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Empfehlungen aus der gesamten Community, von Autoren und Lesern handverlesen.

Unterschiede
(Ein Sonett à la Sestine)
 
Der Reiche, er erwacht wie jeden Morgen
und kann von wohlgedeckter Tafel speisen,
er denkt Gedanken, die um Wohlstand kreisen,
der Reiche lebt sein Leben ohne Sorgen.
 
Der Arme, er erwacht wie jeden Morgen
und muss von karg gedeckter Tafel speisen,
er denkt Gedanken, die um Mangel kreisen,
der Arme lebt sein Leben voller Sorgen.
 
Der Arme geht, den Reichen zu bedienen,
wie immer, kehrt und putzt und wäscht den Wagen,
zuhause liegt sein krankes Kind im Sterben.
 
Der Reiche kommt und heißt den Armen dienen:
"Wie immer, kehr und putz und wasch den Wagen!"
Zuhause liegt sein krankes Kind im Sterben.
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Ausgetrocknet wie ein alter Schwamm,
so fühlt sich manche Seele an,
ungeliebt und unbeachtet,
wird sie lebendig notgeschlachtet,
eisiges Schweigen hat ihren Preis
und ihr Aussehen, gleicht einem Greis.

Die Gleichgültigkeit verdunkelt das Licht
sie nimmt ihr Kraft für die nötige Sicht,
die Apathie lähmt ihren Atem,
der nahe Tod reicht ihr den Spaten,
doch sie haben alle vergessen,
die Hoffnung ist nebenan gesessen.

Gemeinsam wird Vertrauen aufgebaut
und positiv in die Zukunft geschaut.
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da steht er wieder: stoppschildgleich, doch schwankend
er winkt mir eifrig, fröhlich feixt sein mund
ich grüße ihn zurück, ein wenig lächelnd und
ein wenig traurig und ihm im geheimen dankend

er ist der narrenkönig - nur sich selbst stets narrend
in seinem grinsen liegt die schiefheit aller tage
gleich einer wippe balancierend seine lage
tarierend und so manchen spötter um sich scharend

der mit dem finger deutet - für ihn ists ein winken
wird er begafft, dann gafft er kerzengrad zurück
und niemand ahnt, was ihm sein sinn, sein bisschen glück
so denken manche, findet er im trinken

sein blick, der friedgemütlich leute streift
verfängt sich manchmal nur an straßenweite
die frau am gehweg zerrt ihr kind zur seite
das staunend, blickerwidernd, nach ihm greift

ein letztes mal, die zeit hier war mir nur geliehn
ich seh die häuser, gärten, allerweltsgesichter
sie ziehn vorbei im schein der straßenlampenlichter
vermissen werde ich nicht viel - nur ihn
 


 
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Meine Finger harren bewegungslos über den Tasten. Seit zwanzig Minuten, schätzungsweise.
Es sind schöne Tasten, weiß und schwarz, ich liebe den leichten Glanz und das Gefühl auf diesem Stuhl vor diesem Klavier vor diesen Noten zu sitzen. Und meine Hände. Naja, Hände eben.
Hatte ich tatsächlich jemals diese magische Leichtigkeit zum Erklingen gebracht?
Es erscheint mir unvorstellbar.
Ich habe Angst den ersten Ton zu schlagen. Wenn es nun ein dumpfer, misstönender Klang ist, jeder Magie beraubt und in den Ohren kreischend?
Zwischen meiner Welt und der Wirklichkeit liegt dieses Stück. Ich weiß das.
Immer noch sitze ich reglos da und starre auf die Tasten, auf meine Finger, auf das Stück. Gestern hatte ich einfach gespielt, mich hingesetzt und meine Finger huschten von allein über die Tasten, diese schwarz-weiß gefärbte Melodie meines Lebens.
Gestern.
Was ist heute anders?
Ich könnte die Augen schließen und mein Herz würde meine Finger führen, durch jede Steigung und jede Synkope, von staccato über legato und in jedes flüsternde Pianissimo schweben lassen, um sogleich in einer gewaltigen Con fuoco zu erglühen.
Das ist es, was ich jedes Mal spüre, seit meine Finger vor so vielen Jahren den ersten scheuen Ton schlugen. Als fließe meine Lebenskraft durch jeden einzelnen Klang.
Aber ich kann die Augen nicht schließen. Ich muss spielen, ich darf nicht, ich kann nicht. Kann ich? Wenn ich jetzt spiele, und die ersten ruckartigen Bewegungen sogleich verraten, dass es nichts als eine große Täuschung war?
Ich habe mein Herz an dieses Stück verloren. Vielleicht liegt genau hier das Problem. Es ist zu viel von mir in den Noten, zu viel meiner Selbst in jedem Ton.
Wenn ich spiele, werde ich Musik, löse mich auf und bin nichts weiter als Schall, der Materie durchdringt. Irgendwann finde ich vielleicht nicht mehr in meinen Körper zurück. Was nicht weiter schlimm wäre. Ich bin süchtig nach dieser Auflösung, dieser vollkommenen Loslösung und Entfernung zu der Schwere dieses Körpers. Kein Gefühl berauscht mich mehr als dies.
Und nun greift die Wirklichkeit nach mir.
Ich habe keine Wahl.
Ich habe versucht zu fliehen aber Schall war schon immer schneller, und nur wenn ich selbst Musik wurde, konnte ich zwischen den Welten leben.
Vielleicht ist es Zeit, dass ich mich der Wirklichkeit stelle.
 
