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Ungezähmte Menschen


Sternenherz

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Ungezähmte Menschen

(mein Beitrag zum Weltfrauentag)

Sie will auf Bäume klettern,

genau wie Er.

Laut sein, schreien, lachen, sich die Knie aufschlagen!

Sie ist eine Räuberin,

eine Tänzerin,

ein ungezähmtes Herz

 

Er will die Puppe wiegen

genau wie Sie

und sich den Puls seiner

Seele ins Gesicht tätowieren,

wenn die Gletscher hinter den Augen schmelzen

 

Neugeboren sind wir

jeden Tag

im Jubel über das Wunder !

 

 

 

Nachtrag: Das Gedicht ist bewusst über Kinder geschrieben id ersten zwei Strophen, da es in diesen Jahren los geht mit den Normen ...wie ein anständiges Mädchen zu sein hat und wie ein toller Junge.
Findet es meinetwegen lächerlich als Beitrag zum Weltfrauentag -- aber es ist mein persönlicher Beitrag aus Jahren Beobachtung von verletzten Seelen gekeltert.


Überarbeitet: von Sternenherz
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Hallo Sterneherz,

 

dein Gedicht hat mich sehr angesprochen,es erinnert mich an meine Kindheit, an die Ferien bei meiner Patentante auf dem Bauernhof, da konnte ich auf Bäume klettern...usw. und in der Abenddämmerung beobachten, wie die Rehe zum Äsen auf die Waldwiesen kamen und vieles mehr. Das war für mich die beste Zeit des Jahres...

 

Liebe Grüsse

anais

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Liebe Sternenherz,

 

im zweiten Vers der zweiten Strophe sollte "sie" stehen, glaube ich... Oder ist das Absicht?

Schon vorher wollte ich mich zu deinem Gedicht äußern, aber ich wollte nicht dich dadurch zu einem Kommentar meines Gedichts womöglich verpflichten...

Jetzt kann ich mich revanchieren!

Es hat mir auf Anhieb gefallen.

Ich finde auch sehr gut, dass du dabei auch den Mann, das "Weibliche", ich würde sagen, das Menschliche im Mann einbeziehst.

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LIeber Carlos

 

im zweiten Vers der ersten Strophe steht auch Er groß geschrieben.

Das ist gewollt so -- weil es um die Rollenzuschreibungen von Mann und Frau geht.

 

Ich fühle mich nie verpflichtet, zu antworten;

antworte id Regel, wenn ich mich angesprochen fühle auf die eine oder andere Art und Weise.

 

Ich beziehe das Männliche deswegen bewusst in ein Gedicht zum Weltfrauentag mit ein,

da viele Menschen - oft Männer - meinen, dass es beim Feminismus darum geht,

dass Frauen an die Macht wollen .... bzw. dass unter der aktuell schrecklich verqueren und entsetzlichen Weltsituation und Situation zwischen den Geschlechtern nur die Frauen leiden. Die Männer leiden genauso .

 

Ich freue mich , dass Dir mein Gedicht zusagt und Danke für Deinen verständigen Kommentar dazu.

 

liebe Grüße

 

Sternenherz

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Hallo anais -

dass Deine Ferien auf dem Bauernhof sehr besonders waren, kann ich nachempfinden.

Insbesondere die Sanftheit der äsenden Rehe gefällt mir gut.

 

Ich bin auch im Dorf groß geworden, was ich inzwischen als großen Segen begreife.

 

Liebe Grüße

 

Hallo Ursula,

ja, die (sogenannten) weiblichen Eigenschaften sind ja genauso den Männern zugehörig; sie werden ihnen nur id Regel gründlich aberzogen. Ich erinnere mich, wie ein Mann aus meinem Umfeld seinem Sohn verboten hat, mit Puppen zu spielen - die Befürchtung war, er könne schwul werden. Was für eine Absurdität. So werden die Männer künstlich gehärtet ... . Das viele Leid, das entsteht, weil Menschen in ihren Geschlechtsstereotyp gepresst werden wie ein Gummiball in seine Form. Toughe und starke Mädchen, die in angepasste verhuschte Dienstmägde verwandelt werden.

Wie gut, dass vieles langsam und doch stetig, besser wird. Männer, die ihre Kinder als Schätze begreifen und nicht nur als Fußballerkumpel oder zuckersüße Herzeigemäderl.

