelinge!
Verdungen hatt' ich mich um Lohn, den ich bedang,
Allein die Liebste hielt nicht die Bedinge.
Gedrungen war ihr nicht ans Herz, was mich durchdrang;
Wer hofft, daß einen Stein ein Ach durchdringe?
Umschlungen war ich, ohne daß ich selbst umschlang;
Um meinen Geist war ihrer Locken Schlinge.
Erklungen war mein Sein von ihrer Stimme Klang
Und zitterte, daß es mit ihr verklinge.
Entsprungen ist, doch weiß ich nicht, wie es entsprang,
Mein Glück; wer weiß, wie Lieb' und Lenz entspringe?
Gerungen hab' ich lange, bis ich das errang,
Vor dem das Ringen nur mir scheint geringe.
Bezwungen hab' ich sie, von der mich sonst bezwang
Ein Blick; nicht fürcht' ich mehr, daß Gram mich zwinge.
Erzwungen hab' ich meines Wunsches Überschwang;
Zur Sonne trug den Adler seine Schwinge.

 

3) Anfang und Schluss des Verses reimen

 

a) Schnaube, Winterwind, entlaube

Nur die Zierden dieser Flur!

Schmett're nieder und entblätt're

Doch, was dir will trotzen noch.

Sah ich eine Blüte ja,

Wie sie zog der Frühling nie,

Auch verweht im Herbsteshauch.

 

Tose, Sturm, um's Haupt der Rose,

Bis ihr Schleier ganz zerriss;

Höhne kalt der Lilien Schöne,

Dass sie ist so todesblass!

Sah ich eine Rose ja,

Gleich der Lilie todesbleich,

Auch verweht im Herbsteshauch.

 

Wüte, Winter, in's Gemüthe

Mir mit Grimm, ich dank' es dir.

Raste nicht, bis hier am Aste

Blieb kein einziger Lebenstrieb.

Sah ich eine Blüte ja,

Die allein mir Schmuck verlieh,

Auch verweht im Herbsteshauch.

 

(Friedrich Rückert, Winterlied)

 

b) Immer ruf ich, wenn mich weckt des Morgens Schimmer:

O der Nacht, die ohne dich entfloh!

Wieder sprech ich, wenn sich senkt der Abend nieder:

Ach des Tags, da mir mein Licht gebrach!

Ach und  O!

O und Ach!

Nach und nach entflieht mein Leben so!

 

(Rückert)

 

c) Wer selber sich beherrscht, beherrschet auch die Welt,

Weil ſtets das Aeußere des Innern Spiegel haͤlt.

 

Wer sich beherrscht, den kann beherrschen außenher

Kein Herrscher, denn allein im Äußern herrschet der.

 

Bedingen kann er dich mit Macht und dich umringen,

Eindringen kann er nicht und in dir dich bezwingen.

 

Antasten kann er nicht dein eignes Herrschertum,

Du aber gönnest gern ihm ſeinen Herrscherruhm;

 

Wie du dem Blitze gönnst, dem Sturmwind seine Flügel:

Im Zügel halte dich! Gott hält die Welt im Zügel.

 

(Friedrich Rückert, Die Weisheit des Brahmanen, 255)

 

4) Anfangsreim mit Binnenreim in der fünften Verszeile und gekreuztem Endreim

 

Blitzet, ihr Himmel,

Schwitzet uns Regen,

Machet Getümmel,

Lachet mit Segen

Unsere Wälder und Felder doch an!

Glimmet, ihr Sterne!

Tauet, ihr Lüfte!

Schimmert von ferne,

Schauet durch Klüfte,

Schauet auf diesen verdunkelten Plan!

 

(Zesen)

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

  • Antworten 28
  • Erstellt
  • Letzter Kommentar

aktivste Mitglieder in diesem Thema

Hallo Miserabelle!

 

Beispiele habe ich, aber keine Zeit, sie anständig aufzubereiten ... Na, ich werfe einfach mal einiges hier in den Faden, und wenn es dann mal weniger hektisch wird, kann ich ja etwas Ordnung hineinbringen. Für mich ist es auch eine Gelegenheit, verschiedene Verslehren erneut zu besuchen. Gerade war ich bei Justus Georg Schottelius zu Gast, der in seiner "Teutschen Vers- oder Reimkunst" aus dem Jahre 1656 zum Anfangsreim schreibt:

 

Ein Vorn-Reim ist, wann der Reim seine natürliche Hinterstelle verlässet und sich allein zuvorn des Verses in jedem ersten Worte findet: Möchte aber keine sönderliche Lieblichkeit haben, weil der sonst unveränderliche natürliche Reimstand verlassen wird. Folget zur Anzeige.