Aber noch stehe ich nicht auf.
Werde ich je wieder spielen können?
Diese Frage hämmert mir durch den Kopf, während ich langsam die Finger von den Tasten hebe.
Nun, ich muss es morgen erneut versuchen. Vielleicht bin ich dann schon ein Stück näher.
Wo auch immer das sein wird.
Die Schluss-Courante tänzelt für einen Moment durch meine Gedanken, leicht wie eine Feder im Wind.
Als ich aufstehe, spüre ich wie schwer und benommen meine Glieder sind, ich schwitze als wäre ich einen Marathon gelaufen.
Die Wirklichkeit ist eben keine leichte, schwingende Melodie -
noch nicht.
 
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kälte weht durch meine blicke
wenn ich aus dem fenster seh
angst schnürt stärker noch als stricke
hoffnung ist nur ein klischee

grau ermattet stauben sterne
grau der fluch unendlichkeit
sehnsucht taumelt in die ferne
und verwaist im atem zeit

nichts bleibt abgebrannten lichtern
nicht mal blasser widerschein
spiegelt sich auf den gesichtern
jeder stirbt für sich allein
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Es ist still - nun lieg ich hier
Die Mutter hält mich in den Armen
Blätter rauschen über mir
Vögel kennen meinen Namen
 
Noch niemals konnt ich sie verstehen
doch jetzt ist jeder Ton ein Wort
Ein ganzes Leben mußt vergehen
bis ich kam, an diesen Ort
 
...nachdem der Tod mich anvisiert'
als ich empfing den letzten Kuß
doch neben mir ist reserviert
damit ich Dich nicht suchen muß
 
Genieße noch Dein Erdenleben
und wenn mal kommt, ein andrer Mann
so scheu Dich nicht, Dein Herz zu geben
wenn es funkt, von Anfang an
 
Den Fährmann hab ich schon bezahlt
wenn Du stehst auf seinem Plan
Der Hain ist schöner, als gemalt
Wir haben Wohnrecht jenseitslang
 
 
...falls Du Dich für mich entscheidest !
 
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– I –
 
Im wundervollsten Sonnentrunk
Erleuchten Farben, hell und klar,
Wo vorher dichter Nachtdunst war,
Wie herrlich nur ein Götterfunk‘.
 
Dem Mauerwerk entwächst ein Strunk,
Geschmückt mit einer Blütenschar –
Im Schattenspiel vom jungen Paar,
Das tänzelnd noch im Liebesschwung.
 
Ein Reiher steigt vom Wasser auf
Und Federn fallen fort zuhauf –
Im Lichte silbern wie ein Schatz.
 
Sie preisen Kuss und Wimpernschlag,
Die schüchtern noch den Frühlingstag
Befreien von Verdruss und Hatz.
 
 
                      – II –
 
Der Lenztau tropft wie frisches Blut
Von rauen Fugen in den Fluss,
Zu sterben im vereinend‘ Kuss –
Im Hauch der roten Morgenglut.
 
