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Eine Blume Asiens ( Teil 4 )


Freiform

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Li, ich möchte nicht zu negativ klingen, aber wie sollen fünfzig Gäste in diesem Raum Platz finden?“
„Indem man diesen Schlüssel hat, Ben!“ Hieltst du triumphierend und geradezu spitzbübisch grinsend einen einzelnen Schlüssel in die Höhe. Verdutzt schaute ich mich in dem Raum um, entdeckte aber keine weitere Tür. Du gingst zur Wand neben der Theke, die den Raum hälftig Unterteilte, rücktest zwei Tische zu Seite und stecktest den Schlüssel in ein Loch in der Wandbemalung, das so geschickt angeordnet war, dass es nicht zu sehen war, wenn man es nicht wusste. Dann schobst du fast die gesamte Wand zur Seite hinter die Theke.

Die Theke erhielt so einen neuen Hintergrund, der sich Perfekt eingepasste. Hinter der ehemaligen Wand ging der Raum noch einige Meter weiter und bot Platz für circa dreißig Personen. Stühle, Tische und Stehtische standen aufgereiht am Ende des Raumes. An der seitlichen Wand eine Tischreihe, um ein Buffet aufzubauen. Auf der anderen Seite eine zweite Schwingtür, die auch in die Küche führte. Leise Pfiff ich durch meine Zähne „Schau mal einer an, das ist aber gewitzt gelöst.“

„Wir Chinesen feiern gerne größer zu besonderen Anlässen, da braucht man schon etwas Platz, Ben! Ich zeige dir eben den Plan für die Tischaufteilung, die wir dort drüben ausliegen haben. Die kleinen Tische können wir allein bewegen, die großen tragen wir am besten zu zweit. Wir arbeiten uns vom Eingang nach hinten vor, so vermeiden wir unnötige Wege und kommen uns nicht in die Quere. Ein eingespieltes Team braucht circa fünfzehn Minuten für die Tische. Mit dir werden wir wahrscheinlich zehn Minuten länger brauchen. Dann müssen wir alles eindecken. Ich werde dir zeigen, wie ein kleiner Tisch einzudecken ist, dann kannst du alle kleinen Tische nachbauen und ich übernehme die großen. Wenn alles gut läuft, sind wir hoffentlich fertig, bevor die ersten Gäste kommen.“ Ich war hin und weg von deinen exakten Ausführungen, auch wenn mir klar war, dass du das wahrscheinlich zum x-ten Mal machtest.

Wir legten sofort los, ich schnappte mir einen Tischplan und ging instinktiv zur Linken Seite, während du rechts anfingst, die Tische zu verrücken. Als die erste Reihe fertig war, gebotst du mir Einhalt und holtest ein Maßband hervor, mit dem du die Abstände zu den Tischen überprüftest. „Du hast ein gutes Auge, Ben und man merkt, dass du das nicht zum ersten Mal machst!“ Lobtest du mich und mit stolzgeschwellter Brust nahmen wir die zweite Reihe in Angriff und kämpften uns so durch den Raum. Nach fünfzehn Minuten standen die Tische perfekt ausgerichtet, nach weiteren sieben waren alle bestuhlt. Anerkennend und schwitzend holten wir kurz Atem. Du schautest auf die Uhr und nicktest anerkennend. „Nicht schlecht, Ben. Nicht schlecht! Ich glaube, wir haben uns eine Erfrischung verdient, bevor wir anfangen einzudecken. Cola oder Wasser?“

Ich entschied mich für ein Wasser und als du an mir vorbei huschtest, um die Getränke zu besorgen, sog ich den Mix aus deinem Parfüm und deinem Körpergeruch auf und wünschte mir, dieser Tag würde nie zu Ende gehen.
Wir erfrischten uns wirklich nur kurz, um dann sofort mit der Schulung zum Eindecken der Tische zu beginnen. Es war kaum zu glauben, wie schnell du den kleinen Tisch bestückt hattest. Auch hier kontrolliertest du mit dem Maßband nach und wenn ich auch der Meinung war, dass nichts zu korrigieren wäre, belehrtest du mich eines Besseren.

