DIE MYTHEN DER SORBEN
Nach einem Lübbenau-Aufenthalt
Für Ronja. Die erste Fassung
Und rühren mich Sorben. Und Dörfer und Leben.
Und hab‘ ich hier Mädchen. Seit Jahren gekannt.
Nun schätz‘ ich Geschichten. Durch diese soeben.
Denn hörte ich Sagen im Spreewälder Land.
Es gibt hier wohl Götter. Die scheinbar uns führen.
Regieren und bilden sie schließlich den Bund.
Wer mag schon die Wesen der Fabel auch spüren?
Gesegnet in Wäldern. Im Herzen doch wund.
Und während die Spree auch im Lichte so glänzte.
Dort hingen im Sturme die Weiden geneigt.
Sodass mich das Treiben der Flüsse bekränzte.
Da hat sich Perun auch. – Im Donner gezeigt.
Erschien er im Sturm auch im Kriege zu wüten.
So rauschten im Frühling die Blätter. Das Laub.
Verneigten aus Ehrfurcht vorm Krieger die Blüten.
Entstand nun doch Veles aus Erde und Staub.
Erblickte der Herrscher der Wässer bloß wieder.
Wo spiegelt der Wald sich im Treiben vom Fluss.
Und während er schaute und suchten den Flieder.
So gab‘ er Mokuscha, der Mutter. – Den Kuss.
Beschützt sie seit Jahren. Das Spinnen. Das Weben.
Sodass sie als Mädchen Morena gebar.
Auch, wenn schon Rusalken die Flüsse beleben.
Vergisst man, wer Mokosch bei Zeiten noch war.
Gebar sie Morena. – Als Sinnbild und Zeichen.
Die Göttin des Frühlings entstieg nun der Gischt.
Begann sie durch Äcker und Wälder zu schleichen.
Sodass sie den Anfang mit Sterben vermischt.
Man kannte und schätze das Mädchen, die Schöne.
Denn hat sie den Bürgen die Blumen gebracht.
So glich sie für viele. Als Schönheit. Kamöne.
Denn hat sie noch niemals aus Unrecht gelacht.
Vereint sie das Leben – Mit Winter. Dem Sterben.
Und bringt sie seit Jahren den Menschen die Nacht.
Doch während die Weizen und Gersten sich färben.
So hat sie das Sterben des Bruders bedacht.
Denn wollte Jarilo sie scheinbar betrügen.
Entflog sie beim Töten des Bruders als Gauch.
Sie musste der Strafe sich jedoch dann fügen.
Verstarb‘ halt das Schöne. Durch Verrat so auch.
Zerfraß sie das Neiden der Kummer im Schatten.
Verdorrte das Mädchen zur alten Gestalt.
Verlor‘ sie die Schönheit und jedoch den Gatten.
Verbrennt man die Strohpupp‘. Deswegen im Wald.
Wer weiß schon, wie viele Geschichten hier klangen.
Selbst eine die Seele der Menschen erhält.
Behütet sein Reichtum der König der Schlangen.
Wohl irgendwo anders. – Inmitten der Welt.
So lagen die Schätze und Güter auf Lichten.
Und stahl er die Krone. Behände der Graf.
Und niemand erkennt auch die vielen Geschichten.
Als stahl er das Golde vom König im Schlaf.
Gewährte ihm Dazhbog den Wohlstand in Güte.
Der Schöpfer der Sonne. Der Hüter vom Licht.
Verbleibt es, ich denke. Wohl einfach der Mythe.
Doch Schönheit der Sage. Die Zweifel zerbricht.
Die Dichtung der Sorben. Scheint meiner gewähren.
Sodass auch mein Herze den Sprüchen entsagt.
Und sollte man Stribog als Gottheit verehren.
Dann bringt er die Winde. Und Stürme und klagt.
Und während wir alle. Dem Spruche entsagen.
Erschuf nun die Schöpfung am Ende der Rod.
Ihn mochte ein Ei wohl aus Golde bloß tragen.
Erschuf‘ er die Welten und Erden aus Not.
Bemerkte er später. Grundsätzlich ein Klagen.
Erschuf‘ er dann Lada. Die brachte die Lieb‘.
Entrann er, das schienen die Mädchen zu sagen.
Sodass er den Erden wohl nimmer verblieb.
Verlief‘ sich auch Lada inmitten der Welten.
Sie schenkte den Menschen die Liebe allein.
Und mochte sie jedoch als Zauberin gelten.
Sie trug sie auch Schönheit. Am Ende ins Sein.
Und Svarog empfing sie. Als müdes Gerippe.
Entstieg er der Höhle. Recht borstig der Schmied.
Entfloh ihm die Klage. Und senkte die Lippe.