Und in den Schleiern sinnlich ruht
Die alte Brücke; mit Genuss
Erwartet sie den Nebelguss.
Ein Fröschlein flieht vom Fingerhut.
 
Die Brücke lebt, das Fröschlein stirbt
Wie eine Seele, die verdirbt,
Alsbald vom liebsten Hein gehascht.
 
Die letzte Träne tropft vom Stein
Und singt im Sturz ein Liedlein fein:
»Das Leben hat vom Gift genascht!«
 
 
                      – III –
 
Es tanzen Wellen hin zum Ried
Und wecken, was im Schilfrohr harrt.
Sie wecken Geister aller Art
Und tragen sie in Reih und Glied.
 
Sie bringen sie zum schönen Schmied,
Der grad im Schwarz der Asche scharrt.
So plötzlich brennt das Hemd, der Bart –
Der Leib entflammt vor Angst: Er flieht!
 
Er stürzt ins Wasser, eisig kalt,
Dass just darauf sein Schrei verhallt.
Die tiefe Kluft ist reich gespeist.
 
Nie mehr gesehen steigt er auf
Am nächsten Tag aus Quell und Lauf –
Mit Todesgram – als neuer Geist.
 
 
                      – IV –
 
Das Bild des seichten Spiegels bebt,
Als eine Brise ihn berührt.
Und auch das Herz hat sie gespürt,
Das treu im Bett der Freude lebt.
 
Des Malers spitzer Pinsel strebt,
Zu fangen, was das Aug‘ verführt,
Doch all dem Leben nur gebührt
Der Augenblick, der bald entschwebt.
 
Es tollt am Ufer, auf dem Weg,
Es tollt im Wasser, auf dem Steg
Die heit’re Welt im Strahlenglanz.
 
So blumenbunt erblüht ihr Licht,
Den greisen Mauern ein Gedicht –
Verfasst im warmen Wogentanz.
 
 
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Sonnenstrahl
 
Ich sitze auf dem Sonnenstrahl,
Der durch den Kirschbaum flutet.
Das Leben ist mir ganz egal,
Mein Finger auch, der blutet.
 
Das sieht nur furchtbar schrecklich aus.
Das Helle scheint durch ihn hindurch.
Der Bussard holt die Wiesenmaus,
Und auf dem Stein wärmt sich ein Lurch.
 
Die Kröte wässert sich im Teich,
Den ich mit frischen Wassern fülle.
Sie ist zu zwein, und das gibt Laich,
Und aus der Nähe stinkt die Gülle.
 
Ich steh im Baum und zähl die Bienen,
Die an den Blüten schlecken brummen.
Die jetzt mit alten Wintermienen
Nicht lachen, sind bestimmt die Dummen.
 
Drum reite ich den Sonnenstrahl
Und fühle mich so wunderleicht,
Und diese Welt ist optimal,
Bis mich die Wirklichkeit erreicht.
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Wie fällt mir doch das Dichten schwer,
es will nicht richtig fließen.
Ich seh den Widerspruch so sehr,
denn dichten meint ja schließen.
 
Jedoch was fließt läuft frei und keck,
und ist nicht eingeschlossen.
Doch ist die Leitung einmal leck,
so dichtet man verdrossen.
 
Was tun mit einer schlechten Dichtung?
Man wirft sie einfach fort.
Doch denk ich in die andre Richtung,
so wüsst ich keinen Ort.
 
Wohin mit schlechter Poesie,
mit Reim - und Textfragmenten?
Denn mancher Vers schaffts einfach nie,
mit Geist und Sinn zu enden.
 
Vielleicht ist mancher Wörtertand,
doch nicht so ganz vergeblich.
Mir fließts schon leichter aus der Hand,
der Schub ist ganz erheblich.
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DAS braucht kein Mensch
 
 
Mein Atem erreicht die Lungenflügel nur schwer und ich bemerke, wie sich mein dickes Blut durch die Venen quält und nur mühsam das Herz erreicht. Es schlägt schwer und langsam, ähnlich wie der Takt und Ton einer Galeerentrommel – bumm – bumm. Eine Zentnerlast liegt auf meinem schmalen Brustkorb, der sich nur unmerklich heben kann. Habe ich nur eine Verstimmung oder bin ich erkrankt. Eine Welle, nein, nicht nur eine Welle – ein Tsunami des Unbehagens überflutet mich.
 
