Zum Inhalt springen

ferdi

Autor
  • Gesamte Inhalte

    100
  • Benutzer seit

Alle erstellten Inhalte von ferdi

  1. ferdi

    Die Wölfin reizen

    Hallo Claudi! Diese ganzen "Textlabels" sind Quatsch; und wie sich Quatsch unterteilt, ist, wie ich finde, ein recht müßiger Gegenstand des Nachdenkens. Aber dieses Forum ist nun einmal um sie herum organisiert, ich nehme das also so hin ... "Darüber würde ich gerne hier reden": Das ist dann auch so eine Foreneigenart: Der Text nicht als Wesenheit, sondern als Funktion; nicht etwas, das betrachtet und bedacht wird, sondern eher eine Aufforderung, sich mit einem bestimmten und zumeist klar bezeichneten Inhalt zu befassen. Fiel mir erst gerade wieder bei Salsedas "Mobbinggedicht" auf, bei dem (zu meinem nicht geringen Erstaunen) nach einigen Beiträgen Befremden nicht etwa darüber geäußert wurde, dass der Text an sich bis dahin noch gar nicht zur Sprache gekommen war, sondern darüber, dass sich nicht noch viel mehr Beiträge dem "klar bezeichneten Inhalt" widmeten (unter, das lese ich da mit, andauernder Vernachlässigung des Textes). Tja, und so rede dann auch ich am hiesigen Text vorbei. Vielleicht ein Zeichen erfolgreicher Anpassung?! Gruß, Ferdi
  2. Hallo, danke für eure freundlichen Rückmeldungen! Miserabelle, ich schreibe vergleichsweise viele "Balladen", oder vielleicht eher: strophische und dabei oft gereimte Erzählgedichte. Die gehören aber alle in mein "Königreich von Sede", und das ist eine so seltsame und versponnene Welt, dass Einzelnes schlecht herauszunehmen ist. Die wenigen Male, die ich es versucht habe, folgte darauf jedenfalls nur tiefes und, wie ich annehme, begründetes Schweigen ... Das hier ist aber eher eine Übung nach und zu einem vorgefundenen und, wie ich fand und finde, sehr reizvollen Reimschema. Managarm, sogar in zweifacher Hinsicht "oldschool": Einmal, weil es ein Nachbauen, ein Nachspüren von Chamissos "altem Sänger" ist (den habe ich darum auch in die Bibliothek gestellt), und dann, weil es vom Beginn meiner Gedichtebastelei stammt, also immerhin schon mindestens ein Dutzend Jahre alt ist: Halt das zu der Zeit nötige Schauen nach dem, was es gibt, und das Nachdenken darüber, was man brauchen kann und will für das Eigene. Dass Chamissos Text in seiner Schärfe und Eindringlichkeit natürlich um Welten besser ist als meiner, ist dabei dann gar nicht so wichtig ... Gruß, Ferdi
  3. . Nepomuk, der alte Weise, Trat zur Wiege eines Jungen, Sah ihn an und klagte leise: „Kleiner Prinz, mit deinen Taten Willst du Gutes, doch misslungen Ist die Zukunft dir schon heute. Ach ihr Zeiten, ach ihr Leute, Ach ihr Welten seid verraten!“ Da begann das Kind zu weinen: „Soll mir also nichts gelingen? Werde ich denn nichts vollbringen, Was die Sänger preisen werden? Warum hast du mich geboren, Königin, ein Fluch den Meinen! Bin ich wirklich auserkoren Glück und Hoffnung zu gefährden?“ Nepomuk, der alte Weise, Fand die Königin im Garten, Sah sie an und klagte leise: „Majestät, tief böse Saaten Ruhen in dem Knaben, warten, Wollen ihn ins Unglück leiten. Ach ihr Welten, ach ihr Zeiten, Ach ihr Leute seid verraten!“ Da begann die Frau zu weinen: „Keine Schuld, von der wir wissen, Nichts, das wir bedauern müssen, Trotzdem soll das Glück ihn meiden? Unter all den Männern, Frauen Dieses Landes gibt es keinen, Der dem Gott mit mehr Vertrauen Dient, und wir, wir müssen leiden?“ Nepomuk, der alte Weise, Starb und kam in Donmas Hallen, Sah ihn an und klagte leise: „Viele Menschen flehten, baten, Taten viel, dir zu gefallen – Willst du’s ihnen nicht vergelten? Ach ihr Leute, ach ihr Welten, Ach ihr Zeiten seid verraten!“ Da begann der Gott zu weinen: „Hilfe würd ich gerne bringen All den Menschen, die da singen, Die da beten, lauthals flehen, Hoffen auf des Gottes Segen, In den Tempeln, vor den Schreinen: Doch das Schicksal steht dagegen, Nur sein Wille wird geschehen.“ Nepomuk, der ewig weise, Ward geboren, hob die Augen, Sah die Welt und klagte leise: „Kein Gedanke, keine Taten, Kein Gebet kann etwas taugen, Denn wir sind des Schicksals Beute. Ach ihr Zeiten, ach ihr Leute, Ach ihr Welten seid verraten!“ .
  4. ferdi

