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Anfangsreime


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Aus dem Heute ein Sprung ganz weit zurück: ins 13. Jahrhundert zu Ulrich von Liechtenstein. Die mittelalterliche, mittelhochdeutsche Dichtung war ziemlich reimversessen!

 

Vrowe mîn, got gebe dir guoten morgen,

guoten tac, vil freude rîche naht.

got behüete dich vor all den sorgen,

dâ von dîn lîp werde in trûren brâht.

bistu vrô, sô bin ich hôhes muotes.

mirst zu hôhem muote niht sô guotes,

sô daz du sîst herzenlîchen vrô.

 

Inhalt, hm: nicht so wichtig?! Das ist jedenfalls die erste Strophe eines von Ulrichs Liedern aus seinem "Frauendienst" von 1255; das Reimschema ist ein Kreuzreim, abab, dann ein Reimpaar, cc, und dann ein Vers, bei dem die erste auf die letzte Silbe reimt! Ich weiß gar nicht, ob man das unter "Anfangsreim" laufen lassen sollte, aber da unser Eingangsbeitrag aus Beyers Poetik das ja auch tut ...

 

Auch zu beachten: die "Vorbereitung" in V5, der die beiden Wörter auch schon in unmittelbarer Nachbarschaft, aber umgedrehter Reihenfolge bringt!

 

Diese Reimanordnung weisen dann auch die folgenden drei Strophen auf, ich zitiere nur die Schlussverse:

 

tuot mir dîn lîp wol, sô bistu guot.

 

daz sîn unser twederz nie vergaz.

 

wol mich des dass ich iu dienen sol.

 

In der fünften und letzten Strophe ändert Ulrich dann den Bau:

 

Guot wîp, ich will dienen ritterlîche

dir uf den vil herzenlieben wân

daz ich kome noch in daz himelrîche

dâ nie mannes lîp wart in verlân.

dêst dîn herze, da dîn tugende, vrouwe,

wahsent inne ûz der güete touwe.

lâ mich drin: ich tuon dir sanfte dâ.

 

dar wil ich, und niender anderswar.

kum ich dar, es ist uns beiden frum.

 

V1-7 ist derselbe Bau; dann schließen sich aber, den Gedichtschluss verstärkend, zwei weitere dieser "Anfang-Ende-Reime" an, von denen der erste noch durch Assonanz mit dem Vers davor verbunden ist, und der letzte das "dar" des vorletzten aufnimmt! (So steht das jedenfalls in den Ausgaben des 19. Jahrhunderts; die sicher aktuellere Wikisource-Fassung führt die beiden Schlussverse gar nicht auf.)

 

Die bekannste ababccx-Strophe der deutschen Dichtung ist sicher die Luther-Strophe, die aus dem protestantischen Kirchenlied heraus große Verbreitung gefunden hat; da ist der siebte Vers aber immer eine Waise, also weder mit anderen Versen, noch innerhalb seiner selbst gereimt.

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Aus dem 19. Jahrhundert: Das "Tanzlied" von Robert Prutz, dessen Strophen doppelten Kreuzreim als Endreim haben, und dazu einen halben Kreuzreim als Anfangsreim! (Schön auch: zu sehen, dass sich Prutz gelegentlich eine Auszeit von der vormärzlichen Politik genommen hat ...)

Klinget der Flöten süßer Klang
Hell durch die Abendkühle,
Schwinget sich rasch das Tal entlang
Lustiges Tanzgewühle:

Eine nur ist’s von allen hier,

Welche mein Herz kann rühren,
Meine nur ist’s! Sie winket mir,

Rasch sie zum Tanz zu führen!

Heftiger wirbeln der Schalmei’n

Schmetternde Jubellieder,

Kräftiger schließt mein Arm sie ein,
Fest um das volle Mieder!
Sprühende Blicke locken, droh’n,
Suchen zugleich und meiden,

Glühende Küsse schweben schon

Heiß um den Mund uns beiden.

Flimmernde Äuglein, süß und weh,
Brennet mich fast zu Kohlen!
Schimmernde Brüstlein, weiß wie Schnee,

Habt mir das Herz gestohlen!

