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Der Geist eines Besessenen


rupert.lenz

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Der Geist eines Besessenen.

 

 

Der Geist eines Besessenen begann, aus ihm zu sprechen:

 

„Im Sturmgebiet ist ein kleines Schiff, das man sein eigen nennen kann,

mehr wert als große Ziele.

Wo will man hingehen, wenn man des Laufens müde ist ?

Unter den Tränen eines Freundes zerbricht das Männerherz.

Das wagemutige Spiel des Lebens ist sowohl in Uniformen als auch in den Verkleidungen eines Narren stets ein Lobgesang.

Wer dankt, der lobt, doch für böse Taten ist nur Hohn und Spott

als Lohn vom Dankenden bereitet.

Wer aber will tatsächlich vor dem Anfang wissen, was hinter dem Vorhang

auf das Publikum wartet ?

Verhängnis ist es, sein Schicksal vorauszusehen und außer Erwartung

keinen Deut hinzutun zu können.

Voller Geigen hängt der Himmel für die Liebenden, die sich gefunden haben

und einander zugeneigt bleiben.

Der Liebende, der zwar gefunden hat und dennoch nur für sich alleine bleibt,

sorgt selbst dafür, dass in ihm das Feuer erkaltet. Besser wäre es jedoch,

er fände einen Weg, es zu löschen !

Lenkt der Mensch seine Augen in eine einzige Richtung, sehen sie nicht mehr,

was um ihn herum geschieht: Er weiß nicht, wie ihm geschieht und gelangt zur Erkenntnis. Schmerzhaft ist die Erkenntnis nur, wenn die Blickrichtung

auf Ideelles und nicht auf Tatsächliches gerichtet ist.

Ein Wunder ist nichts weiter als die Aufhebung eines Fehlers.

Wer Fehler korrigieren will, hebt Steine auf !

Wo Menschen einen gemeinsamen Feind haben, kann es Frieden geben.

Wo Menschen einander Feind sind, ist es Krieg.

Ausgesorgt hat der, der seinen wahren Freund erkennt.

Sagt dir jemand: „Du brauchst Hilfe !“ so will er Dich nur in die Irre führen,

er selbst weiß nicht um seine Position !

Entweder man hilft Dir unerkannt, oder Du bittest darum.

Wenn Du bittest, nehme an, was man Dir gibt.

Ist es nicht, was Du erbeten hast, so wird es zum Gericht für Deinen Helfer !

Ein Mensch allein kann sagen, wer sein bester Freund ist.

Solange er dies nicht gesichert hat, soll er schweigen.

Wenn Dir aber jemand sagt: „Ich will Dein bester Freund sein !“,

so weise ihm die Tür, da er der Freiheit keinen Dienst tut.

Erst werden Menschen füreinander zu Freunden,

dann können sie für sich selbst die Wahl des Besten treffen.

Erst wählt sich der Mann eine Frau aus, dann entscheidet sie sich für oder gegen ihn.

Wählt sich die Frau den Mann, so muss sie auf seinen ersten Schritt warten oder

sich um-entscheiden. Macht die Frau den ersten Schritt, so wird sie bestraft für ihre Dreistigkeit oder empfängt einen Mann, der ihr zur Frau wird !

Nahrung der Seele ist es, woran es mangelt. Wer auf Erden hungert im Leibe,

der tut es schuldlos, wer aber nicht teilt, verteilt Leiden und besitzt die ganze Schuld allein.

Es wird wohl gegessen, was auf den Tisch kommt, aber was nicht mundet soll ausgespieen oder stehen gelassen werden. Nur, was man sich selbst vorsetzt,

soll ganz aufgegessen sein !

Nur der, welcher andere zwingt, alles aufzuessen, muss es selbst tun.

Ein Mahl ist nicht nur zur Sättigung, sondern auch zur Freude da.

Die Freude ist jedoch nur denen vorbehalten, die Spaß verstehen können.

Ist jemand ausschließlich auf Spaß aus, so kennt er keine Freude !

Worte können töten und lebendig machen. Man schmiedet aus ihnen

Gefängnisse im Glauben, doch mit dem Glauben können die Häftlinge frei werden.

Aus dem Glauben werden Worte angenommen oder verlassen.

