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Mein Leben als Troll (surrealistischer Zeitroman) 2


AlfGlocker

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Natürlich bin ich Inhaber des Troll-Diploms! Aber wenn ihr jetzt glaubt das bekommt man so einfach, dann habt ihr euch getäuscht. Dafür muss man viele Prüfungen über sich ergehen lassen – und die beginnen bereits in der frühen Kindheit. Einem echten, späteren Troll muss von Anfang an so viel Angst eingejagt werden wie es nur geht, wobei ihm gleichzeitig zu sagen ist, daß er spinnt, wenn er sieht, hört und fühlt was er sieht, hört und fühlt. So bleibt der spätere Troll von frühester Jugend an verunsichert, nervös und schreckhaft. Stets ist er angehalten alle seine Entscheidungen vielmals zu überprüfen. Doch so bemerkt er auch alles was andere nicht bemerkt haben, oder niemals bemerken können. Außerdem wird einem angehenden Troll frühzeitig klar emacht, daß es immer 3 Seiten einer Medaille gibt, die eine Seite, die man sehen will, die andere die ausschlaggebend ist, und die dritte, die es eigentlich gar nicht gibt, die aber trotzdem vorhanden ist. Das nennt man „Das Zweite Gesicht“! Und nur mit diesem Zweiten Gesicht kann man (also der Troll) die wahre Realität der Welt erkennen, die sich hinter der Illusion des Lebens verbirgt. Dort liegt die Wahrheit der Elfen!

 

Aufgewachsen bin ich in einem Gespensterhaus. Dort haben sich die Elfen (Synonym) als Dämonen verkleidet. Sie haben nachts Türen von Kleiderschränken geöffnet und schlurfende Geräusche auf dem Fußboden erzeugt, als gehe jemand im Zimmer spazieren. Meine Aufgabe als Troll in spe war es, dabei blitzartige Bewegungen aus den Augenwinkeln heraus zu erkennen und mich mit den Stimmen der Nacht freundlich zu arrangieren. Ich musste lernen wie man mit Verstorbenen spricht, nachdem mein kleines Geistchen weit genug geschärft war für solche Aufgaben. Wisse, oh Bürger der Irrealität, der du glaubst real am Leben zu sein: Die Verstorbenen sind befangen in ihren einstigen Eigenschaften – sie lügen nicht, sondern geben dir einen Blick auf die „Etagen“ höherer Existenzen frei, die sich selbst nicht bestreiten wollen.

 

Wichtig war für mich schon sehr früh, daß ich keinen Zugang zu körperlichen Berührungen bekam...außer ein Klassenkamerad wollte mich verprügeln. Trolle müssen lernen ohne Gefühl zu denken. Auf diese Weise sind sie nirgends eingebunden und können sogar Leuten misstrauen, die, ihnen gegenüber, ausdrücklich auf ihre „absolute Ehrlichkeit“ und ihre „guten Absichten“ hingewiesen haben. Dadurch sind zuallererst einmal die nächsten Familienmitglieder betroffen, deren Beteuerungen für den Troll „nur das Beste“ zu wollen, dann wirkungslos in der Luft verpuffen. Leider erfährt der angehende Troll durch seine seltsam konsequenten Verhaltensweisen überall nur Ablehnung und sogar Abscheu von anderen, die versucht haben ihm ihr „Wohlwollen“ verständlich zu machen. Ihm bleiben bald nur noch Gespenster, Feen und Elfen als Freunde.

 

Wer nun aber die Elfen wirklich sind muss vorläufig noch tunlichst verschwiegen werden. Wir werden das Geheimnis im Laufe der Geschichte lüften. Vorläufig stellen wir uns einfach vor sie seien hilfreiche Kreaturen, die sich nicht den Gesetzen des Universums beugen müssen, die jederzeit für sich die Schwerkraft aufheben können und die sogar gut in der Zeit hin- und her zu springen wissen. Sie auf „seiner Seite“ zu haben bedeutet jedoch nicht ein Leben in tiefster Geborgenheit führen zu dürfen, denn niemand kann wissen was sie einem für Aufgaben stellen. Eine davon kann eben auch sein in allen Belangen sogenannter „realer Alltagsanforderungen“ durchzufallen, unangenehm für andere in Erscheinung treten zu müssen, sich ständig zu blamieren, oder gar an Erfolgen aller Art gehindert zu werden, weil man sich sonst eventuell gegen alles was dem Genuss abträglich ist sperren könnte. Das stille Kämmerlein ruft, doch nicht mit dem Satz: „Es lebe die Liebe und sonstige Kleinigkeiten die man besonders gerne hätte“.

 

Trolle sind eben Trolle! Sie feiern unglaubliche Betrachtungserfolge im Geheimen. Oder eben nicht! Oder sie sind 1000 und einmal der Lächerlichkeit preisgegeben. Stell deinen Rücken jedem zur freien Verfügung, Troll, damit ein jeglicher nach seiner Fasson darauf herumtrampeln kann. Gib den anderen nur selten eine echte Chance zu verstehen was du meinst, sonst kommt der Geschichtsablauf in Gefahr nicht mehr vollzogen werden zu können. Aber höre das Gras wachsen, geh im Jenseits ein und aus, verzehre dich nach der Freiheit des Menschen und prangere alle Taten und Stellen an, die sich dem widersetzen! Das flüstern die Stimmen des Seins aus dem Untergrund in deine Ohren, armer Troll, du Wesen, das sich entweder gegen die Einsicht nicht wehren kann oder nicht möchte. - Ich war also verurteilt allen mein ungeschminktes Gesicht zeigen zu müssen und ich wunderte mich dennoch wie heimtückisch das ausgenutzt wurde. Aber auch ich, der verwünschte Troll hatte meine Sehnsüchte...

 

Dämlich versuchte ich Mädchen anzusprechen, aber als sie sahen, daß ich ein Troll bin, sagten sie nur „troll dich!“ zu mir. Trolle haben also keinen Sex? Das dachte ich lange bis ich einer wilden Hexe namens Dingsbums begegnete. Das war aber viel später. Zunächst bemerkte ich, daß ich mich nicht gut selbst produzieren konnte. Und wer sich nicht produzieren kann, der kann sich auch nicht reproduzieren! Also wartete ich noch einige Jahre vergeblich auf Dingsbums. Zwei große Zauberer vertrieben mir währenddessen die Zeit mit kurzweiligen Spielchen. Sie flogen nicht auf Besen, sondern öffneten mit ihren Sternenstäben neue Welten der Erkenntnis, die ich mit ihnen betreten durfte...jedoch nicht ohne regelmäßig von ihnen gemaßregelt und verhöhnt zu werden. Sie zeigten mir zu welchen Fehlleistungen ich durch Neid und Missgunst, durch Überheblichkeit und Selbstüberschätzung fähig war und sie ließen mich an jemanden glauben der als Lichtgestalt aus der Zukunft zu mir herüberwinkte. Ich erkannte mich nicht, wie ich da, Jahrzehnte von mir entfernt im Zeitstrom stand, um ein wiederum seltsames Tagwerk zu verrichten.

 

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