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Schmuddelkind

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Alle erstellten Inhalte von Schmuddelkind

  1. Schmuddelkind

    Bei Licht betrachtet

    Ein Traum ist eine Wirklichkeit, die sich in mir verschwendet und, öffne ich die Augen weit, bei Licht betrachtet, endet.
  2. Schmuddelkind

    Entwertet

    Mein Traum: Im Boot die Welt umrunden. Ich sparte daher lang und fleißig und machte viele Überstunden. Doch war die Yacht dann höherpreisig. So ging es mir noch viele Male. Denn immer wenn das Boot in Sicht, so rief ich nach: "Bleib hier! Ich zahle." Dann war es mir doch schon entwischt. Nun bin ich schon ein müder Greis. Ein Boot wär mir nun nichts als Last. Auch ohne ging es stets im Kreis. Ach, hätt ich doch das Geld verprasst!
  3. Lieber Alex, lieber Pegasus, liebe Darkjuls, liebe Letreo, liebe Sali und lieber gummibaum, vielen Dank für eure lieben Worte! Wenn plötzlich ein neuer Mensch da ist, ist es irgendwie kaum zu fassen, auch wenn man sich neun Monate lang darauf vorbereiten konnte. Es ist ein unglaubliches Glück, das ich versucht habe, halbwegs in Worte zu fassen. Ja, man darf. In meiner Verwandtschaft gab es vorgestern Zuwachs und ich war total aus dem Häuschen. Insofern: Prost!🥂 Das freut mich sehr, denn mir war der letzte Satz auch besonders wichtig. Ein Baby, das in guten Händen ist, ist es ja auch wortwörtlich. Das verweist darauf, wie sehr ein Kind auf seine Eltern angewiesen ist und dass es gar nicht selbstverständlich ist, in die richtige Familie hineingeboren zu werden. Hier ist das aber zum Glück der Fall. LG
  4. Nun glänzt das warme Lebenslicht in deinen ersten Blicken. Du kleiner Mensch, du weißt noch nicht, wie sehr sie uns beglücken. Dein erster Schritt wird holprig sein, doch wirst du nah begleitet bei jedem fiesen Stolperstein, der Mühe dir bereitet. Die Welt ist groß, ein Labyrinth. Das ist nicht abzuwenden. Doch was mich zuversichtlich stimmt: Du bist in guten Händen.
  5. Lieber Oilenspiegel, liebes Sternenherz, vielen Dank für das Aufspüren der Ironie! Ich schätze, die Bilder von verzweifelten Menschen, die sich auf der Flucht vor den Taliban an Flugzeugfahrwerke festklammern und von dort in den Tod stürzen, werden uns genau so lange begleiten, bis hier der nächste Lockdown kommt und es wieder nur ein Thema gibt. Das ist wohl die bitterböse Wahrheit, die man nur mit bitterbösem Spott halbwegs verarbeiten kann. 20 Jahre lang haben wir aus reinem Selbstinteresse ein Land auf den Kopf gestellt und glauben nun, damit sei unserer Verantwortung genüge getan. Und 20 Jahre lang hat es niemanden interessiert. Und nach der Bundestagswahl wird es auch niemanden mehr interessieren. Jepp, so war es gemeint. @Arturo Siehe oben LG
  6. Ein Thema nur seit über einem Jahr: Der Lockdown, Inzidenz und Covid-Kranke. Doch was ich heute in der Zeitung sah, erschien wie Renaissance, ein stilles "Danke": Ein Ebola-Ausbruch, dort brennt der Wald, die Erde bebt und Flut in der Türkei. Ein Krieg: Die Taliban gewinnt schon bald. Was bin ich froh! Die Krise ist vorbei.
  7. Das nahm ihr nicht die Sorgen. Sie sprach zu mir zurück: "Es gibt gewiss kein Morgen in diesem Augenblick."
  8. Vielen lieben Dank, Alexander! Ich gehe nicht davon aus, dass es einem guttun würde, wenn man die genauen Gedanken anderer kennen würde, aber es ist natürlich schon reizivoll, für einen Moment sich selbst durch die Augen eines anderen zu sehen, allein schon, um zu verstehen, womit genau man einen geliebten Menschen so glücklich macht. Denn das sind ja oft so unscheinbare Kleinigkeiten, denen man selbst vielleicht gar keine emotionale Wirkung zusprechen würde, weil sie einem selbstverständlich erscheinen. Und dann erfährt man in der Freude des anderen so eine große, verwirrende Diskrepanz zwischen dem Selbstbild und dem Bild, das der andere hat. LG
  9. Schmuddelkind

