Die dunken Schatten einer frischen Trennung regen so manchen zum Schreiben an. Kein Wunder, bringt eine solche Erfahrung ja sehr starke Gefühle in uns hervor, die wir dann allein verarbeiten müssen.
Die Bilder in diesem Text sind sehr stark emotional aufgeladen. Du hast hier einen interessanten Verlauf gewählt und ich gehe mal inhaltlich etwas näher darauf ein:
am ende des schweigens ging ich fort,
versank im nebel dunkler schatten,
im dunklen lande liess ich dich zurück.
Zu Beginn klingt die Trennung eher, als wäre sie eine Erlösung für das LI.
Die Befreiung au sem Land des Schattens.
ich lass dir zurück all die ungesagten worte,
die gemalten berührungen
an den rändern deiner lippen.
In dieser Strophe wird deutlich, wie viele Dinge offen gelassen wurden.
Das LI offenbart dem Leser das Gefühl des Verlustes und der Unabgeschlossenheit.
ich lass dir zurück meine schüchternen blicke,
wenn du an mir vorbeihuschst,
mich beim malen deiner konturen auf
das pergament meines herzens ertappst,
Hier geht das LI noch einen Schritt weiter und stellt sich deutlich unter das LD.
Es geht davon aus, dass der Gegenüber nur einen Schatten in Erinnerung behalten hat, während es selbst noch immer neue Bilder einer vergangenen Geschichte in sein Buch zeichnet.
Das Pergament des Harzens finde ich ist ein sehr schönes Bild, auch wenn es die Unauslöschlichkeit in diesem Moment nicht so gut transportiert, wie man sie sich von der Textentwicklung erhoffen würde.
ich lass dir zurück meine hände, die im gedanken
durch dein haar streifen,
alles geflüsterte,
alles erträumte,
alles versprochene,
ich mal sie schwarz und purpur,
am höchsten gipfel meines seins.
Hier wird es sehr bildhaft, malerisch, mit den durch das Haar gleitenden Händen.
Das geflüsterte, erträumte und versprochene steht hier etwas zusammenhangslos und wird nicht greifbar.
Der Schluss ist jedoch wunderbar bedeutungsschwer gewählt!
Am Gipfel seines Seins ist er gegangen. Von dort an kann es nur bergab gehen.
Eine Erkenntnis die spät kommt und gänzlich der Flucht aus dem Nebel der ersten Strophe widerspricht.
Ich wünsche dem lyrischen ich, dass es nach dem Tal den Weg zum nächsten, höheren Gipfel erkennt und dann den Nebel wieder sieht, den es zurück gelassen hat.
Vom Autor wünsche ich mir, dass die Groß- und Kleinschreibung unbedingt eingehalten wird. Das hat mich manches Mal in den Wahnsinn getrieben
Alles in allem habe ich diesen kleinen, traurigen Text dennoch gerne gelesen und kommentiert.
Viele Grüße
redmoon