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loop


bugmenot

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zu dieser jahreszeit blenden bereits sonnenstrahlen morgens.

albträume der vergangenheit jagen aus dem schlaf.

die letzte träne wird vertrocknet. edit: die letzten tränen vertrocken im zwölf-tage-bart.

es friert einem vom schweiss.

der erste griff zu den pillen. dosis verdoppelt.

man schleppt sich in die küche und setzt kaffee auf.

und fragt sich “wie lange denn noch?”

was überbleibt ist ein leerer kadaver.

eine verlorene seele, die nur noch von der harten schale zusammengehalten wird.

ein blick aus dem fenster. die welt scheint so friedlich da draußen aber krieg waltet hier drin.

wieder einmal gebraucht zu werden, gehalten und geliebt.

es ist die sehnsucht die zermürbt. die trauer macht den rest.

man blickt nur mehr in die vergangenheit und sieht keine zukunft.

die unumkehrbarkeit der dinge. es gibt keinen gott.

 

es ist ein geschwür, dass sich langsam durch den gesamten körper frisst.

zuerst das herz, dann der magen, zuletzt der geist.

zermürbend wie tausend nadeln. unheilbar. schulterzuckende ärzte.

ein blick in den spiegel vernimmt leere augen, die einst leuchteten.

das gesicht mit kaltem wasser fluten, um die augenringe zu lindern.

mager, die schultern hängend, starrer blick. gebrochene seele.

“ich schneid mir dieses ding aus der brust!

wenn ich den schneid doch nur hätte.”

wenn man tot ist, weiß man nicht dass man tot ist.

der ganze schmerz wird von anderen ertragen.

dasselbe geschieht wenn man geisteskrank ist.

bis selbst der letzte freund vergrault ist.

“sieh ihn dir an. das hat ihm das genick gebrochen”, sagen sie und wiegen sich in sicherheit.

wenn man sich nicht mehr mündig fühlt. nicht mehr zurechnungsfähig.

die eigene identität geht verloren. das ist nicht die realität die ich will!

 

man begiebt sich zur arbeit um beschäftigt zu bleiben.

abgestumpft und lethargisch aber immer eine gute miene nach außen tragen.

musik hilft über den tag und arbeit lenkt ab.

man weiß ja ohnehin nicht mehr was man mit seiner zeit anstellen soll.

geschmackloses dosenfutter. die eine oder andre flasche zuviel.

man wischt sich in die wochenalte hose, weil man jede geflogenheit schon abgelegt hat.

flache atmung. zusammengekauert mit decke, aber innerlich frieren.

panikattacken. bis die tränensäcke erschöpft sind.

 

der qualm durchströmt die lungen. das lindert den schmerz. fürs erste.

freude kann schon lange nicht mehr vernommen werden. was zählt dann eigentlich noch?

das licht des fernsehers flimmert..

gedankenverloren sieht man das bessere leben der anderen.

die zeit will einfach nicht vergehen.

was ist denn das nur für ein leben? jeden leidenden köter schläfert man früher ein.

ist es denn zu viel verlangt?

das ganze braucht eben zeit, heißt es.

ich will aber jetzt glücklich sein, verdammt nochmal!

ich habe dich so geliebt. ich lieb dich mehr als mich. und was ist jetzt?

von einem tag auf den andren. einfach so.

ich kann mich noch lebhaft erinnern. du hast mir so gut getan.

dein lächeln flutete immer den raum. wir sahen so glücklich aus.

wieviele lächler waren gelogen auf unseren bildern?

ich versteh die welt nicht mehr.

wo meine liebe hinfällt, bleibt sie liegen.

der nachbar muss das gejammere und geschluchze wohl hinnehmen bis die augen zufallen.

 

ich habe keine angst mehr vor dem tod, sondern vielmehr vor dem leben.

bitte lass mich einfach nicht mehr aufwachen.

mit diesen worten verabschiede ich mich.

