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Willkommen und Abschied


DerSeelenDichter

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Ich träumte einst von einem großen Zimmer,

Es trug den Duft von Honig und Jasmin,

Und eingehüllt in sanften Kerzenschimmer

Befand sich gleich am Eingang ein Kamin.

 

An Wänden standen Schränke voll mit Büchern,

Ich sah von Weitem Hesse und Descartes,

Den Tisch, bedeckt mit Tellern, Gabeln, Tüchern,

Und las dabei die Briefe Bonapartes'.

 

Mit Krach erschienen rasch die ersten Gäste,

Nur flüchtige Bekannte, wie mir schien.

Sie aßen, tranken, ließen ein Paar Reste,

Und mussten auch schon bald vorüberzieh'n.

 

Der eine spielte Songs von Guns 'n Roses,

Ich habe zwar vergessen, wie er hieß,

Doch sprachen wir ein Weilchen über Moses

Und wie er sich zu Gott bekehren ließ.

 

Im Anschluss kamen nähere Bekannte,

Ich holte schnell den Wein und grünen Tee,

Wir lachten, sprachen herzhaft über Dante,

Und aßen auch die Reste vom Buffet.

 

Sodann erschien die Frau, die ich einst liebte,

Wir quatschten, so als ob wir Freunde wär'n,

Ich sah zum Feuer, da mein Blick sich trübte,

Dann fügte sie hinzu "ich hab dich gern".

 

Ich ging nach oben, leckte meine Wunden,

Ob mich wohl meine Mutter hier besucht?

Bisher hat sie mein Haus noch nie gefunden,

Wer weiß? Vermutlich hat sie es versucht.

 

Zuletzt erschien mein bester Freund und Bruder,

Wir sagten nichts, er gab mir einen Kuss,

Und wusste, meine Welt lief aus dem Ruder,

Ich fragte, ob ich ihn erwidern muss.

 

Er ging zum Tisch, ich blieb am Feuer stehen,

Und nahm mir nun ein Streichholz in die Hand,

Ich wollte, was ich sah, nie wieder sehen,

So steckte ich das ganze Haus in Brand.

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aktivste Mitglieder in diesem Thema

das ist auf jedenfall das beste gedicht was ich bisher hier je gelesen hab. Ich kann einfach nicht anders als es mir immer wieder aufs neue durchzulesen. Im großen und ganzen hat alles einen sehr stimmigen rhythmus der bis zum ende anhält. Mir persönlich gefällt das alles sehr subtil beschrieben ist und man sich somit ein sehr gutes bild von der ganzen handlung machen kann. Sehr gut gelungen ist zudem der höhepunkt der erst kurz vor schluss stattfindet dadurch wird von anfang an eine gewisse spannung aufgebaut da man ständig auf etwas unerwartetes hofft. Großen respekt meinerseits für dieses meisterwerk

Lg erik

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Hallo allerseits.

 

@ Torsul:

 

Dein Kommentar weckt Interesse auf mehr! Schön, dass dir das Werk ins Auge gefallen ist und ich freue mich auf deine Kritik. ;-)

 

@ buryme:

 

Wooow, mit solch einem Feedback habe ich nicht gerechnet. Ich weiß garnicht, wie ich dir nun antworten soll. Es ist mir auf jeden Fall eine große Freude, dass du darin etwas erkennst, was dich dazu veranlasst, es immer wieder durchzulesen. Ich danke für deinen Kommentar.

 

Gruß

DerSeelendichter

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Auch ich "muss" es immer wieder durchlesen,

aber hier liegt es nicht nur an Deiner Dichtkunst

- die ich sowieso sehr mag -

hier liegt es einfach daran,

dass ich begreifen will,

was ( genau ) zu diesem Ende führt,

woher dieser Überdruss kommt,

und sei es "nur" im Traum.

Es ist wie ein großes Rätsel,

dessen Lösung mir immer wieder entgleitet,

sobald ich ihm auf die Spur zu kommen meine.

 

Das macht einen großen Teil des Faszinosums dieses Werkes aus,

weil seine Konklusion einen beim ersten Lesen förmlich umhaut,

man meint, mitzufühlen, ist dann aber trotzdem überrascht/schockiert

und - zumindest mir geht es so - bleibt doch immer wieder zurück,

ohne es fassen zu können.