 

Vorn-Reime

 

Glück sich wandelt tausendmal,

Tück' uns ofters heimlich sticht;

Not besucht uns gar zu viel,

Tod schleicht auf den Füßen nach,

Leben zeigt uns, dass wir stets

Schweben nur in steter Angst.

 

Also nicht Anfangsreim zusätzlich zum Endreim, sondern "allein zuvorn" in barocker Manier. Hat auch etwas ... (Ich glaube aber, das ist ein Schulbeispiel.)

 

Gruß,

 

Ferdi

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Hallo Ferdi,

 

 

Ein Vorn-Reim ist, wann der Reim seine natürliche Hinterstelle verlässet und sich allein zuvorn des Verses in jedem ersten Worte findet: Möchte aber keine sönderliche Lieblichkeit haben, weil der sonst unveränderliche natürliche Reimstand verlassen wird. Folget zur Anzeige.

 

 

Köstlich! 🙂 Die Art und Weise wie hier der Anfangsreim beschrieben wird. Informierend und erheiternd. Danke sehr! 

 

 

Wenn es hier auch etwas "Drunter und drüber" gehen darf: Ich erinnere mich an ein Gedicht von Ulla Hahn, die in ihrer "Ars poetica" auf ansprechend, aber auch sehr dezent den Anfangsreim verwendet. 

 

LG,

Mi

 

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Anfangsreime in der deutschen Barockdichtung

 

Ich suche nicht wirklich danach, aber wenn ich über ein anfangsreimendes Gedicht aus dem 17. Jahrhundert stolpere, setze ich's in diesen Beitrag ... Den Anfang kann dabei Philipp Harsdörffer machen:

 

Das Leben des Menschen

 

Das Leben ist
Ein Laub, das grünt und falbt geschwind.
Ein Staub, den leicht vertreibt der Wind.
Ein Schnee, der in dem Nu vergehet.
Ein See, der niemals stille stehet.
Die Blum, so nach der Blüt verfällt.
Der Ruhm, auf kurze Zeit gestellt.
Ein Gras, das leichtlich wird verdrucket.
Ein Glas, das leichter wird zerstucket.
Ein Traum, der mit dem Schlaf aufhört.
Ein Schaum, den Flut und Wind verzehrt.
Ein Heu, das kurze Zeite bleibet.
Die Spreu, so mancher Wind vertreibet.
Ein Kauf, den man am End bereut.
Ein Lauf, der schnaufend schnell erfreut.
Ein Wasserstrom, der pfeilt geschwind.
Die Wasserblas’, die bald zerrinnt.
Ein Schatten, der uns macht schabab.
Die Matten, die gräbt unser Grab.

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Hallo Miserabelle!

 

Danke für den Hinweis – habe ich gleich nachgeschaut ... Wer mag, kann den Text, das Gedicht "Ars poetica", besprochen auf literaturkritik.de finden; auf Youtube gibt es auch eine Lesung, die den Anfangsreim ... eigen behandelt.

 

Gruß,

 

Ferdi

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Das elegische Distichon reimt sich, als Nachbildung einer antiken Form, schon an und für sich nicht, also weder hinten noch vorne noch sonstwo; in den "Xenien" Schillers und Goethes gibt es aber eine anfangsreimende Ausnahme:

 

 

Philosophische Querköpfe

 

Querkopf! schreiet ergrimmt in unsere Wälder Herr Nickel,

Leerkopf! schallt es darauf lustig zum Walde heraus.

 

 

Eine Art Echoreim, also. (Friedrich Nicolai hatte in seiner "Beschreibung einer Reise durch Deutschland" Kritik an der von Schiller herausgegebenen Zeitschrift "Die Horen" geübt unter dem Titel "Philosophische Querköpfe"; das Distichon ist die Antwort darauf ...)

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Aus den "Liederkränzen" von Hans Georg Nägeli:

 

Eifer

 

Rühre        dich reg' und wach;

Spüre        der Weisheit nach;

 

Merke,      woran's gebricht;

Stärke       dich, zaudre nicht;

 

Raffe         dich auf mit Mut;

Schaffe,    was recht und gut;

 

Nähre        den Wahrheitssinn;

Mehre       den  Heilsgewinn;

 

Fache       den Glauben an;

Mache      der Hoffnung Bahn;

 

Bringe       die Lieb' hinein;

Ringe        durch Lust und Pein;

 

Schreite    durch Wahn und Nacht;

Breite        dich aus mit Macht;

 

Wage        dich, wie ein Held;

Schlage    dich durch die Welt.