Prächtiger strahlt die Sonne nicht
Hoch an dem Himmelsbogen,
Mächtiger hat des Mondes Licht
Nimmer mich angezogen!

 

Staunende Blicke rings im Kreis!

Jünglinge schauen lüstern,
Raunende Dirnen, laut und leis’,
Horch, wie sie stehen und flüstern!

Fasse du fest und halte mich,

Zärtlicher mich umschlungen,

Lasse die Welt! Was kümmern dich
Neidische Lästerzungen?

Siehe, hier hält uns, plötzlich hier
Hält uns der Wald umfangen:

Fliehe mir nicht! Nicht wehre mir

Busen und Mund und Wangen!
Ferne nur hör’ ich durch die Nacht
Leise Musik noch hallen,
Sterne nur über uns und sacht

Girrende Nachtigallen!

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Ein kurzes Beispiel, eben in der "Kleinen Poetik" von Paul Strzemcha gesehen, allerdings ohne Verfasser- oder Herkunftsangabe ...

 

Zag' – und nichts wird dir gelingen,

Wag' – das hilft in allen Dingen!

 

Das ist so ähnlich gebaut wie Nägelis schon gezeigte "Schein-Sein"-Verse?!

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Emanuel Geibels "Hoffnung" hat in zwei seiner sieben Strophen, der ersten und der vierten, einen "halben Anfangsreim":

 

Und dräut der Winter noch so sehr
Mit trotzigen Gebärden,
Und streut er Eis und Schnee umher,
Es muss d o c h Frühling werden.

Da wacht die Erde grünend auf,
Weiß nicht, wie ihr geschehen,
Und lacht in den sonnigen Himmel hinauf,
Und möchte vor Lust vergehen.

 

Dass die beiden Strophen dazwischen nicht so recht fehlen, stellt dem Gedicht nicht unbedingt ein gutes Zeugnis aus; in Bezug auf den Anfangsreim spannender ist aber, dass V1 und V3 gereimt sind, wie schon bei Prutz?! Was aber Sinn ergibt: Vierzeilige Strophen zerfallen oft in zwei Gruppen von je zwei Versen, erst recht, wenn sie endgereimt sind im Paar- oder Kreuzreim, was hier der Fall ist; und dann kennzeichnet der Anfangsreim immer den Beginn einer solchen Gruppe.

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Bei den Anfangsreimen ist es wie überall im "poetischen Schrifttum": Unter dem Begriff laufen, je nach Verfasser, ganz verschiedene  Inhalte. Manchmal wird die Alliteration / der Stabreim als "Anfangsreim" bezeichnet, manchmal die Anapher, wenn sie im Gedicht auftaucht, manchmal auch einfach nur der erste Endreim einer Strophe. Manchmal werden auch unbetonte Auftakte als Reime aufgefasst, was wenig Sinn ergibt meiner Meinung nach.

 

Ein Fall aus Beyers Text im Eingangsbeitrag: Vier Verse aus Goethes "Des Epimenides Erwachen". Die gehörenden in den Text, den der "sich entfernende Heereszug" sagt (oder doch: singt?!), während sich "ein Brandschein verbreitet":

 

So geht es kühn

Zur Welt hinein;

Was wir beziehn,

Wird unser sein:

Will einer das,

Verwehren wir's;

Hat einer was,

Verzehren wir's.

 

Hat einer gnug

Und will noch mehr,

Der wilde Zug

Macht alles leer.

Da sackt man auf,

Und brennt das Haus,

Da packt man auf

Und rennt heraus.

 

So zieht vom Ort

Mit festem Schritt

Der Erste fort

Den Zweiten mit;

Wenn Wahn und Bahn

Der Beste brach,

Kommt an und an

Der Letzte nach.