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aktivste Mitglieder in diesem Thema

Hallo bugmenot,

 

zuerst das Wichtigste: Herzlich :welcome_yellow:

 

Mit 'loop' ist dir ein recht eindrücklicher, düsterer und pessimistischer Text gelungen, meine ich.

Das LI schaut voll Gram auf sein Leben, und ohne jede Hoffnung auf seine Zukunft.

 

bugmenot, der Kommentar zeigt dir meine Sicht auf deinen Text. Wenn du damit etwas anfangen kannst, freut mich das, wenn nicht – ab damit in die Tonne.

 

die letzte träne wird vertrocknet.

Eher: die letzte träne trocknet bzw. ist getrocknet.

 

es friert einem vom schweiss.

Eher: es friert mich …

 

man schleppt sich in die küche und setzt kaffee auf.

und fragt sich “wie lange denn noch?”

Die man-Form ist m.E. recht unpersönlich und distanziert.

Eher: Ich schleppe mich … setze .. und frage mich …

 

eine verlorene seele, die nur noch von der harten schale zusammengehalten wird.

Toller Gedanke, tolles Bild. Gefällt mir.

 

es ist die sehnsucht die zermürbt. die trauer macht den rest.

Sehr schön formuliert. Gefällt mir.

 

bugmenot, ich habe deine Gedicht / deine Text gern gelesen.

LG

Berthold

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Hallo bugmenot,

 

deine Schlusszeile zum Beispiel besitzt m.E. schon eine gewisse Theatralik, aber wenn du sie bewusst so geschrieben hast, einverstanden. Und wenn dir Gartenzwerge in deinem Vorgarten gefallen, dann ist das eben so. Ich betrachte deinen Text jedoch nicht als nennenswert kitschig.

Floskeln würde ich hingegen meiden. Als Beispiele:

- was zählt dann eigentlich noch?

- die zeit will einfach nicht vergehen.

- was ist denn das nur für ein leben?

-ist es denn zu viel verlangt?

 

Mein Fazit:

Um deinen Text noch knackiger und griffiger zu machen, würde ich an deiner Stelle vor allem kürzen. Denn Kürzungspotential sehe ich in deinem Text. aint:

 

Weiterhin viel Freude beim (Gedichte-) Schreiben

LG

Berthold

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  • 3 Wochen später...

update

 

ohne ende

 

albträume jagen mich aus dem schlaf.

kalter angstschweiss lässt mich frieren.

der kater draengt sich auf, ausgepraegter als sonst.

die letzten tränen trocknen noch.

der metallene geschmack von blut macht sich bemerkbar auf meiner zunge.

scheinbar nachts wieder meine unterlippe zerbissen.

um diese zeit hat noch nicht mal die sonne lust schon aufzustehen.

der erste griff gilt den pillen. dosis längst verdoppelt, dennoch gefuehlt wirkungsfrei.

ich schleppe mich in die küche und setze kaffee auf.

am besten schwarz und bitter, wie meine seele.

ein fluechtiger blick aus dem fenster.

da draußen scheint die welt so friedlich. aber im Inneren tobt krieg.

 

im spiegel sehe ich leblose, matte augen die einst leuchteten.

abgemagert, die schultern hängend, starrer blick. vor mir ein gebrochener, verbitterter mann.

mit kaltem wasser das gesicht fluten um die augenringe zu lindern.

es ist ein geschwür, dass sich langsam durch meinen körper frisst.

grausam laehmende schmerzen wie eine myriade scherben prasseln auf mich ein.

zuerst das herz, dann der leib, schlussendlich der wille.

schulterzuckende ärzte. unheilbar krank. die unumkehrbarkeit der zeit.

jeden leidenden köter würde man guten gewissens erlösen.

was überbleibt ist ein leerer kadaver.

eine verlorene seele, die nur noch von der harten schale zusammengehalten wird.