Es kommt mir ein Satz aus meiner frühesten Jugend in den Sinn, den ich von irgendjemand aufgeschnappt habe, als eine Frauengruppe zusammengestanden und getuschelt hatten: Sie hat Zustände! Nie wurde mir klar was gemeint war. Habe ich nun so einen Zustand und was gehört noch zu so einem Zustand dazu? Plötzlich stellen sich Schweißtropfen auf meiner Stirn ein. Es läuft mir heiß und kalt über den Rücken, schön abwechselnd.
 
Mein Gott, was ist los?!
 
Nun schnürt mir der Unsichtbare den Hals zu. Ich drohe zu ersticken und reiße das Fenster auf. Aaahhhhhhh, frische Luft. Herrliche Frischluft, die nach mehr duftet, nach dem Mehr für alle Sinne, den Streicheleinheiten für Körper Geist und Seele. Was für ein Zustand – dieses Wechselbad der Gefühle.
 
Ich beginne eins und eins zusammenzuzählen und bei genauer Betrachtung, auch der meines roten Kopfes und den Hektikflecken auf dem Dekolletee, stelle ich die Selbstdiagnose: Wechseljahre! Dabei will ich gar nix wechseln, ich will so bleiben wie ich bin -
 
© Sternwanderer
 
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Mein Blick schweift ins Unendliche
und eine grenzenlose Traurigkeit
erfasst meine Seele
Alles Leid der Welt
wird mir unmittelbar bewusst
und in diesem tiefen Moment der Dunkelheit
frage ich dich
 
 
Ist dort ein Licht für mich
 
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Ein stiller Moment
 
Ich sitze im Garten und beobachte die Blumen, Sträucher und Bäume. Ein Windhauch streift über die Wiese. Sie müsste mal wieder gemäht werden, der Löwenzahn gibt dem Winterling die Hand, das Springkraut hüpft vor Freude über die Gänseblümchen,
eigentlich ganz schön anzusehen, doch meine Freundin, findet die das auch schön? Sie hat ihre Wiese immer tipp top, kein lästiger Mitbewohner ist zu sehen und das Gras immer kurz geschnitten.
Mein Blick fällt auf die Tulpen, einfache, gefüllte, gefranste, sie stehen  in Gruppen und plötzlich fällt es mir auf, sie unterhalten sich, sie schaukeln mit ihren Köpfen, wieso ist mir das noch nie aufgefallen? Oder habe ich ihnen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ich spitze die Ohren, ich strenge mich an, meine Ohren sind nicht mehr die Jüngsten,
plötzlich, ja, ich kann sie verstehen,  sie unterhalten sich wirklich. Die gefüllte Tulpe macht sich Sorgen:
„Hoffentlich hält das gute Wetter an, denn der Regen macht mir den Kopf so schwer, dass ich dadurch die Veilchen küssen muss,  und das ist widerwärtig, das ist grausam.“
Die gefranste Tulpe fällt der Gefüllten ins Wort:
„Was ist hier grausam und widerwärtig, die Veilchen duften nach Verführung und …. und einfach nach mehr, und diese Farbe, so schön blau“,
die Einfache rote mischt sich ein: „Was heißt hier blau, die Veilchen sind violett“      und im Nu ist ein Streit zwischen den Tulpen entbrannt, sie schreien alle durcheinander, der Windhauch, der zärtlich ihre Köpfe  streichelte, hat sich zum Sturm entwickelt und die Blütenblätter der Tulpen wirbeln durch die Luft, die Worte der Tulpen verlieren sich in der Ferne und zurück bleibt ein nackter Stiel, der leise stammelt:  WILLKOMMEN im Kreislauf des LEBENS. 
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Ich halte es für wichtig, vorab anzumerken: Ich schrieb dieses Gedicht vor über einem halben Jahr, also vor den aktuellen Corona-Virus-Geschehnissen. Es handelt (auch) von der Pest im Mittelalter, eine Thematik, mit der ich mich auch einmal beschäftigte. Denn das Mittelalter hatte, wie alle Zeiten, Licht- und Schattenseiten. Das hier betrifft die damalige Schattenseite. Mit den heutigen Ereignissen hat es also nichts zu tun - und da die Pest von einer Bakterie und nicht von einem Virus verursacht wurde, ist das auch nichts wirklich 'Vergleichbares'. Damals herrschten, vor allem in medizinischer Hinsicht, ganz andere Umstände - es gab weder Wissen, woher die Krankheit kam, noch darüber, was die Menschen damals krank machte. 'Üble Dämpfe in der Luft' wurden als Krankheitsursache angenommen. Es gab keine Krankenhäuser, wie wir sie kennen, keine Antibiotika. Unter dieser Perspektive ist das Gedicht zu verstehen. Von 1346 - 1353 dauerte es damals. Das Gedicht beginnt also am Ende der Pest.
Diese Gedichtform wird auf Deutsch als Ghasel bezeichnet. Sie entstand bereits in vorislamischer Zeit auf der arabischen Halbinsel. Die 'Blütezeit' erlebte sie dann aber in Persien, im 13. und 14. Jahrhundert, auf persisch heißt sie Ghazal. 
 
