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solln nimmermüd die blumen blühn

und keck aus ihren kelchen nippen

so fröhlichbunte flatterdinger

solln zwischen grün und blauheit wippen

so lustiglaute zwitschersinger

und sonnenfunken sollen kühn

sich in den hellen marmor stippen

und solln als kleine friedensbringer

in meinem herzen weiter glühn

 

so soll es sein

an deinem grab

 

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Hi Sofakatze! 

 

Hat für mich was humoristisches, weil es den Frühling - das Erwachen des Lebens, am Ende mit dem Tod quittiert. Aber auch schön so wie es bildhaft ist. 

Ich ziehe meinen unsichtbaren Hut und mache gleich einen Spaziergang zum Friedhof. Dort tummelt sich auch das erwachende Leben im Frühjahr und ich atme erleichtert auf. 

 

LG JC

 

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lieber cornelius,

 

vielen dank für das lesen und gefallen finden. ich habe auf meine art versucht, mir für ein grab soviel lebensfreude wie möglich zu imaginieren. das gedicht hat einen realen hintergrund und ich wünschte mir für die person, die dort liegt, ein kleines *echtes paradies*.

 

hi joshua,

 

ich danke dir für dein vorbeischauen. ja, leben und tod liegen nah beieinander, zumindest auf dem friedhof, und ein spaziergang lohnt sowieso immer. humorig sollte es auch irgendwie sein. nicht auf die lächerliche, respektlose art, sondern auf die liebevolle. weil der mensch, für den ich es schrieb, auch ein humorvoller mensch war. 

 

ich danke euch beiden herzlich und auch allen, die ein like vergeben haben. :grin:

 

liebe grüße

sofakatze 

 

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Moin @sofakatze,

 

ich fürchte, ich werde zum Fan 🙂 
Dein Stil gefällt mir!
Vielleicht ist das gerade auch nur eine Episode, aber schon bei marie hatte ich ja auch viel Bittersüße herausgelesen, hier ist sie auf jeden fall auch ohne Interpretation unverkennbar!

Dieses Spiel mit deiner geneigten Leserschaft, mit über den Haufen geworfenen Erwartungen spielst du offensichtlich gerne 😉

 

Ich habe den Eindruck, dir sind die Details wichtig, darum will ich ein paar Beobachtungen aus deinem Text hier aufgreifen.
Zunächst sei aber erstmal das Metrische und Reimliche abgehandelt:

Am 25.2.2024 um 18:48 schrieb sofakatze:

solln nimmermüd die blumen blühn

und keck aus ihren kelchen nippen

so fröhlichbunte flatterdinger

solln zwischen grün und blauheit wippen

so lustiglaute zwitscherlinger

und sonnenfunken sollen kühn

sich in den hellen marmor stippen

und solln als kleine friedensbringer

in meinem herzen weiter glühn

 

so soll es sein

an deinem grab

xXxXxXxA

xXxXxXxBb

xXxXxXxCc

xXxXxXxBb

xXxXxXxCc

xXxXxXxA

XxxXxXxBb

xXxXxXxCc

xXxXxXxA

 

xXxX

xXxX

 

Metrisch bricht nur V7 aus deinem ansonsten sauberen 4-hebigen Jambus aus (wenn wir den letzten Satz als metrisch als eine Verseinheit betrachten),
In Vers 7 kann sich das schwache "in" leider nicht gegen "sich" und "den" behaupten und die Betonung tragen.


Das Reimschema basiert auf dem Wechsel der Reime im 3er-Gespann, wobei dieser Wechsel nur ab V4 regelmäßig ist.
Die ersten 3 Verse sind reimlich anders angeordnet, wobei ich hier mit Blick auf den Inhalt keine direkte Erklärung finde.
Ich hätte diese Abkehr vom Reimschema dann eher bei den letzten 3 Versen erwartet, die ja offenbaren, wo wir uns hier wirklich befinden.
Dort dreht es sich, streut sich die angesprochene Bittersüße ein, also wäre hier auch die Umkehr des Reimschemas sehr passend.
Passend aber in jedem Fall, den letzten Vers bzw. die beiden Versfragmente als Reimwaise stehen zu lassen.

 

Weiter mit ein paar Stellen, die mir aufgefallen sind:

Am 25.2.2024 um 18:48 schrieb sofakatze:

solln nimmermüd die blumen blühn

"nimmermüd" ist natürlich schön!
Es referenziert für mich sowohl auf "nimmermehr" als auch auf "immergrün" und damit ist genau der richtige Grundstein für deinen Text gesetzt.

 

Am 25.2.2024 um 18:48 schrieb sofakatze:

solln zwischen grün und blauheit wippen

herrje, auch hier kann es schon bitter werden.
"grün" für das Leben, die Hoffnung, "blau" für Kälte und Tod? Jemand läuft blau an.
Oder die "Blauheit" der Hinterbliebenen, die sich dem Alkohol hingeben, möglich.

 

Am 25.2.2024 um 18:48 schrieb sofakatze:

so lustiglaute zwitscherlinger

Reime auf -inger sind nicht allzu häufig.
Leider passt "Zwitscherlinger" grammatisch nicht, da Wörter mit -ling am Ende eben anders dekliniert werden:
die Schmetterlinge - der Schmetterlinge - den Schmetterlingen - die Schmetterlinge

 

Alternativ passt hier vielleicht "Zwitschersinger"?
eine Singer-Konstruktion ist zwar recht selten (Liedersinger, Sternsinger), aber grammatisch auch nicht falsch.
Aber ich kann es auch verstehen, wenn "Zwitscherlinger", wenn auch nicht ganz korrekt, leichter von den Lippen geht!