 

Die vier gekennzeichneten Verse finden sich nicht nur bei Beyer als Anfangsreim-Beispiele, sondern auch in verschiedenen anderen Quellen. Was ich mich frage: Sollte man hier wirklich von "Anfangsreim" sprechen?! Die Verse haben zwei Hebungen, sie weisen einen Anfangsreim und einen Endreim auf, was heißt: sie sind durchgängig gereimt, auf allen ihren Hebungen! Und der passende Name dafür scheint mir "Allreim" zu sein.

 

Allreime sind, wen wundert es, noch seltener als Anfangsreime. Wenn man sie ganze Strophen hindurch hat, bricht der Inhalt unter dieser Klanglast meist zusammen – Maurice Stern, "Friede", erste Strophe einer, hm: Ernteszene?!

 

Unter garbigem Segen zogen

Schwankende Wagen im Gleis;

Bunter, farbiger Regenbogen,

Dankende sagen dir Preis.

 

Aber man kann die Allreime sicher verwenden, wenn es sparsam geschieht – noch einmal Stern:

 

Weihnachtsmette

 

Zitternder Glockenschall

Haucht in die Nacht;

Flitternder Flockenfall

Rieselt sacht;

Hell klingen am Himmel die Sterne:

Gloria in excelsis!

 

Lauschende Mitternacht

Schwebt durch den Wald;

Rauschende Flitterpracht

Flimmert kalt;

Das Echo erwacht in der Heide:

Gloria in excelsis!

 

Hallender Fernenraum,

Himmlisch erhellt,

Fallender Sternentraum

Küsst die Welt;

Da jauchzen und klingen die Berge:

Gloria, gloria in excelsis!

 

Ein durchaus nachsinnenswertes Nebeneinander von All- und Nichtreim, Endreim und Refrain?! Auch Goethe sieht das, betrachtet man alle drei Strophen, ja nicht so streng. Das wäre auch nicht seine Art. Und über die Frage, was für eine Reimsorte das alles nun sei, hätte er wahrscheinlich freundlich gelächelt ...

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"Vor Klopstock", also vor 1750, war das "Poetische Handbuch" von Johann Hübner eine vielbenutzte Wissensquelle. Daraus:

 

Es haben sich aber doch Poeten gefunden, welche die Reime vorne vorgesetzet haben, zum Exemplum:

 

Laster sind der Seele Wunden,

Ja sie bringen gar den Tod:

Pflaster aber sind die Sprüche,

Da uns Gott zur Buße ruft.

 

Ja die Begierde, was neues zu erfinden, ist endlich so weit gegangen, dass man hinten und vorne zugleich hat reimen wollen, zum Exemplum:

 

Alt und jung steht nicht beisammen,

Kalt und warm macht keine Flammen,

Rote Lippen lieben nicht

Tote Farb' im Angesicht.

 

Beide Gattungen sind für mich zu hoch, und die letzte davon ist so gar künstlich, dass man, so zu reden, vor Reimen die Verse nicht sehen kann.

 

Die letzten Verse hat auch Beyer in seinen Eintrag übernommen (siehe Fadenbeginn). Erfrischende Einschätzung, auch ...

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Am 13.6.2021 um 22:43 schrieb ferdi:

Die vier gekennzeichneten Verse finden sich nicht nur bei Beyer als Anfangsreim-Beispiele, sondern auch in verschiedenen anderen Quellen. Was ich mich frage: Sollte man hier wirklich von "Anfangsreim" sprechen?! Die Verse haben zwei Hebungen, sie weisen einen Anfangsreim und einen Endreim auf, was heißt: sie sind durchgängig gereimt, auf allen ihren Hebungen! Und der passende Name dafür scheint mir "Allreim" zu sein.

 

Hallo Ferdi,

 

ja, das scheint mir auch so. In dieser konzentrierten Form wirkt das Gereime für mich schon sehr gekünstelt. Wahnsinn, was du alles zum Anfangsreim ausgräbst! Was ist eigentlich mit dem Verserzähler? Den vermisse ich sehr!

 

LG Claudi

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Hallo Claudi!

 

Ich kann mich im Augenblick so gar ncht aufraffen, mich mit der nötigen Technik zu befassen ... Aber das ändert sich hoffentlich bald.

