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Meine Drogen


Ed Zend

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Mein Magen krampft. Beuge mich übers Waschbecken, alles was kommt ist ein Haufen Spucke. Dann die Kontraktion, erlebe ich zum ersten Mal so bewusst, kann förmlich die Größe meines Magens spüren. Dann entkrampft er sich. Die vergorene Mahlzeit von gestern, Thunfisch und Bratkartoffeln, aufgelöst in 3 Bechern Kaffee und roter Schorle ergießt sich ins Becken. Kein Wunder – hätte es wie „Buk“ halten sollen. Statt aufzubleiben hätte ich mir ein, zwei Bierchen kippen und wieder ins Bett gehen sollen. Der nächste Kaffee vertreibt mir endgültig den Kater und die Müdigkeit aus den Knochen. Meine Süße geht. Ihr Geruch motiviert mich auch mal wieder duschen zu gehen. Während mir Marius mit seinem „ Wir haben die Schnauze voll“ ein sarkastisches Lächeln um die Mundwinkel zaubert, warte ich auf einen Rückruf der Vakant Personallogistik. Nach dem Morgenschiss und einem weiteren Kaffee meldet sich Veronique vom Sklavenmarkt zurück. Es täte ihr leid, aber Schichtarbeit sei Voraussetzung. Gott sei Dank bin ich aus der Nummer seitens der ARGE raus. Nach dem duschen schraube ich mir das erste Flüssig Knoppers rein. Die ersten Schlucke schmecken widerlich. Danach fühle ich mich wie neugeboren und fähig den Rest des Tages sanft umzubringen. Die Temperaturen auf dem Weg zum Bäcker und Kiosk entsprechen meiner seelischen Stimmung. Kein frösteln, kein schwitzen, die Sonne wärmt, der Wind sorgt für den Ausgleich. Ich wollte ich könnte diesen Zustand einfach nur genießen. Aber zu gut und zu positiv zu reagieren ist mir verwehrt. In dieser Situation ist die Gefahr einer manischen Episode besonders groß. Ich hole mich zurück mit Gedanken an den bevor stehenden Herbst mit seinen kürzer werdenden Tagen. Er ist die Jahreszeit in der meine Seele zu Hause ist. Vor allem der Nebel ist mein Element, wenn alles verschwimmt in seinen diffusen Licht-verhältnissen. Alles seine Konturen verliert und Grenzen weich und übergangslos werden.

Die vergangene Nacht war wieder mal nicht traumlos. Wie immer unterwegs und wieder und wieder den Fratzen der Vergangenheit ausgesetzt. Nicht eine Nacht, nach der ich mit einem Hauch von Hoffnung erwache das irgendwann einmal die Prüfungen enden. Es wird ein weiterer gleichförmiger Tag werden ohne Höhen und Tiefen. Eingependelt, gefangen in der Mischung aus Antidepressiva und Neuroleptika. Die Sehnsucht nach einer Manie, mit Menschen die in der Lage sind mit ihr umgehen zu können und mich ertragen, latent vorhanden. Meine Trinkerei eine Reminiszenz an Jack London, Charles Bukowski und weitere Brüder im Geiste für mich der Katalysator, die Droge die mich weitermachen lässt.

Ein Tag der nahtlos in die Night Session übergeht, obwohl die Uhr erst 18 anzeigt. Annähernd nichts gefressen, weil ich den Hunger liebe, wenn ich das Gefühl habe nichts geleistet zu haben. Ein paar Bierchen, die ein oder andere Pille, New York Open, Vuelta, alle geben sich auf, bis zur völligen Erschöpfung. Wofür frage ich mich angesichts der Tatsache dass ich das auch in meinem Leben in vielerlei Hinsicht praktiziert habe. Und jetzt, wie kann ich, ohne Job, ohne Ziele, ohne Perspektiven diesen Zustand ertragen. In der Musik, die ich parallel höre finden meine Gedanken, auch ohne dass ich alles verstehe, Hoffnung das ich nicht alleine bin.

 

Kurt Leonhard aus "Meine Sorge"

...meine Sorge

ist ein Hunger der mich die Sattheit ertragen lässt

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