Im Glauben kann geschwiegen werden, durch den Glauben aber kann man frei sprechen !

Glaubensverlust ist schmerzhaft, Vertrauensentzug tödlich.

Wer zu Unecht das Vertrauen entzogen bekommt, wird irre, wenn er nicht das Weite sucht. Wer zu Unrecht das Vertrauen entzieht, wird zum Irrlicht !

Ein Irrlicht ist ohne Besonderheiten im eigenen Körper gefangen und füllt nicht den ganzen Raum aus, in dem es leuchtet. In den Ecken, wo das Licht nicht hindringt,

warten Schlangen auf ihre Beute. Ein Irrlicht, das nur an sich selbst glaubt, ist verloren.

Wer die Ruhe bewahrt, fühlt sich überlegen, wer sie behält, der ist es.

Keine Schlacht wird ohne Tücken geschlagen, kein Sieg wird ohne jede List errungen ! Im Krieg wird aus dem Menschen ein Gefangener der Natur.

Er sieht im Gegner nicht sich selbst, sondern im Schießeisen.

Jeder Schuss erlöst aber nur der Friede befreit.

Kompromisse sind für Geschichtslehrer gut.

Nur wer den Sieg anstrebt, hat ihn verdient.

Kein Remis !

Geschichte lehrt uns nichts, wo wir uns ihr verwehren.

Da wehrhaft die Geschichte ist, kann sie uns nichts mehr lehren !

Jeder Tag ist neu, so schreibt sich die Geschichte fort.

Klug ist also der Morgenruf des Vogels, denn er begrüßt den neuen Tag

und lässt Vergangenes vergessen.

Was Schmerzen heilt und Freuden bringt, muss nicht vergessen werden,

doch lernt der Mensch zuvor das Beste aus dem Leid.

Ein Mann soll so gut sein wie sein Vater und seine Brüder.

Ist er es nicht, wo ist dann seine Männlichkeit ?

Eine Frau soll so gut sein wie ihre Mutter und ihre Schwestern.

Ist sie es nicht, wo ist dann der Schutz ihres Mannes ?

Alle Wege sind gut, nur schlecht ist es, wenn keiner sie betreten will.

Wer auf ausgetretenen Wegen läuft, der hüte sich vor zu großen Fußstapfen !

Wer im Kreis läuft tut es, um sich selbst besser kennen zu lernen.

Wer um Ecken geht, der tut es, um sich selbst besser zu vergessen.

Alle aber können wandern, wohin ihre Füße sie tragen !

Kein Mensch muss immer wieder denselben Weg gehen.

Du wirst immer wieder Deine eigene Zeit finden, solange Du am richtigen Ort bist.

Am falschen Ort angelangt bist Du nur, wenn für Dich dort keine Liebe zu finden ist.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist Du nur,

wenn Du nicht alles mit Dir machen lässt !

Jeder schreitet seinen Weg ab.

Am rechten Ort zur richtigen Zeit bist Du, solange Du glaubst, dass mit Dir alles gut ist. Zur rechten Zeit am richtigen Ort bleibst Du, wenn Du glaubst, dass durch Dich alles gut geworden ist. Aber zur rechten Zeit am rechten Ort kannst Du nur sein,

wenn alles vorhergegangene bereits stimmt und Du nicht alles mitmachst.

Was für ein launisches Ding ist doch das Glück... nur der Zufall kann es festhalten !

Hilfst Du ihm nach, so gibt der Zufall Dir Unterricht. Wenn Du ihm aber nachhelfen willst, so unterrichtest Du ihn, aber er macht, was er will !

Wer glaubt, dass alles vorherbestimmt ist, befindet sich auf dem Weg zur Wahrheit.

Wer glauben kann, dass alles Zufall ist, der ist in ihr angelangt.

Zufälle sind auch Ursachen und Wirkung, aber unumgänglich ist kein einziges Naturgesetz, in Ewigkeit bestehen bleibt allein das Gesetz Gottes,

die goldene Regel.“

 

In einem fort hatte der Geist gesprochen, nun begann er, zu schweigen,

aber der Besessene bestand darauf, dass er noch immer in ihm sei,

und lehnte es zeitlebens ab, exorziert zu werden.

 

Rupert 21.10.2001

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