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Das Ende des Anfangs


Nedomil

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Und wenn der Himmel dann in Flammen steht,

nirgends weder Eiche, Tanne noch Palme lebt.

Am Tag, an dem der Mensch schlussendlich zum Tier wird,

das Vieh zurückgezogen, aber gemeinsam vor sich hin stirbt.

Anfangs wird die Nahrung knapp, weil ein unkonventionelles Insekt

sich an Ernte und Vorräte macht, dessen Grund, ein Klon-Experiment

war. Zugleich geht in sämtlichen Ländern der Strom aus,

durch einen heftigen Sonnensturm und er verschont auch

nicht einen einzigen Satelliten in unserer Erdumlaufbahn.

Seit Jahren wieder erfasst der Mensch es und staunt wahr-

haftig: die Fratzen der Individuen nicht nur fiktiv, nein:

kein blauer Balken darüber schränkt den primitiven Blick ein,

ihn endlich durch Mimik und Gestik wahrnehmen zu können

und dabei die endliche Schönheit des Menschen zu krönen.

Doch entwickelt sich diese Anschauung eilig zur Vergangenheit,

das Erblühen der Wahrnehmung: einzig eine kurze Begebenheit;

ersetzt in der Zwischenzeit durch eine ungeheuerliche Hungersnot,

die Mahd reicht landesweit gerade mal für kärgliche hundert Brot.

Und der Hoffnung wegen sogar, wird kaum Seite an Seite darum gekämpft,

die Fortsetzung plötzlich kostbar, so dass selbst das Brot in Blut getränkt

zum Preis tagt; übrig geblieben als Mittel zum Zweck: Mord und Totschlag,

maximal in Zweiergruppen und zwar, selbst ohne, dass Mitleid zu Wort kam.

Der Stromstörung wegen treiben schwarze Spinnen wieder ihr Unwesen,

ausgerissen aus einem amerikanischen Labor; nun werden sie kundgeben,

dass der Homo sapiens nicht das unbesiegbare Wunschwesen war,

sondern zuletzt mit dem eingebrannten Titel des Unmenschen starb.

Wenn dann alle Buden und Vorratshallen endgültig geplündert sind,

setzen die ersten Ausgehagerten einen faulenden Gestank in den Wind.

Und weil niemand, trotz genügend Zeit, auf sich diesen Aufwand nehmen will,

wird keine dieser Seelen, jemals der Sitte nach begraben enden; still.

Die Zustände wandeln und sobald nur staubige Teller auf dem Tisch stehen,

kann es erstmals, nach tausenden von Jahren, nicht weiterhin um Prestige gehen.

Folglich sind jetzt die Haustiere an der Reihe; auch sie geben ein wenig Fleisch her,

vererben dem Drangsal eine weitere Weile und wenn auch das nicht reicht mehr,

vergreift man sich an den leblosen, madenbefallenen Körper in den Strassen:

anfänglich nur an dessen guten Teilen, anschliessend an denen mit den Maden.

Nicht als Strafe, doch aus lauter Verzweiflung und Angst vor dem bitteren Verlust

der verbliebenen Gabe, sie zu ertragen, die übrige, mittlerweile verpestete Luft.

In ihrem, dem Überleben gewidmeten Wahn begehen sie schlimme Fehler mit,

und ernähren sich von den Gehirnmassen der Leichen; so ertrinken Seelen in

des lachenden Todes treibsandähnlichem Urteil, denn sie infizieren sich

gegenseitig mit dieser höheren Kunst des Unheils: besiegeln implizit ihr Schick-

sal. Bis eine einzige Frau übrig am Leben ist, noch dazu Hochschwanger;

musste nichts verbrechen, in ihrem Keller befindet sich des Kochs Kammer.

So kommt es, dass des Weibes Geist sich mit dem einen Atemzug verabschiedet,

bei dem die Farben der Welt den Blick des Kindes streifen und sich daran spiegeln.

Statt der Mutterliebe sieht sich das Neugeborene der Hauskatze konfrontiert,

die ihrerseits ungetrübt und lustvoll, die Nabelschnur per Krallen obduziert.

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