 

 

– Die Darstellung entspricht der der Quelle, was zeigt, dass der so hervorgehobene Anfangsreim vön Nägeli als entscheidender Bestandteil des Textes gesehen wurde?!

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Noch einmal Hans Georg Nägeli, diesmal mit identischen Anfangs- und Endreimen ("beut" = "bietet", alte Form):

 

Die Lustgefährten

 

Stell         dich ein, mein Wandergesell!

Schnell    tritt hin auf die Bahn so hell!

 

Schreit'    einher in Freundesgeleit

Weit         hin, wo die Freude gedeiht;

 

Rühr        dich regsam, mit Lustbegier,

Spür        das Schöne auf, dort wie hier,

 

Wo          es, seit der Winter entfloh,

So           uns belebet himmlischfroh!

 

Freud'     am Schönen ist's, die erneut

Heut        gedoppelte Lust uns beut;

 

Nur          durch sie erwacht auf der Flur

Spur        verklärender LIchtnatur;

 

Spielt,      wie West im Saatengefild,

Wild         des Lenzes Wundergebild;

 

Wallt,        wie liebliche Huldgestalt,

Bald          in Klängen durch Fels und Wald;

 

Zieht         mit uns durch sonnig Gebiet,

Glüht        im Schimmer und klingt im Lied;

 

Hebt         das Herz uns wonnedurchbebt,

Webt,       von Himmelsodem belebt,

 

Ganz        entzückend aus Klang und Glanz

Kranz       und Fittig zum Freudentanz.

 

Schein      und Klang spielt Freude allein

Rein          ins volle Herz hinein.

 

Hält          der Freund zum Freund sich gesellt:

Welt,        wie bist du so schön erhellt!

 

Kein         Entzücken kann größer sein:

"Mein       ist mein Freund, und ich bin sein."

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Hallo Ferdi,

 

Anfangsreime reizen mich nicht besonders, aber dieses letzte Beispiel von Nägeli hat mich nun doch gepackt. Was mich hier anspricht, ist nicht nur die Spielerei mit Anfangs- und Endreim, sondern auch der schöne Rhythmus durch das äolische Versmaß. Wenn mich nicht alles täuscht, wird hier der Glykoneus in seinen Formen 1, 2 und 3 variiert? Das gefällt mir!

 

Auf das demonstrative Absetzen des ersten Wortes, wie Nägeli es macht, würde ich wohl verzichten. So stark muss der Leser, glaube ich, nicht geführt werden. Danke fürs Zeigen!

 

LG Claudi

 

 

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Hallo Pissnelke!

 

So ganz erschlossen hat sich mir Nägelis Versverständnis noch nicht; es kann aber gut sein, dass er hier "glykoneisch" vorgeht – der Reim war Pflicht für ihn, und er hat ihn auch da, wo er in der Versbewegung sehr anspruchsvoll ist. In den "deklamatorischen Gedichten" findet sich zum Beispiel dieses Silbenbild ...

 

 ◡ — — — ◡ — —,  ◡ — ◡ ◡ ◡ ◡ — ◡

 

... und dazu diese (ersten beiden) Verse:

 

Wenn der Windsturm hoch einherfährt mit Gebrause, und durch die Wälder

Sich der Bergstrom hin ins Tal wälzt, und ergießet sich auf die Felder

 

– Und ist das "galliambisch"?! Aber Tetrameter aus steigenden Ionikern (doppel-)reimt er streng im Metrum:

 

Wie der Kriegsmann, wo es Not tut, mit dem Schlachtschwert hin ins Feld geht,

Sich hineindrängt, wo's Entscheid gilt, nicht zurückweicht, wie ein Held steht,

 

Also, alles da: Vertrautheit mit dem antiken Formenvorrat und die Bereitschaft zur Änderung ...

 

Aber das gehört ja hier nicht hin. Daher, ehe andere "Anfangsreimer" zu Wort kommen, von Nägeli noch die kürzestmögliche Anfangsreim-Endreim-Verbindung:

 

Schein betrügt,

Sein vergnügt;

 

Schein zerstreut,

Sein erfreut;

 

Schein vergeht,

Sein besteht.

