Die Nacht
Ich öffnete das Fenster und die dunkle weißbläuliche Stadt sang ihre Nachtsynphonie
Die rauschenden Gesänge, die aus bewegten Fernen tönten, ließen mich Bilder der halben Wirklichkeit ahnen
Da war das Summen der Fabrikhallen, die ihre Produkte
unter hier unhörbaren Schreien dorthin ausspiehn, wohin es mich zog
Stempel ferner Handelskontore..
Mein Lauschen überstieg die Gartenzäune an stillen Häusern ..vorbei.. an mir so lieben Augen jetzt schlafender Mädchen ihrem Träumen und Schlaf wohlbehütet wer weiß
tastete sich vor zu den Autobahnen deren Rauschen mit den Güter- und Fernzügen um die Wette sang
In den Schleiern des Lärmens wartete zwischen Vergangenheit und Zukunft .. Gegenwart.. rasend über Straßen, die zu Schiffen und Leuchttürmen
und durch hohe Gebirge, an Flüssen entlang durch weite Ebenen führten, Erinnerung
an Tage als ich oft an Fenstern saß von Autos Fernzügen Flugzeugen und an Landschaften vorbeigestoßen wurde ohne einen Laut von ihnen zu vernehmen
Szenen aus Alltagen leuchteten kurz und unverpflichtend auf
Spiegelbilder eigenen Alltags lange lange her
Auf Schiffen über das Meer angesichts der weitesten Horizonte Straßen des Mondes
und der Sonne draußen pfiff der Wind
Unter der Klanglandschaft der nächtlichen Stadt schwieg die alte Zeit als Erde
Humus vergessene Fundamente Scherben zerbrochene Steine Knochenreste morsche Holzteile vielleicht von Ochsenwagen und Pferdekutschen
- all das was man in stillen ausgewogen klimatisierten Museen staubfrei sieht-
Weinkrüge schlummern dort unten im Schoße ihrer gerechten Verwitterung
einst wehten Lieder um sie
Versunkene Straßen! ...Straßen... gab es immer schon.. die weit weg führten
oft fröhlich im Sommer, verbittert winters
suchende Augen der Reisenden ausruhend in Gesprächen
austauschend neue Ziele und Adressen in Herbergen und Postkutschen
in Zügen oder Flugzeugen um sich vielleicht einmal wiederzusehen
„Sie sind wirklich nett“ „Du bist süß“ „Wirklich sehr interessant, was Sie so sagen“
„Wo möchtest du danach noch hin?“ schon der erste Gruß ist ein kleiner Abschied
„Gute Reise... danke...“
Da klang das belanglose „Paris New York London Tokio Helsinki Ulan Bator Kairo Sydney Kalkutta Hong Kong“ anders als in der Zeitung oder
daheim beim Erzählen oder Erinnern
Es klang nach Stimmen noch unbekannter Freunde und Freundinnen, nach offenen Ohren und Herzen unbeschrieben vom Trott
Da tauchten Palmengestade, Kamelkarawanen alter Filme auf, Ozeanriesen, Regen auf rutschigen Hochgebirgspässen, im Zelt in tiefen stillen Wäldern, zu Fuß durch irgendwelche fremde Städte in der frühen Jugend, mit dem Rad über frischsommerliche oder launächtliche Landstraßen, mit Schlafsack, Busenfreunden und melancholischer Flöte, zwei Kinder im Dickicht forschend verloren in der Welt des riesigen unergründlichen Stadtparks
Seit mir die Nacht eine Frau geworden ist habe ich so oft am Fenster ihrem großen Lied gelauscht zu groß zu weit und unaussprechlich ist mir ihr Lied ... wie die leisen Klänge so gewaltig sind..
sie waren das Echo tausender Wirklichkeiten von denen ich getrennt sein muß, in meinem kurzen Leben, vielleicht ganz bis zum Ende..
Es war die Nacht mit ihren vielen tausend Bildern
die mir immer unsichtbar im Erwachen täglich entschwindet und mich mit mir selbst allein
zurückläßt
Wie gerne hätte ich ihr Land schon oft als wacher Findender betreten
in unendlicher Wonne ihre Gefilde entdeckt und entdeckt
ich durfte nur ihr Echo ahnen
und im Echo verlor ich mich
und ging ein in ihre Melodie
als unbewußter Klang, losgelöst von Instrument und Saite
1991
Ich öffnete das Fenster und die dunkle weißbläuliche Stadt sang ihre Nachtsynphonie
Die rauschenden Gesänge, die aus bewegten Fernen tönten, ließen mich Bilder der halben Wirklichkeit ahnen
Da war das Summen der Fabrikhallen, die ihre Produkte
unter hier unhörbaren Schreien dorthin ausspiehn, wohin es mich zog
Stempel ferner Handelskontore..