    Ring

    Hallo Nesselröschen und danke für deinen Interpretationsansatz! Dieser unterscheidet sich sehr von meinem und bislang, bin ich auch nie auf die Idee gekommen, dass das LD sich die Hand abschneidet. Muss dazu aber sagen, dass es in der Urfassung hieß: "Drum muss ich dir die Hand abschneiden." Da war es also sehr viel eindeutiger. Aufgrund diverser starker kosmetischer Eingriffe habe ich mich dann aber gezwungen gesehen, den Vers derart zu ändern, dass er wohl inzwischen recht interpretationsoffen geworden ist, was wohl nicht zuletzt am Wegfall eines Subjekts und eines gebeugten Verbes liegt, womit der Satz zu einer Ellipse wurde. Jedenfalls finde ich deine Interpretation interessant. Wenn ich mir so vorstelle, dass das LD unglücklich in der Beziehung ist und dennoch nicht ganz die Trennung schafft, weil es sich wohl irgendwie dem LI gegenüber "verpflichtet" fühlt oder so, könnte diese Selbstverstümmelung der verzweifelte Versuch sein, den inneren Widerspruch aufzulösen. Finde ich auch ziemlich cool. LG
  10. Schmuddelkind

    Dein Bild

    Hallo loop, ich fürchte, du hast es umständlicher gelesen, als ich es gemeint hatte: Der (derjenige) nur soll es einmal sehen, der mein Leid empfinden kann. Also nur Personen, die sich aufgrund des Leides, das auch das LI ergreift, im See ertränken, sind es wert, den wahren Grund für das Leiden des LI zu erfahren. Traurig ist das. Aber inwiefern ist es kitschig? LG
  11. Vielen Dank für eure Kommentare, lieber Dionysos und lieber Hase! Ferci feaucoup! Da hab ich ja einen Glückstreffer gelandet. Hatte mir nämlich gar nicht so viel bei dem Titel gedacht - machte halt irgendwie "Sinn" wegen der ganzen "f" und weil etwas Melancholisches mitschwingt. J'aime des poèmes courts et faciles, parce qu'ils sont plus directs et plus émotionnelles à mon avis. Je suis heureux, que tu le trouve joli. LG
  12. Schmuddelkind

    Dein Bild

    Und ich lass dein Bild voran bis zum Seegrund untergehen. Der nur soll es einmal sehen, der mein Leid empfinden kann.
  13. Schmuddelkind

    Wie soll ich?