    Adelbert von Chamisso: Der alte Sänger

    . Sang der sonderbare Greise Auf den Märkten, Straßen, Gassen Gellend, zürnend seine Weise: "Bin, der in die Wüste schreit. Langsam, langsam und gelassen! Nichts unzeitig! Nichts gewaltsam! Unablässig, unaufhaltsam, Allgewaltig naht die Zeit. Torenwerk, ihr wilden Knaben, An dem Baum der Zeit zu rütteln, Seine Last ihm abzustreifen, Wann er erst mit Blüten prangt! Lasst ihn seine Früchte reifen Und den Wind die Äste schütteln, Selber bringt er euch die Gaben, Die ihr ungestüm verlangt." Und die aufgeregte Menge Zischt und schmäht den alten Sänger: "Lohnt ihm seine Schmachgesänge! Tragt ihm seine Lieder nach! Dulden wir den Knecht noch länger? Werfet, werfet ihn mit Steinen! Ausgestoßen von den Reinen Treff ihn aller Orten Schmach!" Sang der sonderbare Greise In den königlichen Hallen Gellend, zürnend seine Weise: "Bin, der in die Wüste schreit. Vorwärts! vorwärts! Nimmer lässig! Nimmer zaghaft! Kühn vor allen! Unaufhaltsam, unablässig, Allgewaltig drängt die Zeit. Mit dem Strom und vor dem Winde! Mache dir, dich stark zu zeigen, Strom- und Windeskraft zu eigen! Wider beide, gähnt dein Grab. Steure kühn in grader Richtung! Klippen dort? die Furt nur finde! Umzulenken heischt Vernichtung; Treibst als Wrack du doch hinab." Einen sah man da erschrocken Bald erröten, bald erblassen; "Wer hat ihn hereingelassen, Dessen Stimme zu uns drang? Wahnsinn spricht aus diesem Alten; Soll er uns das Volk verlocken? Sorgt den Toren festzuhalten, Lasst verstummen den Gesang." Sang der sonderbare Greise Immer noch im finstern Turme Ruhig, heiter seine Weise: "Bin, der in die Wüste schreit. Schreien musst ich es dem Sturme; Der Propheten Lohn erhalt ich! Unablässig, allgewaltig, Unaufhaltsam naht die Zeit." .
  5. ferdi

