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Der Flug des Nachtfalken

 

Wenn verblassendes Himmelblau 
sich verfärbt zu dunklem,

 

die Nacht ihren Mantel über Lärm
und Geschäftigkeit breitet,

 

wenn Geminiden aus dem All
im Unfassbaren verschwinden,

 

schlägt die Stunde meines Falken.

 

Ungeduldig hüpft er hin und her,
flattert wild mit seinen Flügeln.

 

Starten will er zum Flug,
sobald der Schlaf mich übermannt. 
in ein Land, das keiner kennt.

 

Dort wuchern wilde Traumblumen.
Ihre Früchte, giftig oder süß´, lösen sich 
im zeitlosen Schweigen der Schlafenden auf.

 

Heilsame Nahrung sammelt er
für meine müde Seele, kehrt
in der Morgendämmerung zurück,

 

um mich mit seinem hellenRuf 
„Ki! Kie!Ki“ zu wecken.

 

Irritiert schaut er auf meine Kaffeetasse.
 

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Ein schöner Text, lieber Carolus!

 

Ich bin jetzt schon zum dritten Mal da, um zu lesen und hineinzuspüren in deine Traumwelt. 

Horus, der Herr des Himmels und Gott des Schutzes - ein schön gewähltes Bild. Und seinen Weckruf finde ich besonders schön. 

 

Ein paar kleine Anmerkungen zum Text, wenn's dir recht ist:

 

vor einer Stunde schrieb Carolus:

Wenn verblassendes Himmelblau 
sich verfärbt zu dunklem,

 

ist widersprüchlich. Was verblasst, wird ja heller und nicht dunkler. Ich weiß, was du meinst, aber vielleicht wäre etwas wie "vergehendes Himmelblau" stimmiger bei dieser Formulierung. 

 

vor einer Stunde schrieb Carolus:

die Nacht ihren Mantel über Lärm
und Geschäftigkeit breitet,

 

wenn Geminiden aus dem All
im Unfassbaren verschwinden,

 

schlägt die Stunde meines Falken.

 

Ungeduldig hüpft er hin und her,
flattert wild mit seinen Flügeln.

 

Starten will er zum Flug,
sobald der Schlaf mich übermannt. 
in ein Land, das keiner kennt.

 

Finde ich wunderschön in Bildern und Sprachmelodie! 

Das "Land, das keiner kennt" ist dann allerdings für mich gefühlt zu allgemein formuliert. Ein Land, das ich nicht kenne...in ein mir unbekanntes Land...fände ich stimmiger, weil du dann beim "ich" bleibst. 

 

vor einer Stunde schrieb Carolus:

Dort wuchern wilde Traumblumen.
Ihre Früchte, giftig oder süß´, lösen sich 
im zeitlosen Schweigen der Schlafenden auf.

 

Den Traum vor den Blumen würde ich da weglassen. Viel zu "erklär-bärig" und jeder weiß, dass das Traumland gemeint ist, in dem wilde Blumen wuchern. 

Das ist ohne Traum auch klanglich schöner, wenn du mich fragst. 

 

Die zwei Verse danach sind die einzigen, mit denen ich etwas hadere. Das klingt irgendwie konstruierter - weniger natürlich - als der Rest deines schönen Gedichts. 

Auch tragen nicht alle Blumen Früchte. Und bei Auflösen denke ich eher an Pollen, die in unser Schweigen rieseln und sich darin lösen oder vermischen. 

Das "auf" könntest du auch weglassen. Das schließt die Strophe etwas unmelodiös und ist eigentlich überflüssig. 

 

Dort wuchern wilde Blumen.

Ihre Pollen - giftig oder süß - lösen sich

im zeitlosen Schweigen des Schlafs.

 

Warum in meiner Version der "Schlaf" anstelle der "Schlafenden"? Weil es im Gedicht ja um ein LyrIch geht und dieses verbindet sich im Traum nicht mit anderen Schlafenden. Ich würde auch hier konsequent nur beim LyrIch und dessen ganz persönlicher Welt bleiben. Auch finde ich das hauptwörtlich gebrauchte Partizip Präsens sprachlich nicht so hübsch. Den letzten Vers würde ich übrigens ganz streichen und beim schönen Weckruf enden. Oder dem Falken einen Kaffee anbieten. 😉

 

Ist natürlich alles auch Geschmacksfrage zum Teil und vielleicht habe ich auch manches, das du ausdrücken wolltest, gar nicht erkannt. Vielleicht ist aber etwas für dich dabei. Auf jeden Fall sehr gerne gelesen!!!! Und sicher nicht zum letzten Mal!