Ok, dachte ich, hier wird nichts, aber auch wirklich nichts dem Zufall überlassen. Ich nahm mir eine Minute Zeit, mir die genaue Anordnung des Geschirrs und der Dekoration einzuprägen, bevor ich unter deiner Aufsicht den nächsten Tisch alleine eindeckte. Ich brauchte etwas länger als du, aber als du das Maßband anlegtest, konnte ich mir auch hier deine Anerkennung verdienen. „Schneller als mein Bruder, wenn das auch keine große Kunst ist!“ Zwinkerst du mir zu und ich hatte aufgrund der Hektik und Anstrengung schon fast vergessen, welch verzauberndes Lächeln dir die Natur mit in deine Wiege legte. Du gabst mir ein zweites Maßband, bevor wir uns ins Zeug legten.

Wir waren wirklich gut, jeder Tisch wurde etwas schneller eingedeckt und so waren wir tatsächlich zehn Minuten vor unserer Deadline fertig. Wir standen zusammen am Ende des Raumes und du prüftest noch einmal mit letztem Blick unsere Arbeit, bevor du dann in der Küche verschwandst und kurze Zeit später mit deinem Bruder wieder zurück kahmst. Ungläubig schaute er es sich um, drückte mir kurz die Hand und nickte anerkennend „Vielen, vielen Dank, Super Job ihr beiden! Ich muss gleich wieder in die Küche, wir sind auch gut in der Zeit. Für den Nachtisch haben wir ja noch später Zeit, das sollte also passen!“ Schon war er wieder weg.

Plötzlich füllte eine betretene Stille den Raum, du schautest nervös auf die Uhr und instinktiv wusste ich, dass es Zeit zum Gehen wurde. „Ich kann dir gar nicht genug danken, Ben und…“ Weiter ließ ich dich wieder nicht sprechen „Schon gut Li, mir hat es großen Spaß gemacht, mal wieder richtig anpacken zu können und ich denke, du brauchst jetzt noch Zeit, um dich etwas Frisch zu machen, bevor eure Gäste kommen. „Ja, da hast du recht, trotzdem möchte ich mich ganz herzlich bei dir bedanken, das hätten nicht viele Menschen auf sich genommen. Ich muss dir noch die Tür aufschließen, sonst kommst du ja nicht hinaus.“

Auf dem kurzen Weg zur Tür wurde mir schon mulmig, weil ich keinen Plan hatte, wie ich mich jetzt angemessen verabschieden sollte. Als du die Tür öffnetest, nahm ich noch einmal dieses verzaubernde Aroma deines Körpers wahr, dass meine Sinne regelrecht stimulierte. Als ich dann draußen stand, hielt ich es für das Beste, es kurz und schmerzlos hinter mich zu bringen „Ich wünsche euch ganz viel Erfolg mit eurer Gesellschaft Li, und wenn ich mal wieder in der Stadt bin, komme ich gern auf einen Tee vorbei. Grüß deine Familie bitte herzlich von mir!“ „Oder auf eine Pizza?“ Entgegnetest du unverhofft und ich glaubte mich verhört zu haben, während mein Herz mir fast aus der Brust sprang „Sehr gerne, das könnten wir ja dann bei einem Tee besprechen, ich kenn da einige gute Adressen!“
„Das würde mich freuen, Ben“ Und dein Lächeln verriet mir, das es deinem Herzen entsprang.

 

 

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Alles fing mit dem Regen an.

Peu a peu kriegen wir einen Einblick in die chinesische Esskultur, besser gesagt, einen Blick hinter die Kulissen.

Das lyrische Ich ist fasziniert von dem Reiz des Exotischem, von der ältesten Kultur der Welt.

Und ist auf dem guten Weg, ein Teil von dieser Familie zu werden.