 

Gruß,

 

Ferdi

 

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Im Eingangsbeitrag ist inzwischen Rückerts "Winterlied" vervollständigt. Hier noch dessen Gegenstück, das "Sommerlied"; beide sind eher pausengereimt (im letzten Vers jeder Strophe) und allgereimt (V2/V4) als anfangsgereimt, aber selbstredend trotzdem einen Blick wert.

 

Seinen Traum

Lind wob

Frühling kaum,

Wind schnob,

Seht, wie ist der Blütentraum verweht!

 

Wie der Hauch

Kalt weht,

Wie der Strauch

Alt steht,

Der so jung gewesen ist vorher!

 

Ohne Lust

Schlägt Herz,

Und die Brust

Trägt Schmerz;

O, wie hob sie sonst sich frei und froh!

 

Als ich dir

Lieb war,

O wie mir

Trieb klar

Vor dem Blick ein Freudenlenz empor!

 

Als ich dich

Gehn sah,

Einsam mich

Stehn sah;

O, wie trug ich's, daß mein Leben floh!

 

Wo ist dein

Kranz, Mai?

Wohnt dir kein

Glanz bei,

Wann der Liebe Sonnenschein zerrann?

 

Nachtigall,

Schwing dich,

Laut mit Schall

Bring' mich

Ab, hinab, zur Ros' hinab in's Grab!

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Am 19.6.2021 um 18:02 schrieb ferdi:

 

 

Ich kann mich im Augenblick so gar ncht aufraffen, mich mit der nötigen Technik zu befassen ... Aber das ändert sich hoffentlich bald.

 

 

Hallo Ferdi,

 

es freut mich, dass es noch Hoffnung auf  Wiederbelebung gibt. Mir fehlt der Verserzähler nämlich  auch sehr.

 

Um noch auf das  Thema schwenken zu können, hätte ich ja gerne noch ein Beispiel mitgebracht. Die sind aber gar nicht so einfach aufzuspüren.

 

LG,

Mi

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Hallo Miserabelle!

 

Ich glaube, so schrecklich viele Beispiele gibt es auch nicht?! Ich bin gerade ein wenig mit den Priameln beschäftigt; aber wenn, dann denke ich inzwischen, es sind eher die Pausen- als die wirklichen Anfangsreime, mit denen ich in meinen eigenen Texten arbeitete. Im Zug lese ich derzeit eine Barock-Poetik, Siegmund von Birkens "Teutsche Rede- Bind- und Dichtkunst" (Olms hat vor 50 Jahren zu solchen Büchern schöne und sehr handliche Nachdrucke gemacht),

und da findet sich zum Beispiel:

 

Der sapphischen Verse, welche von der griechischen Poetin Sappho erfunden worden, werden gemeinlich dreie zusammen gesetzt, die endlich ein adonischer beschließt. Zum Beispiel:

 

— ◡ — ◡ — ◡ ◡ — ◡ — ◡

 

Eile: Doch nicht eile wie schnelle Pfeile.

Eile: Doch im Eilen dich was verweile.

Das Verweilen schadet, und auch die Eile.

Eile mit Weile.

 

Das ist eher kein gutes Beispiel für eine sapphische Strophe, aber dieser entspannte Umgang mit dem Pausenreim gefällt mir schon ...

 

(Das Birken "Beispiel" schreibt und nicht "Exemplum", ist übrigens eher kein Zufall: Er deutscht die meisten metrisch-poetischen Fachbegiffe ein, was oft zu wirklich süßen Ergebnissen führt! Die angeführten Zeilen stammen das dem dritten Kapitel, und oben auf der rechten Seite steht da lateinisch "De versibus"; auf der linken die deutsche Entsprechung, "Von den Gebändzeilen" ... Mein Liebling ist das Anagramm, das heißt bei ihm "Letterkehre"!)

 

Gruß,

 

Ferdi

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  • 2 Wochen später...

Hallo!

