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blinde Straßen


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Niemand sieht den Herbst,

während mir der kalte Regen

die erste stille Nacht verschafft.

Der Himmel ist welk,

seine Farben sind gefallene Blätter.

 

Niemand hört mich,

feuchtes Laubrascheln stummt.

Was derweil Töne nuschelt,

ist verbotener Wind.

 

Keiner bestaunt die ballett-tanzenden

Explosionen,

weil meine Seele längst

den anderen Weg eingeschlagen hat.

 

(nur einige Laternen flüsterten über meinen Schatten, den sie kurz in Pfützen sahen)

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Hallo KumboYa!

 

Interessanter, weil eigener Stimmungseinfang – im Sinne von individuell. Das fängt schon im Titel mit der Metapher „blinde Straßen“ an, die etwas Chiffriertes hat.

 

Im Gedicht selbst taucht dann erst einmal das Herbstthema auf, welches Du in den ersten beiden Abschnitten auch mit starken, sinnzusammenhängenden Worten einstimmst (z.B. Regen, welk, fallende Blätter, feuchtes Laubrascheln, Wind)

 

Besonders gefällt mir hier

 

Der Himmel ist welk,

seine Farben sind gefallene Blätter.

 

Das kreuzt so schön die Eindrücke auf gegensätzliche Weise.

 

Im dritten Abschnitt kommt dann der nähere Bogen zum Titel. Die Blindheit geht hier mehr von eben jenen genannten „Keinen“ aus, weil sie nicht bestaunen, wobei die Verknüpfung zum Selbst des LyrIch gezogen wird, denn es scheint mit seinem anders eingeschlagenen Weg zusammenzuhängen. Man könnte hier fragen, ob dieser anders eingeschlagene Weg gut oder schlecht gefühlt wird, ob LyrIch vielleicht selbst aus Blindheit heraus handelt. Aber das soll jedermanns Phantasie belassen werden.

 

Im Schluss drückt sich dann doch die Straße als Wesen aus, oder besser ihr Wesen über die Laternen. Die Blindheit klingt wieder an, wenn jene Laternen nur noch den Schatten kurz in den Pfützen sehen. Auch ihr Flüstern darüber spricht dafür, ist zugleich Symbol des Geheimnisses.

 

Insgesamt mag ich das Symbolhafte hier, das nicht eindeutig Erschließbare. Für mich persönlich fügt sich aber sprachlich das Herbstbild mit dem zweiten Teil nicht wie aus einem Guss zusammen. Ich meine, es wäre schöner, würden sich beide Themen ineinander bildhaft ergänzen, nicht so getrennt sein. Dabei habe ich durchaus den Beginn jedes Abschnitts im Auge gehabt (Niemand sieht, Niemand hört, Keiner bestaunt).Vielleicht hängt das besonders mit dem letzten Abschnitt und seinen Metaphern zusammen:

 

ballett-tanzenden Explosionen

(weil die Worte sich für mich nicht so gut sinnzusammenhängend einfügen, wie alles vorher)

 

und dem zu einfachen

 

weil meine Seele längst

den anderen Weg eingeschlagen hat

 

Du hast vorher stärkere, kompaktere Bilder gehabt bzw. die Sprache an sich besser genutzt, hier aber bist Du in Herkömmliches verfallen. Nichts gegen „Seele“, aber an der Stelle wirkt es für mich nicht so. Besonders im Hinblick auf den in Klammern stehenden letzten Satz, der wieder wesentlich dichter ist, verdeutlicht sich dieser Eindruck.

 

Ich müsste länger darüber sinnieren und selbst wohl eine eigene Version darunter setzen, um völlig verständlich zu machen, was ich meine.

 

Soweit meine Gedanken dazu.

 

LG

 

Beteigeuze

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hey

 

wie ich sehe, ist dir auf jedenfall aufgefallen, dass sich die 3. strophe deutlich vom rest abgrenzt.

ich empfinde es als 'schön' dass du dich an den balett-tanzenden explosionen störst, die wie du sagtest irgendwie nicht ins restliche bild passen

dass der seelenteil etwas plump im vergliech zum rest klingt, leuchtet mir ein, ich hoffe mir fällt was probateres für diese stelle ein

 

ansonsten vielen dank für deine ausformulierten gedanken

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Hello again :mrgreen:

 

Um nochmal besser zu erläutern, was ich meinte:

 

Die Abgrenzung des letzten Abschnittes empfinde ich durchaus als gut. Was die "balett-tanzenden Explosionen" betrifft, geht es mir also nicht darum, dass sie nicht ins andere Bild passen. Mit

 

... fügt sich aber sprachlich das Herbstbild mit dem zweiten Teil nicht wie aus einem Guss zusammen ...

... es wäre schöner, würden sich beide Themen ineinander bildhaft ergänzen ...

... für mich nicht so gut sinnzusammenhängend einfügen ...

 

will ich nicht auf eine störende Abgrenzung hinaus. Mir geht es um den zueinanderführenden Sprachbildaufbau. Die Abgrenzung könnte durchaus mit einer sinnzusammenhängeden Ergänzung ausgedrückt werden. Das würde die emotionale Bindung dahingehend stärken, dass selbst wenn ein Leser nicht DEINEN Sinn sieht/spürt, er zumindest SEINEN deutlicher hineinlegen kann. Also, auch abgegrenzte Bilder können einander zuspielen, aus einem Guss sein.

 

Ich hoffe, es ist so klarer, worauf ich hinaus will. Aber ich fürchte, so richtig ginge es nur, wenn ich eine eigene Version bastle. Aber mein Feierabend ist gerade zu kurz, um mich solcher Muse in diesem Moment hinzugeben :-)

 

LG

 

Beteigeuze

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