 

es ist die ungewissheit die zermürbt. die trauer macht den rest. ich verliere mich.

die erinnerung an die vergangenheit verwehrt jeglichen blick in eine zukunft.

ich schneid mir dieses ding aus der brust!

wenn ich doch nur den schneid dazu hätte.

wenn ich tot bin, wird mein schmerz von anderen getragen.

selbes, wenn man nicht mehr klar bei verstand ist. bis selbst der letzte freund vergrault ist.

“sieh ihn dir an, das hat ihm das genick gebrochen”, sagen sie und wiegen sich in sicherheit.

 

arbeit lenkt ein wenig ab. ohrenbetäubende kopfhörer bringen mich ueber den tag.

abgestumpft und lethargisch, aber immer eine gute miene nach außen tragen.

zuhause geschmackloser tiefkühlfraß. die eine oder andere flasche sicher zu viel.

alle gepflogenheiten schon seit langem abgelegt.

ich wische mich in die wochenalte schmuddelhose.

das licht des fernsehers flimmert grell entgegen.

gedankenverloren sehe ich das bessere leben der anderen.

wie immer um diese zeit ereilt mich die abendliche routine.

zusammengekauert mit dicker decke bis zur nasenspitze,

dennoch läuft mir gänsehaut eiskalt ueber den ruecken, sodass mich fröstelt.

flache atmung und kullertränen setzen ein, dicht gefolgt von

jämmerlicher hysterie, bis die tränensäcke erschöpft sind.

dicker qualm strömt in die lungen. das lindert den schmerz. fürs erste.

ich wüsste ja sonst nichts sinnvolles mit mir anzustellen.

lebensfreude kann doch schon lange nicht mehr vernommen werden.

 

ich will wieder so glücklich sein, wie grad eben noch.

ich erinnere mich lebhaft an jedes kleine detail.

dein lächeln vermochte den ganzen raum zu fluten.

wir sehen so glücklich aus auf den langsam vergilbten bildern.

wo meine liebe hinfällt, dort bleibt sie liegen. ich lieb dich mehr als mich.

ich habe keine angst mehr zu sterben, sondern vielmehr zu leben. ohne dich.

der nachbar muss das armselige geschluchze ertragen bis die augen zufallen, ohne ende.

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Hallo bugmenot,

 

dein Update gefällt mir richtig gut.

Ich meine, dein Text hat nun sehr viel mehr Zugkraft. Ich bin näher am LI dran, und werde mehr in die Geschichte hineingezogen.

 

Das gesamte Szenario: düster, pessimistisch, grau ... Das flackernde, schwache Licht der Hoffnung wird einzig genährt von der Erinnerung an eine große Liebe.

 

Gern gelesen

LG

Berthold

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  • 3 Wochen später...

Hallo, bugmenot!

Dein Text ist oberaffen-rattengeil, wenn ich es so salopp formulieren darf. Ich finde das Original eigentlich genauso gut, wie die überarbeitete Version, mit den Verbesserungsvorschlägen von Berthold. Eigentlich hauen mir alle beiden Versionen die Birne weg. Warum? Dein Text strotzt nur so vor Authentizität. Nichts scheint hier geschönt und alles ist durchflutet von roher Kraft, die förmlich in die Zerstörung einer Welt zu münden droht. Nick Cave sagte vor Kurzem, dass man sich wie an einem Gummiband immer wieder von dem, wegbewegt, was man überwinden will und trotzdem dorthin zurück geschleudert wird. Was ist das, was es zu überwinden gilt? TRAUMA. Ich finde deine Frage, ob es einen Gott in der Liebe gibt, absolut berechtigt. Denn schließlich will ja Gott der Gott der Liebe sein. Gilt das auch für die romantische Liebe oder nur für die Nächstenliebe? Also wenn man mal davon ausginge, es gäbe ihn. Aber diese Frage beschäftigt mich so seit einiger Zeit. Warum kümmert er sich nicht um seine Kinder, die Liebenden? Warum werden sie von Sehnsucht zerfressen und ignoriert?

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  • 2 Monate später...

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