Hallo KumboYa!
Ein Bild von Hoffnungslosigkeit und Abgrund zeichnet sich hier. Von meinem Gefühl her ist es etwas, in das Du Dich gut hineinfühlen kannst, aber es noch nicht recht in Dir zu Wort gebracht hast; zu abstrakt und wenig zielgenau ist da manche Metapher, manches Bild. Versteh mich da nicht falsch, das Thema an sich, finde ich, kann man durchaus so angehen, um die gewisse Stimmung zu erzeugen. Ich meine vielmehr, dass man das Gefühl hat, Du hast Dich selbst in den Worten nicht ganz zur Sprache gebracht u. manche Bilder sind zueinander nicht ganz folgerichtig.
Beispiele:
Absurd geweintes Morgenlicht
Das als Einstieg zu diesem Thema? Aber es hat was Eigenes. Ich erwähne es nur wegen Dingen, die später folgen.
floh ausgehauchten Sternen.
Hier könnte man noch denken (auch wegen des Verses vorher), dass die Sterne Augen sind, und dass dies Bild deutlich machen will, wie Sehnsüchte, Wünschen und Hoffen gegangen sind (wohl nicht das erste Mal).
Was folgendes unterstreicht:
Den nächsten Tanz der Fernen
sehen diese Augen nicht.
Wenn man von
diese Augen spricht, dann ist "diese" ein Bezugswort, weshalb ich auf den vorher genannten unweigerlichen Bezug zu den Sternen komme. Das würde auch Sinn mit "geweintes Morgenlicht" ergeben.
Allerdings folgt:
Denn Nacht ergoss sich tief in sie,
obgleich die Sterne schienen.
Hier werden die Bildbezüge unscharf. Man hat durch die Formulierung nun doch das Gefühl, dass die Sterne nicht die Augen, sondern ein Symbol außerhalb von ihnen sind. Dann wirkt aber die erste Strophe ungeklärt. Was die jetzt genannten Verse dieser Strophe aber in sich aussagen sollen, ist zweifelsfrei klar. Es geht mir nur um den Gesamtbezug. Denn wären es die Augen, wieso scheinen sie dann doch noch?!
Wo es für mich besonders schön wird:
Ihr helles Hoffen sieht man nie,
weil sie stets glanzlos dienen.
Hier sind die Sterne völlig von den Augen gelöst u. eigenes Symbol für Sehnsucht und Hoffnung. Glanzlos. Dienend. Ich mag das deshalb, weil ich Sterne ebenfalls gerne in solcher Art Symbolik verwende u. glaube, sie passen dafür auch sehr gut.
In der dritten Strophe sind sie dann doch Augen (hier allerdings passend für das, was erzählt werden will).
Die vierte Strophe baut den Teil der getöteten Sehnsüchte und Hoffnungen aus. Bildhaft geht es hier schon etwas von dem Sternen-Augenbild weg. Wäre es ein längeres Gedicht, vielleicht nicht schlimm, aber in punkto Augen-Blick (auch wenn Dir der Titel nicht so zusagt, es hat ja seinen Grund, weshalb er Dir dazu erschien) wäre es schön, bei dem vorigen Bildgedanken zu bleiben.
Dabei ist das hier noch passend:
Es will das Dunkle nicht entschwinden,
Hier aber
denn was das Leben bisher sang,
hat nichts erbaut, zu viel zerstört,
verweht der Seele ungehört.
ist von Gesang die Rede, erbauen und zerstören und etwas, das in der Seele ungehört verweht. Das alles nimmt sich aus dem Bezug von Augen oder Sterne, Licht und Dunkel etc. heraus.
Verhallten Schrittes Schattenklang
zerwarf sich an den Wänden.
Der Beginn der letzten Strophe macht dann ganz deutlich, worauf ich hinaus will. Wieso kommt hier nun mehr die Akustik ins Spiel? Wieso auf einmal Schritte? Welchen Bezug haben sie zum vorherigen Teil? Welche Wände? Sie wurden als Symbol vorher nicht ins Spiel gebracht, auch nicht angedeutet, sodass sie hier einfach da sind, ohne so recht zugehörig zu sein.
Trost, Geleit sind nicht zu finden,
denn in des Schicksals kalten Händen.
Die Essenz zum Schluss ist hingegen klarer, denn sie baut auf den vorherigen Teil auf. Einzig die Frage: Was ist mit "denn"? Denn in des Schicksals kalten Händen ... Punkt? Da fehlt doch was. Andere Verwendung von "denn" wäre noch z.B.: So bin ich denn frohen Mutes. Doch diese Verwendung ist bei diesem Vers von Dir nicht gegeben.
Es gibt zwar noch eine altertümliche Verwendung des Wörtchens "denn", die wird aber wie das Wort "außer" gebraucht.
So würden Deine Verse danach lauten:
Trost, Geleit sind nicht zu finden,
außer in des Schicksals kalten Händen.
Ich kann mir hier nicht vorstellen, dass Du das sagen wolltest, meinem Eindruck nach eher das Gegenteil, oder?
Das, was Du sagen willst, verstehe ich, kommt bei mir an. Man merkt auch Deine Eigenwilligkeit des Schreibens zu Wort kommen. Allerdings bleibt das Gefühl nicht aus, dass Du hier noch nicht ganz fertig bist, dass Du dies Gedicht noch nicht lange genug hast in Dir reifen lassen, um es vollständig abzuschließen. Vielleicht rührt daher auch Deine Unzufriedenheit mit dem Titel. Ich möchte deshalb auch keinen Titel vorschlagen, sondern lieber, dass Du nochmal das Gedicht in Dich mitnimmst. Wenn sich dann Dinge ändern, kommt wahrscheinlich der Titel von sich aus (und dann ist es auch Deiner). Sollte er Dir dennoch dann fehlen, denke ich gerne mit Dir darüber nach
🙂
LG
Beteigeuze