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So, wie Dresden


Der Sentimentalist

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Mein lieber Neffe,

 

es ist so schön Dir mal wieder zu schreiben. Ich weiß welches Jahrhundert wir haben und, dass das hier, ein solch von Hand geschriebener Brief, alles andere ist, als konventionell. Aber du kennst doch deinen Onkel, der gerne noch die Gefühle von früher in sich trägt und sehr persönliche Botschaften schreibt.

Du warst immer jemand, dem man Dinge erzählen konnte und der interessiert zuhörte. Daher schreibe ich Dir gerne einen solchen Brief, ohne zu erwarten, dass Du mir antworten wirst. Es ist mir wichtig Dir zu sagen, dass ich an Dich und deine Zukunft glaube. Ich weiß, dass dieses Jahr ein sehr wichtiges im Leben eines jungen Menschens ist. Ich hörte von Verwandten, dass Du Dir Sorgen machst über Deine Zukunft, darüber, ob Dinge klappen könnten und bange von den Schmerzen hast, die Du fühlen könntest, wenn sie nicht passieren würden. Lass mir dir sagen, dass dich wohl niemand so gut versteht wie ich, denn ich war genauso wie Du.

Ich erinnere mich immer an meine Tagespreise nach Dresden im Jahr bevor sich auch bei mir alles ändern würde.

Natürlich zog es mich in den Osten, dort hin, wo die Sonne aufgeht, gen goldenen, morgendlichen Horizont wo auch meine sinnlichen Wünsche auf mich warten würden. Ich besuchte diese Stadt damals ein Mal um sie zu entdecken, denn sie war ja so bekannt für ihre schönen alten Bauten und ihre prachtvolle Erscheinung. Tatsächlich spazierte ich in ihrer Altstadt, durch diese prachtvollen Straßen und entdeckte diese Gebäude, wie die Frauenkirche und die Semperoper, doch mir viel auf, dass dort überhaupt nichts los war.

Der Alltag der Stadt hatte sich hauptsächlich in einer Betongwüste vor der Altstadt abgespielt und auch nach ihr ging das Leben in der Neustadt weiter, doch in der Altstadt traf man bloß auf Touristen. 
Dort waren kaum andere Leute und der Bereich ist, wenn wir ehrlich sind, auch nicht besonders groß. Mir viel auf, dass sich das Wesen der Stadt total verändert haben musste. Alles was heute von Bedeutung war und nicht schon hunderte von Jahre alt gewesen ist, machte einen Bogen um diese Altstadt.

Plattenbauten und brutalistische Betongkästen standen dort ansonsten nur herum und es wurde schnell klar, dass diese Altstadt, von dem einst so prachtvollen Dresden, gar nicht mehr in diese postsozialistische Stadt passte. Genauso betrachtete ich meine potentielle Zukunft und sah dies als Negativbeispiel.

Ich wollte nicht wie diese Stadt werden, mit hohen Potentialen gewachsen, doch schließlich Zerstört und ganz anders wieder aufgebaut als Vorher. Sich im Inneren so sehr verändert haben, dass das Wesen ein Vollkommen anderes ist, dass man zwar noch den selben Namen trägt, aber nicht mehr die selbe Person ist. Ich hatte Angst, genau wie Du in diesem Moment auch, dass der Rest von meinen einstigen Träumen und Zielen, wie die Altstadt von Dresden isoliert von allem sein werden, gar nicht zu meinem einstigen Wesen passen und mein alter Glanz verloren gehen könnte, dass sich alles in meinen Leben darum und nicht mehr darin abspiele und doch das Zentrum meines leiderfüllten Seins, für immer eine Jahrhunderte alte Ruine bleibt.

"Ins Kristall dein Fall", so eingesperrt in der spitzen, kantigen Form der Zitronenpresse und deine Träume, wie eben jene saure Frucht auf ihr ausgedrückt und ausgeblutet. 
 

Lass mich Dir dazu etwas sagen mein strebender Neffe. Ich bin so stolz auf Dich und auch wenn Du weißt, dass Du Dein Leben nie so im Griff haben kannst wie Du willst, kannst Du immer nur gewinnen. Denn über die Jahre veränderte ich meinen Blickwinkel über meine eintägige Stadtreise in meinen Jugendtagen.

Ich besuchte die Stadt noch einmal und sie erschien mir in einem ganz anderen Glanz. Ja ganz so, als hätte ich dort einer Schlange in die Augen gesehen und mich in sie verliebt

. Obwohl sich dort kaum etwas verändert hatte, und man die Spuren der unterschiedlichen Geschichte und Gezeiten immer noch sehen konnte, waren es genau diese, die den Aufenthalt dort so umwerfend, die die Stadt im Gesamten und nicht nur den Kern schön machten. Plötzlich war es nicht mehr das isolierte, traurige, kleine Altstadtzentrum der Stadt um dass sich alles herum zog und nichts darin geschah, sondern es war eine Art, zwar erzwungener und doch überwundener, Übergang zwischen Gestern und Heute.

Ich bemerkte, wie dieses Zentrum in der innigsten Seele der Stadt, immer noch den Charakter ausmachte und liebevoll erhalten war, gepflegt wurde und die Differenz, die sozialistischen Betongbauten und Klötze nach der Zerstörung der Stadt, dass eigentliche Wesen waren, die die parallele von Erhaltung und Neuanfang pflasterten und betonierten.

Es war keine arme, vom Schicksal zurückgelassene -, sondern eine reiche, mit unterschiedlichen Fasseten bestückte, Stadt, desen Erscheinung sich vielleicht veränderte, aber nur, weil es, unausweichlich, mit der Zeit geschah.

Doch das Wesen hatte sich nicht verändert, sondern ist erhalten geblieben und nur mit den Zeiten, und alles was sie mit sich gebracht haben, gewachsen.

Dadurch ist es immer Elbflorenz geblieben und wird immer auferstanden aus Ruinen sein, wie es heute noch steht in seiner ehrlichen Pracht, weswegen du dir niemals Sorgen machen musst mein lieber,

solange du glaubst, wie einst die Bürger dieser Stadt, an Einigkeit und Recht und Freiheit.

Erhalte immer dein Wesen, Kämpfe für deine Ziele und gehe mit deinem Schicksal um.

Lebe. 
Deshalb schreibe ich dir einen Brief per Hand, weil dieses persönliche so nie verloren gehen wird. Ich umgehe der modernen Technik nicht, bin kein Himterweltler und doch weiß ich noch über die die alten Dinge bescheid. Weil wir beide wissen wie wir sind, müssen wir uns hierfür nicht rechtfertigen. 

 

Wie du siehst, sind ich und das alte Dresden auch heute noch dafür bekannt.

 

 

 


Überarbeitet: von Der Sentimentalist
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