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Feedback jeder Art Es werde Gott

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  • Hayk
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Aus dem dampfenden Atem rubinfarbner Meere,
die gefüllt sind mit eitrigem Blut in den Tiefen,
mit zerrissenen Herzen, gespaltenen Zungen
und geblendeten Augen, habt ihr mich geschaffen.

 
Das gewaltige All und die Sterne gerieten,
wie der Donner und Blitz zu begreifbaren Bildern;
und die Klügsten von euch, die Schamanen und Priester,
die gesalbten Beherrscher mit Szepter und Krone
auf den Thronen, erkannten beizeiten den Vorteil,
den der Glaube an mich, euren Gott, ihnen schenkte.

 
Auf Altären geopfert, zerflossen in Strömen
die soeben begonnenen Leben für immer -
im geheiligten Namen der niemals geschauten Schimäre.

 
Das Geschmeiß in Gewändern aus Seide, bestickt mit Juwelen,
für die Augen ein Blendwerk, fürs Hirn - wie er irrtümlich dachte,
der Jenenser Dottore, das Karlchen aus Trier an der Mosel -
die afghanische Milch für den weiteren Schlaf der Betrognen,
- es ist Valium, glaubt's, die ihr glaubt, dass aus dampfendem Atem,
aus den Opfergerüchen gemordeter Menschen ein Gott wird -
der verbot mit sardonischem Grinsen die blutigen Opfer
und beschläft eure Kinder stattdessen in schamloser Weise noch täglich.        

 
Lieber J.W. Waldeck,
dass von Mitgliedern des Klerus Kinder missbraucht werden, ist nur ein Teilaspekt meines Gedichts, ein Verbrechen an den Wehrlosesten zweifellos, aber mein eigentliches Anliegen ist, die Augen dafür zu öffnen, dass der Mensch sich seine Götter schafft. Das "Geschmeiß" vergeht sich nicht nur an Kindern, sondern auch - und alles im Namen der "Schimäre" -
an Frauen und Andersgläubigen.
Nach Matthäus heißt es (als die Jünger Jesu die Kinder vertreiben wollte: ... Jesus sprach: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes. Und legte die Hände auf sie und zog von dannen. Dem ernsthaften  Problem des Kindesmissbrauchs wird diese süffisante Auslegung des Bibeltextes nicht gerecht.
Liebe Grüße,
Hayk
 
Lieber Carlos,
ich habe Deinen Like nicht übersehen. Vielen Dank!
Hayk
 
Ein starkes Stück mein guter Hayk!
Das kommt davon wenn man keine Frauen in diesen exklusiven Club lässt.
Sehr gern gelesen wie immer!
LG JC
 
 
 
 
PS: ich hab ein Gedicht über eine Wein-Orgie geschrieben... ich überlege es dir zu widmen. Es würde passen, kenn ich doch deine Lyrik... Es passt einfach. 
Werde ich irgendwann hier veröffentlichen. Vielleicht gefällt es dir. Das aber nebenbei. 
 
Lieber Joshua,
danke für das "starke Stück"!
Ich habe mal versucht, ein ganzes Gedicht in Anapästen zu schreiben. War gar nicht so einfach.
Mir ein Gedicht widmen? Das wäre eine bisher nie empfangene Ehre. Ich bin gespannt.
Liebe Grüße,
Hayk
 
Lieber Buchstabenenergie,
ist es heutzutage wirklich noch ein Tabubruch, wenn man behauptet, dass die Menschen sich selbst ihren Gott/ihre Götter geschaffen haben?
Ich bin seit dreißig Jahren mit einem Pastor mit profuden theologischen Kenntnissen befreundet und meine Art und Weise Atheist zu sein, hat ihn nie gestört. Vielleicht hat das etwas mit Toleranz zu tun, denn ich versuche nicht, ihn von seinem Glauben abzubringen und wir sind uns in vielen Anschauungen sehr einig. Mein Gedicht würde er wahrscheinlich unterschreiben. Und dan sage ich mal ganz un-atheistisch: Gott sei Dank!
Liebe Grüße,
Hayk
 
Hallo Ponorist,
ich habe gerade Dein "gefällt mir" bemerkt. Vielen Dank!
Hayk
 
Ich glaub eher das ist der Zeitgeist, der an mir nagt, die Spaltung der Gesellschaft ausgelöst durch Themen die nie wirklich offen besprochen werden dürfen/können. Unter diesem Einfluss der mich seit einiger Zeit umtreibt antwortete ich dir in diesen Worten.
 