 

Ich dachte zwischendurch auch an ein Lied

( "Someone like Jesus" von New Model Army ),

in dem es u.A. um Gewaltausbrüche und ( Selbst- ) Zerstörung geht,

und dass jedem von uns soetwas innewohnt.

Auf der Suche nach den Gründen / Ursachen

ist man manchmal zum Scheitern verurteilt,

auch wenn man sich psychologenmäßig irgendwas zusammenreimt...

"there's something in the corner of our lives that we cannot quite see".

Dein Gedicht jagt mir einen vergleichbaren Schauer über den Rücken,

immer wieder,

denn beim Versuch, seinen Ausgang wirklich zu verstehen,

musste ich bisher ganz genauso scheitern,

allen Anhaltspunkten zum Trotz,

die Du für mich als kausal denkenden Menschen hier gibst.

Klar könnte ich jetzt ( mir selber ) sagen:

"Die Summe macht es hier",

aber das genügt mir nicht...

also les ich's nochmal durch,

um genau wieder da anzukommen...

 

Eine einzige Zeile übrigens finde ich - auch weil Du mit ihr aus dem Metrum ausbrichst -

verbesserungswürdig ( was aber nicht heißt, dass Du's "verschlimmbessern" sollst,

denn es ist wirklich toll, dass "Buryme" es anders sieht - und ich will ja nicht,

dass Du irgendwas machst, dass hier den Genuss für den Leser schmälert ),

aber trotzdem will ich's gesagt haben:

 

"Wer weiß, wie stark sie es versucht."

 

Wer weiß, warum Du das so hast stehen gelassen...

 

LG

Rupi

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Hallo Rupert,

 

ich vermag nicht das große Rätsel aufzulösen. Ich könnte natürlich meine Gedanken aufschreiben, die mich zu diesen Zeilen bewegt haben - und das werde ich auch tun - allerdings erst nach der Analyse von Torsul, da ich ihm nichts vorwegnehmen möchte. Doch dich werden dennoch vermutlich andere Fragen beschäftigen, weil es ja dich persönlich an einem bestimmten Punkt anspricht. Dass dich das Gedicht jedoch in der Art und Weise beschäftigt ist für mich ein großes Kompliment und ich hoffe, dass das Aufgewühltsein, das es verursacht, konstruktiv ist.

 

Was den "Kunstfehler" betrifft, so habe ich ihn beim Schreiben übersehen und danke dir für deine scharfe Beobachtung. Ich habe es versucht möglichst unfallfrei zu korrigieren, ohne dabei den Sinn umzuwälzen, da ich nicht vor hatte, diese Zeile besonders zu betonen.

 

Lieben Gruß

DerSeelendichter

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... auf jeden Fall für mich,

prima.

Natürlich bin ich interessiert, mehr zu erfahren,

aber sowas "muss" ja nicht sein,

ich gehöre nicht zu den Menschen,

die "alles wissen" wollen,

jeder Künstler hat ja auch seine Gründe für das,

was er im Werk nicht preisgibt...

so ist es zumindest gut, dass noch etwas Zeit vergehen wird,

bis mir mehr Info zur Verfügung steht,

Zeit, die ich mit dem Rätsel verbringen kann

( natürlich nicht ausschließlich :wink: )

 

LG

Rupert

 

/i

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nach längerer abwesenheit darf ich auch mal wieder grüßen

 

da ja (eventuell?^^) noch eine gesamtanalyse seitens torsul hierzu auftauchen wird, beschränke ich mich auf einige punkte.

 

der titel spielt ja dann doch wahrscheinlich auf goethe an - deswegen habe ich das ganze jetzt eher mal durch die rosa brille gelesen.

 

von diesem standpunkt aus denke ich, dass das gedicht seinen höhepunkt im ausdruck

 

"ich hab dich gern"

 

erreicht.

 

das bereits vorher heraufbeschworene triste bild

 

Sie aßen, tranken, ließen ein Paar Reste,

 

gipfelt meines erachtens also im (schau)spiel der freundschaft. selbst der bruder kann das dann nicht mehr ausbügeln.

 

das verbrennen des hauses stellt ein vergessen wollen bestimmter eindrücke/erinnerungen dar - was selbstredend nicht funktioniert, weil ja nicht das haus, sondern die besucher das abbilden, nicht wieder gesehen soll. so sehe ich das wenigstens.

