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Schiffsverkehr


Freiform

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Ein herrlicher Morgen und ein nicht weniger schöner sonniger Mittagshimmel lädt mich ein, früher Feierabend zu machen, um an den See zu fahren. Es ist inzwischen doch schon länger her, dass ich mir die Zeit dafür nehmen kann, ein Boot zu mieten und einen schönen Nachmittag auf dem Wasser zu genießen. Zu meiner Enttäuschung muss ich feststellen, dass bereits alle Boote vermietet sind und so setze ich mich erst einmal an die Bar, die direkt neben dem Bootsverleih liegt, um die Zeit zu überbrücken, bis ein Boot frei wird.

Ich ziehe die Sonnenbrille auf, gönne mir einen Aperol Spritz und beobachte das Treiben auf dem Wasser, als eine Dame mein Sichtfeld kreuzt, die augenblicklich alle meine Sinne schärft. Es ist eine von den Frauen, die es einfach nicht erlauben, keinen Blick zu riskieren, zu selten bekommt man sie zu Gesicht und dank meiner dunklen Sonnenbrille bin ich auch vor Entdeckung gut geschützt und kann ungehemmt den Ausblick genießen.

Mittlere Größe und wahrscheinlich nordische Wurzeln, wobei ich mich hier nicht ganz sicher bin. Nicht zu schlank, aber auch nicht mollig. Ein Vorbau, der auf einen vollen Busen schließen lässt, wenn da nur nicht diese Mogelpackungen im Umlauf wären, bei denen nach dem Ausziehen nur noch die Hälfte der verheißungsvollen Versprechung übrig bleibt. Das Alter ist schwer einzuschätzen, sie könnte jünger, aber auch älter sein wie ich, das spielt bei solch einer Aussicht aber keinerlei Rolle.

Ihr Telefon klingelt in ihrer Handtasche, die sie leger und elegant am Unterarm trägt. Meine Anspannung wächst augenblicklich, denn eine Stimme kann jeden reizvollen Moment schnell in sich zusammenfallen lassen. Oft genug habe ich schon erlebt, wie eine Augenweide zur Kuh mutiert, wenn sie nur den Mund aufmacht. Diesmal werde ich nicht enttäuscht, eine samtweiche Stimme, die in einem perfekten Hochdeutsch spricht, ohne den kleinsten Anflug eines Untertones des Landadels.

Ich schmelze wie Butter dahin, und während sie spricht, bewegt sie sich in meine Richtung, sodass ich weitere erfreuliche Details wahrnehme. Finger und Fußnägel sind manikürt und farblos matt lackiert. Ein Umstand, der meine Hochstimmung noch ansteigen lässt, schließlich ist es mir unmöglich, Frauen mit lackierten Fußnägeln auch nur zu berühren. Die Fingernägel kurz geschnitten, was mich darauf bringt, dass sie vielleicht einem Beruf nachgeht, bei dem das Tragen langer Fingernägel nicht dienlich ist. Eventuell doch eine Schönheit vom Lande? Ganz sicher kein Callgirl, die sich auch gerne mal am Hafen rumtreiben, um bei ruhigem Seegang wohlhabenden Yachtbesitzern den Nachmittag zu versüßen.

Ich verdränge den Gedankengang, als sie ihr Gespräch beendet und mich anlächelt. Ich halte es eigentlich für eine verspätete Reaktion auf ihr Telefongespräch, aber als sie mich überraschenderweise direkt anspricht, weiß ich, dass es doch mir gilt. Sie besitzt schöne Zähne, die zwar nicht strahlend weiß, aber in gleichmäßiger, akkurater Form stehen. Die Lippen geschwungen und fein proportioniert, ohne zu voluminös oder zu schmal zu wirken. Sie passen perfekt in ein leicht rundliches Gesicht, das durch die offenen und leicht gewellten Haare schlanker erscheint, als es ist. Rundherum eine Schönheit, die meinen Herzschlag beschleunigt und fast zum Rasen bringt, als sie das Wort an mich richtet.

„Entschuldigen Sie vielmals, ist hier vielleicht noch ein Platz frei?“ Etwas irritiert schaue ich mich um, ich habe gar nicht wahrgenommen, dass inzwischen tatsächlich jeder Tisch der Bar besetzt ist. Allerdings kann ich mir keinen Reim darauf machen, warum sie ausgerechnet mich anspricht. Wahrscheinlich ist es meinem gutmütig Väterlichen aussehen geschuldet, dass dazu verleitet zu denken, dass ich ein völlig ungefährlicher Zeitgenosse bin. Wie es sich gehört, ziehe ich erst die Sonnenbrille ab, schiebe einen Stuhl zurück, um ihn ihr diesen dann freundlich anzubieten „Sicher sehr gerne! Nehmen Sie doch Platz. Es ist ausreichend Platz für zwei Personen vorhanden und bei der Sonnenstrahlung sollte man auch nicht zu lange im Freien bleiben.“

„Danke sehr zuvorkommend!“ Setzt sie sich in einer fließenden und graziösen Bewegung „Die Sonne macht mir im Allgemeinen nichts aus, aber ich habe heute das falsche Schuhwerk an und nach dem ausgiebigen Fußmarsch, den ich hinter mir habe, schmerzen meine Füße fürchterlich. Würde es Sie stören, wenn ich meine Schuhe für einen kurzen Moment ausziehe?“ „Nein ganz sicher nicht, ich kenn die Qualen, die falsches Schuhwerk einem bereiten können, nur zu gut.“ Entgegne ich, und als sie sich hinunter bückt, um die Schuhe auszuziehen, erreicht mich eine Spur ihres Körpergeruchs, der mir verrät, dass sie wirklich schon längere Zeit unterwegs gewesen sein muss.