Mein Lauschen überstieg die Gartenzäune an stillen Häusern ..vorbei.. an mir so lieben Augen jetzt schlafender Mädchen ihrem Träumen und Schlaf wohlbehütet wer weiß
tastete sich vor zu den Autobahnen deren Rauschen mit den Güter- und Fernzügen um die Wette sang
In den Schleiern des Lärmens wartete zwischen Vergangenheit und Zukunft .. Gegenwart.. rasend über Straßen, die zu Schiffen und Leuchttürmen
und durch hohe Gebirge, an Flüssen entlang durch weite Ebenen führten, Erinnerung
an Tage als ich oft an Fenstern saß von Autos Fernzügen Flugzeugen und an Landschaften vorbeigestoßen wurde ohne einen Laut von ihnen zu vernehmen
Szenen aus Alltagen leuchteten kurz und unverpflichtend auf
Spiegelbilder eigenen Alltags lange lange her
Auf Schiffen über das Meer angesichts der weitesten Horizonte Straßen des Mondes
und der Sonne draußen pfiff der Wind
Unter der Klanglandschaft der nächtlichen Stadt schwieg die alte Zeit als Erde
Humus vergessene Fundamente Scherben zerbrochene Steine Knochenreste morsche Holzteile vielleicht von Ochsenwagen und Pferdekutschen
- all das was man in stillen ausgewogen klimatisierten Museen staubfrei sieht-
Weinkrüge schlummern dort unten im Schoße ihrer gerechten Verwitterung
einst wehten Lieder um sie
Versunkene Straßen! ...Straßen... gab es immer schon.. die weit weg führten
oft fröhlich im Sommer, verbittert winters
suchende Augen der Reisenden ausruhend in Gesprächen
austauschend neue Ziele und Adressen in Herbergen und Postkutschen
in Zügen oder Flugzeugen um sich vielleicht einmal wiederzusehen
„Sie sind wirklich nett“ „Du bist süß“ „Wirklich sehr interessant, was Sie so sagen“
„Wo möchtest du danach noch hin?“ schon der erste Gruß ist ein kleiner Abschied
„Gute Reise... danke...“
Da klang das belanglose „Paris New York London Tokio Helsinki Ulan Bator Kairo Sydney Kalkutta Hong Kong“ anders als in der Zeitung oder
daheim beim Erzählen oder Erinnern
Es klang nach Stimmen noch unbekannter Freunde und Freundinnen, nach offenen Ohren und Herzen unbeschrieben vom Trott
Da tauchten Palmengestade, Kamelkarawanen alter Filme auf, Ozeanriesen, Regen auf rutschigen Hochgebirgspässen, im Zelt in tiefen stillen Wäldern, zu Fuß durch irgendwelche fremde Städte in der frühen Jugend, mit dem Rad über frischsommerliche oder launächtliche Landstraßen, mit Schlafsack, Busenfreunden und melancholischer Flöte, zwei Kinder im Dickicht forschend verloren in der Welt des riesigen unergründlichen Stadtparks
Seit mir die Nacht eine Frau geworden ist habe ich so oft am Fenster ihrem großen Lied gelauscht zu groß zu weit und unaussprechlich ist mir ihr Lied ... wie die leisen Klänge so gewaltig sind..
sie waren das Echo tausender Wirklichkeiten von denen ich getrennt sein muß, in meinem kurzen Leben, vielleicht ganz bis zum Ende..
Es war die Nacht mit ihren vielen tausend Bildern
die mir immer unsichtbar im Erwachen täglich entschwindet und mich mit mir selbst allein
zurückläßt
Wie gerne hätte ich ihr Land schon oft als wacher Findender betreten
in unendlicher Wonne ihre Gefilde entdeckt und entdeckt
ich durfte nur ihr Echo ahnen
und im Echo verlor ich mich
und ging ein in ihre Melodie
als unbewußter Klang, losgelöst von Instrument und Saite
1991