Die Schleiereule
Der Wind zieht sacht, der Mond scheint blass,
die Nacht ist kühl und grau.
Die Eule stößt sich aus dem Nass,
das Wasser schimmert blau.
Im See versinkt die letzte Glut,
ein Schatten schwebt empor.
Am Himmel streift die Wolkenflut,
ein Stern lugt sacht hervor.
Sie gleitet lautlos durch die Nacht,
ihr Blick ist scharf und klar.
Im Silberlicht, das ständig wacht,
entgeht ihr nicht ein Haar
des Beutetiers. Der Wald erstarrt.
Ein Schrei zerreißt die Zeit.
Ein Fuchs, der an den Büschen harrt,
duckt sich ins Blätterkleid.
Es steht in stillem Sternentanz,
am nahen Wiesensaum,
das Haupt bedeckt von Blätterglanz,
ein würdevoller Baum.
Sein Stamm ist alt, doch stark und fest,
er trotzt schon Jahr um Jahr,
in seinem Innern birgt ein Nest
ein kleines Kinderpaar.
Der Wind zieht sacht, die Flügel breit,
ihr Ruf verklingt im Grau.
Nun kehrt sie heim, die Nacht ist weit,
ein Bächlein schimmert blau.
Gerade noch der Nachwuchs rief,
ein Hauch die Blätter neigt.
Der Baum, er birgt sie sanft und tief,
steht fahl im Licht und schweigt.
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