 
Anno Domini 1353
 
Die Kirschbaumblüte grüßt mit ihrem Duft die Bienen hier im Garten.
Ich bin im kühlen Schatten, kann dein Kommen nur mit Pein erwarten
und lese deinen Brief zum ungezählten und zum letzten Mal,
denn deine Zeilen, sie versöhnten mich mit all den schweren, harten
Verlusten dieser gnadenlosen Zeit; Gestank des Todes liegt
sonst überall, wie eine Decke, auf den Körpern der Erstarrten.
Sie drohen mir im Schwirren all der Fliegen, Liebste, welche Qual
bereitet mir die Sorge um dein Wohl; sie spielen lustig Karten,
der Teufel und der Gott, der uns verließ und wieder sah ich zu,
wie die Vermummten Leichen zu den vielen Massengräbern karrten.
Gerüchte gehen um, der Adel floh aufs Land und die Moral
ist gleichermaßen tot, so tot als die auf freiem Feld Verscharrten.
Ach, Liebste, eile dich, wir müssen fort, der Adel hatte recht,
lass uns an einem fernen Ort, vereint, ein neues Leben starten.
Ich will den Himmel für uns finden, hörst du, Liebste, den Choral
der Engel, wie sie singen, für uns beide, wie sie uns erwarten?

Ein junger Mann erlag der Pestilenz, verstarb beim Kirschbaum heut
als Letzter an der Zahl. Gezeichnet: Oswald, Medicus, im Garten.
 
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Und ich schreie um Hilfe,
laut und verzweifelt,
renne mit blutender Seele und gebrochenem Geist.
die Leute sehen mich,
heben den Blick um ihn wieder zu senken.
Ich schreie um Hilfe,
so laut, so klar und deutlich,
halte mein Blut in den Händen,
und des Blutes rote Farbe sticht heraus
aus dem schwarz-weißen Leben der Menschen,
doch sie beachten es nicht.
die Leute entfernen sich von meines Herzen Blutes.
Wollen nicht aus ihrer farblosen Welt schwinden,
leben um nicht zu schwinden.
Ich schreie um Hilfe, verzweifelter Hilfe,
sehe weder das Licht des Anfanges noch das des Endes,
die Dunkelheit regiert in meinem Leben,
und so laufe ich ohne Hoffnung, ohne Kraft und warte,
warte bis ich von irgendwo Licht vernehmen vermag,
um zu wissen wo die Hilfe ist.
Und so schreie ich um Hilfe,
suche Hilfe, schreie es heraus, nur um zu merken:
Die Menschen Hören Mich Nicht!
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Virologe berichtet von neuen Symptomen bei der Coronavirus-Infektion
(Quelle: bing.com/news )

Sicher die Hamsteritis und spontane Panikaritis…
 
Der Verkauf von Waffen und Munition in den USA steigt inmitten der Coronavirus Panik
(Quelle: 24.news )

Da wollen es wohl einige totschießen…
Die amerikanischste aller Lösungsansätze.
 