 

 

Liebe Grüße

 

Sternenherz

 

 

 

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Hallo Sternenherz,

 

mir ist ja schleierhaft, warum es nur einen Weltfrauentag gibt, wo Frauen doch 50% der Weltbevölkerung ausmachen (habe nachgezählt...) :whistling:

Es sollte allein deswegen häufiger so einen Tag geben, damit Gedichte wie dies entstehen. Auch wenn dann vermutlich fraglich wird, ob es die Menschen noch zum Reflektieren anregt, wenn solch ein Tag "alltäglich" ist.

 

Wie auch immer, deine Zeilen finde ich kostbar, und das vor allem aus einem Grund - du beschreibst das "ungezähmte Herz", die ungezähmten Menschen. Schnell würden wir damit vielleicht etwas rohes, tierisches und unbeherrschtes assoziieren, aber mir gefällt das Bild der "Eigenheit" sehr viel besser. Menschen sind eigen, sie lassen sich nicht in vorgeformte Schubladen normen. Des Menschenhand kann auch den Wind nicht nähmen.. er ist frei, wenn auch auf ganz andere Weise. Ein Mensch kann des anderen Menschen Willen unterdrücken, ihn brechen und nach seinen Vorstellungen gestalten, aber das Herz, den Menschen.. wird er nicht zähmen können. Und in dieser ungezähmten Natur steckt so viel, dass ich es gar nicht in wenigen Worten beschreiben könnte.

 

Die Erlaubnis, die deine Verse indirekt aussprechen - nämlich die indoktrinierten (gibt es das als Verb?) Geschlechterrollen aufzuheben, sich darüber hinaus zu sich selbst zu bekennen, das gefällt mir sehr gut. Ich glaube, das nicht zuletzt die gesellschaftlichen Erwartungen viel Mitschuld an der ganzen Problematik tragen.

 

Alles in allem sehr gut gelungen, einzig die grüne Schrift sagt mir überhaupt nicht zu, aber derlei gehört eben in die Kategorie "Geschmackssache" und es mag ja auch nicht jeder Mensch Vanilleeis oder mit Puppen spielen - ganz gleich welches Geschlecht. :saint:

 

Liebe Grüße von einer ungezähmten Lichtsammlerin

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Hallo Lichtsammlerin,

 

schön, dass Du hier kommentierst.

 

du beschreibst das "ungezähmte Herz", die ungezähmten Menschen. Schnell würden wir damit vielleicht etwas rohes, tierisches und unbeherrschtes assoziieren, aber mir gefällt das Bild der "Eigenheit" sehr viel besser.

 

Dass "der Wilde" , wie er in den Köpfen und Ängsten "des Deutschen" vor einigen Jahrzehnten noch herumgeisterte und - zumindest im Unterbewusstsein - immer noch tut, die "edlere" Ausführung des Menschen ist, ist mir in langen Jahren klar geworden. Viele Menschen hier, die angepasst in ihre zugemuteten Rollen funktionieren, sind seelisch-emotionale Krüppel. Dass auch ihre Herzen unter dem aufgezwungenen Rhythmus leiden, zeigt die enorm hohe Rate an Herzinfarkten und anderen Herz-Kreislauferkrankungen.

Die fürchterlichen kulturellen Schneisen, die die Missionierung der Wilden geschlagen hat, bewohnt ein ganz großes Areal des Kahlschlags in meiner Seele.

Aborigine-Mädchen, die nach Erlangung der Geschlechtsreife zwangssterilisiert worden sind und in Missionsschulen dem Drill unterworfen, Eingeborene aus Papua - Neuguinea, denen ihr Ahnenkult und damit ihre Identität gestohlen worden ist .... . Ich muss aufhören zu schreiben, da mir das ...die Kehle engt.... immer wieder und immer noch.

 

Deine Wortschöpfung "Eigenheit" beschreibt sehr gut . Eigensinnige Menschen werden nur von den wenigsten anderen Menschen gewürdigt.

 

Ein Mensch kann des anderen Menschen Willen unterdrücken, ihn brechen und nach seinen Vorstellungen gestalten, aber das Herz, den Menschen.. wird er nicht zähmen können.