 

ganz nachempfinden kann ich das gefühl nicht, jedenfalls nicht komplett denke ich..aber irgendwie ist mir doch andererseits wieder sehr klar, was du sagen willst, oder besser gesagt: mitteilen willst. weltschmerz is zu abgegriffen und zu generell dafür. ich kanns bis dato nicht besser ausdrücken.

 

hat mir gut gefallen

 

liebe grüße

 

 

PS: die verbesserung der mutter ist exzellent

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Moin!

 

Huch jetz hab ich die Erwartungen aber hochgesteckt hock: Dabei hätte doch niemand meinetwegen warten müssen. Ich spar mir mal das Durch-xen, ich hatte es zwar angefangen aber sagen wir einfach, dass ich dir auf der Schiene nicht wirklich krumm kommen kann :wink: Doch dafür hab ich ein paar kleine Rechtschreibhudellein gefunden. Aber die sind eigentlich auch nur beiläufiger Kleinkram (wenige Zeichensetzungsfragwürdigkeiten und Groß-Kleinschreibung) im Vergleich zum beeindruckenden Gesamtwerk. Überwiegend Jambus in weiblicher Kadenz passt auch, wenn ich jetz ned ganz neben der Spur fahre, aber nen Kreuzreim über fast 40 Verse durchzuziehen ohne zu leiern schaffen nicht viele. Die langen Verse helfen dir da und obwohl ich 10-11 Silben eigentlich sehr ungern verwende/lese bringst du auch die flüssig ein, wodurch sich ein sehr professionelles Gesamtbild ergibt. Bei deinen Reimen ist nichts langweiliges dabei, auch wenn Decartes-Bonapartes nicht funktioniert, wenn man pingelich sein mag :wink: (Decartes hat ein hartes t am Ende, "es" ist stumm. Bonaparte wird genauso gesprochen stummes e. Im Übrigen ist Bonapartes' doppelt gemoppelt, da müsste das Apostroph ab. Das s gleich mit, dann reimt es sich auch bei den Franzosen ;D). Die paar unechten Reime passen schon und "Guns'n'Roses" auf "Moses" ist schon ziemlich geil :lol:

Technisch gibt es da echt wenig zu meckern, und das wenige ist Nörgelei auf höchstem Niveau

 

Inhaltlich hat es mMn recht wenig mit Goethes Werk gemein. Goethe beschreibt zwei Liebende und betont bis zum Ende die positiven Aspekte, dass Liebe auch in schweren/schlechten Zeiten lohnt. Bei dir sehe ich eigentlich eher ein negativ-Abbild des Namensvetters: Es beginnt mit angenehmen Bildern, bzw einer wohlwollenden Szenerie (zum Vergleich, Goethes Reiter schlägt sich durch beängstigende Wälder). Im Kontrast dazu vermittelt das Lyrische Ich eine unterschwellige Schwermut (auch hier ist im "Orginal" der Reiter voll freudiger Erwartung), die zumindest mich an Vergänglichkeit denken lässt.

Zur Mitte hin kippt das dann etwas, mit den näheren Bekannten und der ehemalig Geliebten (hier wird es besonders deutlich, Verfloßene gegenüber aktueller Flamme) scheint das Bild etwas "glücklicher" zu werden, aber mit dem Aufrtitt des Bruders (und zuvor den Gedanken an die Mutter) wird der Fokus wieder auf die Traurigkeit gelenkt. Ich würde sogar vermuten die vorangegangene Fröhlichkeit des LI war gespielter Natur. Goete endet mit einem einsamen Protagonisten, der positiv gestimmt ist. Hier ist das LI am Ende nicht einsam (der Brude ist noch da), aber voll trauriger Entschlossenheit.

Glück im schlichten, oder Glücklichsein in schlechten Umständen, ließt man mMn öfter, die Umkehr wie hier (Schwermut in scheinbar guten Zeiten) finde ich aber in ihrer Ambivalenz viel interessanter und dem Leser wirft sich die Frage auf, weshalb das Lyrische Ich eigentlich bedrückt ist.

Grade durch diese Deutlichkeit glaube ich eigentlich nicht daran, dass du hier einen Klassiker zufällig kontrastiert hast.

 

Sprachlich, rethorisch hast du hier die Welt nicht neu erfunden, aber der verwendete Stil passt trotzdem wie die Faust aufs Auge. Technisch und Inhaltlich habe ich nichts auszusetzen und mMn kann es sich durchaus mit seinem großen Bruder messen.

 

greets Tors!

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