    Wie soll ich deine Augen bloß verstehn, wenn sie vor Freude durcheinander sprechen und doch durch klaren, weiten Blick bestechen? Just eben dann sind sie besonders schön. Doch all zu gerne wüsst ich, was sie sehn.
  14. Danke liebe Sali und liebe Amadea für eure Gedanken zum Text! Insbesondere bleibt es ein krasser Unterschied, wenn man sich nur auf das Träumen beschränkt. Träume sind etwas Wundervolles, weil sie uns inspirieren können, über uns hinauszuwachsen. Wenn man aber nicht den Mut fassen kann, seine Träume Realität werden zu lassen, müssen sie wohl irgendwann zerplatzen. Ich schätze, da hast du dich ein bisschen in meinem Wortgestripp verheddert. Ich versuche es mal, ein wenig zu entzerren: Wenn dagegen mit Gelüsten ich vor deiner Tür erschien, wären wir es, die sich küssten. Wenn ich vor deiner Tür erschien(e), wären wir es, die sich küssten. Wenn ich aufkreuzen würde, wären wir diejenigen, die sich küssen. Ist es jetzt ein bisschen klarer geworden oder habe ich da tatsächlich einen Schnitzer drin, den ich nicht sehe? Ist definitiv ein etwas schwerfälligerer Satz und wohl nicht so intuitiv zu verstehen; aber das Gedicht hat das wohl so eingefordert. Ich weiß das selbst nicht. Kann wohl gar nicht anders, weil es irgendwie in mir drinsteckt oder so. Aber danke für das Lob, liebe Sali. Freue mich, dass du auch an meinen älteren Gedichten Gefallen findest. Naja, ist eher so was wie eine Kiesgrube, in der sich hier und da ein Edelsteinchen versteckt. Insofern: Ja, mein Fundus ist riesig (geht definitiv in die Tausende), aber das Meiste davon ist unterdurchschnittlich bis unansehnlich. Habe deshalb auch irgendwann beschlossen, nicht alle meine Gedichte hier zu posten (das wäre auch zeitlich niemals möglich gewesen) und wie es der Zufall so will, habe ich heute mein letztes Gedicht aus meinem Fundus hier gepostet, was mich sehr erleichtert. Falls ich nicht doch noch zufällig auf ein brauchbares Gedicht stoße, das ich übersehen habe oder mich nicht noch die Lust packt, das ein oder andere Gedicht mit Potential auszubessern, werde ich also ab sofort nur noch neue Texte posten. Das bedeutet auch, ich werde seltener Gedichte posten und habe voraussichtlich mehr Zeit, hin und wieder mal Kommentare zu schreiben. Pah! Dazu müssen die mich erstmal finden. Zum Glück lebe ich ja hauptsächlich in meiner Traumwelt und bin für Menschen, die in der sogenannten Realität gefangen sind, unauffindbar. Aber sicher hast du recht, liebe Amadea: Es gibt zum Glück Menschen, die den geistigen Austausch mehr wertschätzen als gewisse Oberflächlichkeiten. LG
  15. Schmuddelkind

    Ring

    Jüngstens schätzt du mich gering, willst den Blick nicht zu mir wagen. Du betrachtest deinen Ring und du willst ihn nie mehr tragen, nichts von meiner Liebe wissen. Also dir die Hand abschlagen! Und ich leg sie auf mein Kissen. (Aus dem Fundus)
  16. Schmuddelkind

    Liebe und Verlangen

    Er legt sie sanft zu Bette nieder und küsst sie, streichelt ihr das Haar. Verlangen fährt in alle Glieder, denn niemand war ihr je so nah. Doch muss sie selbst im Glücke neiden. Dann fasst sie ihr Begehr genau: "Wann lässt du dich denn endlich scheiden?" "Dass du mir bloß nicht wirst wie meine Frau!" (Aus dem Fundus)
  17. Schmuddelkind