 

Ich glaube, der Beispiele für den Anfangsreim sind genug?! Ich würde daher noch ein weiteres in diesem Eintrag geben und den Faden dann so langsam auslaufen lassen, was auch heißt: Ich möchte ihn am Ende des Monats löschen. Wenn euch also eines der Beispiele hier, oder mehrere, interessiert hat, euch anregen konnte oder sonstwie bemerkenswert schien: Bitte sichert euch die entsprechenden Inhalte innerhalb der nächsten drei Wochen!

 

Gruß,

 

Ferdi

 

-------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

Das zweite Lied aus Philipp von Zesens "Jugendflammen", gerichtet "an die lieb- und freund-selige, schöne Adelmund, die liebliche, liebes-reizende Liebes-Meisterin", nutzt den Anfangsreim an Ende der ersten und am Anfang der zweiten Strophe:

 

Wie ist es? Hat Liebe mein Leben besessen?

Wie? Oder befind't sie sich leiblich in mir,

O liebliches Leben. Wem soll ichs zumessen,

Dass meine Gebeine so zittern für ihr.

Ich gehe verirret, verwürret und trübe

Und stehe vertüffet in lieblicher Liebe.

 

Die ächzenden Lüfte, die seufzenden Winde,

Die lechzende Zunge, der Augen Gewürr,

Das Böben der Glieder macht, dass ich verschwinde,

Dass ich mich in meinen Gedanken verirr.

Ach! Schöne, sie schone der schwächlichen Seelen,

Wann sie das gebrechliche Herze will quälen.

 

Ihr übliches Lieblen, o liebliches Leben,

Der lieblenden Äugelein fröhlicher Plitz,

Macht, dass ich verzücket herümher muss schweben,

Ja, dass ich verlüre Gedanken und Witz.

Das liebliche Singen der zitternden Zungen

Hat mir das Herze durchdrungen, bezwungen.

 

Sie lieb' ich, sie lob' ich, ihr leb' ich zuliebe,

Sie ehr' ich, sie hör' ich, ihr kehr ich mich zu:

Sie machet es, dass ich im Lieben mich übe,

Dass ich verscherze die herzliche Ruh.

Sie schreib' ich, mich treib' ich, ihr bleib' ich ergeben;

Sie denk' ich, mich kränk' ich, ihr schenk' ich mein Leben.

 

Das ist, wie es ja mancher Barock-Dichter gelegentlich versucht, die Auflösung der Sprache im Klang. Weswegen ich auch einige von Zesens Schreibungen dringelassen habe für den Fall, dass sie wirklich eine andere Aussprache (also in der Regel: einen anderen Vokal) kennzeichnen als die heute üblichen Formen.

 

Der Anfangsreim ist dabei dann keine das Gedicht ordnende Größe, sondern nur eine Klangwirkung unter einem Dutzend anderer Klangwirkungen ...

 

("Zumessen", wie in Claudis Faden besprochen heute "zumessen" betont, wird hier als "zumessen" verwendet.)

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Hallo Ferdi,

 

besten Dank für deinen erläuternden Spaziergang durch die Anfangsreime, an dem  ich sehr gerne teilgenommen habe.

 

Eine Frage am Rande habe ich: 

 

Vertüffet ?  Ein putziges Wort. 

 

 

War das in der damaligen Zeit ein üblicher Begriff  oder ist das eine Wortkreation des Autors?

 

LG,

MI

 

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  • 2 Wochen später...

Kleiner Nachtrag, eben bei der Sichtung und Ordnung der Beispiele für kretische Verse entdeckt: "Rodensteins Nachtlied" von Victor von Scheffel – ziemlich eigen, freilich ...

 

Loh und licht, hin und her,

Huh, holla, höh!

So wie ich, keiner mehr,

Höh, premiöh!

Kahle Zeit: März im Herz,

Huh, holla, höh!

Allezeit neckarwärts,

Höh, premiöh!

Winkel viel, Bremeck,

Dinkelbühl, Tränen weg!

Andere: lom, lom, lom,

Wandre im Sonnenstrom.

Loh und licht, Ries' und Zwerg,

Ist dein Werk, Heidelberg!

Kahle Zeit: März im Herz,

Allezeit neckarwärts!

 

 

 

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