„Gegrüßt sei, du Lada. Das Schönste dich zieht.“
Erhob sich Jarilo auch scheinbar von Toten.
Und zogen die Pferde sein weißes Gespann.
Und hat er die Ernte den Menschen geboten.
So flog er durch Himmel. Und zog er die Bahn.
Genoss er im Frühjahr. Die Tänze und Feste.
Sein Kopfe, er trug wohl aus Reben den Kranz.
So nahm er dem Winter. Vom Froste die Reste.
Und säte und säte. Den Frühling im Glanz.
Mal läuft auch die Hexe inmitten von Mooren.
Umgreift sie den Menschen. Der Augen verbürgt.
Und während die Menschen die Felder so schoren.
Dann kommt sie gen Mittag und einen erwürgt.
Und irgendwo lauert im Dickicht der Scharte.
Begleitet vom König der Wenden, der schleicht.
Durchwandert der Sucher die Pfade trotz Karte.
Bis schließlich die Lutki der Fremde erreicht.
Und rühren mich Sorben. Und Dörfer und Leben.
Und hab‘ ich hier Mädchen. Seit Jahren gekannt.
Nun schätz‘ ich Geschichten. Durch diese soeben.
Denn hörte ich Sagen recht viele im Land.
Es treiben die Moore, das Irrlicht. Und Sümpfe.
Bewahren und bilden sie schließlich das Band.
Und liegt dort am Steine im Flusse die Nymphe?
Daneben der Teufel. Der schuf doch das Land?
Besagt doch die Sage. Dass schuf er Kanäle.
Aus Zorne mit Fingern. – Die Fließe er zog.
Beschreib‘ ich die Sagen mit Zeilen und Seele.
Damit doch das Wunder der Sümpfe nicht flog.
So rühren mich Sorben. Und Dörfer und Lärchen.
Ich glaube, ich komme im Sommer. Schon bald.
Mich rühren die Sagen. Die Mythen und Märchen.
Die leben für immer im Spreewälder Wald.
Erzählten mir Mädchen von diesen vor Tagen.
Sodass ich die Hälfte von diesen beschrieb‘.
Im Herzen, da rührt sich. Ich denke das Sagen.
Mein Herze germanisch. Die Augen sind slawisch.
So sag‘ ich zum Abschied: Ich hab‘ euch auch lieb.
26.03.2025
Lübbenau / Spreewald und Berlin
© Marc Donis
Nach einem Lübbenau-Aufenthalt
Für Ronja. Die erste Fassung
Und rühren mich Sorben. Und Dörfer und Leben.
Und hab‘ ich hier Mädchen. Seit Jahren gekannt.
Nun schätz‘ ich Geschichten. Durch diese soeben.
Denn hörte ich Sagen im Spreewälder Land.
Es gibt hier wohl Götter. Die scheinbar uns führen.
Regieren und bilden sie schließlich den Bund.
Wer mag schon die Wesen der Fabel auch spüren?
Gesegnet in Wäldern. Im Herzen doch wund.
Und während die Spree auch im Lichte so glänzte.
Dort hingen im Sturme die Weiden geneigt.
Sodass mich das Treiben der Flüsse bekränzte.
Da hat sich Perun auch. – Im Donner gezeigt.
Erschien er im Sturm auch im Kriege zu wüten.
So rauschten im Frühling die Blätter. Das Laub.
Verneigten aus Ehrfurcht vorm Krieger die Blüten.
Entstand nun doch Veles aus Erde und Staub.
Erblickte der Herrscher der Wässer bloß wieder.
Wo spiegelt der Wald sich im Treiben vom Fluss.
Und während er schaute und suchten den Flieder.
So gab‘ er Mokuscha, der Mutter. – Den Kuss.
Beschützt sie seit Jahren. Das Spinnen. Das Weben.
Sodass sie als Mädchen Morena gebar.
Auch, wenn schon Rusalken die Flüsse beleben.
Vergisst man, wer Mokosch bei Zeiten noch war.
Gebar sie Morena. – Als Sinnbild und Zeichen.
Die Göttin des Frühlings entstieg nun der Gischt.
Begann sie durch Äcker und Wälder zu schleichen.
Sodass sie den Anfang mit Sterben vermischt.
Man kannte und schätze das Mädchen, die Schöne.
Denn hat sie den Bürgen die Blumen gebracht.
So glich sie für viele. Als Schönheit. Kamöne.
Denn hat sie noch niemals aus Unrecht gelacht.
Vereint sie das Leben – Mit Winter. Dem Sterben.
Und bringt sie seit Jahren den Menschen die Nacht.
Doch während die Weizen und Gersten sich färben.
So hat sie das Sterben des Bruders bedacht.
Denn wollte Jarilo sie scheinbar betrügen.