„Ah tut das gut, was für eine Wohltat!“ Massiert sie sich abwechselnd ihre Füße und Fesseln, und die Hingabe, die sie in diesen Vorgang legt, erzeugt ein angenehmes Prickeln in meiner Lendengegend. „Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten Mademoiselle?“ Und ich hoffe, ein ja als Antwort zu erhalten, dass mir garantiert, ihre Gesellschaft länger genießen zu dürfen. „Oh, das wäre ganz reizend von Ihnen!“ Quittiert Sie meine Einladung mit einem unsicheren Lächeln, als wenn es sie wirklich überraschen würde, dieses Angebot zu erhalten. „Ein stilles Wasser zum Durst löschen reicht völlig aus. Ich möchte Ihnen nicht mehr Unannehmlichkeiten bereiten als unbedingt nötig!“

„Keine Angst, Sie bereiten mir ganz sicher keine Unannehmlichkeiten. Ich sitze hier sowieso nur herum und warte auf mein Boot.“ „Ah, Sie haben ein Boot hier am See? Das muss sehr schön sein.“ „Nein, ich selbst habe kein Boot, das würde sich gar nicht lohnen, so wenig Zeit wie ich dafür hätte! Aber ab und zu leihe ich mir an Tagen wie diesen eines und fahre für ein oder zwei Stunden hinaus, um mich auf dem Wasser treiben zu lassen! Darf ich mich übrigens vorstellen?“ Und sie nickt aufmunternd „Jens Knüttelkop und ja, Sie dürfen ruhig lachen.“ Aber sie lacht nicht, sondern streckt mir ihre Hand geradewegs entgegen „Maria Furzzwänger und ja, Sie dürfen auch ruhig lachen!“ Und als sich unsere Blicke treffen, legt sich ein Lächeln auf unsere Lippen, das in nichts dem Strahlen der Nachmittagssonne nachsteht.

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"zu voluminös"... Das "zu" ist zu viel.

Deine Erzählung gefällt mir sehr gut, bis auf den Schluss.

Dass sie sich ihre Schuhe auszieht akzeptiere ich, aber dann noch direkt vor dir die verschwitzte Füße zu massieren...

Es ist so: Du stellst dem Leser spannend eine Schönheit vor, und machst dann mit wenigen Worten alles plötzlich zunichte.

Von den Namen ganz zu schweigen.

 

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Hallo Freiform,

 

ich finde Deine Geschichte gerade auch deshalb schön, weil sie nicht dadurch verzaubert, dass alles nur schön (verfärbt) ist, sondern vielmehr dadurch, dass das LI die Dame als Gesamtpaket so anziehend findet. Das LI kann sie anscheinend (auch) sehr gut riechen 😉

 

Hast einen sehr eleganten und harmonischen Schreibstil, gefällt mir sehr gut, hab' die Geschichte gern gelesen. 

 

LG Flutterby

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Hallo Gina,

Am 1.2.2021 um 17:07 schrieb Gina:

das ruft ja nach einer Fortsetzung,

ich bin schon fast fertig mit der Geschichte! Sitze gerade am letzten oder vorletzten Teil. Das Ende ist aber schon geschrieben. Diesmal werden es aber weniger Teile werden, als zuletzt bei der Blume Asiens.

 

Dankeschön! :smile:

 

Hallo Carlos,

Am 1.2.2021 um 18:19 schrieb Carlos:

"zu voluminös"... Das "zu" ist zu viel.

schön das du wieder aufmerksam mitliest! An der Stelle passt es für mich aber.

Am 1.2.2021 um 18:19 schrieb Carlos:

Dass sie sich ihre Schuhe auszieht akzeptiere ich, aber dann noch direkt vor dir die verschwitzte Füße zu massieren...

Interessant Carlos. In meinem Kopf waren sie nicht verschwitzt, da sie offenes Sommerschuhwerk trägt. Außerdem hat sie vorher Stundenlang telefoniert, ist ja schließlich eine Frau...:whistling:

Am 1.2.2021 um 18:19 schrieb Carlos:

Es ist so: Du stellst dem Leser spannend eine Schönheit vor, und machst dann mit wenigen Worten alles plötzlich zunichte.

Manchmal muss das so sein. Ich muss mir ja in jeder Geschichte etwas neues einfallen lassen.

 

Dankeschön! :smile:

 

Hallo Flutterby,

Am 1.2.2021 um 19:26 schrieb Flutterby:

weil sie nicht dadurch verzaubert, dass alles nur schön (verfärbt) ist,

bei der Geschichte versuche ich nah am Leben zu bleiben und das hat auch Makel. 

Ich freue mich sehr, dich unter meiner Geschichte begrüßen zu dürfen.

 

Dankeschön! :smile:

Hallo Josina,
wenn man den Namen von der Dame liest kommt das viel intensiver, als wenn man ihn spricht. Dann geht das anrüchige fast unter. Ich fands irgendwie amüsant, kann Carlos aber auch verstehen das es ihn stört.

 

Dankeschön! :smile:

 

Ich danke euch ganz herzlich für euren besuch und bin wieder sehr gespannt, wer bis zum Ende durchhält!

Dankeschön! :blume:

@Gina@Carlos@Flutterby@Josina@Stephan_sombra

 

Grüßend Freiform



 

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