Hohe Nachfrage in Supermärkten: Edeka und Rewe suchen Mitarbeiter
(Quelle: Oliver Berg, dpa )

Wozu? Die meisten sind doch schon auf Wochen versorgt. Ab nächste Woche sitzt sich das neue Personal auf den Toilettenpapierbergen den Hintern wund…
 
Macron sieht Frankreich „im Krieg“ und schränkt Bewegungsfreiheit ein
(Quelle: Handelsblatt )

Schmeißt Corona jetzt auch schon Bomben?….
 
Der Ausverkauf am deutschen Aktienmarkt hat sich aus Angst vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise am Montag noch verschärft
(Quelle: dpa-AFX )

Die Hamster brauchen jede Menge Bares und die Börse endlich Regale…
 
Harry und Meghan: Sommerurlaub geplant
(Quelle: bang-showbiz)

Ich würde Italien empfehlen, da sind gerade nur wenige Paparazzi unterwegs…
 
Rückholaktion für gestrandete Deutsche gestartet
(Quelle: Berliner Morgenpost)

Da bekommt die Lufthansa ja doch noch was zu tun…
 
Volkswagen will ab Samstag Produktion wegen Coronavirus aussetzen
(Quelle: welt.de)

Ab Sonntag schreien die dann nach Finanzhilfen…
 
Daniela Katzenberger - Wegen Corona-Virus: “Ich bin auf der Insel gefangen” 
(Quelle: trendmagazin.ch)

Wollen wir hoffen, dass es lange so bleibt…
 
Angela Merkel: Hoffen auf die Einsicht aller
(Quelle: Zeit.de)
 
Da hofft sie wohl vergebens….
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In deinen Schuhen möcht ich gehen
darin die Grenzen überwinden
und Welt durch deine Augen sehen
um Kontinente zu verbinden
in der Ferne Freiheit schmecken
großen Schrittes höher leben
die kleinen Wunder neu entdecken
und Träumen eine Richtung geben.
 
Freund und auch Begleiter sein
ganz gleich wohin die Reise geht
ich bin da, bist nicht allein
weil mein Herz mit deinem schlägt
die leisen Töne wie die lauten
durch Tiefen auch in all den Jahren
wo wir nur noch einander trauten
weil's Zeiten ohne Hoffnung waren.
 
Bei dir möchte ich aufrecht stehen
ehrlich mich für nichts verbiegen
und irgendwann wirst du verstehen
warum so viel ich dir verschwiegen
nimm einfach meine Hand wir sind
gemeinsam durch so viel gegangen
erwachsen auch, längst nicht mehr Kind
und nicht mehr in Gewalt gefangen.
 
Mit deinen Händen will ich greifen
was noch an Leben vor uns liegt
was deine Blicke heut' schon streifen
und mich nur leis in Träumen wiegt
Schritt möchte ich mit dir halten
an deiner Seite Hoffnung tragen
und die Zeit lässt Friede walten
weckt Kräfte die am Boden lagen.
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Auf der Intensivstation
 
Draußen wandeln die Gestalten,
die Haltung schwach, das Haupt gefallen,
hinaus, herein an diesem Ort,
ihr Hoffen ist schon lange fort.
 
Mein Blick senkt sich zu deinen Händen,
ich spüre deine Fingerenden,
rosig und warm, sie zeugen von Leben,
doch dort ist kein Tonus, du willst dich nicht regen.
 
Meine Finger öffnen Lider,
betrachten Iris, Pupille, Konjunktiva,
suchen nach Regung, erhoffen Protest,
doch finden nur ihr verlassenes Nest.
 
Meine Lippen formen Worte,
laute die bitten, stumme die fordern,
ein Appell an deinen Willen,
doch deine Antwort ist nur Stille.
 
Neben mir seh' ich dich lachen,
konserviert und eingefangen,
ein Echo dass dein Sein bezeugt,
auch wenn die Schwere dich nun beugt.
 
Eine Frage in mir bohrt;
bist du hier oder bist du fort?
Was auch immer dir geschehen,
du hast nicht gewählt zu gehen.
 