Da sie hier aufgewachsen ist, könnte gut sein, dass plötzlich ein Ex Verehrer auftaucht... Vielleicht ein mächtiger Boss von der Mafia...

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Moin, lieber Freiform

 

Du hast es wieder geschafft. Mit Eine Blume Asiens; Teil 4 - 

Schöne Bilder sind in meinem ,Kopf entstanden.

Ich bin sehr gespannt wie die Geschichte endet!

Ist ja noch alles Möglich!

LG Josina

Die schönen klänge Asiens gefallen mir auch wieder sehr Gut!! 

 


Überarbeitet: von Josina
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Man merkt lieber @Freiform, dass du mit einer Seligkeit und dem Gefühl schreibst, weil es so richtig aus dir herausfließt. Nur in solchen Momenten können ganz normale Handlungen zu etwas Besonderem werden. Auch wenn sich dann einige Rechtschreibfehler eingeschlichen haben, so liest man mit Freude darüber hinweg, weil man Schritt halten und keinen Augenblick versäumen möchte.

Der Schluss wieder excellent - mit der verträumt hoffenden Note. Wirklich sehr gerne gelesen.

Sonja

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Hallo Carlos,

vor 22 Stunden schrieb Carlos:

Da sie hier aufgewachsen ist, könnte gut sein, dass plötzlich ein Ex Verehrer auftaucht... Vielleicht ein mächtiger Boss von der Mafia...

möglich ist alles, wir werden sehen wo die Reise hingeht.
 

Dankeschön ! :smile:

Hallo Josina,

vor 20 Stunden schrieb Josina:

Ist ja noch alles Möglich!

auch wenn die Geschichte inzwischen weit fortgeschritten ist, bin ich noch nicht zu einem Ende gekommen. Der Ausgang ist also noch nicht festgeschrieben. 

 

Dankeschön! :smile:

Hallo Sonja,

vor 15 Stunden schrieb Sonja Pistracher:

Auch wenn sich dann einige Rechtschreibfehler eingeschlichen haben, so liest man mit Freude darüber hinweg, weil man Schritt halten und keinen Augenblick versäumen möchte.

eine Haltung die ich als tolerant und vorbildlich empfinde! 
Meine Rechtschreibung ist grottenschlecht, daraus mache ich weder ein Geheimnis, noch schäme ich mich deswegen! Sie ist wie sie ist, und wenn ich es mir als Schreiber auch noch sehr wünschte, ist es nicht zu ändern. In meinem ersten Forum, hat mir ein Mitglied einmal öffentlich mitgeteilt, das ich eine Peinlichkeit für das Forum sei und man mich doch ausschließen sollte. Auch wenn ich Verständnis für seine Haltung aufbringen konnte, fand ich sie doch über Gebühr überzogen. Solange ein Rechtschreibfehler nicht vollkommen sinnentstellend ist, schmälert er zwar den Lesegenuss, ändert aber nicht die Qualität der Aussage. Wobei diese objektiv nicht  messbar ist.

 

Dankeschön! :smile:

 

Ich danke euch ganz herzlich, das ihr noch mit dabei seid und ohne euch Angst machen zu wollen, diesmal wird es ein Kurzgeschichten-Marathon...:whistling:

 

Dankeschön! :smile:

@Carlos@Josina@Sonja Pistracher@Melda-Sabine Fischer@Gina

 

Grüßend Freiform









 

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  • 2 Wochen später...

Hi Freiform!

 

Die Musik dazu finde ich übrigens auch super. Auch wenn ich das Wasser hier ein paar mal neu aufdrehen musste, um mit passenden Tönen durchs Lokal zu kommen. Hm.. ich wurde wohl von der Blume verzaubert, daher habe ich gar keinen Rechtschreibfehler bemerkt. Anscheinend hast du sie schön geschrieben, da fallen sie kaum auf. 😉

 

Liebe Grüße,

Stefan

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