Entflog sie beim Töten des Bruders als Gauch.
Sie musste der Strafe sich jedoch dann fügen.
Verstarb‘ halt das Schöne. Durch Verrat so auch.
Zerfraß sie das Neiden der Kummer im Schatten.
Verdorrte das Mädchen zur alten Gestalt.
Verlor‘ sie die Schönheit und jedoch den Gatten.
Verbrennt man die Strohpupp‘. Deswegen im Wald.
Wer weiß schon, wie viele Geschichten hier klangen.
Selbst eine die Seele der Menschen erhält.
Behütet sein Reichtum der König der Schlangen.
Wohl irgendwo anders. – Inmitten der Welt.
So lagen die Schätze und Güter auf Lichten.
Und stahl er die Krone. Behände der Graf.
Und niemand erkennt auch die vielen Geschichten.
Als stahl er das Golde vom König im Schlaf.
Gewährte ihm Dazhbog den Wohlstand in Güte.
Der Schöpfer der Sonne. Der Hüter vom Licht.
Verbleibt es, ich denke. Wohl einfach der Mythe.
Doch Schönheit der Sage. Die Zweifel zerbricht.
Die Dichtung der Sorben. Scheint meiner gewähren.
Sodass auch mein Herze den Sprüchen entsagt.
Und sollte man Stribog als Gottheit verehren.
Dann bringt er die Winde. Und Stürme und klagt.
Und während wir alle. Dem Spruche entsagen.
Erschuf nun die Schöpfung am Ende der Rod.
Ihn mochte ein Ei wohl aus Golde bloß tragen.
Erschuf‘ er die Welten und Erden aus Not.
Bemerkte er später. Grundsätzlich ein Klagen.
Erschuf‘ er dann Lada. Die brachte die Lieb‘.
Entrann er, das schienen die Mädchen zu sagen.
Sodass er den Erden wohl nimmer verblieb.
Verlief‘ sich auch Lada inmitten der Welten.
Sie schenkte den Menschen die Liebe allein.
Und mochte sie jedoch als Zauberin gelten.
Sie trug sie auch Schönheit. Am Ende ins Sein.
Und Svarog empfing sie. Als müdes Gerippe.
Entstieg er der Höhle. Recht borstig der Schmied.
Entfloh ihm die Klage. Und senkte die Lippe.
„Gegrüßt sei, du Lada. Das Schönste dich zieht.“
Erhob sich Jarilo auch scheinbar von Toten.
Und zogen die Pferde sein weißes Gespann.
Und hat er die Ernte den Menschen geboten.
So flog er durch Himmel. Und zog er die Bahn.
Genoss er im Frühjahr. Die Tänze und Feste.
Sein Kopfe, er trug wohl aus Reben den Kranz.
So nahm er dem Winter. Vom Froste die Reste.
Und säte und säte. Den Frühling im Glanz.
Mal läuft auch die Hexe inmitten von Mooren.
Umgreift sie den Menschen. Der Augen verbürgt.
Und während die Menschen die Felder so schoren.
Dann kommt sie gen Mittag und einen erwürgt.
Und irgendwo lauert im Dickicht der Scharte.
Begleitet vom König der Wenden, der schleicht.
Durchwandert der Sucher die Pfade trotz Karte.
Bis schließlich die Lutki der Fremde erreicht.
Und rühren mich Sorben. Und Dörfer und Leben.
Und hab‘ ich hier Mädchen. Seit Jahren gekannt.
Nun schätz‘ ich Geschichten. Durch diese soeben.
Denn hörte ich Sagen recht viele im Land.
Es treiben die Moore, das Irrlicht. Und Sümpfe.
Bewahren und bilden sie schließlich das Band.
Und liegt dort am Steine im Flusse die Nymphe?
Daneben der Teufel. Der schuf doch das Land?
Besagt doch die Sage. Dass schuf er Kanäle.
Aus Zorne mit Fingern. – Die Fließe er zog.
Beschreib‘ ich die Sagen mit Zeilen und Seele.
Damit doch das Wunder der Sümpfe nicht flog.
So rühren mich Sorben. Und Dörfer und Lärchen.
Ich glaube, ich komme im Sommer. Schon bald.
Mich rühren die Sagen. Die Mythen und Märchen.
Die leben für immer im Spreewälder Wald.
Erzählten mir Mädchen von diesen vor Tagen.
Sodass ich die Hälfte von diesen beschrieb‘.
Im Herzen, da rührt sich. Ich denke das Sagen.
Mein Herze germanisch. Die Augen sind slawisch.
So sag‘ ich zum Abschied: Ich hab‘ euch auch lieb.
26.03.2025
Lübbenau / Spreewald und Berlin
© Marc Donis