    Nachts allein

    Nachts allein im Kerzenlichte, tief in meinem Wunsch versunken, schrieb ich dir verträumt Gedichte, schwärmerisch und liebestrunken. Wenn dagegen mit Gelüsten ich vor deiner Tür erschien, wären wir es, die sich küssten. Doch stattdessen küsst du ihn. (Aus dem Fundus)
  18. 9. März 1856 Wie kann ich festhalten, was derart an meine Seele rührt, dass ich selbst nicht mehr zu halten bin? Wie kann ich in Form bringen, was nur in den Wirren einer unklaren Betrachtung zu verstehen ist? Am Mittag gelangte ich an einen einsamen, schroffen Felsen, der in einer Einkerbung kühlen Schatten versprach. Dort ließ ich mich fallen und fiel sogleich in einen tiefen Schlaf, vom Tode nicht zu unterscheiden. Und wie ich dies so niederschreibe, weiß ich in der Tat nicht, wie ich ausschließen soll, dass ich tot bin, obgleich - oder gerade weil ich mich so lebendig fühle, wie ich es in meiner Erinnerung, von diesem Tage abgesehen, nicht wiederzufinden vermag. Da lockte mich ein Gefühl aus meinem Traume, das mir ganz und gar fremd geworden ist: Wasser auf meiner Hand. Als ich den Schleier vom Gesicht hob, erkannte ich, dass es Regentropfen waren, die den Felsen hinabrannen und auf meine Handfläche tropften. Nun erst hörte ich den Regen auf das Geröll niederprasseln. Sogleich stand ich auf, riss mir den Schleier vom Kopf, blickte, während mein Atem um Ruhe rang, gen Himmel und die Freudentränen waren von den Regentropfen nicht zu unterscheiden. Wie ich die Augen schloss, spürte ich alle Freude meines Lebens auf mich herniedergehen und als ich die Zunge ausstreckte, waren sie alle in einem Punkte vereint. Ewig wollte ich so verharren. Doch ich wusste, dass ich mich beeilen müsse, so viel dessen zu bewahren, das durch seine Vergänglichkeit so wertvoll ist. Ehe ich mich besah, hatte ich einen Eimer und all meine Kraft bereitgestellt. Da griff ich schon zur Schaufel und grub ein Loch, so groß, dass ich es gerade mit einer Lederdecke auslegen konnte. Nach getaner Arbeit betrachtete ich mit Genugtuung, wie nun die Natur in meinem Sinne wirkte, da hörte ich zu meiner größten Überraschung eine milde Frauenstimme hinter mir: "Die Wüste ist der schönste Ort der Welt, nicht wahr?" Erschrocken zuckte ich zusammen, sammelte mich aber rascher, als es mir lieb war, drehte mich um und sah nichts als die unermessliche Tiefe und Klarheit ihrer blauen Augen, durch die hindurch ich hinter dem Spiegel meiner Verwunderung den Frieden ihrer Seele sah. Da gab ich zur Antwort: "In diesem Moment ist sie es." "Sie ist es, wenn man sich ihr ergibt." Noch während ich meine Frage formulierte, ärgerte ich mich über ihre Belanglosigkeit: "Wer bist du?" Es ist nicht wichtig, wem man begegnet, wenn in der Wüste eine Begegnung stattfindet. Durch ihre Antwort erst wurde meine Frage bedeutsam: "Ich bin der Wüstenregen." Darüber hätte ich mich wohl wundern sollen. Stattdessen sah ich sie einfach nur an. Mein Blick folgte der schwarzen Strähne herab, die über die zarteste Wange hing, streifte dabei die kurze Nase, die, wenn man sie für sich allein betrachtete, schüchtern aussähe, jedoch in den selbstbewussten Zügen ihres Antlitzes Genügsamkeit verriet, und kam auf ihren dünnen, nuancierten Lippen mit ihrer weit gezogenen Senke zur Ruhe, die einen Gedanken zu tragen schienen, der jenseits des Horizonts seine Quelle haben musste. In ihrem weißen Gewand stand sie bemerkenswert aufrecht, aber nicht starr vor mir ohne das geringste Anzeichen von Anstrengung, als hätte der Wind sie herbei geweht, dass ihre Weisheit sich mehr durch ihren gütigen Blick als durch ihre Worte über mich ergösse. Sie war das Werden inmitten des Vergehens. Mir blieb nichts anderes zu sagen als: "Danke." Schon nahm sie meine Hand und brachte mich, indem sie sich auf den Boden setzte, ebenfalls zum Sitzen. Noch ehe ich fragen konnte, antwortete sie: "Ich bin der Wüste wegen hier und du bist nun Teil der Wüste." "Aber ich gehöre nicht hierher." "Nur wenn es regnet, bestehe ich. Daher weiß ich nicht, was es bedeutet, irgendwohin zu gehören, wo man nicht ist." Da verstand ich, wie kostbar das Leben ist, das ich wenige Minuten zuvor noch am liebsten überwunden hätte, und unergründliche Zufriedenheit sank in mir herab. Als sie dies sah, ließ sie mir ein Lächeln zukommen. An keinem anderen Ort, so wurde mir bewusst, wollte ich lieber sein als hier. Keine andere Zeit, so hoffte ich, sollte es geben, als die Gegenwart. Darauf nickte sie. "Die Wüste wird für dich sorgen, wenn du ihr vertraust. Nun trinke etwas!" Doch ich wollte den Blick nicht von ihr abwenden. Also neigte sie den Kopf zur Seite, als wollte sie sagen: "Mir zuliebe!" Während ich einen Schluck aus der Karaffe nahm, fühlte ich mich ihr so nah, als wenn ich sie küsste. Darüber lachte sie, streifte mir durch das Haar und als unsere Blicke einander näherten und in der Tiefe versanken, küsste sie mich. Alles wurde eins. Sie und ich. Der Regen und die Wüste. Der Himmel und die Erde. Alles wurde eins. Plötzlich stand sie auf. Kurz blickte sie nach oben und ihre Miene wandelte sich mit einem Male zum reinsten Ausdruck von Vergänglichkeit. "Es ist an der Zeit", erklärte sie. Als sie im Gehen begriffen war, hielt ich ihre Hand und ahnte nicht, dass ich sagen würde: "Ich werde auf dich warten." Dann lösten wir uns voneinander wie Tautropfen vom Blatt und nachdem ich mir die Nässe vom Gesicht wischte, war der Regen verschwunden. Und sie war es auch.
  19. Mon amour fou, l'amour est fou. L'amour est faux. L'amour est feu. L'amour a fait l'amour à feu. L'amour fait tomber les feuilles. (Aus dem Fundus)
  20. 8. März 1856 Als ich heute Mittag neben Emil so vor mich hin döste, kam mir der Gedanke, die Wüste müsse an dieser Trockenheit noch zu Grunde gehen. Bald, so dachte ich, bald werde die Wüste einer grünen Landschaft weichen müssen, durch deren Mitte ein Fluss schlendere, welcher einen bunten Garten gedeihen lasse. Und es werde reichlich Wasser und Schatten geben. Was ich nun am Abend seufzend belächeln kann, erschien mir in der Mittagshitze sinnig, wie dass eins und eins zwei ergibt. Wie kann ich mir also solcherlei Selbstverständlichkeiten gewiss sein, wenn ich über mein Denken nicht verfügen kann? In der Wüste stirbt die Logik.
  21. Das ist der Nachteil an Büchern, liebe Sali, dass sie einen u.U. durch die Länge spoilern können. So grausam, meine Leser zu spoilern, möchte ich natürlich nicht sein.
  22. 7. März 1856 Soeben nahm ich den letzten verbliebenen Schluck Wassers zu mir. Dabei vermochte dieser nicht einmal meinen Durst zu stillen. Indem ich mich am Leben hielt, besiegelte ich also meinen Tod. Dieser liegt nun völlig gewiss vor mir und ich habe keine andere Wahl, als ihm entgegen zu gehen. Ich kann nichts essen und wenn ich es versuche, nimmt mein Körper es nicht an.
  23. Schmuddelkind