MfG
 
Lieber Hayk,
 
dein Text ist heftig. Ich glaube nicht, dass sich die Menschen ihren Gott geschaffen haben, aber sie haben sich ihre Religionen geschaffen. Die Auslegungen davon sind menschengemacht und die Auswirkungen können gütig und ein Segen sein oder unendlich grausam. Die Menschen erschaffen sich ihre Götzen und ihre goldenen Kälber, um die sie tanzen. Es ist erschreckend, was alles im Namen des Glaubens geschieht.
Es ist unser eigener freier Wille, der uns zu unseren Handlungen ermächtigt - zu guten wie zu schlechten.
Aber an einen Gott glaube ich dennoch, an einen gerechten und gütigen Gott, jenseits sämtlicher Religionen.
Als selbst Mensch habe ich mir auch selbst ein Bild von Gott gemacht. In dem ist er ein Wesen mit unglaublich viel Humor und ich glaube, den braucht er auch oder mit viel Geduld, wenn er an uns Menschen glaubt, dass aus uns Menschen wirklich noch Menschen werden und nicht lauter Monster. Und ich glaube, dass er manchmal zornig ist, wenn er sieht, was in seinem Namen alles an Irrglauben, Abartigkeiten und Verbrechen geschieht. Glaubst du, lieber Atheist, ein Gott kann weinen?
Versuche in Anapästen zu schreiben habe ich auch  hinter mir, aber meistens waren es eher kurze Gedichtchen. Einen solchen langen Text durchzuhalten ist schon ein Ding. Bewunder.
 
Liebe Grüße
Liara
Schönen Feiertag!
 
Das scheinbar fast alltägliche Thema Machtmissbrauch hast du sehr gekonnt und in monumentale Bilder gefasst. Hintergründig geht es aber, wie bei allem Täuschen und Tarnen, um eine Wahrnehmungsverzerrung. So zumindest in meinen Augen. Schön gemacht und gern gelesen,
VLG Peter
 
Lieber Karlo,
vorweg: Helena Petrovna Blavatsky ist mir nur dem Namen nach bekannt und ganz im Hinterkopf habe ich da so was wie Okkultismus, Yoga und ungeheure Belesenheit, für das die Dame steht. Gelesen habe ich noch nie etwas von ihr. Wer oder was hat mich zu diesem Gedicht gebracht? Sicher eine Diskussion über den Satz: "Und ER schuf die Menschen nach seinem Bilde". Ich hielt es eigentlich schon immer für richtiger zu sagen: Und die Menschen schufen sich die Götter nach ihren Vorstellungen."
 
Lieber Ponorist,
Dein Kommentar lässt meine Brust schwellen Danke!
 
Lieber Alexander,
vielen Dank für Deine Worte!
 
Liebe Liara,
an einen gerechten und gütigen Gott möchte ich auch glauben können. Aber das fällt mir außerordentlich schwer.
Nebenbei: Was für den einen der einzig wahre Gott ist, bestimmen immer nur die jeweiligen Anhänger. Alle anderen Götter sind Götzen.
Nehme ich den Gott der Christenheit, den ein Großteil der europäischen Völker aus einem anderen Kulturkreis übernommen haben (oder zu dessen Übernahme sie gezwungen wurden), fallen mir Adjektive wie "gerecht" und "gütig" überhaupt nicht ein.
Was tat dieser gute Mann mit Rauschebart, als sein Sohn sterbend von sich gab? Ich zitiere Matthäus: "Und von der sechsten Stunde an ward eine Finsternis über das ganze Land bis zu der neunten Stunde. Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut und sprach: Eli, Eli, lama asabthani? das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"
Und was tat dieser allmächtige, gütige Gott, als "sein" Volk, die Juden, millionenfach abgeschlachtet wurden oder die Angehörigen der ältesten Schwester der Christengemeinde fast die Hälfte ihrer Menschen durch die Gläubigen einer anderen Religion (ich sprechen von dem Völkermord an den Armeniern), die ihr Morden mit dem Schrei "Allahu Akbar“ - Gott ist groß - begleiteten, verloren?
Vielleicht ist es so erklärbar, dass ich ein "Atheist" bin (wobei ich dieses Wort für mich als "Zweifler" übersetze.
Die Anapäste - na ja, sehr gebräuchlich sind sie in unserer Sprache nicht. Ich benutze sie, wenn ich "antreibend" wirken möchte.
Liebe Grüße an Euch alle!
Hayk
 
 
 