 

...ja, das Herz wird sich nicht zähmen lassen. Oft bricht es sich irgendwann nach Jahrzehnten Bahn .... manchmal in einem großen Befreiungsschlag -- leider .... nicht immer zum Guten ....

 

Und ja, der Wind kann auch nicht genommen werden. ... Ich mag sehr das Lied von Donovan "Catch the Wind" . Darin geht es eben auch um die unerfüllbare Liebe zu einem Menschen. Der sich nicht "haben lässt" .... ihn zu versuchen, zu besitzen, ist wie der vergebliche Versuch, den Wind einzufangen.

 

Die Erlaubnis, die deine Verse indirekt aussprechen - nämlich die indoktrinierten (gibt es das als Verb?) Geschlechterrollen aufzuheben, sich darüber hinaus zu sich selbst zu bekennen, das gefällt mir sehr gut

 

Was das indoktrinieren angeht - ja, ich glaube, das gibts als Verb. Und falls nein, nimm es Dir einfach 🙂 als Neuschöpfung.
Oh ja ... da liegt viel im Argen bzw. positiv ausgedrückt. Da ist noch viel Neuland zu erobern.

 

grüne Schrift sagt mir überhaupt nicht zu

 

Danke fürs Mitteilen. Im Nachschauen, wie ich Deine Beiträge anders gestalten könnte, fand ich, dass dies Forum nicht nur 20 Farben bereithält, wie ich bislang dachte, sondern eine riesige Palette. Ich habe mich für "rosa" entschieden - weil ich das sehr mag. Denk es Dir einfach anders, falls es nicht für Dich passt oder buche es unter meinem Eigensinn ab.

 

Herzlichte Grüße

 

Sternenherz , die hier noch Gedanken von Hermann Hesse zum Eigensinn anhängt.
Ich finde sie wundervoll :


 


Überarbeitet: von Sternenherz
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Liebes Sternenherz,

 

den Nachtrag hätte ich nicht gebraucht, um zu verstehen, was dein Gedicht erreichen will. Bei so schönen Gedichten finde ich es manchmal ein wenig bedauerlich, wenn eine Erklärung beigefügt wird, weil der Lesespaß ja darin besteht, selbst herauszufinden, worum es geht, selbst diese Gedanken aufzubringen. Das soll aber keine Kritik sein und schon gar nicht dich dazu animieren, den Nachtrag zu löschen. Durchaus kann ich den Wunsch verstehen, bei einem so sensiblen und wichtigen Thema, nicht falsch verstanden zu werden. Im Grunde soll diese Einleitung wohl nur dazu dienen, dir zu versichern: Ja, die Botschaft verstehe ich und heiße sie gut.:thumbup:

 

Denn in der Tat sind Geschlechterrollen ja Ausdruck gesellschaftlicher Erwartungen an Geschlechter, deren Unterscheidung mehr Wichtigkeit beigemessen wird als biologisch notwendig und gesellschaftlich nützlich. Kein Mensch kommt auf die Welt und denkt: "Ich bin ein Mädchen. Ich will mit Puppen spielen." Durch den gesellschaftlichen Druck, sich in diese Rollen zu fügen, geht unermesslich viel an Individualität, Freiheit und Ausdrucksvermögen verloren und es trägt dazu bei, Menschen, die man in zwei willkürliche Schubladen steckt, voneinander zu isolieren.

 

Diesen Gedankengang kann ich in deinen Beschreibungen der Interessen und Sehnsüchte von Kindern (also den Menschen, teils vor der Vergesellschaftung) nicht nur wiederfinden und intellektuell fortspinnen, sondern er wird hier gerade aufgrund der konkreten Bilder von ganz speziellen Gefühlen begleitet: Da ist die Hoffnung, dass diese willkürlichen Grenzen überwunden werden können, da ist die Bewunderung des weitgehend rollenungebunden reinen Menschseins, wie man es bei Kindern beobachten kann und das Bedauern darüber, dass diese Kinder, wie so viele Kinder vor ihnen, auch nicht an den sozialen Mechanismen zur Desintegration vorbeikommen werden und vielleicht irgendwann ein solches enges und starres Bild von ihrem eigenen Geschlecht (und "dem anderen" Geschlecht) entwickeln, das in unserer Gesellschaft vorherrscht.