Auf diesem Pfad auf dem du stehst,
der dich nun nimmt, von denen die du liebst,
auf diesem Pfad begleit' ich dich.
Dein Weg ist schwer, doch allein gehst du nicht.
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Einleitende Bemerkung:
Die aktuelle Corona-Situation hat mich dazu gebracht, ein viele Jahre altes Gedicht (vor 2013) von mir hier zu veröffentlichen. Eine Pandemie hatte ich mir damals zwar nicht vorgestellt, aber irgendwie passt es. So schlimm es viele auch trifft, z.B. wirtschaftlich, man kann es auch ein bisschen positiv sehen und als Chance verstehen, mal innezuhalten und sich und die Welt ein bisschen zu hinterfragen.
Hier das Gedicht von damals:
 
Der große Stillstand
Stünde die Welt mal still
Nur einen einzigen Tag
Weil sie so schnell nicht mehr will
Vieles würde klar mit einem Schlag
 
Wir haben gar keine Zeit mehr, uns zu hinterfragen
Alles läuft so schnell, wir müssen funktionieren
Im Takt bleiben, Terminen nachjagen
Wo der Sinn liegt, kann keiner mehr kapieren
 
Wenn wir alle mal ne Pause machten
Vielleicht würden wir wieder erkennen
Was wahre Werte uns mal brachten
Und würden aufhören, ohne Ziel zu rennen
 
Vielleicht würden wir uns wieder sehen als Menschen
Mit wahrer Menschlichkeit
Ein Traum, ohne Mauern, ohne Grenzen
Ich wünschte mir, es wär soweit
 
Vielleicht braucht's erst Zusammenbruch, Ruin
Vielleicht braucht's erst den großen Knall
Es deutet alles darauf hin
Ewig so weiter geht’s auf keinen Fall
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Zu dem folgenden Text wurde ich durch "Völkerwanderung" von alterwein und durch "Herbergsuche" von Behutsalem inspiriert:
 
Ich reich dir die Hand, Fremder
 
Gestrandet in
unbekanntem
Raum
eingepfercht
in der Weite
die dich in ihrer
sonnengfeluteten
Kaltherzigkeit wärmt
mit
einem Glorieschein
bar allem Humanen
seine Größe
wahrend
festigend
sei willkommen Fremder
im
Gelobten Land
 
 
© Sternwanderer
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Leben mit Sozialphobie
 
 
 
Zitternd saß sie in der Ecke des Badezimmers. Ihr Herz raste, es hämmerte schmerzhaft in ihrer Brust. Ihr Atem ging keuchend, sie hyperventilierte. Ihr Gesicht war kreidebleich, ihre kalten Finger fest ineinandergehakt. Immer wieder wimmerte sie leise, dazwischen flüsterte sie:
"Das geht vorüber, es wird gleich vorbei sein, das geht vorüber, es wird gleich vorbei sein."
Es ging immer vorüber. Aber warum musste es heute passieren? Warum musste es jetzt passieren?Sie wusste es ja.
 
Sie würde sich wieder selbst überwinden müssen, würde etwas tun müssen, was sie nicht wollte, was aber notwendig war.Sie musste einkaufen gehen. Musste den Schutz ihrer Wohnung verlassen und sich nach draußen begeben. Unter andere Menschen.
Die Wohnung verlassen. Durch das Treppenhaus gehen, das Haus verlassen, die Straße entlang gehen bis zum Supermarkt, den Supermarkt betreten, alle Sachen, die sie brauchte, in den Einkaufswagen legen und sich an der Kasse anstellen, bis sie an der Reihe war. Die Waren aufs Band legen, bezahlen, in den mitgebrachten Rucksack packen und nach Hause gehen. Die Straße entlang bis zum Haus, durch das Treppenhaus, bis sie endlich wieder im sicheren Schutz ihrer Wohnung sein würde. Und bis dahin? Menschen. Andere Menschen. Fremde Menschen. Bekannte Menschen. Menschen. Und Angst. Todesangst. Vor all diesen Menschen.
 
 

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Krokusnächte

Die Morgensonne glüht herauf.
Frau Blum, soeben aufgewacht,
schiebt weit die Fensterläden auf;
der Gatte Blum schläft noch bis acht.

Nun ist Frau Blum beim Wäsche kochen
und rumpelt ein Paar Wintersocken.
Ihr Mann holt Holz und hat versprochen,
nicht in dem Wirtshaus zu verhocken.

Voll Stolz zieht Blum den Leiterwagen,
gefüllt mit Holz bis obenhin;
er öffnet einen Knopf am Kragen,
denn ihm ist heiß vom stolzen Zieh'n.