    Aude Sapere

    Hallo nochmal zu später Stunde ... Was ich loswerden wollte zur Form: Ich habe ein wenig das Gefühl, dass du beim unbedingten Erfüllenwollen der Form, sprich: beim Besetzen jeder Senkung mit zwei schwachen Silben eine ganze Menge Füllsilben bekommst, die den Text womöglich eher schwächen als stärken. Gleich am Anfang: Die Alten, sie sind der Natur noch viel näher, – Da stößt mir dieses "sie" auf. Ich weiß, das war mal ziemlich in Mode; in Goethes "Totentanz" geschieht es ja in drei der ersten vier Verse: Der Türmer der schaut zu Mitten der Nacht Hinab auf die Gräber in Lage; Der Mond der hat alles ins Helle gebracht; Der Kirchhof er liegt wie am Tage. Und aus genau dem Grund der Silbenbeschaffung, da bin ich ziemlich sicher ... Konnte man also so machen, damals; heute ließe ich es lieber, das gehört zu den Dingen, die einfach nicht mehr lebensfähig sind – so wie "Ach!"-Ausrufe und ähnliches. Vor allem aber: Die Verse verlieren nichts, wenn einmal eine Senkung nur einfach besetzt ist. Das ist das erstaunliche – ein einzelner Anapäst kann einen ganzen Haufen von Jamben "beschleunigen", so dass insgesamt eher ein anapästisch-daktylischer Rhythmus hörbar wird?! Für diesen Text hat das keine Bedeutung, der ist fertig und muss nicht mehr verändert werden; aber vielleicht magst du ja in Zukunft einmal versuchen, gelegentlich eine leichte Silbe auszusparen, um dann zu hören, wie die Reaktionen sind?! Goethe hat es – und ich habe keine Ahnung, warum – im ersten Vers ja auch gemacht: "schaut zu". Ich habe inzwischen sogar noch einen Text mehr in die Bibliothek gestellt, Schillers "Worte des Glaubens": Das ist so ein anapästisch-jambischer Mischvers, den man – je nach Geschmack mit seltenen oder häufigeren einsilbigen Senken – versuchen könnte ... Auch eine Form-Frage, aber in ganz anderer Sicht: Hat dein Gedicht mit Goethes Totentanz den Vers gemeinsam, dann mit Schillers "Worten" den Aufbau: Es ist das, was ich gerne ein "Imperativgedicht" nenne. Aus der zweiten Hälfte deines Textes: Sammle, trachte, bedenke, verschiebe, erlaube, klopfe, bleibe, bewahre, erlerne. So dicht kommen die Aufforderungsformen noch nicht einmal bei Schiller, dem alten Welterklärer ... Hm. Geht jetzt nicht gegen dein Gedicht im Besonderen, das hat ja vielen gefallen in seinem Aufbau, und hier im Forum sind noch viele weitere Gedichte ganz ähnlich gebaut; es ist also wahrscheinlich eher eine Sache, die mich umtreibt und sonst kaum jemanden. Trotzdem: Ich fühle mich deutlich unwohl bei dieser Verengung des "lyrischen Sprechens" auf einen Akt der Welterklärung, und dazu noch einer ziemlich ruppigen – denn Imperative sind halt Befehls- und Aufforderungsformen: "Mach dies! Mach das!" Mich, als Leser, stört das, ich möchte selbst auf Spurensuche gehen in Texten; aber wie gesagt, da bin ich sicher in der Minderheit hier im Forum. Als Vergleich ganz gut geeignet ist Fontanes "Die Alten und die Jungen" (ähnlicher Vers auch, aber nicht derselbe), wo Fontane durch sein "Ich" auch einen Standpunkt verdeutlicht, aber den Leser dabei längst nicht so herumkommandiert. An noch leichterer Hand führt Geibels Distichon den Leser, denke ich – das ist ja schon in der Form angelegt, vor allem der Hexameter, aber auch das Distichon sind vor allem "beobachtende Formen". (Auf eine Art sind beide Texte auch eine Gegenposition zu dem hier von dir vertretenen; nicht 1:1, aber zwei weitere Punkte auf der Landkarte, die bei diesem "ewigen Thema" viele Schattierungen zu bieten haben dürfte?!) Meine "Glosse" gehört auch in diesen Rahmen – geschrieben habe ich die 2008, glaube ich; und da hatte ich, wie es scheint, auch noch einen kleinen Welterklärer in mir ... Heute flösse mir derlei nicht mehr aus der Feder. Na, wie dem auch sei: "Wie gestaltet sich im heutigen Gedicht sinnvoll die Dreierbeziehung Verfasser – Text – Leser", ich glaube, dass ist die zugrundeliegende Frage hier, über die ich die ganze Zeit räsoniere; das hat mit deinem Text sicher nicht so ganz viel zu tun, außer eben, dass er der Anstoß war. So, damit gehe ich auch schlafen, glaube ich. Gruß, Ferdi
  6. ferdi