 

Lieber Gruß,

fee

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Lieber Carolus,

 

dein Gedicht hat mich verzaubert! Schon wollte ich das Forum verlassen und dachte, ich lese noch schnell dein Gedicht - schade, wenn ich es verpasst hätte!

 

Nun weiß ich ja vage, was dir passiert ist und verbinde einige Bilder unwillkürlich mit diesem Wissen und hoffe, dass es dir nichts ausmacht, wenn ich mit der Deutung deswegen daneben liege.

 

Die Mitte deines Gedichtes finde ich besonders schön! 

 

vor 2 Stunden schrieb Carolus:

schlägt die Stunde meines Falken.

 

Ungeduldig hüpft er hin und her,
flattert wild mit seinen Flügeln.

 

Starten will er zum Flug,
sobald der Schlaf mich übermannt. 
in ein Land, das keiner kennt.

 

Du nennst ihn: "mein Falke" - empfindest ihn als Teil von dir, bist ihm nicht böse, wenn er das LI in ein, allen Menschen unbekanntes, Land entführen und alles Leid hinter sich lassen will. Sehr lebendig, das Bild, wie er ungeduldig hin und her flattert: Er will aufbrechen, den Schlaf verhindern. Es ist die Zeit, in der man vielleicht selbst aufgibt, sich müde fallen lässt und alles Geschehen willkommen heißt.

 

Noch schöner ist, dass er den geheimnisvollen Sehnsuchtsort für das LI auskundschaftet, ihn in allen schönen Farben beschreibt: sehens- und besuchenswert, "Nahrung für die Seele". Die Blumen der Fantasie (ob sie nun süß oder giftig sind, scheint ohne Bedeutung für das LI) lösen sich im Halbschlaf oder im Dämmerzustand in Belanglosigkeit auf, gehen ein in das "Schweigen der Schlafenden". Weil das Schweigen "zeitlos" ist, weiß ich nicht, ob es sich um die Bettnachbarn im Krankenhaus handelt oder um die 'ewig Schlafenden'.

 

Der Nachtfalke kehrt in der Morgendämmerung zurück und ist irritiert, dass das LI munter in den Tag startet - leben will! - und sich nicht schon längst auf die Reise gemacht hat.

 

Die Bilder des Gedichts scheinen alle in einer Zwischenwelt entstanden zu sein, wo immer die auch sein mag, - vielleicht zwischen Wachen und Schlafen, zwischen Schwäche und Lebenswille. Schön ist diese Fantasiewelt, gerne malt man sie sich so oder ähnlich aus! 💙💚

 

Ich danke dir für diese Zeilen! Alles Gute und ganz liebe Grüße! 

 

Nesselröschen

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Liebe Asphaltfee,

ein herzliches Dankeschön für Dein Lob und die besondere Mühe um den Kern des Textes.

Zur Entstehung nur soviel: Vor zwei Abenden überlegte ich vor dem Schlafengehen: Wie ist das eigentlich? Was geschieht, wenn ein Mensch einschläft und das Unbewusste die Herrschaft über den Schlafenden übernimmt. Etwas Unbekanntes beginnt mit der Suche in den weitläufigen Gefilden der Seele, betrachtet Geschehnisse des Vergangenen wie des Gegenwärtigen und wählt irgendwelche aus und präsentiert sie in Form von Bildern dem Erwachenden. An den Gott Horus dachte ich dabei nicht, eher an den Text

"Schwarzer Vogel in der Nacht", wo  ein reales Erlebnis zugrunde liegt.

Jetzt zu Deinen Änderungsvorschlägen:

"ein Land, das ich nicht kenne"Statt dessen "ein... unbekanntes Land". Mit meiner Wortfügung wollte ich klarstellen, dass kein Mensch überzeugend erklären kann,

was da wirklich geschieht.

"Den Traum vor den Blumen würde ich da weglassen." und zwar ohne Diskussion! Klar!

"Die zwei Verse danach sind die einzigen, mit denen ich etwas hadere".Übrigends

geht es mir dabei genauso. Ich ließ es, mich weiter bemühen, weil ich schon sehr müde war.

Warum in meiner Version der "Schlaf" anstelle der "Schlafenden"? Weil es im Gedicht ja um ein LyrIch geht und dieses verbindet sich im Traum nicht mit anderen Schlafenden."