 

(Heißa! Kretiker!)

 

Gruß,

 

Ferdi

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Ein jetztzeitiger "Anfangsreimer", der es damit sogar in die Schulbücher geschafft hat, ist Michael Schönen. Die dritte Strophe von "Aller Anfang ist schwer":

 

Keine neue Form der Dichtung?

Goethe hätte sie begrüßt,

Heine auch. Wer würd's nicht wagen,

Böte sich Gelegenheit?!

 

Das vollständige Gedicht findet sich zum Beispiel hier, als Unterrichtsmaterial zum Thema "Komische Gedichte untersuchen und deuten", eine Verortung, die auch die Quellenangabe unterstützt – das Gedicht stammt aus "Hell und Schnell. 555 komische Gedichte aus fünf Jahrhunderten", erschienen 2004 bei Fischer und herausgegeben von Robert Gernhardt und Klaus Zehrer. Was, am Rande bemerkt, eine ohne Frage lesenswerte Sammlung ist!

 

Wie Letranger auch in seinem Gedicht hier im Forum nutzt Schönen den Anfangsreim für einen selbstbezüglichen Inhalt; die "alten" Anfangsreime zielen dagegen eher auf die Ordnung von Aufzählungen?!

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Aus Paul Scheerbarts "Katerpoesie" – das ist insgesamt ein gewollt schräges (und die Lektüre lohnendes!) Bändlein, weswegen folgender Fünfzeiler da gut hineinpasst:

 

Sei klein – dann ist die Welt so groß!

Sei schwach – dann ist die Welt so stark!

Sei dumm – dann ist die Welt so klug!

Sei stumm – dann ist die Welt so laut!

Sei arm – dann ist die Welt so reich!

 

Und so, weniger als organisierendes Prinzip, sondern mehr als zusätzliche Gestaltung, kann man den Anfangsreim auf jeden Fall verwenden?! Spannend, dass es auch hier eine Aufzählung ist.

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Wieder ein jetztzeitiges Beispiel: "Dieb" von Richard Pietraß, zu finden in der 2006 bei Faber & Faber erschienenen Gedichtesammlung "freigang", von Jürgen Engler besprochen in "die Horen", was wiederum auf planetlyrik zu finden ist (wer schauen möchte – es lohnt, denke ich – schaut: hier) ...

 

Umstreicht unsern Schlaf.
Lehnt an der Tür
Dehnt ihren Spalt
Dreht das Scharnier

 

Geht an die Wäsche
Wühlt in den Taschen
Fühlt meine Mäuse
Kriegt sie zu fassen

 

Schmiegt sich ins Dunkel
Weckt meinen Wahn
Schreckundschrei
Entweicht wie er kam

 

Wie sich hier Strophe, wie Anfangsreim (diesmal ohne begleitenden Endreim) verwirklichen, die Rückbindung des Endes in den Anfang, die Wirkungs des Anfangsreims: Da lohnt sich ein Blick allemal.

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Hallo Ferdi,

 

hui, vielen Dank. Besonders auch für den Wegweiser zu Richhard Pietraß und die großartige Besprechung.  Da zitiere ich ihn mal, um meiner Begeisterung wenigsten ein bißchen Luft verschaffen: Was für ein sonnengezündeten Wortfeuerwerk und anregende Tief,- und Hintersinnigkeiten.

 

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Du möchtest dich an der Unterhaltung beteiligen?

Du kannst direkt mit in die Diskussion einsteigen und einen Beitrag schreiben. Anschließend kannst du ein eigenes Autoren-Konto erstellen. Wenn du schon ein Autoren-Konto hast, Logge dich ein um mit deinem Konto an der Diskussion teilzunehmen.

Gast
Schreibe hier deinen Kommentar ...

×   Du hast formatierten Text eingefügt.   Formatierung wiederherstellen

  Nur 75 Emojis sind erlaubt.

×   Dein Link wurde automatisch eingebettet.   Einbetten rückgängig machen und als Link darstellen

×   Dein vorheriger Inhalt wurde wiederhergestellt.   Editor leeren

×   Du kannst Bilder nicht direkt einfügen. Lade Bilder hoch oder lade sie von einer URL.


×
×
  • Neu erstellen...

Wichtige Information

Wir haben Cookies auf Ihrem Gerät platziert, um die Bedinung dieser Website zu verbessern. Sie können Ihre Cookie-Einstellungen anpassen, andernfalls gehen wir davon aus, dass Sie damit einverstanden sind.