Lieber Berthold,
da hast du wahrlich viel zwischen den Zeilen heraus gelesen, lieben Dank dafür.
Dass letztendlich die Träumerei von LI zerbricht, an der Wirklichkeit zerbirst... und es zum Diener der Träume vom LD wird.. ja, so würde ich selbst es auch zusammenfassen.
Anfänglich hatte ich das Bild einer Marionette im Sinn, aber diese ist bereits gezähmt, im Willen unterworfen, indem ihr jener von Beginn an verwehrt wird. LI aber könnte ein starkes, stolzes Tier sein.
LI fühlt sich wie ein Pferd / ein Geschöpf, dass an einer Longe im Kreis geführt wird.
(vielleicht eher: Lippen)
Und eben dies geschieht. Vielleicht war tatsächlich Naivität, aber LI war in der Sehnsucht nach Liebe dem LD mit der Zeit erlegen.. eine geschickte Hand vermag jedes Tier zu führen, wenn sie nur mit den richtigen Träumen und ihrer Erfüllung lockt. Aber stets nur lockt - nie erfüllt.
Der Plural - Lippen - passt tatsächlich besser, Dankeschön, das änder ich gleich!
Die beiden Partizipkonstruktionen 'voltigierend' und 'folgend' würden sich nach meinem Leseempfinden als Infinitiv leichter in den Gedanken und die Satzstruktur fügen.
Hier muss ich noch nachdenken. Möglich scheint mir der Infinitiv bei "folgend", aber bei "voltigierend" würde für mein Verstehen dann ein Teil fehlen:
Fortan im Kreis
um deine Mitte voltigierend (der Traum). Heißt:
den Hieben der Peitsche zu folgen
---> in dem Vers müsste ich dann ein "zu" ergänzen und im Sinne der Metrik aus "deiner" ein "der" machen.
Das würde sich in den Kontext fügen. Ich werde das aber noch mal überdenken, ganz sicher bin ich mir noch nicht, wie mir das gefällt.;-)
Mit den Widersprüchen dieser Strophe liegt dein Gefühl aber ganz richtig. Ähnlich wie LI den Kontrast zwischen der körperlichen Gewalt und der Zuneigung als widersprüchlich empfindet. Und mehr und mehr nicht zu unterscheiden weiß..
Das Bild eines Planeten, der seine Sonne umkreist, ist sehr treffend. LD ist das Zentrum im Universum von LI geworden, und die Anziehung / Schwerkraft zu groß, sich aus dieser Umlaufbahn zu befreien. Obwohl auf diesen Bahnen Verderben wartet..
Ja, das Gedicht behandelt tatsächlich Unterdrückung und Gewalt, die allzu oft "im Namen der Liebe" auftauchen. Man stelle sich vor, dass jemand Prügel als Zärtlichkeit verkauft bekommt. Unterdrückung als größte Art der Liebe. Irgendwann wird es gleichgestellt - Liebe = Gewalt. Li befindet sich in dem Dilemma, beides auseinander zu halten und immer wieder zu erleben, wie es verschmilzt.
Und du hast recht - "Liebe" erscheint da allerhöchstens als leere Worthülse, als Farce und lässt einen bitteren Nachgeschmack. Es wird von Liebe gesprochen, aber die Handlung zeigt etwas ganz anderes..
(zur Veranschaulichung habe ich ein bisschen überzeichnet).
Ich fürchte, hier musst du mir mal wieder vom Schlauch runter helfen. Wen oder was hast du überzeichnet? Und wo? :achselzucken:
Jedenfalls.. deine intensive Auseinandersetzung mit den Werken ist immer wieder bereichernd. Und eine Freude.;-)
Liebe Grüße Lichtsammlerin