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Als wir für Mohrchen Fische fingen

 

Auch die Erwachsenen mögen Mohrchen. Zwar darf sie außer mir niemand anfassen, weil sie völlig souverän mit klitzekleinen Gesten zeigt, wo ihre Grenzen sind, aber genau das macht ihre Gesellschaft so angenehm. Wenn sie da ist, versprüht ihr komplett schwarzes Fell eine unverwechselbare Harmonie.

Die Oma bemerkt schon, dass ihre Katzen nicht mehr so viel Fisch wie früher bekommen. „Die kleine Schwarze fängt auch die Mäuse weg, dein „Tiger“ liegt doch nur auf diesem Sofa rum!“ verteidigt Tante Gertud unser Mohrchen. In der Tat haben wir die Kazten der Oma etwas vernachlässigt, es ist einfach zu schön, die kleine Schwarze um sich zu haben. Garfield kommt ja sowieso kaum vom Sofa runter und die alte Pine ist schon immer eine freilebende Katze, die sich in der Regel nur Abends zum Fressen blicken lässt.

 

Wenn wir am freitags abends in Wustrow ankommen, piepst Isabell: „Mohrchen, Mohrchen“ und wirklich sieht man eine Minute später das kleine schwarze Fellknäuel unter dem Wohnwagen hervorschauen. Erstmal gibt es nur eine Schale Milch, die sie dankbar ausschlürft. Noch einmal einen Blick in die Runde, und dann wird sie wieder unsichtbar, aber wir wissen sie das ganze Wochenende in de Nähe.

Und wenn wir mit unseren Angeln auf dem Steg stehen, sitzt Mohrchen am Rand und wartet ungeduldig.

 

An einem Sonntag morgen, ich bin gerade aufgestanden, kommt vom See her ein schriller Schrei. Was war das? Eine Ente, ein Reiher oder ein Blesshuhn? Doch keines falls eine Katze,…

Als ich aus dem Wohnwagen trete, kommt Isabell mir völlig aufgelöst entgegen. Zwei dicke Tränen hängen in ihren Augen, etwas muss sie extrem berührt haben. „Hast du gesehen, was da so geschrien hat,“ frage ich. Sie antwortet nicht direkt auf meine Frage, setzt vielmehr voraus, dass ich weiß, was das war. „Mohrchen kommt nie wieder!“ platzt sie heraus und es scheint sie zu erleichtern, dass nun jemand dieses Wissen teilt. „Was, wie kommst du denn darauf?“ „Na, hast du denn den Schrei nicht gehört?“ Für einen Moment ist mein Kopf völlig leer und nur langsam beginne ich zu begreifen, dass der schrille Schrei von einer Katze war. Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, dass Mohrchen, die so gerne bei den beiden Frühaufstehern am Steg auf ihr Morgenmahl wartet, von einer Minute zur anderen nicht mehr wieder kommen würde.

„Sie hatte den Angelhaken im Maul!“ klärt Isa mich auf. Wie konnte das denn passieren, frage ich mich und werde augenblicklich aufgeklärt: „Sie war so ungeduldig, sie hat von Hendriks Angel direkt einen Fisch geholt. Und als ich meine Angel rausgezogen habe, da war da kein Fisch dran!“ Isa muss tief Luft holen und schüttelt sich ein wenig, als wolle sie das Entsetzen abschütteln. „Aber sie ist so schnell rangesprungen, ich konnte gar nichts machen. Sie ist mit der Angel im Maul losgerannt!“ Isa zittert ein bisschen, als sie das erzählt und bei mir kommen die Worte wie durch eine Nebelwand an. Katze mit Angelhaken im Maul! Das Entsetzen bleibt vor mir stehen, wie eine dichte Mauer.

Hendrik ist mittlerweile auch vom See wieder gekommen. „Hier, deine Angel,“ hält er seiner Schwester das Corpus delikti hin. „Sie hat sie doch noch aus dem Maul verloren.“

Erstaunt stellen wir fest, dass weder die Sehne gerissen, noch der Angelhaken beschädigt ist. Zu dritt untersuchen wir eingehend die Angel und stellen allerlei Vermutungen an. Und kommen zu dem erleichternden Schluss, dass Mohrchen überleben wird. Selbst wenn wir sie nicht mehr wiedersehen sollten, weil sie uns diesen schrecklichen Unfall übelnehmen könnte, wird die kleine Schwarze sich erholen und wieder für ihren Lebensunterhalt sorgen können.

 

An diesem Tag holen wir nur noch 2 Fische für Omas Katzen aus dem Wasser, zu sehr sitzt uns der Schreck in den Gliedern. Und plötzlich kommt es uns abtrünnig vor, den hübschen, rot – gelben Kater auf dem Sofa mit Fischlasagne zu versorgen. Und auch die alte Pine, die abends ihre Ration abholen kommt, ist uns nicht so nah wie Mohrchen, die trotz oder gerade wegen der körperlichen Distanz eine so harmonische Nähe erzeugen konnte, dass sogar Onkel Achim jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht geschrieben stand.

Schweren Herzens treten wir am Sonntag Abend den Heimweg an in der Gewissheit, Mohrchen nie wieder zu sehen.

 

Fünf Tage später sind wir wieder in Wustrow und uns ist ganz klamm ums Herz. Mohrchen…

Und dieses Lächeln in Achims Gesicht! Ja, er lächelt so glücklich und bedeutet uns, ganz leise zu sein. Als wir endlich ganz still sind können wir ein leises Gurren hören. Fast wie eine Taube, die ihrem Gurren ein „M“ voranschickt. „Mmrrrrrr … mmrrrrr …“ Wir lauschen gespannt, wo das herkommt und Achim schmunzelt wissend. Als wir dann unter dem Wohnwagen zwei grüne Smaragde leuchten sehen, spiegelt ihr Strahlen sich nicht nur in Achims, sondern auch in unseren Gesichtern wider ….

 

 

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Wer will noch einen Fisch? Hier schwimmen noch zwei, die ich ganz sicher fange. Aber wenn ich die noch fresse, dann platze ich 😂.

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