    Friedrich Schiller: Die Worte des Glaubens

    Text und Vortrag: Drei Worte nenn ich euch, inhaltschwer, Sie gehen von Munde zu Munde, Doch stammen sie nicht von außen her, Das Herz nur gibt davon Kunde. Dem Menschen ist aller Wert geraubt, Wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt. Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei, Und würd er in Ketten geboren, Lasst euch nicht irren des Pöbels Geschrei, Nicht den Mißbrauch rasender Toren. Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht, Vor dem freien Menschen erzittert nicht. Und die Tugend, sie ist kein leerer Schall, Der Mensch kann sie üben im Leben, Und sollt' er auch straucheln überall, Er kann nach der göttlichen streben, Und was kein Verstand der Verständigen sieht, Das übet in Einfalt ein kindlich Gemüt. Und ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt, Wie auch der menschliche wanke, Hoch über der Zeit und dem Raume webt Lebendig der höchste Gedanke, Und ob alles in ewigem Wechsel kreist, Es beharret im Wechsel ein ruhiger Geist. Die drei Worte bewahret euch, inhaltschwer, Sie pflanzet von Munde zu Munde, Und stammen sie gleich nicht von außen her, Euer Innres gibt davon Kunde, Dem Menschen ist nimmer sein Wert geraubt, Solang er noch an die drei Worte glaubt. Die Worte des Glaubens, gelesen von Fritz Stavenhagen: https://www.youtube.com/watch?v=a8dMDuUcjNM
  7. ferdi

    Aude Sapere

    Hallo Salseda! Ich habe einige Texte ins Forum gestellt, die für mich Bezug haben zu diesem Text: drei in die Bibliothek und einen, meine uralte Glosse, in "Weiteres". Leider fehlt mir jetzt die Zeit, hier zu erklären, warum ich da Bezüge sehe; aber ich melde mich dann heute abend noch einmal. (Wie dir aber bei zum Beispiel Goethes Ballade, solltest du vorbeischauen, auffallen wird, geht es auch um die Form; bei den anderen eher um den Inhalt.) Gruß, Ferdi
  8. ferdi

    Emanuel Geibel: Distichen vom Strande der See 3,23

    . Wie er gestürmt und geliebt, erzählt am Herde der Ahnherr, Aber dem Enkelgeschlecht deucht es ein Märchen zu sein. Das letzte Distichon aus einer größeren Sammlung, für einen Überblick siehe etwa: https://gedichte.xbib.de/Geibel_gedicht_Distichen+vom+Strande+der+See..htm
  9. ferdi

    Theodor Fontane: Die Alten und die Jungen

    Text und Lesung: "Unverständlich sind uns die Jungen", Wird von den Alten beständig gesungen; Meinerseits möcht ich's damit halten: "Unverständlich sind mir die Alten." Dieses am Ruderbleibenwollen In allen Stücken und allen Rollen, Dieses sich Unentbehrlichvermeinen Samt ihrer "Augen stillem Weinen", Als wäre der Welt ein Weh getan – Ach ich kann es nicht verstahn. Ob unsre Jungen, in ihrem Erdreisten, Wirklich was Besseres schaffen und leisten, Ob dem Parnasse sie näher gekommen Oder bloß einen Maulwurfshügel erklommen, Ob sie, mit andern Neusittenverfechtern, Die Menschheit bessern oder verschlechtern, Ob sie Frieden sä'n oder Sturm entfachen, Ob sie Himmel oder Hölle machen – Eins lässt sie stehn auf siegreichem Grunde: Sie haben den Tag, sie haben die Stunde; Der Mohr kann gehn, neu Spiel hebt an, Sie beherrschen die Szene, sie sind dran. Die Alten und die Jungen, gelesen von Gerald Leiß: https://www.youtube.com/watch?v=7tJToMGHzyo
  10. ferdi