 

Am 25.2.2024 um 18:48 schrieb sofakatze:

sich in den hellen marmor stippen

auch -ippen Reime sind eher selten, "stippen" ist da für mich leider einfach einer der unschöneren, weil es auch sehr regional daherkommt.

Ich dachte direkt an einen Reim auf "tippen".
Da wir hier ja vielleicht eh etwas gegen die metrische Ungenauigkeit tun wollen, böte sich in dem Vers also eine kleine Anpassung an, evtl. auch mit Wiederaufgreifen des "so", das du bei einigen Versen an den Anfang gestellt hast:

und sonnenfunken sollen kühn

sooft auf hellen Marmor tippen | schon bald auf hellen Marmor tippen

 

Flexibler wäre es wahrscheinlich, wenn wir auf "hellen" verzichten könnten?

und sonnenfunken sollen kühn

wie finger auf den marmor tippen | fast streichelnd auf den marmor tippen

 

Fett markiert hier der Favorit unter meinen Vorschlägen, wobei "kühn" und "streichelnd" recht unterschiedliche Intentionen haben.

 

Am 25.2.2024 um 18:48 schrieb sofakatze:

in meinem herzen weiter glühn

 

so soll es sein

an deinem grab

Starker Abschluss!
Trotzdem fies, dass du das alles immer unter "Hoffnung & Fröhliches" stellst 😄

 

Gern gelesen,
LG Chris

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guten abend, chris,

 

gestern bin ich nicht mehr dazu gekommen, deinen schönen und inhaltsreichen kommentar zu würdigen, aber heute kann ich mich ihm widmen. erstmal ein großes dankeschön für deine mühe, ich finde es super, dass du dich so intensiv mit meinem text auseinander gesetzt hast. 

 

wie du richtig vermutest, bin ich immer offen für vorschläge und ja, auch darauf aus, meinen versen den letzten schliff zu verleihen, vor allem, wenn ich selbst mal wieder das passende wort vor lauter wörtern nicht sehe. :rolleyes:

 

Am 27.2.2024 um 09:00 schrieb Dali Lama:

In Vers 7 kann sich das schwache "in" leider nicht gegen "sich" und "den" behaupten und die Betonung tragen.

 

ja, das stimmt natürlich. shame on me. 

 

Am 27.2.2024 um 09:00 schrieb Dali Lama:

Die ersten 3 Verse sind reimlich anders angeordnet, wobei ich hier mit Blick auf den Inhalt keine direkte Erklärung finde.

 

da gibt es inhaltsbedingt keinen grund außer vielleicht dem, dass ich nicht mehr sagen wollte, als ich sagen wollte. also nicht des reimschemas willen noch einen vers einfüge, der inhaltlich nicht nötig ist, aber dann das schema bedient. ich mag es oft, wenn ein schema nicht so starr umgesetzt wird und ich da flexibel bleiben kann, solange es nicht schadet. und das tut es hier imho nicht. aber ich werde trotzdem mal für mich schauen, ob ich deine anregung aufgreifen kann und die anordnung auf die von dir vorgeschlagenen weise verschiebe.

 

Am 27.2.2024 um 09:00 schrieb Dali Lama:

Alternativ passt hier vielleicht "Zwitschersinger"?

 

mir war bewusst, dass zwitscherlinger grammatikalisch nicht ganz korrekt ist, aber wie du schon sagst, rutscht es so schön rund über die zunge und deshalb habe ich es zunächst so gelassen. zwitschersinger ist aber auch sehr schön und passend, deshalb: gekauft! vielen dank. :grin: 

 

Am 27.2.2024 um 09:00 schrieb Dali Lama:

Ich dachte direkt an einen Reim auf "tippen".

 

der wäre natürlich möglich, aber so ganz haben mich deine vorschläge nicht überzeugt. ich hänge irgendwie an dem *stippen*, weil ich damit ein dynamischeres bild im kopf habe, quasi ein aktives eintauchen, eindringen in den marmor und in das herz des LI und eben nicht nur das bloße berühren wie beim *tippen*. aber ich denke weiter darüber nach.  

 

auf das *hellen* beim marmor kann ich verzichten, das ist nicht wesentlich. aber streichelnd und kühn gefallen mir in dieser verbindung nicht. ich schau mal, ob ich noch herausfinde, wie die sonnenfunken auf den marmor tippen sollen. das kann aber etwas dauern, ich melde mich dann hier nochmal, wenn ich was passendes habe. ob ich es dann letztendlich verwende, muss ich auch noch entscheiden. wie gesagt, das *stippen* ist für mich inhaltlich stimmiger. 

 

Am 27.2.2024 um 09:00 schrieb Dali Lama:

Trotzdem fies, dass du das alles immer unter "Hoffnung & Fröhliches" stellst

 

:biggrin:

ich bitte dich! was gibt es hoffnungsvolleres als blühendes leben an einer stätte des todes? :biggrin:

 

ganz lieben dank für deine hilfe! auch für die lobenden worte natürlich. gerne wieder. :smile:

 

liebe grüße

sofakatze

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