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Eine Liebe von vielen


Freiform

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Wenn ich sie sah, ging mir das Herz auf, wenn sie mich berührte, war ich wie elektrisiert, und wenn sie mich küsste, wollte ich sie am liebsten an mich ziehen und nie wieder loslassen. Aber sie war nicht mein, sondern die Freundin meines besten Freundes.

Mein Herz trug schwer an der Situation, im Besonderen, weil er sie nicht gut behandelte, während ich sie gern auf Händen getragen hätte. Am schlimmsten war es auf einer Party, die ich gab, als sie sich heftig stritten, anstatt gemeinsam zu feiern. Er machte sie so dermaßen runter, dass ich mir wieder die Frage stellte, wieso sie noch immer zusammen sind.

Die Situation eskalierte, und als sie sich mit Worten nicht mehr wehren konnte, wurde sie handgreiflich, während er sie nur auslachte. Irgendwann war es genug und ich musste eingreifen und dazwischen gehen, um Schlimmeres zu verhindern. Ich stellte beide vor die Wahl, wer nach Hause fährt und wer bei mir Übernachten sollte. Denn nach dieser Aktion war klar, alles andere könnte nur in einem Fiasko enden.

Wutentbrannt rief sich mein Freund ein Taxi, und als er ging, sagte er nur „Guck, dass sie sich wieder abregt!“
Während sie sich weinend in mein Schlafzimmer verzog. Die anderen Gäste hatten von dem Vorfall mehr oder weniger nicht mitbekommen und amüsierten sich weiter, so war es an mir, nach ihr zu schauen und nach dem Rechten zu sehen.

Sie fiel mir in die Arme, als ich das Schlafzimmer betrat, und weinte so bitterlich, dass es mir schwerfiel, sie nur zu trösten. Sie war so aufgelöst, dass sie kein Wort mehr herausbrachte. Genau in diesem Augenblick hätte ich ihr am liebsten meine Gefühle anvertraut, in der Hoffnung, erhört zu werden. Doch 25 Jahre Freundschaft wirft man nicht einfach aus einer Gefühlsduselei über den Jordan und so blieb ich still.

Ich legte sie irgendwann auf das Bett und sie zog mich mit hinein, umarmte mich. Ich versuchte nicht ihre Umarmung falsch zu interpretieren und so sind wir irgendwann Arm in Arm eingeschlafen. Am nächsten Morgen lag ihr Kopf auf meiner Brust, und als sie irgendwann die Augen öffnete, schob ich zärtlich die Locken aus ihrem Gesicht und fragte „Wieder alles gut, Kleine?“
 

Sie nickte und gab mir einen Kuss auf die Wange, bevor sich wieder tränen in ihren Augen bildeten. Mein Herz war kurz vorm Zerreißen und ich spürte das meine Standhaftigkeit wankte. Um mich aus der Situation zu befreien, sagte ich nur „Ich mach uns mal einen Kaffee und dann sieht die Welt schon wieder ganz anders aus!“

Ein Monat später ist sie bei ihm ausgezogen und ich war versucht, Kontakt zu ihr aufzunehmen. Doch meine Loyalität zu meinem Freund hielt mich davon ab. Hätte sie sich bei mir gemeldet, wer weiß, was dann aus uns geworden wäre. So ist es nur eine unerfüllte Liebe von vielen geblieben.

Ich trauere keiner einzigen unerfüllten Liebe nach, denn dann hätte ich nie meine Frau kennengelernt, und das würde mir wirklich das Herz zerreißen.

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Wieder eine ganz besonders intensiv zum Miterleben geschriebene Geschichte mit anmutendem Wahrheitsgehalt lieber @Freiform. Das ist dein Metier. Man fängt zu lesen an und will es immerfort weiter tun.  Du fesselst den Leser sofort. Eine wirkliche Begabung.  

In diesem Fall setzt der Schluss dem Ganzen den Zauber auf, der mir ein glückliches Lächeln geschenkt hat.  Und es wohl auch anderen Lesern tun wird.  

Mit liebem Gruß 

Sonja 


Überarbeitet: von Sonja Pistracher
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Hallo Miteinander,

wir ihr wisst, schreibe ich nicht gern autobiographisch, aber diese Geschichte hat sich so zugetragen. Es gibt Situation, an denen ich mich gern an sie zurückerinnere, der Ursprung warum ich diese Geschichte aufgeschrieben habe. Ihr macht mich wieder ganz verlegen mit eurem Lob. danke dafür! 

 

Dankeschön! :grin:

@Sonja Pistracher@Gina@Kurt Knecht
 

Grüßend Freiform

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Lieber @Freiform,

 

es zieht mich hinein. Nach wenigen Worten hänge ich an den Lippen des Erzählers, will wissen, wie es ihm erging. Hoffe auf ein strahlend helles Happy End. Ahne langsam, mit wachsender Bestürzung, dass es keines geben wird, dass es bei einem fahlgrauen Weiter-So bleiben wird. Und dann, zum Schluss, stößt der Erzähler die Tür auf und lässt mich im flutenden Licht der Erkenntnis zurück.

 

Schön! Kraftvoll! Danke!

Robert

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Hallo Miteinander,

wie ihr unschwer an meinem fehlen erkennen könnt, nimmt mich das Leben gerade für andere Projekte arg in beschlag, aber ich hoffe, das wird demnächst wieder.

Ich danke euch ganz herzlich für eure schönen, zahlreichen und wieder sehr motivierenden Kommentare, über dich ich mich sehr freue :blume:

Dankeschön!

@roimtsichnich@Melda-Sabine Fischer@Lina@Joshua Coan@Durchschnittstyp@J.W.Waldeck@Josina@Carlos@Federtanz@Karlo@Flutterby

 

Grüßend Freiform

 

 

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