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mauerblümchen


maerC

Empfohlene Beiträge

mauerblümchen

 

ich denke über mich oft nach

und steige tief in meine seele

hab das gefühl, da liegt was brach

das ich bisher verfehle

 

ich wär so gern, wie ich es mag

so selbstbewusst und offen

und weiß doch, dass ich 's nicht vermag

vergeblich drauf zu hoffen

 

ich hab 's gelernt zu akzeptieren

verstellung hat auch keinen sinn

man wird mich weiter ignorieren

weil ich ein mauerblümchen bin.

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@Trollbär, @Carlos, @Kurt Knecht @Sonja Pistracher

 

Danke euch für euren Zuspruch.

Die Fremdwahrnehmung eines "Mauerblümchens" unterscheidet sich ja meist von seiner Selbstwahrnehmung. Klar  kann ein solches sehr dekorativ in einer unwirtlichen Umgebung wirken; eine Belohnung für diejenigen, die es beachten.1792314512_Mauerblmchen.thumb.jpg.9276c28310eab214946b180f9ceebb0c.jpg

Es grüßt euch

maerC

 

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Hallo Mauerblümchen,

 

siehst du, ich hab dich glatt übersehen, so unscheinbar, wie du hier im Thread wächst.

Und du hast ja nun bereits erfahren, dass es Menschen gibt, die Mauerblümchen mit ihren ganz eigenen Charme wahrnehmen, die wissen, dass Mauerblümchen stärker und robuster sind, als es aussieht.

Und du schreibst selbst, dass Fremd- und Selbstwahrnehmung des Mauerblümchens in der Regel nicht übereinstimmen.

 

Demnach ist dein schönes kleines Mauerblümchengedicht in Wirklichkeit ein Selbstbetrug. 🤔

 

Am 1.2.2021 um 16:13 schrieb maerC:

und steige tief in meine seele

hab das gefühl, da liegt was brach

Wo, wenn nicht dort liegt deine Wahrheit. Und ein Gefühl trügt nicht.

 

Die zweite Strophe scheint der Schlüssel zum Selbstbetrug zu sein, ich wär so gerne..

Dann wird es regelrecht passiv, wenn es sagt: vergeblich drauf zu hoffen. Worauf hofft das Mauerblümchen da? Dass seine innere Stärke plötzlich in der Welt da draussen sichtbar wird, und dadurch quasi von aussen wieder in es hineinströmen kann?

 

In der dritten Strophe wird der Selbstbetrug vollzogen:

 

Am 1.2.2021 um 16:13 schrieb maerC:

 

ich hab 's gelernt zu akzeptieren

...

verstelle mich nach eurem Sinn

schön und artig zu posieren

weil ich ein Mauerblümchen bin.

😬

 

Uuups, sorrry, da hab ich mit beissender Ironie ein bisschen umgedichtet, weil ich doch die erste Strophe noch nicht vergessen hab: steige tief in meine Seele, fühle dort liegt etwas brach...

 

Wie ist denn das Mauerblümchen in seiner Selbstwahrnehmung? Und wie in seiner Selbstbetrachtung? Es scheint sich gar nicht zu erlauben, sich mit den eigenen Augen zu betrachten, es scheint nur wichtig, was die anderen sehen.  Dadurch verliert es quasi die Verbindung zu seinen dünnen Wurzeln, wenn es immer nur damit beschäftigt ist, die Oberfläche hübsch in Ordnung zu halten.

 

So jedenfalls liest sich dein schönes Gedicht für ein Mauerblümchen, das erfahren musste, dass dünne Wurzeln und Stengel völlig ausreichend sind, um in einer unwirtlichen Welt ein wundervolles Dasein zu führen. Sie sind sogar genau richtig, um auch hinter diesen lebensfeindlichen Mauern wahrzunehmen.

 

 

LG

 

Nina

 

 

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Hallo Nina K.,


 

ich bin nicht ganz sicher, ob du das literarische Ich ("Mauerblümchen") oder mich ansprichst. Jedenfalls freue ich mich, dass mein kleines Gedicht bei dir eine so tiefgreifende Überlegung ausgelöst hat.

Ich habe aber Mühe, in den Zeilen einen Selbstbetrug zu erkennen. Wenn ein "Mauerblümchen" seine charakterlich bedingte Unfähigkeit zu spontaner Extrovertiertheit erkennt und bedauert, dass es nicht aus seiner Haut heraus kann, und letzten Endes akzeptiert, wie es ist, dann ist das seine Realität. Es ist ihm einfach nicht gegeben, auf sich aufmerksam zu machen. Seine innere, selbst wahrgenommene Stärke und die Zuwendung, die es trotz oder wegen seiner Zurückhaltung hoffentlich bekommt, stehen dazu nicht im Widerspruch.  


 

LG

maerC

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Hallo maerC,

 

Am 5.2.2021 um 18:45 schrieb maerC:

ich bin nicht ganz sicher, ob du das literarische Ich ("Mauerblümchen") oder mich ansprichst.

Mit Mauerblümchen ist ganz sicher das LI gemeint, ob ein Verfasser als Person ganz, teilweise oder gar nicht mit ihm identisch ist, kann dieser nur selbst wissen.

 

Ich habe mich von der lyrischen Sprache deines Gedichtes mitreißen lassen, quasi aus Sicht eines Mauerblümchens gelesen, aber die Aufbruchstimmung der ersten Strophe beibehalten. Dadurch geht natürlich ein objektive Sichtweise verloren.

 

Denn objektiv betrachtet wird hier ja exakt ein Mauerblümchen beschrieben, das eben dadurch gekennzeichnet ist, sein inneres Wesen, trotz dass es dieses sehr wohl fühlt, nicht zu zeigen. Das Unvermögen, die eigene Seele in der Welt aufblühen zu lassen, macht es zu einem Mauerblümchen, sein eigentliches Wesen versteckt es tief in sich vor der Welt und letztendlich auch vor sich selbst.

 

In der zweiten Strophe schilderst du deutlich den inneren Kampf, den das Mauerblümchen führt.

Am 1.2.2021 um 16:13 schrieb maerC:

Ich wär so gern, wie ich es mag

so selbstbewusst und offen

Hier beschreibst du die Sehnsucht, anders zu sein. Wobei die Formulierung  ich wär so gern schon darauf hindeutet, dass nichts unternommen wird, um tatsächlich anders zu werden.

 

Am 1.2.2021 um 16:13 schrieb maerC:

vergeblich drauf zu hoffen

hier gibt es vllt einen Anhaltspunkt für bedauern. Aber auch ein Aufgeben könnte man hier herauslesen.

 

Am 2.2.2021 um 00:04 schrieb maerC:

Die Fremdwahrnehmung eines "Mauerblümchens" unterscheidet sich ja meist von seiner Selbstwahrnehmung.

 

Das mag eine Realität sein, die man, solange kein Versuch unternommen wird, sie zu ändern, sie quasi als unumstößlich gilt, auch als Selbstbetrug ansehen könnte.

 

Am 2.2.2021 um 00:04 schrieb maerC:

Die Fremdwahrnehmung eines "Mauerblümchens" unterscheidet sich ja meist von seiner Selbstwahrnehmung. Klar  kann ein solches sehr dekorativ in einer unwirtlichen Umgebung wirken; eine Belohnung für diejenigen, die es beachten.

 

Hier bist du wohl von der Lyrik und der übertragenen Bedeutung eines Mauerblümchens, kurzerhand in die Botanik umgestiegen.

 

LG

 

Nina

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