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Der Ruf des Tauchers


Kari

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Der Ruf des Tauchers

 

Des Tauchers Rufen lud mich ein in weite Tiefen, und perlend floss ich dahin, um auf längst vergangenen Stegen mit unerkannten Sohlen zu wandeln, die sich (es scheint sie seien fast zu schnell dem Untergründigem angepasst) in grüne Wogen formten, um das kühle Nass überwältigt zu erspähen. Und im Licht der Morgensonne reflektierte sich mein staunendes Lachen, dem allerschönsten Spiegelbilde gleich, im leisen Kräuseln der gebändigten Wellen. Doch nicht die Finsternis allein erbringt die rätselhaftesten Gedanken, das Helle ist, was uns erschrickt; es singt leise Melodien die Dämmerung und beklagend blickt der Tagesanbruch uns ins feuchte Auge.

 

Mit samtenem Moos, das zwischen meinen Zehen tröpfelte, befüllte ich die Berge, die aus schnellen Wogen entwuchsen, um mich, den Kerzen gleich, im Winde flackern zu lassen. Dieser trug mich fort und vertrauensvoll eilte ich mit ihm. Auf seinen verzweigten Wegen geleitete er mich schützend am Schwindel der Welten vorbei und führte mich, vor Lastern dieser Wogen doch niemals ganz behütet, immer wieder zum frühen Anbeginn der Welt zurück. Die Wanderung zum Gipfel ohne Ziel verebbt nie ganz, und ewig läuft das Rad der Zeit, in dem die Nacht dem Tage gleicht und das Jahr der Stunde Zwillingsschwester ist.

 

Der Taucher lockt mich seit dem Ursprung dieser Zeit, doch die Erde trotzt standhaft der stürmischen Flut des Wassers – und am Himmel glitzern allwissend helle Seelen.

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Hallo Kari

 

ich kenne mich bei der Prosa zwar nicht so gut aus, aber ich meine hier ein Manko zu erkennen, was auch in der Lyrik vorkommen kann: Viel, viel zu viele Adjektive und Attribute. Zwar kann so etwas auch Stilmittel sein (wie so ziemlich alles, wenn ich es recht bedenke...), aber bei einem solchen Text hätte ich persönlich es dann doch lieber etwas weniger beladen durch so viele davon.

Des Tauchers Rufen lud mich ein in weite Tiefen, und perlend floss ich dahin, um auf längst vergangenen Stegen mit unerkannten Sohlen zu wandeln, die sich (es scheint, sie seien fast zu schnell dem Untergründigem angepasst) in grüne Wogen formten, um das kühle Nass überwältigt zu erspähen.

Den eingeklammerten Text finde ich gelungen, aber durch diesen großzügigen Verbrauch von Adjektiven und Attributen zieht sich der Inhalt und das ist schade bei einer sonst so gelungenen Wortwahl. Einfach weglassen geht natürlich nicht, da du den Text einerseits ja (da bin ich mir recht sicher) gut durchdacht hast und andererseits man einiges umformulieren müsste. Aber ich wollte dich nur darauf hinweisen. : )

 

Der Inhalt kommt mir sehr philosophisch und tiefgreifend vor, wird aber größtenteils von eben diesem Manko ausgebremst - zumindest mein Eindruck. Die Person, aus deren Sicht erzählt wird, wird vom ruf des Tauchers gelockt und betritt erstaunt ungeahnte tiefen. Der Taucher ist also etwas, was dem Prosa-ich ( :mrgreen: ) dazu bewegt, Dinge zu hinterfragen und zu ergründen. In diesem Zusammenhang finde ich die formulierungen "verzweigte Wege" und "Schwindel der Welten" sehr gelungen. Die Reise ist nie zuende, denn die Zeit läuft und die Dinge sind so komplex, dass man sie nie komplett erschließen kann. Die Flut ist dann wohl der Drang der Forscher und Philosophen, alles zu ergründen; Die Welt in all ihren Facetten hält jedoch stand, da sie so komplex ist und nicht vollständig erschlossen werden kann. - Einzig das mit den allwissenden Seelen stört mich.Meintest du, dass keiner zu Lebzeiten allwissend sein kann, sondern nur seine Seele, die übersinnlich über alles bescheid weiß? nach der Flut des Wassers, die schon heftig war, finde ich den Verweis auf die Allwissenden, Mythischen etwas unangebracht, denn das ist ja (zumindest so wie ich es gedeutet habe), ein Widerspruch... bin mir aber nicht sicher mit meiner Interpretation. naja, du wirst es ja sicher früher oder später aufklären - ich warte schon. =)

 

Jedenfalls finde ich es trotz der erwähnten Schwächen ganz interessant - erinnert mich entfernt an "Also sprach Zarathustra" vom inhalt und der Art der verwendeten Metaphern und Vergleiche her. - Gern gelesen.

liebe Grüße

flamme

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Hallo Flamme,

 

entschuldige bitte, dass du so lange auf eine Antwort warten musstest! Ich bin auf der etwas stressigen Flucht vor dem nervigen Osterhasen und ebenso nervigen Verwandten :roll: Ich danke dir, dass du dir meinen kleinen Prosa-Ausflug angesehen hast, das freut mich sehr!