Natürlich ist die Kehle trocken,
ein kühles Bier wär Labsal pur;
er spürt ein Sehnen, Zieh'n und Locken:
Nur eins, nur schnell, und dann retour.

Die Frühlingssonne strahlt ins Haus.
Frau Blum wischt in der Stube Staub,
dann trägt sie noch den Müll hinaus
und recht im Garten welkes Laub.

Herr Blum ist quasi auf dem Sprung;
das dritte Bier war ein Verseh'n,
das vierte war, fast, Nötigung,
jetzt, nach dem fünften, heißt es gehn.

Gemächlich westwärts geht die Sonne.
Frau Blum verriegelt schon den Keller
und prüft den Stand der Regentonne;
dann spült sie rasch noch ein paar Teller.

Wie schief läuft doch der Leiterwagen?
Gefüllt mit Holz? Nein, eher leer.
Frech rollt der Wagen in den Graben
und der Herr Blum rollt hinterher.

Das kalte Wasser schweigt im Kessel.
So sauber ist das ganze Haus.
Verwaist steht auch der Ohrensessel.
Frau Blum blickt in die Nacht hinaus.

Der Mond versilbert Spinnenfäden.
Das Licht geht aus im Vestibül.
Es schließen sich die Fensterläden.
Die Krokusnächte bleiben kühl.
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Du wirfst mich in deine Klangschale
machst Musik aus mir
deine Finger zupfen meine Saiten
verwandeln lebloses Fleisch
in Tanz und Melodie
ich bin dein Instrument
der leisen Töne und
Zwischenklänge.
 
Du komponierst die Worte
die Verse auf meinen Lippen
Herzschläge geben den Takt
während du
Sehnsucht spielen lässt
mit einer Leichtigkeit
wie aus fernen Welten erwacht
die Noten sind Atemzüge
meine Stimme das Band
das sie verbindet.
 
Ich bin dein Stimmrohr
im Fluss der Zeit
du lässt Stunden regnen
sie rinnen wie Sand
durch meine Finger
nichts halte ich fest.
 
Du wirst meine Tasten schlagen
mich Eins werden lassen
und ich klinge im Schall
löse mich auf
in stiller Harmonie
werde Musik.
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Der Himmel ist mein Dach, undicht und offen
Die Erde ist mein Bett, kalt und hart
Der Wald ist mein Garten, wild und finster
Die Seele ist mein Feuer, wärmt und verbrennt mich
Das Meer ist mein Untergang, es befreit und vereint
Und im Nichts ist Energie, die meine Gedanken durchströmt
Die meine Seele weckt, meine Hand zum Pinsel greifen lässt
Was nun... ich bin eine Durchlaufstation
Für all dies Potential und die vielen, vielen Knoten
Für immer da, in Gedanken geboren
Durch Leib und Seele, wahr geworden
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Ich lege meinen Texten inzwischen kostenlos ein Tiefenlot bei, damit der Leser genau ausmessen kann,
wie tief die Bedeutung meines Textes ist. Geld verdiene ich allerdings nur mit der Verlängerungsschnur.
Damit aber reichlich, da die Tiefe meiner Texte zum Teil unendlich ist.
Ich muss zugeben, dass der Aktionsstart etwas holprig anlief,
da die Schnur des Lots nicht Bio war und das Lot für die anspruchsvollen Kunden zu wenig glänzte.
 
 
Das mit dem Bio, war relativ schnell gelöst.
Nachts schleiche ich zu Rapunzels Turm und schneide ihr einige wenige Haare ab.
Die sind Superbio und ultralang! Das kann ich jede Nacht wiederholen, da sie so schnell nachwachsen.
An dem Glanzgrad des Lotes, habe ich aber nicht nachgearbeitet.
 
Ich habe den Lesern einfach erklärt, dass sich das Lot bei regelmäßigem Gebrauch von selbst aufpoliert,
wenn es dauernd an den Buchstabenkanten vorbei fällt.
Zusätzlich habe ich noch versprochen, dass sie ein Lot extra bekämen,
wenn das Lot den Glanzgrad eines Spiegels erreicht.
Seitdem läuft das Geschäft wie geschmiert und ich komme kaum noch zum Schreiben,
was aber kaum ins Gewicht fällt, bei der Tiefe, die ich schon produziert habe.
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