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Im tiefsten Schlund der Qualen wurde ich geboren, im Rachen alles Bösen, dass vom ersten Herzschlag mein Begleiter war. Es gab kein Entrinnen, so schnell ich auch lief, der Schatten des Bösen haftete untrennbar an mir. Ich wurde erst gemieden und später verbannte man mich dorthin, wo angeblich niemand allein des Lebens glücklich werden konnte, wenn er nicht sogar den Tod fand. Ich trotzte meinem Schicksal und in der Einsamkeit meines Seins, verlor das Böse langsam seine Kraft, bis ich begriff, dass nicht ich das Böse war, sondern das Böse nur an mich herangetragen wurde.
 

In den Armen von Mutter Natur heilten langsam meine Narben und sie verlieh mir die Kraft eines Bären. Der Wolf war nicht länger mein Feind, sondern Weggefährte und mit dem Verstehen seines Wesens keimten erste Triebe von zarter Zuneigung und Geborgenheit. Im Wechselspiel der Jahreszeiten zogen wir durch unberührte Natur, die nie die zerstörerische Kraft des Bösen kennengelernt hatte, in der nur das Lied vom Wachsen und Vergehen zu hören war. Der Wind verteilte das Leben und der Regen ließ es wachsen. Das Feuer reinigte, und die Erde war der Filter, der alles Gift zu Nährstoff werden ließ.
 

Die Jahre vergingen und langsam wurde ich ein Teil dieser Gemeinschaft. Der Hirsch verlor seine Scheu vor mir und der einstige Erzfeind in seinem Reich wurde ihm zum Bruder, der ihm über den Winter half, wenn das Futter knapp wurde. Im Frühling war ich Geburtshelfer und Beschützer von denen, die meines Schutzes bedurften, bis sie auf eigenen Beinen dem Wunder des Lebens entgegengelaufen konnten. All das ließ mich zu dem werden, was einst der Inbegriff eines Menschen war. Der sich im Nehmen und Geben als Teil des großen Ganzen verstand und mit diesem Werden verging meine Traurigkeit und an seiner Stelle erblühte die Liebe zu Allem.

bearbeitet von Freiform
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Im tiefsten Schlund der Qualen wurde ich geboren, im Rachen alles Bösen, dass vom ersten Herzschlag mein Begleiter war. Es gab kein Entrinnen, so schnell ich auch lief, der Schatten des Bösen haftete

Verstehe Managarm, aber ich bin mir sicher, das wird wieder kommen!  Ich glaube, du darfst ein tiefes Vertrauen in deine Kreativität haben die auch Krisen übersteht.    Grüßend Freiform

Das ist sehr schön. In der heutigen Zeit denken immer weniger Menschen an die Heilkraft der Mutter Erde.   LG Managarm 

Ich hoffe, du wechselst jetzt nicht jedes Jahr den Namen, sonst kriegt mein Kopf Probleme Managarm :whistling:

 

Das der Text dir gefallen könnte war mir klar, ich wusste nur nicht das du dich inzwischen reanimiert hast.

Schön das du wieder teilnimmst! :grin:

 

Grüße auch an die Gattin, Freiform

 

 

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Ein sehr schöner Text, mein Guter Freiform!

Hab die ganze Zeit einen langhaarigen, bärtigen UND VOR ALLEM STARK BEHAARTEN Mann im Lendenschurz und Speer in der Hand im Kopf. Wie er wegweisend auf einem Hügel steht und aufblickt als Beschützer, während unten die Rehe und Vögel an einem kristallklaren Bach trinken. 

 

Jetzt mal ernsthaft! Das sind sehr schöne Zeilen, wie der schnell auf einem Stück alten Leder zusammengeschriebene Bericht eines verlorenen Wanderers der ein neues Leben im Einklang mit der Natur und vor allem seiner eigenen Natur gefunden hat. Da ist dir ein sehr lebhaftes Werk gelungen, als wäre es aus deiner Biographie. 

 

LG JC

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vor 5 Stunden schrieb Joshua Coan:

Hab die ganze Zeit einen langhaarigen, bärtigen UND VOR ALLEM STARK BEHAARTEN Mann im Lendenschurz und Speer in der Hand im Kopf. Wie er wegweisend auf einem Hügel steht und aufblickt als Beschützer,

... und  Pilze nascht  :whistling:

 

Moin Joshua,

klingt das nach "schnell" geschrieben? Hätte ich jetzt nicht erwartet.
Im ersten Absatz sollte ein leichte Gesetztheit beim Leser spürbar werden, die sich dann im Verlauf des Textes in eine Ruhe und Zufriedenheit wandelt. So war jedenfalls meine Absicht. Aber was beim Leser ankommt, ist halt oft ungewiss. Ich danke dir ganz herzlich für deine Rückmeldung!

 

Dankeschön! :classic_smile:
@Joshua Coan@Karlo@Carla Blumenthal@Sonja Pistracher@Gina@Managarm@Sternwanderer@Cheti@Carlos@J.W.Waldeck

 

Grüßend Freiform

 

 

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