 

Deine Kritikpunkte sind sehr nachvollziehbar, mit deinen Anmerkungen kann ich auf jeden Fall etwas anfangen, dankeschön. Es fällt mir kaum auf, dass ich Adjektive so großzügig verstreue, aber wie du schon richtig vermutet hast, stehe ich jetzt etwas ratlos da, wie ich diese Überfülle wieder rausbekommen könnte. Es bedarf wahrscheinlich einer gänzlichen Überarbeitung. Ich werde bei Gelegenheit mal schauen, was sich noch aus dem Text machen lässt!

 

Deine Interpretation des Inhalts gefällt mir sehr gut, obwohl sie nicht ganz oder eigentlich kaum meinen Planungen entspricht :wink: Sehr interessant finde ich, dass du den Taucher so positiv siehst, ich hatte ihn ursprünglich eigentlich dazu gedacht, das „Prosa-ich“ (hier wohl eher Ich-Erzähler genannt :mrgreen: ) mit seinem Ruf zu „verführen“ (also diese ewige Verlockung des Bösen) und zwar auf falsche Wege zu bringen, die äußerlich wundervoll anzusehen sind (grüne Wogen, kühles Nass, Spiegelbild,…). Aber der Erzähler weiß bereits, dass nicht alles, das gut aussieht auch wirklich gut ist („Doch nicht die Finsternis allein erbringt die rätselhaftesten Gedanken, das Helle ist, was uns erschrickt“).

Und hier habe ich mir nun gedacht, ich bringe die 5 Elemente Feuer, Erde, Wasser, Luft, Geist ein, aus denen die Welt besteht. So baut das Ich nun Berge (Erde), die es aus dem Element Wasser (dem Element des Tauchers, also jenes, das ich hier „böse“ gemacht habe *lach*) herausragen lässt, um sich wie eine Kerze (Feuer) dem Wind (Luft) hinzugeben – sprich aufzuhören, irgendwie die Erfüllung des Lebens zu suchen, sondern einfach zu leben. Und hier wird es etwas religiös, denn hier wollte ich die ewige Wiedergeburt darstellen („zum frühen Anbeginn der Welt, Wanderung zum Gipfel“). Und so wie es den ewigen Kreislauf des Lebens gibt, so wird es auch immer das „Böse“ geben, das genau so wie das Gute immer existieren wird. Und am Himmel blicken die Seelen (Element Geist), die es geschafft haben, das Rad der Wiedergeburt zu durchbrechen und Erleuchtung erfahren haben, wissend auf die anderen herab.

 

Ähm, ja wenn ich so nachdenke, ist das wirklich sehr religiös angehaucht :oops: Kannst du mit dieser Interpretation etwas anfangen, Flamme? Obwohl ich wirklich sagen muss, dass mir deine auch seeehr gut gefällt, fast etwas besser als meine ;-)

 

Liebste Grüße,

Kari

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Ah, so war das also gedacht... vielleicht hatte ich ganz andere Assoziationen, da ich nicht im geringsten christilich bin und von Religion auch kaum Ahnung habe, allerdings bin ich nach wie vor der Meinung, dass der Text von der Wortwahl und der Art der Formulierungen her recht positiv gestaltet ist. - Vielleicht lag es auch daran, dass ich den Taucher eher für einen Helfer gehalten habe als für einen, der das lyr ich in die Irre führt.

Nachvollziehbar ist deine Intension schon, aber falls du den Text nochmal überarbeiten möchtest, gebe ich dir den Rat, nicht so positiv zu schreiben, wenn du es negativ meinst. :mrgreen: Naja, dank der Wortwahl (ob positiv oder negativ, egal) macht der Text dennoch einen guten Eindruck auf mich - da ließe sich sicher noch was machen, aber ich persönlich wäre viel zu faul, um an einem Text noch ständig rumzuwerkeln und würde mich deshalb eher auf ein neues Werk konzentrieren - aber das ist ja deine Entscheidung. =)

 

liebe Grüße

flamme

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Ach Flämmchen, du warst natürlich wieder im Vorhinein gescheiter, ich hab mich nämlich jetzt noch mit dem Text herumgequält und es wird irgendwie nichts und jetzt bin ich desillusioniert :cry: Ich werde ihn noch etwas liegen lassen, momentan finde ich keinen Zugang dazu...

 

Nachvollziehbar ist deine Intension schon, aber falls du den Text nochmal überarbeiten möchtest, gebe ich dir den Rat, nicht so positiv zu schreiben, wenn du es negativ meinst.

Naja ähm... Ok, ich stimme dir ja zu :mrgreen: Nur das "Schlechte" finde ich nicht negativ in dem Sinn, es existiert eben, wie das "Gute" genauso existiert und hält sich die Waage (zumindest soll es das in diesem Text :wink - und außerdem tarnt sich das wirklich Böse doch meist als das Gute :mrgreen:

 

Es freut mich jedenfalls, dass der Text trotz der Kritikpunkte einen guten Eindruck auf dich macht, freut mich sehr!

 

Liebe Grüße, Kari

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