 

Die Frage stellt sich, wie du dieses Gefühl hier so gekonnt zum Ausdruck bringst und auch wenn die Antwort darauf sicherlich viel komplexer sein dürfte, sticht ein Wort für mich hervor, das den Unterschied macht - "wollen". Wiederholt schreibst du davon, was die Handelnden wollen, betonst dieses Wort dadurch sehr stark, überbetonst es vielleicht sogar - wenn dann aber aus guten Gründen. Denn es lässt den Leser unweigerlich darüber nachdenken, wieso diese Kinder so etwas wollen können und wir "alten Hasen" nicht mehr. Wie kommt das Wollen überhaupt zustande. Bei den Kindern scheint es aus ihnen heraus zu kommen. Bei uns Erwachsenen, glaube ich, ist es zu einem großen Teil in uns hineingeraten, hineingetragen worde, mitunter vielleicht auch hineingeprügelt worden.

 

Man spürt die Freiheit des Denkens und Empfindens der Kinder, beneidet sie, ohne sie ihnen wegnehmen zu wollen und bedauert, wie oft diese Freiheit abhanden kommt, indem man "reifer" wird, sich anpasst und sich dabei selbst aus den Augen verliert.

 

Klasse auf den Punkt gebracht! Chapeau!:smile:

 

LG


Überarbeitet: von Schmuddelkind
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Lieber Schmuddelkind,

 

Danke für Deine Gedanken, die ich sehr schätze.

 

Wenn Du mit Nachtrag den Video von Hesse über den Eigensinn meinst, dann war dieses nicht als Erklärung gemeint, sondern eher als Geschenk. Ich finde diese Gedanken Hesses unschätzbar wertvoll, weil er in einer eigentlich sehr einleuchtenden Einfachheit Denkschemata aufzeigt und auch entlarvt , die wir gewohnt sind und die uns einengen.

Es war eher als Geschenk gedacht als als Erklärung.

 

es trägt dazu bei, Menschen, die man in zwei willkürliche Schubladen steckt, voneinander zu isolieren.

 

Oh - Danke.

Das Wort "isolieren" ist so treffend. Und zeigt diesen Mißstand in seiner Tragweite auf.

Ich war mal in einem Vortrag , vor vllt. dreißig Jahren, da meinte die Vortragende (ich erinner nicht mehr - ich glaube es war diejenige Frau, die unter dem Pseudonym Judith Jannberg geschrieben hat), dass die Geschlechter so voneinander getrennt werden, dass sie beim Eintritt id Pubertät so "halb" sind, dass sie sich wie die Magdeburger Halbkugeln zueinander hingezogen fühlen .... weil sie wieder ganz sein wollen.

 

 

wollen". Wiederholt schreibst du davon, was die Handelnden wollen, betonst dieses Wort dadurch sehr stark, überbetonst es vielleicht sogar - wenn dann aber aus guten Gründen. Denn es lässt den Leser unweigerlich darüber nachdenken, wieso diese Kinder so etwas wollen können und wir "alten Hasen" nicht mehr. Wie kommt das Wollen überhaupt zustande. Bei den Kindern scheint es aus ihnen heraus zu kommen. Bei uns Erwachsenen, glaube ich, ist es zu einem großen Teil in uns hineingeraten, hineingetragen worde, mitunter vielleicht auch hineingeprügelt worden.

 

Danke für Deinen so klaren Blick.

Es gibt von Konstantin Wecker ein Lied : "Jetzt möcht ich einmal einmal ganz von vorn anfangen. Einmal ein LEben lang mir selber gehören. Ich habe doch immer nur am Band gehangen. Jetzt langt es mir - jetzt möcht ich mich wehren". 
Irgendwie ... sind viele von uns auf einem Zug droben, den sie sich nicht wirklich selber ausgesucht haben ...und je weiter er Richtung Zielbahnhof fährt, desto unmöglicher scheint es, abzuspringen. Selbst entsetzlichste Lebensumstände lassen Menschen verharren.... Menschen die oft nie eine wirkliche Wahl hatten.

 

Dass wir wirklich auf der Welt sein sollen, um zu arbeiten und zu schlafen ...und ab und zu mal diese Urlaube als Zuckerl obendrauf .... -- nö. DAs kanns doch wohl nicht sein.

 

Liebe Grüße

 

Sternenherz

 

 

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