    Johann Wolfgang von Goethe: Der Totentanz

    Text, Vortrag, Vertonung, Bezug: Der Türmer der schaut zu Mitten der Nacht Hinab auf die Gräber in Lage; Der Mond der hat alles ins Helle gebracht; Der Kirchhof er liegt wie am Tage. Da regt sich ein Grab und ein anderes dann: Sie kommen hervor, ein Weib da, ein Mann, In weißen und schleppenden Hemden. Das reckt nun, es will sich ergetzen sogleich, Die Knöchel zur Runde, zum Kranze, So arm und so jung und so alt und so reich; Doch hindern die Schleppen am Tanze. Und weil hier die Scham nun nicht weiter gebeut, Sie schütteln sich alle, da liegen zerstreut Die Hemdelein über den Hügeln. Nun hebt sich der Schenkel, nun wackelt das Bein, Gebärden da gibt es vertrackte; Dann klippert's und klappert's mitunter hinein, Als schlüg man die Hölzlein zum Takte. Das kommt nun dem Türmer so lächerlich vor; Da raunt ihm der Schalk, der Versucher, ins Ohr: Geh! Hole dir einen der Laken." Getan wie gedacht! und er flüchtet sich schnell Nun hinter geheiligte Türen. Der Mond und noch immer er scheinet so hell Zum Tanz, den sie schauderlich führen. Doch endlich verlieret sich dieser und der, Schleicht eins nach dem andern gekleidet einher Und husch ist es unter dem Rasen. Nur einer, der trippelt und stolpert zuletzt Und tappet und grapst an den Grüften; Doch hat kein Geselle so schwer ihn verletzt; Er wittert das Tuch in den Lüften. Er rüttelt die Turmtür, sie schlägt ihn zurück, Geziert und gesegnet, dem Türmer zum Glück, Sie blinkt von metallenen Kreuzen. Das Hemd muss er haben, da rastet er nicht, Da gilt auch kein langes Besinnen, Den gotischen Zierat ergreift nun der Wicht Und klettert von Zinne zu Zinnen. Nun ist's um den armen, den Türmer getan! Es ruckt sich von Schnörkel zu Schnörkel hinan, Langbeinigen Spinnen vergleichbar. Der Türmer erbleichet, der Türmer erbebt, Gern gäb er ihn wieder, den Laken. Da häkelt – jetzt hat er am längsten gelebt – Den Zipfel ein eiserner Zacken. Schon trübet der Mond sich verschwindenden Scheins, Die Glocke, sie donnert ein mächtiges Eins Und unten zerschellt das Gerippe. Der Totentanz, gelesen von Jürgen Goslar: https://www.youtube.com/watch?v=3slDk4v-lKY Der Totentanz in der Vertonung von Carl Loewe, gesungen von Dietrich Fischer-Diesgau: https://www.youtube.com/watch?v=3slDk4v-lKY Auch schon klassischer (116 Jahre nach Goethes Ballade, 93 Jahre vor heute entstanden) Bezug in bewegten Bildern – Disneys Skeleton Dance: https://www.youtube.com/watch?v=vOGhAV-84iI
  11. Hallo Salseda! Von der Gestaltung der einzelnen Verse her ist die neue Fassung besser, denke ich. Du hast dabei auch den großen Aufbau verändert, indem du nicht mehr so streng zwischen "Beschreibung" und "Ich" trennst; ob das in deinem Sinne ist, weißt aber nur du. (Sternwanderer, du schreibst: "Jeder, der den Wald mit allen Sinnen durchstreift, versteht und fühlt deine wundervollen Zeilen." Das ist eine ebenso verständliche wie gefährliche Sichtweise. "Wer erlebt hat, was ich erlebt habe, weiß, was ich erlebt habe, wenn ich davon rede." Gut möglich – aber sollte das wirklich die Grundlage sein, auf der Gedichte entstehen? Wäre es nicht auch schön, denen, die nicht "den Wald mit allen Sinnen durchstreifen", zu vermitteln, was dabei geschieht?! Sicher, das bedeutet mehr Aufwand, viel mehr Aufwand: Viel mehr Anstrengung, bei viel geringeren Erfolgsaussichten. Aber trotzdem