Ich sehe das etwas anders: Ein jeder Mensch hat seinen "Seelenvogel", wie man ihn auch benennen mag. Das LI bleibt ein persönliches auf dem Hintergrund einer allgemein menschlichen Erlebnismöglichkeit.

Am Schluss bringt der Nachtfalke seinem Besitzer die notwendige Nahrung für die müde Seele. Dieser ist bereits dabei seinen Körper mit Kaffee auf die Wirklichkeit des gewöhnlichen Lebens einzustellen. Daher ist der Bote mit seiner "Nahrung für die müde Seele" etwas "irritiert"

Für den Anfang des Gedicht schlage ich folgende Änderung vor:

 

Zitat

"Wenn verblassendes Himmelblau 
sich verfärbt zu dunklem,"
Stattdessen schlage ich vor:

Wenn das Himmelblau verblasst,

die Schatten dunkler werden...

Nochmals: ein ganz herzliches Dankeschön für Deine besondere Mühe!!!

Mt liebem Gruß

Carolus

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vor 14 Stunden schrieb Carolus:

Ich sehe das etwas anders: Ein jeder Mensch hat seinen "Seelenvogel", wie man ihn auch benennen mag. Das LI bleibt ein persönliches auf dem Hintergrund einer allgemein menschlichen Erlebnismöglichkeit.

Am Schluss bringt der Nachtfalke seinem Besitzer die notwendige Nahrung für die müde Seele. Dieser ist bereits dabei seinen Körper mit Kaffee auf die Wirklichkeit des gewöhnlichen Lebens einzustellen. Daher ist der Bote mit seiner "Nahrung für die müde Seele" etwas "irritiert"

 

Ah, verstehe. Ja, das kann ich gut nachvollziehen, lieber Carolus!

Der abschließende Vers ist also bewusst "weltlicher" formuliert als die anderen. Ein Aufwachmoment sozusagen. 

 

Eine schöne Idee, dass jeder seinen Seelenvogel hat. Bei mir wär das dann wohl der Zaunkönig (den liebe ich, weil er sich eher am Boden fortbewegt und unterm tiefen Gras entlanghuscht wie eine Maus...ich stelle mir dann immer vor, da erlebt er so einiges, so nah am Boden) 😉 

vor 14 Stunden schrieb Carolus:

Wenn das Himmelblau verblasst,

die Schatten dunkler werden...

 klingt schön! In erster Linie muss es ja dir gefallen, aber ja - das ist eine viel plastischere, greifbarere Beschreibung, wie ich finde. 

 

Und ich habe mich richtig gerne mit deinem Text beschäftigt, denn der berührt mich sehr. 

 

Liebe Grüße,

fee

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Liebe Nesselröschen,

noch nie hat ein Leser oder eine Leserin einen derartig schönen Satz zu einem meiner Gedichte geschrieben: "dein Gedicht hat mich verzaubert!"

Ich bin jetzt voll des Dankes, zumal der Satz aus der Feder einer der herausragendsten Dichterinnen dieses Forum, und weit darüber hinaus, stammt. Jawohl!!! Nimm`s an!

Für mich ein besonderes Lob.

In Deiner Deutung hast du - von kleinen anderen Sichtweisen abgesehen - intuitiv und empfindsam alles Wesentliche richtig erfasst und einsichtig und überzeugend dargelegt.

Deinen Text habe ich mehrmals gelesen und freue mich weiterhin.

"Das Schweigen der Schlafenden" ist immer sprachlos, es sei denn, einer spricht im Traum. Als ich den Text schrieb, dachte ich "Was geschieht im Augenblick?  Die  

meisten Menschen schlafen doch jetzt? Währenddessen fielen mir fast die Augen zu.

"Der Nachtfalke kehrt in der Morgendämmerung zurück und ist irritiert, dass das LI munter in den Tag startet - leben will! - und sich nicht schon längst auf die Reise gemacht hat." Absolut zutreffend!!! Der zurück kehrende Falke bringt die Nahrung für die "müde" Seele", während sein Herr gerade versucht, seinen Körper mit Hilfe von Kaffee

für den realen Alltag fit zu machen, weil er - leben will! - und ebenso der Schreiber dieser Zeilen, weil das Leben noch viel für ihn bereithält.

Nochmals ein baumstarkes Dankeschön mit roter Bauchschleife und vielen frischen Blättern.

Sei von herzen gegrüßt

Carolus

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