    Dämmerung

    Und der Himmel brach in Teile, stürzte auf die Welt herunter. Ohne Richtung, ohne Ziel rannten Menschen wirr in Eile. Mein Gemüt, es wurde munter, hielt ich doch davon nicht viel. Und die Priester konnten sehen: „Gott ist da - der Sünder wegen, kehret um! Das End' ist nah!“ Ich blieb jedoch trotzig stehen, denn mir kam es sehr gelegen, da mein Liebchen nicht mehr war. (Aus dem Fundus)
  24. 6. März 1856 Mein Mund hat den zwecklosen Widerstand aufgegeben. Zwar kleben meine Lippen aneinander, doch da ich sie kaum brauche, bemerke ich dies nur selten. Jedoch ist der Durst inzwischen in meinem Körper angelangt. So schwach und müde bin ich, dass es mich gar anstrengt, diesen Stift zu führen. Die meiste Zeit des Tages liege ich über Emils Höcker und sehe, wie durch Nebel hindurch, den staubigen Boden im Wechsel mit den Bildern meines Lebens wirr hin und her wiegen.
  25. Schmuddelkind

    Duldung

    Ich erdulde, dass du mich erduldest, bis ein rauer, kalter Wind die Erklärung gibt, die du mir schuldest, seitdem wir zusammen sind. Nächte fressen Stück für Stück die Tage; das liegt nicht allein am Herbst. Und du schweigst zur ungestellten Frage, während du die Haare färbst. (Aus dem Fundus)
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