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Die Ballade von Agnes und Friedebraht


Michael E.

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Die Ballade von Agnes und Friedebraht

Nach einer Mär von Wiebke K.

 

 

Es begab sich, lang ist’s her

diese liebevolle Mär.

Als die Welt war noch so weit

unentdeckte Herrlichkeit.

 

Zwei Gestalten ritten dort

durch die Wälder, fort und fort;

über’s Grün, ob früh, ob spat:

Agenes und Friedebraht.

 

Von Stettenfelse Friedebraht

ehrenvoll, nie Unrecht tat;

Kämpferherz, wahrhaft gerecht,

Betrug und Elend war’n ihm schlecht.

 

Holde Agnes, große Maid,

kluge, schöne Herrlichkeit;

als Heilerin sehr wohl bekannt,

doch Hexe ward sie auch genannt.

 

Da zog auf, O schwere Zeit,

dem Frieden folgte Bitterkeit,

es zog herauf ein schlimmer Krieg

weit entfernt war guter Sieg.

 

Friedebraht zog in die Schlacht,

oft hatte er den Sieg gebracht,

auch Agnes ging ins Schlachtenland,

zu helfen mit der heilend’ Hand.

 

Blut floss viel an diesem Ort,

große Helden fielen dort,

Manche Wunde Agnes sah,

viele Frauen weinten da.

 

Es geschah am siebten Tag,

da Friedebraht darniederlag.

In des Feindes Kampfeslust

ein Speer traf berstend seine Brust.

 

Traurig legten sie ihn nieder,

Blut färbte die schwachen Glieder,

Agnes kniete sich zum ihm

kein Kampfesende nahe schien.

 

Sein langsam Atem blieb bald steh’n,

sein gutes Herz vergaß zu geh’n

Agnes neigte sich hinab

und gab den letzten Kuss ins Grab.

 

Sie erhob sich, zog sein Schwert,

welches sich so oft bewährt,

ließ den Edelmann allein,

sie soll nun stark und tapfer sein.

 

Ein guter Krieger sprach zu ihr:

„Herrin, Trauer herrscht nun hier,

ist nicht nun der Tränen Zeit,

der Klage um dies große Leid?“

 

„Die Zeit der Tränen naht heran,

doch noch regiert der Kriegesbann.

So weint noch nicht, so schwer’s auch sei,

denn ganz ist es noch nicht vorbei.

 

Begrabt ihn nicht, lasst ihn dort ruh’n,

Ihn rührt nicht an, er schlafet nun,

bis er am dritten Tag erwacht

und schlägt siegreich mit euch die Schlacht.“

 

„Rätselhaft die Fraue sprach“,

die Krieger sagten bald hiernach.

Doch achteten sie Agnes sehr,

vergossen keine Tränen mehr.

 

Agnes selber stieg da längst

auf ihren treuen, schwarzen Hengst;

ritt durch Wälder, schnell und weit

zwei Tage ohne Müdigkeit.

 

In der Nacht erreicht’ sie dann

eines kleinen Berges Hang;

ließ ihr Pferd am Fuße steh’n,

den Hügel schnell hinaufzugeh’n.

 

Hört nun, was sie oben tat:

Sie nahm das Schwert des Friedebraht;

Schrieb mit Runen in den Grund,

schloss mit alten Mächten Bund.

 

Zuletzt sie stieß das Schwerte rein

in die Runenschrift hinein,

sprach dabei manch altes Wort

gar große Macht war in ihr dort.

 

Dies geschah gleichwohl sodann,

als der dritte Tag brach an,

und ehe noch der Morgen naht’,

trat aus dem Zeit Herr Friedebraht.

 

Keiner konnte es versteh’n,

die Wunde war nicht mehr zu seh’n.

Er stand, als wollte er nie ruh’n,

doch anders war sein Anblick nun.

 

Kein Wort er sprach, er ritt sofort

an den blut’gen Schlachtenort.

Er kämpfte hart, wie nie zuvor,

er weder Kraft noch Mut verlor.

 

Er kämpfte ohne Rastenzeit

so lange, voll von Bitterkeit

Und dann, am sechsten Kampfestag

der Feind endlich darniederlag.

 

Die Männer feierten da lang,

man hörte Lachen und Gesang,

doch Friedebraht mit seinem Pferd

den Feiernden den Rücken kehrt’.

 

Er macht’ sich in die Wälder auf

und stieg den Hügel dort hinauf,

zur Mittagszeit er oben war

und seine liebste Agnes sah.

 

Sie saß allein auf einem Stein,

in der Hand das Schwerte sein,

so er ging zu ihr hinauf,

legt’ ihr seine Hände auf.

 

Schweigend hob sie ihr Gesicht,

ihrer traurig Augen Licht;

der tiefe Blick traf ihn im Herz,

geschrieben stand darin der Schmerz.

 

Nach der langen, stillen Zeit

sprach er, voll von Zärtlichkeit:

„Agnes, holde, seid mir lieb:

was verdunkelt dein Gemüt?

 

Lange Zeit ich misst’ euch sehr;

warum tiefes Tränenmeer?“

Agnes ’griff sodann das Wort

an diesem liebevollen Ort.

 

„Endlich sind wir nun zu zweit,

zu lieben uns in Ehrlichkeit;

doch nur kurz könn’ wir uns seh’n,

die Lebenszeiten schnell vergeh’n.

 

Ich bat die Götter und die Zeit

zu nehmen Euch die Sterblichkeit,

doch nicht lang könnt ihr ersteh’n,

zur Nacht müssen wir beide geh’n.“

 

„Ihr schenktet euer Leben mir,

gabt Euch hin des Todes Gier,

nun lasst uns in Liebe sein,

bis zu der Sonne letztem Schein.“

 

So sprach der Herr Friedebraht,

küsste seine Agnes zart,

und in Liebe weilten sie

als käm des Tages Ende nie.

 

Und als der letzte Sonnenstrahl

Sich über die Berge stahl,

senkten sie die Häupter hie

und Arm in Arm so starben sie.

 

So begab sich diese Mär,

schon so lange ist es her,

doch denkt, wenn düst’res Unheil naht

an Agenes und Friedebraht.

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