Lieber Hayk,
 
ich verstehe deine Argumente absolut, deshalb unterscheide ich auch zwischen Gott - Glaube - Religionen.
Es kann nicht sein, dass es nur einen Gott für die Christen gibt und alle anderen gehen leer aus. Daher vermute ich, dass es nur einen Gott für "alle" gibt. Den Rest, die verschiedenen sogenannten Religionen, hat sich die Menschheit drumherum gebastelt. Und ein und derselbe Gott trägt einfach verschiedene Namen.
Und wie grausam Menschen sind, dazu brauchst du ja wohl keine Beispiele. Ob, welche Gruppe im Namen welcher Religion meint andere abschlachten zu dürfen, ist kaum der Wille eines Gottes, sondern der hirnverbrannter, grausamer und fanatischer Menschen.
Schau doch, was im Moment im Nomen Allahs und des Islam geschieht. Auch nur pure Religionskämpfe, falls sie nicht als Macht- oder Alibimittel vorgeschoben werden.
Wenn du zum Thema Jesu am Kreuz meine Gedanken irgendwann hören willst, da ergibt sich sicherlich mal eine Gelegenheit, aber nicht hier im Forum.
 
Es erstaunt mich, dass in den Jahren, seit ich in Gedichtsforen lese und schreibe, in den letzten Monaten das Thema "Gott und Glaube" so an Aufwind bekommt.
 
Liebe Grüße
Liara
 
Liebe Liara,
wenn ich in diesem Jahr, etwa im Juli/August, mit Karin aus Berlin eine kleine Deutschalnd- Rundreise unternehme, u.a., um Carolus im Schwarzwald zu besuchen, müssen wir beide vorher einen Termin ausklüngeln, an dem wir beide uns mal wiedersehen! Bis dahin werde ich mich theologisch gut vorbereiten - oder auch nicht, denn ein Schleckermäulchen wie ich, sitzt auch gern bei einem Rieseneisbecher mit Dir zusammen und muss nicht unbedingt einen Gottesdienst daraus machen.
Liebe Grüße,
Hayk
 
Liebe Lina,
zum sechsten Mal ein "wow" - das ist dank Deinem Like ein neuer Rekord bei mir. Vielen Dank!
Hayyk
 
hört sich fast an wie "kein Zuckerbrot ohne Peitsche". Aber die Schwarzwälder Bergpredigt - Liara, ich sehe Dich auf dem
Galgenberg stehen (es muss ja nicht gleich der Feldberg sein), Dein Haupt von einer Gloriole umgeben, um mir dann Mores zu lehren.
Ich werde es überleben!
H-
 
Lieber Fietje,
da scheint ja einer seinen Marx zu kennen (zugegeben: Besser als ich).
Was die Promotion des Karl Marx in meiner Heimatstadt Jena angeht, darf ich ein Detail anfügen: Richtig ist, dass Karl Marx an der ehrwürdigen Alma Mater Jenas (seit vielen Jahren heißt sie "Friedrich-Schiller-Universität") promoviert hat.
Auf der Promotionsurkunde - und das wird oft überlesen -steht "in absentia". 
Mir ist ein kleiner Fehler unterlaufen: Marx ist kein "Jenenser" Doktor, sondern bestenfalls ein Jenaer Doktor. "Jenenser", das sind die Eingeborenen, Jenaer die Hinzugekommenen.
Mit der afghanischen Milch liegst Du natürlich völlig richtig.
Liebe Grüße,
Hayk
 
Lieber Fietje,
Dein Betonungsvorschlag in allen Ehren. Er zerstört meine Überzeugung, eigentlich ein Gedicht in Anapästen geschrieben zu haben. Ich nehme mal die Strophe:
 
Das gewaltige All und die Sterne gerieten,
wie der Donner und Blitz zu begreifbaren Bildern;
und die Klügsten von euch, die Schamanen und Priester,
die gesalbten Beherrscher mit Szepter und Krone
auf den Thronen, erkannten beizeiten den Vorteil,
den der Glaube an mich, euren Gott, ihnen schenkte.
 
xxXxxXxxXxxXx
xxXxxXxxXxxXx
xxXxxXxxXxxXx
xxXxxXxxXxxXx
xxXxxXxxXxxXx
xxXxxXxxXxxXx
 
Der in meinen Ohren vorwärtstreibende Versfuß wird selten gebraucht. Aber lies es doch mallaut mit der von mir angedachten Betonung.
 
Liebe Grüße,
Hayk
 
  • Hayk
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