sollten sich Gedichte zumindest häufiger als nicht dieser Aufgabe und dieser Gefahr stellen – Gedichte, die sich darauf verlassen, dass sie gefallen werden, weil sie etwas ansprechen, dass ausreichend viele Leser als bekannt und vertraut empfinden und darum bejahen, machen sich die Dinge leicht und sind in den meisten Fällen weder handwerklich gut (wozu sich Mühe geben, wenn das reine Erwähnen von etwas ausreicht?) noch über den Tag hinaus von Interesse (Warum sich etwas merken / sich länger mit etwas beschäftigen, das jeder jederzeit sehr ähnlich sagen kann?). Gruß, Ferdi
  12. Hallo Salseda! Das liest sich gut, ich denke aber, für mich geht ein wenig an Wirkung dadurch verloren, dass Wörter "aufeinander aufpassen" – das wirkt dann immer so, als vertraue der Verfasser entweder den Wörtern nicht oder dem Leserhörer oder sich selbst ... "Flüstern leis" – ein Flüstern ist immer leise. "Huscht ... auf die Schnelle" – ein Huschen ist eine schnelle, lautlose Bewegung. "kleine Wichte" – ein Wicht ist ein kleines Wesen. So diese Art. Dazu zählte ich für mich auch "knutscht verliebt" – da könnte man, um Liaras Gedanken aufgreifen, statt "knutscht" vielleicht "kost" setzen, ist eine Spur gewählter, besonderer; und, da es für mich das "Verliebte" stärker einschließt, auch schärfer, weswegen es ohne Hilfe auskäme?! Diese "Vertrauensscheue" ist weniger deutlich, für mich aber doch zumindest als Verdacht bemerkbar auch anderswo im Text wirksam: "im Blattwerk flüstern leis Geschichten die sind schon 1000 Jahre alt von Blütenelfen, kleinen Wichten in unsichtbarer Lichtgestalt." "hier leben noch die alten Sagen." Hier zum Beispiel: Das "Ich" noch einmal ausdrücklich sagen zu lassen, was die Strophe doch schon vermittelt hat, schwächt für mich beide Stellen?! Vielleicht sind die "Sagen" aber auch andere Dinge als die "Geschichten", dann hätte ich sie aber gerne nicht so im nebenherigen Nachhinein vermittelt bekommen ... Ähnlich, aber eher formal bedingt: Hier und da habe ich einen Vers unter Füllungsverdacht. "Der alte Wald erzählt ein Märchen mit seinem Licht und Schattenspiel am Wegrand knutscht verliebt ein Pärchen bemerkt um sich herum nicht viel." Hier der vierte. Fehlte er – fehlte der Strophe etwas außer seiner reinen Masse, also: inhaltlich?! Zum Vergleich: "Dort huscht ein Mäuslein auf die Schnelle und hat sich im Gebüsch versteckt gefährlich ist die helle Stelle wo es ein Falke leicht entdeckt." Hier ist der vierte Vers unabdingbar. Zweimal Kleinkram noch: ich glaube, es schreibt sich "hochzuklettern", da ich denke, du meinst "hinaufklettern", nicht "an einer hohen Stelle klettern"?! Bei "Licht und Schattenspiel" weiß ich nicht, welche der beiden Möglichkeiten du meinst – "Licht und das Spiel der Schatten" oder "Das Spiel von Licht und Schatten"?! Vermutlich das letztere, ich für mich schriebe dann "Licht- und Schattenspiel". Nur Meinung: "1000" schriebe ich im Vers lieber aus. Sonst: Viele schöne Stellen, gute Versbewegung – liest sich also angenehm und flüssig, was den Inhalt fein unterstützt! Gruß, Ferdi
×
×
  • Neu erstellen...

Wichtige Information

Community-Regeln
Datenschutzerklärung
Nutzungsbedingungen
Wir haben Cookies auf deinem Gerät platziert, um die Bedienung dieser Website zu verbessern. Du kannst deine Cookie-Einstellungen anpassen, andernfalls gehen wir davon aus, dass du damit einverstanden bist.